Linkskatholischer Chor gegen die „Tagespost“

Der christliche Sozialethiker Wolfgang Ockenfels empfiehlt Kardinal Marx und anderen statt parteipolitischer Wahlkampfparolen den Einsatz für die Geltung christlicher Sozialprinzipien.

imago images / Rüdiger Wölk
Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Prof. Dr. Thomas Sternberg Vorsitzender der Katholikentagsleitung, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, forderte von seiner Kirche eine klare Haltung gegen Rechtsnationalismus. „Unsere Wertschätzung von Tradition und Heimat droht durch rechtsnationale Akteure missbraucht zu werden“, schrieb Marx soeben in einem Brief. An wen? An den Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hartmut Ziebs. Ziebs hatte kürzlich seinen Rücktritt angekündigt, nachdem ihm die Mehrheit seines Verbandspräsidiums das Vertrauen entzogen hatte. Ziebs’ Gegnern hatte dessen Kritik an angeblich „rechten Tendenzen“ unter den rund 1,3 Millionen Verbandsmitgliedern nicht gefallen. Wörtlich schrieb nun Marx: „Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz möchte ich Ihnen für Ihre offenen und deutlichen Worte von Herzen danken. Mancherorts stehen Feuerwehrverbände und Kirchengemeinden vor einer ähnlichen Herausforderung“, betonte Kardinal Marx.

Der Brief liegt übrigens ausgerechnet dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vor. Das ist die Madsack Mediengruppe, deren größte Kommanditistin die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft ist, also das Medienbeteiligungsunternehmen der SPD. Das RND versorgt nach eigenen Angaben mehr als 50 Tageszeitungen.

Warum Marx ausgerechnet an Ziebs schrieb und das RND nutzte? Brauchte Marx irgendeinen Anlass oder eine linke Plattform, um sich politisch korrekt zu inszenieren? Wie auch immer: Es wurde eine konzertierte Aktion daraus. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, schob im RND (!) nach: Er warnte vor rechtsnationalen Einflüssen auf Gemeinden und Kirchenvorstände. Wörtlich: „Es gibt in der katholischen Kirche rechte Stimmen. Und es gibt katholische Geistliche, die sich positiv über die AfD äußern. Wir als große demokratische Mehrheit können uns nicht scharf genug dagegen abgrenzen“, sagte Sternberg dem „RND“. „Nationalismus und Katholizismus schließen sich aus.“ ZdK-Präsident Sternberg kritisierte „einige scharf agierende kirchliche Medien“ – namentlich die Internet-Plattform „kath.net“ sowie die in Würzburg wöchentlich erscheinende „Die Tagespost – Katholische Wochenzeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur“. Zudem distanzierte sich Sternberg von dem katholischen Dominikaner-Pater Wolfgang Ockenfels. Dieser hatte 2016 den Abgrenzungskurs katholischer Bischöfe und anderer Kirchenvertreter von der AfD als „unbedachte Nachrede“ und „nicht rational nachvollziehbaren Widerwillen, sich einmal seriös mit dem Programm der AfD auseinanderzusetzen“ kritisiert.

Der Chefredakteur der „Tagespost“, Oliver Maksan, hat deutlich darauf reagiert. Maksan warnte vor Versuchen, kritische Berichterstattung „mundtot“ zu machen. Er verwies darauf, dass nicht nur Sternberg selbst aus der Politik komme, sondern viele weitere politische Funktionäre und Mandatsträger Mitglied des ZdK seien. Dieser Umstand lasse es „wenigstens unklar erscheinen“, wo katholischer Gestaltungsauftrag aufhöre und „parteipolitische Instrumentalisierung des Gremiums anfängt“. Auf die Frage, ob sich die „Tagespost“ nach den Vorwürfen von Sternberg deutlicher von der AfD distanzieren müsse, sagte Oliver Maksan: „Wir müssen uns von nichts distanzieren, weil wir vorher nie Partei ergriffen haben. Bei uns kommen Politiker aller Couleur zu Wort.“ Sogar Gregor Gysi habe sich schon geäußert. „Wir wollen Debatte und Meinungsvielfalt in vorletzten Fragen, wo Katholiken unterschiedlicher Meinung sein können.“ Graue Funktionärslangeweile gebe es im deutschen Katholizismus schon genug. „Und wenn ein praktizierender Katholik für die AfD antritt, dann enthalten wir so etwas unseren Lesern nicht vor. Wir sind keine Gouvernanten. Differenziertes Berichten ist aber eben nicht Parteinahme.“ Anders als das ZdK erhebe die „Tagespost“ keinen Anspruch darauf, Deutschlands Katholiken zu vertreten, so Maksan. Daher schreibe die „Tagespost“ niemandem vor, wen man zu wählen habe. „Unwählbar“ sei eine Partei dann, wenn Menschen von einer Partei pauschal ausgegrenzt oder in ihrer Würde verletzt werden. „Das betrifft geborene Menschen, aber auch ungeborene“, so der Chefredakteur.


