Die Kosten für den umstrittenen RBB-Prunkbau explodieren

Für die ARD-Vorsitzende Patricia Schlesinger läuft es nicht gut: Zuerst steht sie wegen einer umstrittenen Gehaltserhöhung und Aufträgen an ihren Mann in der Kritik. Jetzt laufen ihr auch noch die Kosten für einen RBB-Prunkbau davon.

IMAGO / Michael Handelmann

Zu den unbesungenen Helden des deutschen Fußballs gehört Jürgen Wegmann. Die „Kobra“ aus Essen prägte den legendären Spruch: „Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu.“ Obendrein gehört Wegmann zu denen, die nicht auf der Beraterliste des „Rundfunk Berlin Brandenburg“ (RBB) stehen. Damit ist der ehemalige Torjäger Teil einer Minderheit. Denn mit Beraterverträgen ist der RBB in den vergangenen Monaten recht freizügig umgegangen. Unter anderem deswegen steht der ARD-Sender jetzt in der Kritik.

Skandal beim RBB
Dubiose Beraterverträge belasten den Ruf der ARD
Der Anlass für die Beraterverträge ist das geplante neue Medienhaus des RBB. Wegen der dafür veranschlagten 100 Millionen Euro galt das Projekt schon als „Prunkbau“. Eine Kritik, die zu früh kam. Denn wie sich jetzt rausstellt, soll der öffentlich-rechtliche Bau sogar 185 Millionen Euro kosten. Die Zahlen hat eine „Wirtschaftlichkeits-Simulation“ ergeben. Zuerst berichtete die BILD darüber. Für die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger bedeutet das: Zuerst hatte ich kein Glück …

Denn Schlesinger steht nicht erst seit der Kostenexplosion in der Kritik. Wie zuerst das Fachportal Businessinsider berichtet hat, wurde das Projekt bei durchaus teuren Geschäftsessen in Schlesingers Haus auf den Weg gebracht. Diese private Atmosphäre wirkte sich offensichtlich auf das Geschäftsgebaren aus. Denn der Sender vergab teure Beraterverträge mutmaßlich ohne korrekte Ausschreibung und diese gingen an Firmen im Umfeld des Bauunternehmers Wolf-Dieter Wolf – der dem Verwaltungsrat des RBB vorsitzt, auch wenn er diesen Posten derzeit „ruhen“ lässt. Dass er die Unternehmer kannte, dementiert er.

Wolf und Schlesinger haben gut zusammengearbeitet. Jetzt vielleicht nicht bei der Kosten-Kalkulation für das neue Funkhaus – aber ansonsten kamen sie zu guten Abschlüssen: Wolf winkte eine Gehaltserhöhung für Schlesinger durch: 16 Prozent. Zur gleichen Zeit kappte der ARD-Sender die Verdienste der freien Mitarbeiter. Jetzt erhält Schlesinger im Jahr über 300.000 Euro aus dem Gebührentopf. Zum Leben zu wenig … Deswegen vermittelte der besorgte Wolf auch noch Schlesingers Ehemann Gerhard Spörl einen Beratervertrag bei der Berliner Messe. Der Bauunternehmer saß nicht nur dem Verwaltungsrat des RBB vor, sondern auch dem Aufsichtsrat der Messe-Gesellschaft, einer 100-prozentigen Landestochter. Ditt is Berlin. Zuerst hieß es, Schlesingers Mann, ein ehemaliger Spiegel-Journalist, habe für Kommunikations-Beratung 72.000 Euro von der Berliner Messe erhalten.

Der Spiegel berichtet nun von 140.000 Euro – öffentlich-rechtliche Geschäfte in Zeiten der Inflation.
Wolf bestreitet, dass er die Unternehmer gekannt habe, an die der RBB teure Beraterverträge vergeben hat. Bisher. Jetzt schrieb Schlesinger in einem Brief an den Brandenburger Landtag: „Es kamen zuletzt noch neue Fakten auf den Tisch – etwa, wann es einen ersten Kontakt zwischen einem der Berater und dem Verwaltungsratsvorsitzenden gab.“ Mehr sagt und schreibt Schlesinger dazu derzeit nicht. Wie Wolf hat auch die RBB-Intendantin eine Einladung des Brandenburger Landtags ausgeschlagen, den Medienausschuss über die Hintergründe rund um den Protzbau zu informieren. Wie die Welt berichtet, hat der Landtag ihr nun einen Katalog mit 24 Fragen geschickt, die Schlesinger binnen zwei Wochen beantworten soll. Der Aktion haben laut Welt alle Fraktionen zugestimmt. In Frage 15 geht es demnach darum, ob Schlesinger das Geschäftle zwischen ihrem Mann und Wolf als persönliche Vorteilnahme sehe. Das lässt sich als Anfangsverdacht werten.

