Robin Alexander bei Miosga: Brantner ist wie Troubadix. Will keiner mehr hören.

Grünen-Chefin Franziska Brantner wollte bei Miosga eigentlich nur frohlocken und jubilieren. Über den Sieg in Baden-Württemberg. Doch stattdessen musste sie die Schmutzkampagne ihrer Partei gegen den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel verteidigen. Das tat sie in einer üblen Schleimspur aus Formeln, Phrasen und Parolen. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Caren Miosga

Die Sendung beginnt mit einem Eklat, der für Caren Miosga vermutlich noch Konsequenzen haben wird. Denn sie bezeichnet Daniel Günther, einen hageren Mann aus Kiel, als Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein. Das gibt sicher eine Gegendarstellung. Schließlich weiß seit Markus Lanz jeder, dass dieser Herr Günther stets als einfacher Bürger in Talkshows sitzt. Zum Beispiel, wenn er die Zensur unliebsamer Medien oder gar das Verbot von Presseorganen fordert.

Heute ist Bürger Günther eher kleinlaut. Seine CDU hat in Baden-Württemberg knapp gegen die Grünen verloren, obwohl es bis kurz vor Schluss gar nicht danach aussah. Spitzenkandidat Manuel Hagel erwies sich nach diversen medialen Fehltritten als eine Art Hagelschaden für die Union. Günther kann und will das nicht kleinreden, wie er sagt. Muss er ja auch gar nicht, als Privatmann, aber egal. Herr Günther mahnt die CDU, deren Mitglied er offenbar ist, jetzt endlich mal mit den versprochenen Reformen zu beginnen – egal, ob irgendwo Wahlen sind oder nicht. Die Menschen hätten das Vertrauen in die „demokratischen Parteien“ verloren, dabei gebe es jetzt doch sogar „gesunkene Energiepreise“. Das sagt er wirklich. Naja, einfacher Bürger eben. Keine Ahnung, was er beruflich macht und welchen Bildungsstand er hat. „Long Tagesschau“ hat er ziemlich sicher.

Podcaster Robin Alexander diagnostiziert „spektakuläre Fehler“ im Wahlkampf der CDU. Man sei einfach zu siegessicher gewesen und habe anstehende Reformen totgeschwiegen. Deshalb habe mit Özdemir ein Grüner gewonnen, der irgendwie gar kein Grüner sei. „Nicht, weil er zu dieser Partei gehört, sondern, obwohl er zu dieser Partei gehört“, sagt Alexander. Özdemir sei „auf Abstand zum Programm seiner Partei“ gegangen.

Das sieht Franziska Brantner berufsbedingt ganz anders. Konkreten Fragen weicht sie aus. Andauernd. Ausdauernd. Sie windet sich, schönt die Dinge, lamentiert, eiert herum, fischt eine Phrase nach der anderen aus ihrem Textbausteinkasten. Und der ist riesig. „Wir wollen Mut, wir wollen Zuversicht“, sagt sie, und Özdemirs Sieg sei ja „ein tolles Zeichen an die Republik.“ Özdemir stehe uneingeschränkt für „grüne DNA“, aber jedes Bundesland habe eben eigene Schwerpunkte: „Da ist Berlin manchmal sehr weit weg.“

Zum Beweis des Gegenteils lässt Miosga einen Film einspielen, in dem Özdemir seine Landes-Grünen als „kleine Schwesterpartei“ präsentiert, analog zu CSU und CDU. Man sei „so ein bisschen das gallische Dorf“, flötet Özdemir. „Hier steht nicht die Bundespartei zur Wahl, hier stehen die Grünen Baden-Württembergs zur Wahl“.

Ein geschickter Schachzug sei das gewesen, findet Alexander, und ein „sehr kluges Wording“. Denn damit habe sich Özdemir erfolgreich von seiner Partei distanziert. Er erscheine dem Wähler etwas weniger links, etwas volkstümlicher und auch etwas erfolgreicher. Alexander jubiliert: „Das war ein Geniestreich!“

Parteichefin Brantner kommt bei Alexander hingegen nicht ganz so gut weg. Er greift das Bild vom gallischen Dorf nochmal auf: „Frau Brantner wäre der Troubadix hier in Berlin, den die anderen am liebsten an den Baum fesseln wollen. Weil, was Frau Brantner sagt, können die meisten Grünen nicht mehr hören.“