Bild: Die Tagespost

Reizobjekt für Marx und Sternberg scheint vor allem der Dominikanerpater und vormalige Trierer Professor für christliche Sozialethik Wolfgang Ockenfels zu sein. Nach seiner Emeritierung als Professor gilt sein Engagement als Nachfolger von Heinrich Basilius Streithofen (einem Kohl-Intimus) dem von ihm geleiteten Institut für Gesellschaftswissenschaften „Walberberg“, wo Ockenfels auch die Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ herausgibt. Diese Zeitschrift war von einer Gruppe von „Katholischen Sozialethikern“ im März 2019 an den Pranger gestellt worden. Man hatte Universitätsbibliotheken aufgefordert, sie aus dem Sortiment zu nehmen. TE hat darüber berichtet.

Renommierter Theologe am Pranger
Katholische „Sozialethiker“ entdecken die Inquisition neu
Hintergrund dafür wiederum ist wohl die Mitgliedschaft von Ockenfels im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung zusammen mit der Frankfurter Ex-CDU-MdB Erika Steinbach als Vorsitzender. Diese Mitgliedschaft hatte Sternberg, ganz Merkelianer, auf Twitter „skandalös“ genannt. Ockenfels wiederum, selbst lange Jahre Berater der CDU (siehe auch sein Buch „Das hohe C – Wohin steuert die CDU?“ aus dem Jahr 2009), hatte in der „Tagespost“ über ZdK-Präsident Sternberg gesagt, dieser sei „keine kirchliche Autorität, sondern ein Parteiinteressenvertreter, der die Merkel-Politik absegnet“. Sternberg sei „von Kopf bis Fuß auf Angela Merkel eingestellt“. Begriffe wie „Volk“ und „Nation“ seien nach wie vor sozialethisch relevant, entsprechend empfahl Ockenfels: „Statt parteipolitische Wahlkampfparolen von sich zu geben, sollte er sich – wie auch Kardinal Reinhard Marx – besser für die Geltung christlicher Sozialprinzipien einsetzen.“ Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und vormals Sozialethiker, hatte Mitte 2018 in einem Interview mit der „Zeit“ gesagt: „Nationalist sein und katholisch sein, das geht nicht.“

Sternberg (Jahrgang 1952) ist seit 1974 Mitglied der CDU. Nach kommunalpolitischen Ämtern wurde er bei der NRW-Landtagswahl 2005 im Wahlkreis Münster II als Direktkandidat der CDU in den Landtag gewählt. 2010 gelang ihm der Wiedereinzug. Bei der Wahl 2012 zog Sternberg über die CDU-Landesliste erneut in den Landtag ein. Zur NRW-Landtagswahl 2017 trat er nicht mehr an. Seit 2012 ist Thomas Sternberg Mitglied im Landesvorstand der CDU-Nordrhein-Westfalen. Im WDR-Rundfunkrat sitzt er seit 2010, u. a. als stellvertretender Vorsitzender des Programmausschusses. So schließen sich die Mainstreamkreise.

Unterdessen erfuhr die „Tagespost“ eine Aufwertung von keinem geringeren als vom emeritierten Papst Benedikt XVI. Dieser hat soeben „Die Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ errichtet. Die Stiftung werde „ab sofort“ die katholische Medienarbeit durch Projekte und Investitionen fördern. Die Zeitung zitiert den emeritierten Papst mit den Worten: „Ich wünsche mir, dass die katholische Stimme gehört wird“. Konkret möchte die Stiftung für das kommende Jahr rund 450.000 Euro für Medien- und Bildungsprojekte einsammeln und bereitstellen. Mit diesen Mitteln ermöglicht sie beispielsweise Volontären ein medienübergreifendes, internationales Volontariat, Digitalprojekte an der Schnittstelle von Suchmaschinenoptimierung und Neuevangelisierung sowie Hintergrundberichte und Recherchen zu Lebensschutz und Bioethik.“ Das Geld kommt übrigens aus Spenden und aus Erlösen der zahlreichen Bücher des vormaligen Kardinals Ratzinger und des späteren Papstes Benedikt XVI.

