Maischberger, 500ste – Besserwisser und Irrende

Wenn es nur noch um die Verkündung der einen, heiliggesprochenen Wahrheit geht, empfiehlt sich der Formatwechsel von der nur noch so genannten Talkrunde, was ja wohl Gesprächsrunde heißen soll, zur Kanzelpredigt. Allerdings nicht nur bei Maischberger.

Screenshot ARD

Lea Rosh lässt mit sich nicht diskutieren, was sie sagt, stimmt, basta. Aber sie repräsentiert eindrucksvoll und lehrreich jene Mitglieder anderer Parteien als der CDU, die sich bedingungsloser hinter Merkels Einwanderungspolitik stellen als diese selbst und ein schrumpfender Teil der eigenen Partei. (Von der Kanzlerin gibt es trotz der neuesten Einlassung unzählige Signale, mit denen sie sich von ihrer Linie der unbegrenzten Migranten-Aufnahme Stück für Stück verabschiedet hat.)

Bei Toni Hofreiter mildert der bayrische Ton seine Ausgrenzung aus der deutschen Bevölkerung jener Zeitgenossen mit seiner Meinung nach falschem Verhalten und falschen politischen Ansichten.

Beatrix von Storch trat zu Maischbergers 500. Sendung geradezu als Ausbund von Sachlichkeit auf. Wechselt die AfD den Ton? Ihre Gegner in der Runde konnten diese Storch jedenfalls nicht wechseln.

Gergely Pröhle (einst Direktor der Friedrich-Naumann-Stiftung in Ungarn), der als gewesener Staatssekretär in Viktor Orbans Regierung für dessen Politik den Prügelknaben der Runde abgeben sollte, erwies sich für diese Rolle als der Falsche.

Jean Asselborn muss man einladen, wenn sich keinerlei Gespräch entwickeln soll. Er unterbricht jeden schon dann, wenn der andere etwas zu sagen beginnt, was sich als nicht Asselborn-konform weiterentwickeln könnte.

Sandra Maischberger sorgt dafür, das die aussprechen können, wenn sie unterbrochen werden, die zum richtigen Teil in der Runde gehören. Hofreiter schützt sie vor Pröhle, Pröhle vor Asselborn nicht.

Maischbergers 500ste ist repräsentativ für den Zustand deutschen Talk-TVs (so auch die letzte Runde bei Anne Will). Es empfiehlt sich der Formatwechsel von nur noch so genannten Gesprächsrunden zur Kanzelpredigt. Das wäre auch viel kostengünstiger und würde keinen Zuschauer mehr mit falschen Erwartungen in Runden locken, wo eines mit Sicherheit nicht stattfindet: das Gespräch.

Von der Kanzel wird bekanntlich nicht für Ungläubige gepredigt, sondern für Gläubige. Solcher TV-Talk erreicht nur jene, die ohnehin regierungsgläubig sind. Die Ungläubigen bleiben draußen vor der Kirche oder gründen eine neue.

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