Idiocracy – Zukunftsvision oder bereits Realität?

Was Albert Einstein zur Welt von heute sagte, belebt man ihn wieder? Johann Wolfgang Goethe, hielte er in die Zeitmaschine von H.G. Wells gefallen 2017 an? Joe Bauers, Normalo und Bibliothekar der US-Army, dem Durchschnitts-Ami, passiert genau das.

Eigentlich sollte Joe Bauers für ein Experiment der Armee für eine Dauer von zwölf Monaten eingefroren werden. Allerdings vergisst man ihn aufgrund eines Skandals in seiner Kapsel. Und so erwacht Joe erst 500 Jahre später wieder aus dem Kälteschlaf – und stellt zu seinem Entsetzen fest, dass die komplette Weltbevölkerung nur noch aus völlig verblödeten Menschen besteht.

Willkommen bei „Idiocracy“

„Idiocracy“ beginnt mit dem Einspieler, in dem besonders anschaulich die heutige amerikanische Gesellschaft in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit anhand von zwei Familien präsentiert wird. Da sind einmal die Akademiker Trevor und Carol mit hohen Intelligenzquotienten (138 und 141). Die beiden wollen erstmal ein paar Jahre warten, bis sie Kinder in die Welt setzen. Es soll schließlich alles stimmen. Der herbe Kontrast folgt sogleich im Schwenk zu einer Unterschichtenfamilie, wo der Mann Clevon (IQ 84) nicht nur wieder einmal mehr seine Frau geschwängert hat („Scheiße, ich bin schon wieder schwanger.“), sondern dazu auch gleich die Nachbarin („Scheiße, ich habe einfach zu viele Kinder.“). Und eine weitere, die Clevon derb beschimpfend mit einem Baseballschläger verfolgt. Im Schnelldurchlauf werden beide Zweige über einen Zeitraum von 15 Jahren begleitet. Die Akademiker, weit fortgeschritten in der Phase der abnehmenden Fruchtbarkeit, erfahren erhebliche Schwierigkeiten in ihrem Reproduktionsprozess, währenddessen sich die kloppende und grölende Unterschichtenfamlie vor Nachkommen kaum noch retten kann.

Schlussendlich ist der Akademikermann leider dahingeschieden, während er in ein Fläschchen ejakulieren wollte. Die Unterschichtenfamilie hat 60 Jahre später einen eigenen Stamm etabliert. Es ist eine elitäre Botschaft, die da durchschimmert.

Liegt es nur an mir – oder sind es die anderen?

Neben Joe Bauers wurde auch die Prostituierte Rita eingefroren, die ebenfalls mit einer Verspätung von 500 Jahren in der gleichen veränderten Umgebung erwacht.

In dem halben Jahrtausend ihres kryogenen Schlafes hat sich die Gesellschaft dramatisch verändert. Die Akademiker konnten sich in der natürlichen Selektion von Intelligenz und Bildung nicht gegen die Clevons durchsetzen. („Intelligenz wird von der Evolution nicht unbedingt belohnt.“) Weltweit sind die Menschen dumm wie Bohnenstroh. Die Infrastruktur ist weitestgehend zusammengebrochen, und die Menschheit droht in ihrem Müll zu ersticken. Jede Kontaktaufnahme von Joe Bauers zu einem Bewohner des Jahres 2505 gerät schnell zu einer großen Nervenzerreißprobe. In ihrer schier grenzenlosen Dämlichkeit sind die Menschen nicht nur völlig antriebslos und träge, sie sind auch völlig unfähig, Probleme zu lösen.

Durch ein Missverständnis, wie sie im Jahr 2505 so häufig vorkommen, landet Joe im Gefängnis. Bei einem Test wird sein Intelligenzquotient ermittelt, der (zwar im heutigen Schnitt) bei 100 liegt und ihn im Jahr 2505 zum intelligentesten Menschen der Erde macht. Nachdem Joe sich sehr leicht aus dem Knast herausargumentiert hat, landet er vor Präsident Camacho, einem langhaarigen, afro-amerikanischen Rapper und ehemaligen Pornostar, welcher Joe sofort zum Innenminister ernennt. Viele Aufgaben warten, zunächst die dringlichste: Die Landwirtschaft auf Vordermann bringen.

Zur Bewässerung der Felder wurde seit Jahrzehnten ein isotonischer Drink verwendet, der ordentlich Elektrolyte enthält, aber dummerweise den Boden auch völlig ausdörrt. Dieser Softdrink hat das Wasser fast überall ersetzt. Joe’s Vorschlag, den Boden mit normalem Wasser („Aus der Toilette?!“) zu versorgen, stößt vorab auf viel Gelächter und Unglauben.

Man gibt dem irren Vorschlag einen Versuch und verwendet Wasser. Wobei der Konzern, der den isotonischen Drink produziert und auch Inhaber der Gesundheitsbehörden sowie des Verbraucherschutzes ist, durch die veränderten Bewässerungsmaßnahmen in eine solche Schräglage gerät, dass er alle Angestellten entlassen muss: immerhin 50% der Weltbevölkerung. In den daraus entstehenden Unruhen wird schnell Joe als Verantwortlicher ermittelt und zur Erbauung der johlenden Mengen in einem Stadion mit unlauteren Methoden im modernen Gladiatorenkampf gestellt. Aber er kommt davon.

Vom Hoffnungsträger zum Buhmann zum neuen Präsidenten

Schlussendlich spriessen die Pflanzen dank der Verwendung des puren Wassers wieder und Joe ist rehabilitiert. Mit der Prostituierten Rita bekommt er „die drei klügsten Kinder der Welt“ und sein Vize mit acht Frauen 32 Kinder, „eines dümmer als das andere“.

„Idiocracy“ beschreibt auf beispiellos humorvolle Art und Weise den völligen Kultur- und Werteverfall der Welt, wie wir sie kennen, hinein in eine dystopische lethargische Gesellschaft. Die völlige Ausselektion der Intelligenz hin zu einem Versinken in einer von Dummheit dominierten Welt. Die Akademiker, die bis vor zwei Generationen noch ebenso viele Kinder bekommen haben wie Familien aus der Unterschicht, fallen in allen wohlhabenderen Gesellschaften bei den Geburtenraten zurück, bleiben nicht selten völlig kinderlos. Wohingegen die Geburtenraten in bildungsfernen Familien weltweit den größten Zulauf verbuchen können. Schon hier zeigt sich das subversive Potential des Films: Manche Eigenschaften sind also doch angeboren? Nicht alles durch die Gesellschaft bestimmt? Vermutlich wird der Film in Deutschland bald als rassistisch verboten; einer der Kampfbegriffe aus dem Reservoir der isotonischen Hirnschwurbelei, die längst klares Wasser ersetzt hat.

Joe Bauers ist am Ende zwar der Intelligenteste Mensch auf dem Planeten. Gemessen an den heutigen Gesichtspunkten würde man ihn jedoch mehr als „vernünftig“ umschreiben.

Man kann also festhalten, dass am Ende die Vernunft über die Intelligenz und die Dummheit obsiegt – auch gegen die gerade herrschenden Meinungsführer. Das ist doch mal eine spannende Ansage an die selbstgekrönten Deutungshoheiten und den tobenden Linksrechtsmob dieses Landes.

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