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Kommentare ( 72 )

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72 Kommentare auf "Linkskatholischer Chor gegen die „Tagespost“"

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Das ist es, woran die politische Diskussion in Deutschland krankt.
A L L E Verbände sind parteipolitisch unterwandert.
Deshalb sind auch die Nichtregierungsorganisationen nicht (mehr) in der Lage, gegenzusteuern.

Die Parteipolitik steuert die Gesellschaft. Gegen die Wand.

Gegensteuern von außerhalb der Politik ist nicht (mehr) möglich.

So fährt die Freiheit und die Demokratie vor die Wand.

Diesen Kommentar zur »wöchentlichen Debatte« von Radio Notre Dame über die Katholische Kirche in Deutschland und speziell Kardinal Marx kann ich nur unterschreiben:
https://radionotredame.net/emissions/legranddebat/20-12-2019/#comment-20367

Herzlichen Glückwunsch zu Ihren französisch Kenntnissen. Ich habe sie leider nicht.

Ein richtiger Artikel…..aber irgendwie ist das Ganze einfach langweilig. Die Buerokraten der dt. Kath. Kirche (wie die EKD) sind einfach Politfunktionaere, welche vollstrecken, was die SED (CDU,SPD,Gruenlinge) befehlen. Mit christlichem Leben hat dies schon lange nichts mehr zu tun. Vielleicht versteht man die linken Aktivitaeten des Reinies besser, wenn man weiss, dass dieser Reinhard Marx die REINKARNATION von KARL MARX ist….. der Alte meinte schon damals, dass die Religion das Opium des Volkes sei…! Reini hat diese Lektion aus dem vorherigen Leben beherzt, und setzt zusammen mit dem Strohmann (oder wie heisst der wieder Bedford….?) alles daran, den Menschen die… Mehr

Die Kleriker schleichen immer der Macht hinterher. Die Evangelen hingen Kirchenglocken mit der Swastika auf, das war so um 1933. Und der “Führer” wurde ihr Ersatzheiligen. Nach dem “ Zusammenbruch „ kramte man die wenigen Oppositionellen ( Bonhoeffer etc) hervor und behauptete schon immer dagegen gewesen zu sein. So sind sie, die Opportunisten mit dem Kreuz. Wie es gerade passt, Kreuz oder Hakenkreuz. Hauptsache die Schäfchen tun genug Silberlinge in den Klingelbeutel.

J e s u s, sah Marxx und Bedford-Strohm , drehte sich beim Anblick der beiden um und weinte bitterlich !

„Nationalist sein und katholisch sein, das geht nicht.“

Das ist doch im Fall der AfD (oder der ihr nahestehenden Desiderius-Erasmus-Stiftung) sehr einfach. Die ist nicht nationalistisch, sondern patriotisch und wertkonservativ. Wo also ist das Problem?
Ach so. Die wissen das nicht. Die haben wieder alle das AfD-Grundsatzprogramm nicht gelesen. Im vorauseilenden Gehorsam wird (wieder) nur das Aufgeschnappte nachgeplappert (ohne mal selbst zu lesen) in der Hoffnung, diesmal auf der richtigen Seite zu stehen.

Vor diem Hintergrund des Einsatzes des Herrn Marx sollte bedacht werden, was denn die ideologische und sehr wohl auch finanzielle „Geschäftsgrundlage“ seiner Organisation ist: Erbschuld. Und diese wird zur Zeit auch in der zunehmend mehr religiös massiv durchdrungenen Politik wieder in einem Umfang strapaziert, dass einem Hören und Sehen vergeht. Ob Kolonialgeschichte, III. Reich, das Thema „Hässlicher alter Mann incl. Gender“, Rassismus in jeglicher vorstellbarer Form oder neuerdings das Klima. Und in einigen der obigen Feldern ist die Organisation des Herrn Marx dank massiver staatlicher Unterstützung überaus rege unterwegs. Und wenn man sich die Zahlen über die Vermögen seiner Organisation… Mehr

Dieser Sternberg und auch Marx betreiben mit solchen Äußerungen die Spaltung der katholischen Kirche in Deutschland. Sie sollten sich mal überlegen, wieviele der Kirchenaustritte in den letzten Jahren aufgrund des linksgrünen Kurses erfolgt sind, das dürfte eine ganze Menge sein. Speziell die Kirche in NRW ist davon stark betroffen. Man trauert den Zeiten nach, als ein Kardinal Meisner Erzbischof von Köln war oder Erzbischof Dyba das Bistum Fulda leitete.

