Bei Illner: Was hilft gegen den „irren“ Trump? Klar, Kernwaffen!

Er sei irre, größenwahnsinnig, ein Narziss. In der Beurteilung des US-Präsidenten ist sich die Runde bei Maybrit Illner einig. Nicht so sehr darüber, wie man damit umgehen sollte. Vielleicht könnte es eine europäische Atombombe richten. Von Brunhilde Plog

Screeprint: ZDF / Maybrit Illner

Wenn Kleingeist und Hybris aus deutschen Talkshows schwappen, muss sich ein Donald Trump aber mal warm anziehen. „Trumps Größenwahn – Wer hält dagegen?“, schon der Titel zeigt, auf welch hohes Ross Maybrit Illner ihre Plauderrunde zu setzen versucht. Der Verlauf der Sendung hingegen beweist, dass man auch von einem Shetland-Pony böse herunterstürzen kann.

Ratlos sitzen sie da, Politologen, Politiker und Moderatoren. Sie sind bärenstark in ihrer Meinung, jedoch schwibbeldischwach in der Analyse. So hilflos die Beurteilung, so klar die Verurteilung.

Weltmacht und Krümelkram
Grönland als Spielball der Weltpolitik – doch nur die Europäer vergaßen darüber ihre Interessen
Das eint die Plauderrunde mit den Ländern Europas, die in den Augen zahlreicher Kritiker eher amateurhaft auf die Trump-Attacke gegen Grönland reagierten. Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, kritisiert die Entsendung von Truppen bzw. Trüppchen bzw. uniformierten Reisegrüppchen. Läppische 15 Soldaten nach Grönland zu schicken und auch noch am nächsten Tag gleich wieder zurückzubeordern – „ich glaub’, das war keine besonders gute Idee“, sagt Laschet. Das nimmt man ihm sofort ab. Denn mit Dingen, die keine gute Idee sind, kennt sich der Lacher aus dem Ahrtal ja ziemlich gut aus.

Dass Trump nun nicht mehr militärisch vorgehen will, um Grönland für die USA zu erobern, hat für Stormy-Annika Mildner (Aspen Institute Deutschland) drei Gründe: den wunderbaren Zusammenhalt der Europäer, die Börsenkurse, die nach der Ankündigung sofort absackten, und den fehlenden Rückhalt zuhause. Viele in den USA seien eben nicht auf Trumps Seite.

Ex-Moderator Claus Kleber ist sich bei Grönland allerdings „nicht sicher, ob das Thema wirklich hinter uns liegt“. Ende des vergangenen Jahrhunderts war Kleber ZDF-Korrespondent in Washington, jetzt analysiert er, gewissermaßen als Aktivrentner, die Welt aus dem plüschigen ZDF-Pensionistensessel heraus. Wie der Bundeskanzler reagierte, hat in beeindruckt. Dessen Vortrag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sei sogar „die beste Merz-Rede, die ich bisher gehört habe“. Es sei „ein Appell an die Ernsthaftigkeit“ gewesen. Kleber kann kaum an sich halten: „Das war schon eine beachtenswerte Rede.“

Zwei Männer haben an diesem Abend klare Forderungen: Laschet und der Politologe Herfried Münkler. Und beide sehen Europa in der Pflicht.

Lehrstunde beim WEF in Davos
Erneut Hysterie in Europa und ein Erfolg für Trump
Laschet, ganz fatalistisch: „Wir müssen in Europa handlungsfähiger werden, und wir haben in dieser Woche wieder einmal belegt, wie unfähig wir dazu sind.“ Aus Brüssel würden immer nur „Sprüche“ kommen. Dabei könne man ja nicht einmal ein Mercosur-Abkommen verabschieden. Jetzt gelte es, eine Strategie gegen Trump zu entwickeln: „Wie redet man, wie attackiert man, und welche Dinge hat man in der Hand, mit denen man punkten kann“ – das seien doch die Fragen. Dazu müsse man aber zunächst einmal die Wirtschaft stärken, etwa die chemische Industrie und den Automobilbau. Interessant, damit spricht Laschet genau jene Branchen an, die seine CDU gerade professionell in den Abgrund regiert.

Eine „Handelsbazooka“ könne aber auch uns selbst schaden, wirft Stormy ein. Wir nennen sie nur noch Stormy, der Name ist einfach zu schön, und er passt so herrlich zur Sendung. Doch ihren Einwand lässt Münkler nicht gelten. So dürfe man einfach nicht denken, denn „dann hat man schon verloren“. Man müsse Trump jetzt Kontra geben, und nicht an die Folgen denken. Gegenbeispiele, etwa die negativen Auswirkungen der deutschen Russland-Sanktionen auf die deutsche Wirtschaft, sind an Münkler offensichtlich vorbeigegangen.