Auch der Herr Günther von der Waterkant will Frau Brantner noch ganz privat einen mitgeben: Der Vorsitzende der Grünen Jugend habe Özdemir direkt nach der Schließung der Wahllokale „in einer Art und Weise öffentlich kritisiert, wie ich das noch niemals erlebt habe“, sagt Bürger Günther. Özdemir ist ihm sowieso suspekt, weil er zum verstoßenen Ex-Grünen und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer publikumswirksam die Nähe gesucht hatte. Günther droht: „Wir werden uns sehr genau angucken, ob Boris Palmer jetzt wirklich persona non grata ist.“ Oha, das will etwas heißen. Denn mit Ausschließen, Diffamieren und Canceln, damit kennt er sich schließlich aus, der Herr Günther aus Kiel. Seine Historie als Corona-Hardliner und Impfpflicht-Ikone legt dafür eindrucksvoll Zeugnis ab.

Zu Palmer will Brantner nichts sagen, denn mit ihm war sie einmal liiert und hat eine gemeinsame Tochter. Die von den Grünen initiierte Kampagne gegen den CDU-Spitzenkandidaten Hagel aber redet Brantner nach Kräften klein. Das gelingt ihr nur mittelgut, sie ist halt auch recht zierlich. Alexander konstatiert ihr und der gesamten links-woken Szene eine allgemeine „Kultur der Erbarmungslosigkeit“, die nichts verzeihe und jeden kleinen Fehler unerbittlich zum finalen Killerkriterium hochjazze.

Hagel habe gar keine Chance gehabt, obwohl er sogar einsichtig gewesen sei: „Er gesteht das sofort zu. Der laviert ja nicht.“ Alexander erinnert überdies an die „Lifestyle-Teilzeit-Debatte“ der CDU. Auch die sei „von den Grünen maximal hochgezogen“ und absichtlich falsch verstanden worden, um beim Wähler schlechte Stimmung zu machen. Die grüne Partei habe immer nur ein Ziel: zu suchen, was „maximal verhetzbar“ ist.

Brantner gibt sich stiernackig. Das seien doch alles keine Kampagnen gewesen, und überhaupt: „Mit 60 Prozent eine Regierung wiedergewählt, ist doch fantastisch. Das sind doch erstmal gute News für unser Land.“

In diesem Duktus macht sie weiter, bis dem Zuschauer grüner, zäher Schleim aus den Ohren quillt: „Cem Özdemir ist doch eigentlich fantastisch. Ein anatolischer Schwabe, der Ministerpräsident eines Landes wird, das sind doch großartige News für unser Land! Es gibt kaum einen, der mehr schwäbelt als Cem.“

Bleibt abzuwarten, was das Schwäbel-Schwafeln bei den nächsten Wahlen bringt: Rheinland-Pfalz ist am 22. März dran, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern folgen im September.

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Kommentare ( 60 )

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60 Comments
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Riffelblech
8 Stunden her

Genau !
Das ist Grünenes Niveau „ Es gibt niemanden mehr der besser schwäbelt als Cem „
Das einem da vor Dusseligkeit und Plattheit nicht die Ohren abfallen ist schon ein Wunder .
Und überhaupt : Wann und wieso sind eigentlich immer die gleichen Sprachmonster bei den Miosgas ua. eingeladen ?
Immer die Gleichen Flitzpiepen ,immer die gleichen Phrasen und der gleiche Sermon .
Dieses Volk ,und da gibt es ganz gewiss sehr schlaue Menschen ,kommt beim ÖR Phantasiefunk nicht vor .
Schlicht zum Vergessen !

Baldur Jahn
9 Stunden her

Sah man Frau Miosga, Herrn Robin Alexander, MP Günther aus SH und die Chefin der Grünen gestern im ARD -TV hatte man Kritik und Selbstkritik des herrschenden ideologischen Systems vor dem Angesicht. Sie meinten ein System zu vertreten, das noch alle Tassen im Schrank hat (Robin Alexander) und Mitte sei (auch Robin Alexander). Wie sollten diese Wettbewerber CDU und Grüne miteinander umgehen. Mehr gab’s nicht zur bawu-wahl und zur deutschen Lage insgesamt nicht zu diskutieren. Haben diese Damen und Herren tatsächlich alle Lagen im Schrank oder nur den letzten westdeutschen Zeitgeist im Kopf, der meint sie seien die Realität und… Mehr

November Man
9 Stunden her

„Die Menschen hätten das Vertrauen in die „demokratischen Parteien“ verloren, dabei gebe es jetzt doch sogar „gesunkene Energiepreise“. Das sagt er wirklich.“
Nun, Günther hat den Vorteil, dass er weder als Bürger noch als Ministerpräsident tanken gehen muss. Da der Mann keine Ahnung von Politik hat, von Bürgernähe und der Preistreiberei durch das Kartell so wie so nicht, sollte er uns alle von seinem weiteren Anblick verschonen und zurücktreten.
Dito die hyperventilierende Grüne Brandtner.