Gott sei Dank, habe ich diesen unseligen Verein bereits 1972 verlassen.
Abgesehen davon, das mich die dumpfen Gesichter der führenden Vertreter
dieser Sekte, Marx und Bedford regelrecht anwidern, ist es auch so unfassbar, daß im 21. Jahrhundert sich ein Verein halten kann, der auf einer bewußt falschen Darstellung von geschichtlichen Ereignissen gegründet wurde, diese weiterhin konsequent vertritt und der Wissenschaft verbietet, die inzwischen zahlreich ermittelten Tatsachen zum Leben Jesus zu veröffentlichen, weil damit „der wahre Glaube“ in Gefahr wäre. Mittelalter, sage ich nur.

Welche Tatsachen zum Leben Jesu meinen Sie denn? Die Quellenlage ist nach wie vor dürftig. Belegt ist, dass Pilatus um 30 Präfekt von Judaea war. Davon auszugehen ist auch, dass während dieser Zeit Menschen hingerichtet wurden. Vermutlich viele. Die zeitnahen schriftlichen Quellen, in denen Christus erwähnt wird, stammen von Josephus und Tacitus, wobei die unbelegte, aber theoretische Möglichkeit besteht, dass ersterer noch Kontakt zu Augenzeugen gehabt hat. Alles weitere sind zeitlich weit entfernte Sekundärquellen, deren Inhalt teilweise erst Jahrhunderte später zu Papier gebracht wurde. Und die bahnbrechenden Erkenntnisse der neueren Forschung sind ausschließlich mal mehr oder weniger gut verkaufte Thesen,… Mehr
Ich denke, hier ist die Weihnachtsgeschichte in den Versionen von Lucas und Matthäus gemeint. Während historisch begelgt ist, dass um diese Zeit um Christi Geburt tatsächlich eine von Kaiser augustus initiierte Volkszählung stattgefunden hat, was für die Version des Lucas spricht (Maria, Joseph und Jesus waren keine Flüchtlinge, sondern kehrten an den Ort ihrer Geburt zurück, was wir uns für unsere Migranten ebenso wünschen würden), gibt es keinerlei Belege für einen Kindermassenmord unter Herodes (Version Matthäus), der als Beleg für den Flüchlingsstatus der Heiligen Familie genommen wird. Letzteres wurde damals, wie auch heute wieder, als Opfergeschichte stilisiert, um über Mitleid… Mehr
Ja, Kard. Marx ist nach meinem Gefühl mit Skepsis zu betrachten. Auf dem Tempelberg in Jerusalem hat er -auf Bitten der islam. Autoritäten dort, das Kreuz (Symbol des christlichen Glaubens!!) versteckt, ebenso tat es sein ev. Kollege Bedford-Strohm! Er möchte NICHT vom „Christlichen Abendland“ sprechen – weil das nicht politisch-korrekt ist u. zu Konflikten mit den muslim. Massenzuwanderern führen kann! Am meisten erstaunt hat mich, dass er sich von Papst Benedikt, dem er seine Ernennung zum Erzbischof von München verdankt, indirekt distanziert hat (dies war an einer kl. Bemerkung sichtbar) – er ist in meinen Augen ein Opportunist, der sich… Mehr

„auf Bitten der islam. Autoritäten“ ? Ach wo, das haben die Herren Marx und Bedford-Strohm aus eigenem Antrieb gemacht und hinterher frech gelogen, das sei ihnen von den israelischen Behörden so angeraten worden. Auf Nachfragen von israelischer Seite, welche Stelle ihnen das geraten habe, konnten sie keine benennen. Erbärmlich!

Sehet her, es ist ein Wunder geschehn – die Kirche ist flüssiger als Wasser!

Überflüssig!!!