Trump habe „Europa als gegenüberliegende Küste“ offenbar aufgegeben, sagt Münkler. Deshalb brauche Trump die Kontrolle über Inseln, und die seien „relativ kostengünstig beherrschbar“. Bei der Umsetzung aber habe der US-Präsident Fehler gemacht und gezeigt, dass er „in seiner sehr narzisstischen Performanz das so nicht hinkriegt und dann so’n bisschen wild agiert“.

Ähnlich derb beschreibt auch Sarah Pagung (Körber-Stiftung) den US-Präsidenten. Dessen Idee eines Friedensrats, wie jetzt in Davos inauguriert, sei „eine Perversion des internationalen Systems“ und „ebend ein Instrument für die amerikanische Machtprojektion“. Pagung sagt tatsächlich „ebend“. Trump versuche, „sich selbst darzustellen als eine Art König oder Herrscher über die Welt“. Stormy ergänzt: Amerika handele „nicht regelbasiert, sondern machtbasiert“.

Machiavelli ist tot, lang lebe die Freiheit
Trump und Milei zerlegten die Agenda des WEF nach Strich und Faden
Auch Aktivrentner Kleber ist noch mit seinen Analysen beschäftigt. „Die Debatten hier kommen mir irgendwie so erbärmlich vor“, sagt er, und kurz schreckt der Zuschauer auf. Spricht er etwa über die Sendung? Aber nein, er meint den Umgang mit der Ukraine, mit Selenskyj, der gerade wieder in Davos so hilflos gewirkt habe, weil es für sein Land einfach zu wenig Unterstützung gebe. Bei Trump hingegen sei es „eindeutig so, dass er verliebt ist in den Gedanken, Amerika zu vergrößern. Im Sinne von Grundstücksgröße.“ Das treibe ihn um. „Da ist schon auch ein bisschen Irrsinn dabei“, diagnostiziert Aktivpsychologe Kleber. „Und vielleicht Größenwahn, ergänzt Illner. Schön, wie sich die Runde die Bälle zuspielt. Und Kleber empfiehlt ohne jegliche Ironie, bei Trump einmal „psychotherapeutisch ranzugehen“.

Münkler setzt noch einen drauf: Wie vor nur zehn Tagen bei Markus Lanz, fordert er auch jetzt wieder die ganz harte Knute gegen Trump: einen „europäischen Generalstab“ für das Militär und eine „nukleare Abschreckungskomponente“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wieso eigentlich wird der Zuschauer in so kurzen Zeitabständen mit derart kompromisslosen Aggressions-Szenarien bombardiert?

Laschet kann sich mit der Idee nicht anfreunden. Um eine Stellungnahme gebeten, verstummt er zunächst sekundenlang, um dann einigermaßen holprig zu widersprechen. Und auch Kleber ist anderer Meinung. Doch Münkler bleibt bei seinem Ruf nach der Atombombe, denn „dann laufen viele Dinge quasi von selber“.

Damit könnte er am Ende sogar Recht haben.

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Kommentare ( 97 )

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97 Comments
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Dellson
1 Monat her

Wer von diesen anwesenden Studiomenschen hat jemals im Schweisse seines Angesichts seinen Lebensunterhalt verdient, um damit nun befähigt anderen Menschen ihre Logik als die einzig Erstrebungswerte aus eigener Erfahrung zu bezeichnen? Die Augenhöhe der Lebenswelt der Mehrheitsgesellschaft senkt bereits um den Sendebeginn seine Lider, um die geforderte Mehrarbeit unseres Chancellors am nächsten Werktag nach Plan zu erfüllen! Sorry, die intellektuelle Tiefe der Blattableser mit Mikro im Ohr korrespondiert leider nicht mehr mit der Kollekte der ÖRR zur Heiligsprechung. Herr im Himmel,vergebe uns! Das für Milliarden errichteten Skigebiet Ressort GORO in der Ukraine platzt aus allen Nähten! Die UA Society feiert dort… Mehr

Kassandra
1 Monat her

Bei den UN finden Sie solche wie Guterres (bemühen Sie wiki!), von dem Fico berichtet, nachdem der telefonisch versuchte, eine Abstimmung der Slowaken hinsichtlich UN-Pandemiepolitik zu beeinflussen: PHONE CALL WITH THE LEADERSHIP OF THE WORLD HEALTH ORGANIZATION A few minutes ago, I received a phone call from the Director-General of the WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, who asked me for the Government of the Slovak Republic to change its position and not request a vote on the Pandemic agreement, which is scheduled to take place later this evening. I reiterated that the Slovak delegation is bound by the instruction of the… Mehr