RUEDI
9 Stunden her

Da saß er wieder: Günther. Als welcher war er dabei und wenn ja, und wieviele ? Bei Lanz, da wurde er als Ministerpräsident (s. 7.1. Mediathek ) noch in der Runde vorgestellt – wenig später soll es nur noch ein Herr Günther gewesen sein, nachdem er in Kritik kam, mit dem was er von Meinungsfreiheit hält. Dazu von einem „unabhängigen“ Gericht beglaubigt- wer s glaubt. Und dann echauffieren sie sich alle gegen „Schmutzchampagnen“, auch er. Mit welcher Chuzpe sind sie über die AFD hergefallen, die Schmutz-Demokraten Mit Trommelfeuer der Presse-Karawane. Aiwanger konnte ein Lied davon singen und hat es in… Mehr

weihnachtsmann_frau_lein
12 Stunden her

Bei drei der vier oben im bild gezeigten hätte ich jeweils den ton abgedreht, falls ich mir die sendung in einem anfall von SM / geistiger umnachtung angetan hätte …

luxpower
13 Stunden her

wäre ich Robin Alexander, so wäre meine erste Frage gewesen, in welcher Funktion (Privatier oder Ministerpräsident) er heute auftritt, und ob das für die gesamte Sendung gilt. Und wenn nicht, dann uns aufklären, wann und weshalb er diese gewechselt hat. Aber da R. A. teil des politischen Systems ist, wird er diese Frage nie strellen.

RUEDI
9 Stunden her
Antworten an  luxpower

R. Alexander segelt doch auch nur als Opportunist im Hauptstrom. Die wichtigen Fragen stellt der doch nicht. Im Kampf gegen Rechts, vulgo AFD, ist er gleich nach Amman ganz oben auf der Welle und erfüllt damit den Kampfauftrag der Nationalen Front zur Erhaltung des Antifaschistischen Schutzwalls. Spiegelfechterei mit Doppel-Wumms.

MartinKienzle
13 Stunden her

Stets die identischen Figuren, stets die identischen Phrasen: Das Besatzerkonstrukt BRD (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25) ermüdet zunehmend die Deutschen, sodass vor jenem Hintergrund die Zeit überreif bezüglich seiner Auflösung ist!

Klaus D
13 Stunden her

CDU….diese hat doch gewonnen (wähler) obwohl man nicht sieger geworden ist. Das ist das interessante finde ich denn wie kann es sein das eine partei die so schlechte politik mitgemacht hat (in BW) von mehr bürgern gewählt wird – mehr als voher / zugewinn. Allen CDU wählern war doch klar das es dann auch weiter geht wie gehabt nur mit schwarz-grün und nicht grün-schwarz. Warum wählen so viele konservative immer noch die CDU?

Weltenwandler
13 Stunden her

Wer seinen Machiavelli gelesen hat weiß: es muß alles bis zum Ende laufen, und die alten Kader bei der Bevölkerung in Ungnade gefallen sein. Anders erklärt, der Wald muß bis zum Boden niederbrennen, bevor neue, gesunde Pflänzchen an die Oberfläche kommen können. Ich bin zufrieden mit der BW-Wahl und dem Gewinner aus der ….Influenzer-Riege. Ich nenne das Umfeld so, weil Influenzer auch flachen Inhalt vertreiben. Ernsthafte Politiker sollten sich in Geduld üben bis ihre Zeit gekommen ist.

Rainer Schweitzer
13 Stunden her

Hurra, BW ist weiterhin bunt und divers und ganz arg „achtsam“ gegen Klima und so.
Was ist die Lehre aus der BW-Wahl für politische Parteien in Regierungsverantwortung, wenn sie wiedergewählt werden wollen? Sie müssen ein Land nur schnell und weit genug herunterwirtschaften und gleichzeitig hinreichend verfilzen. Die Bürger sind dankbar dafür und wählen sie wieder in die Regierung. So geschehen, z.B. bei der letzten Landtagswahl in RP und jetzt wieder in BW.
Land der Irrlichter und Blender.
Land der Indolenten und Schwafler.
Gefühl ist alles, objektive Fakten sind Schall und Rauch.