CasusKnaxus
1 Monat her

Besser als die Quasselbude mit Trampolintänzerin Annalena als große kleine Vorsitzende

Raul Gutmann
1 Monat her

Nach vier Fünftel der Rezension erhob sich die dankbare Gewißheit, diese Sendung nicht gesehen zu haben.
»Einst machten Intelligente Fernsehen für Intelligente, dann Intelligente für Dumme, nunmehr Dumme für Dumme.« – Johannes Gross

Helfen.heilen.80
1 Monat her

Herr Münkler möge doch einen Blick auf das letzte update der russischen Militärdoktrinen werfen (hier mal ganz frei von russo-philen Affekten), denn dort wird er entdecken, dass eine offizielle Ausrüstung Deutschlands mit Atomwaffen in Russland als Kriegsanlass verstanden werden würde.

GefanzerterAloholiker
1 Monat her

Gerade in diesen Tagen werden im sog mittleren Osten, bis nach Indien Waffendeals abgeschlossen. Da reden wir a) von Lieferfähigkeit, b) von Preisen die unter einem Zehntel dessen liegen, was etwa eine frz Raffael kostet. – Es gibt gar keinen zwingenden Grund für den Käufer, ein westliches Produkt zu erwerben. Denn seine Währung wird von den BRICS akzeptiert und pfleglich behandelt. – Das System BRD Land hat in der Tat die Korruption aus dem Verbrechen raus-definiert. Hier saugen sich massenweise Verbandslobbyisten und Bewegte voll. Diese Kuh, die wird nicht mehr melkbar sein. Da ist nichts mehr. Die Damen und Herren… Mehr

Kassandra
1 Monat her

Tja. Ohne produktiven Bereich ist „der Staat“ ruiniert.

Andreas Stueve
1 Monat her

Da sind sie wieder, die Mundwerker, die Sprechblasenproduzenten, die neuerdings “ Stormy “ heißen. Nackte Gestalten, die mit leerem Kopf und leeren Händen den wirklich Großen Paroli bieten wollen. Ich für meinen Teil werde bald nicht mehr mit dem Auto über die Grenze fahren. Zu groß die Gefahr, verspottet, ausgelacht oder gar verprügelt zu werden. Für diesen Staat und seine Vertreter möchte man vor Scham im Boden versinken.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Andreas Stueve

Schon zu Merkel-Zeiten gab es buttons, die erklärten, dass man mit ihr nichts zu tun hat: https://www.redbubble.com/de/shop?query=merz%20button&iaCode=u-pin-button&ref=search_box

andreas donath
1 Monat her

Tja, und ich halte nicht Trump für irre, sondern jene Figuren, die meinen über ihn zu Gericht sitzen zu dürfen. Diesen unterstelle ich charakterliche Unzulänglichkeit und vor allem eine tiefe Arroganz gegenüber dem eigenen Volk und seinen Belangen. Trump löst seine Wahlversprechen ein. Der von Kleber, der Generation von TV-Zusehern mit seiner moralinsauren, links-angewokten Weltsicht zugemüllt hat, so verehrte lange CDU-Kanzler verachtet seine eigenes Land und dessen Interessen, stattdessen liebt er den korrupten Clown Selenskyj so abgöttisch wie manch betagte Rentnerin ihren Pudel. Und beim Merkel-Jünger Herfried Münkler, der jene böse Frau wiederholt als „Glückfall unserer Geschichte“ gepriesen hat und… Mehr

Freiheit fuer Argumente
1 Monat her

Der 2+4 Vertrag scheint bei diesen Leuten vollkommen unbekannt zu sein.

Kassandra
1 Monat her

Was denen bekannt ist und was nicht, können wir nicht wissen –
aber denen geht es darum, die Masse einzuwickeln und hinter der Fichte zu halten.
Inzwischen auch in eigenem Interesse – denn kommt die Alternative in einem Land in Regierungsverantwortung wird eine der ersten Amtshandlungen sein, den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen.
Und dann versiegt der Geldfluss und „das Studio“ bleibt dunkel.

Last edited 1 Monat her by Kassandra
Tom Engel
1 Monat her

Trump bashing im ÖRR. Bis auf Münkler alles Schwätzer….

Und eine Spinnerte Presse : Atombomben gegen Trump. 2029 steh „der Russe“ vor der Tür.