ARD-Affären
Wie tief verstrickt ist der frühere Chef des RBB-Verwaltungsrats?
Doch nicht nur mit der Politik hat Schlesinger derzeit kein Glück. Jetzt kommt auch noch Pech mit den eigenen Mitarbeitern dazu: Der Redaktionsausschuss hat laut Welt eine Erklärung im RBB-Intranet veröffentlicht. Die Mitarbeiter-Vertretung beklagt, das Haus lasse die Kollegen alleine und kommuniziere nach außen wie nach innen schlecht. Die Vorwürfe erschwerten die Arbeit, weil sich Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Senders permanent rechtfertigen müssten.

Egal wie die Affäre ausgeht. Schon jetzt sitzt Schlesinger auf einigem Schaden: Wolf lässt den Vorsitz des RBB-Verwaltungsrates vorerst ruhen. Die Arbeit am Prunkbau ruht ebenfalls, solange bis die Vorwürfe aufgeklärt sind. Diese Aufgabe soll laut Spiegel die Anwaltskanzlei Lutz Abel übernehmen. Ob der Auftrag ausgeschrieben wurde, ist nicht bekannt. Und über Schlesingers Amtszeit als ARD-Vorsitzende schwebt deutlich mehr als nur ein Schatten. Diese Amtszeit hatte sie unter das Motto „Digitalisierung, Dialog und Diversität“ gestellt. Im Punkt „Dialog“ gibt Schlesinger derzeit ein Muster dafür ab, wie frau kein Glück und sehr viel Pech haben kann.

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Kommentare ( 47 )

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trafo
2 Jahre her

Diesen Figuren ist nichts zu peinlich, nichts zu ehrlos und nichts zu skrupellos. Es ist doch nur unser Steuergeld was hier sinnlos verballert wird. Es gibt keine Kontrolle da oben mehr. Keiner der mal auf den Tisch haut und dem Wahnsinn Einhalt gebietet. Und so können wir uns aufregen wie wir wollen, es wird da oben niemanden Jucken.

Wolfgang Richter
2 Jahre her

„Wegen der dafür veranschlagten 100 Millionen Euro galt das Projekt schon als „Prunkbau“. Eine Kritik, die zu früh kam. Denn wie sich jetzt rausstellt, soll der öffentlich-rechtliche Bau sogar 185 Millionen Euro kosten.“ Was für eine kleinliche Debatte. Immerhin geht es um einen NEUBAU, ein mediales Vorzeigeprojekt. Insofern sind die Baukosten doch ein wahres Schnäppchen. Als Vergleich bspw.: Im Homeland NRW gibts die ca. 20 000 – Einwohner – Landgemeinde Kürten. Selbige verfügt über eine Gesamtschule, die in die Jahre gekommen ist. Seit mehreren Jahren bemühen sich die Gemeinderat und Verwaltung samt Herrn Bürgermeister höchstpersönlich darum, selbigen AltBau zu SANIEREN.… Mehr

Steffchen
2 Jahre her

Bei Politikern und dem ÖRR hat man den Eindruck, Steuergeld hätte ein Mindesthaltbarkeitsdatum von wenigen Minuten. Schnell raus damit, bevor es schlecht wird. So kann man Demokratie auch ad absurdum führen.

Regina Lange
2 Jahre her

Der wird nichts passieren! Politik und Justiz werden schützend die Hand über die Madame halten! Die Klüngelei hat nun mal die Oberhand in Germoney!

AlNamrood
2 Jahre her

Mich würde interessieren welche Aufträge von der Regierung nicht um mehrere Größenordnungen vom angesetzten Budget abgewichen sind. Die Liste dürfte winzig sein.

Joerg Plath
2 Jahre her

Gestern wurde die Dame in der Sache vom eigenen Sender gezeigt. Natürlich völlig seriös und unvoreingenommen…

Siggi
2 Jahre her
Antworten an  Joerg Plath

Habe ich auch gesehen. Und wie sie aufgebaut wurde. Hat irgend jemand erwartet, dass sie nicht lügt?

herman32
2 Jahre her

„Wir klären die Vorwürfe, lassen alles prüfen“ sagt Frau Schlesinger. Ich hoffe „Wir“, das ist bei Schlesinger der Pluralis Majestatis „klärt“ und „prüft“ dort nichts. Denn sie ist nach Sachlage die Hauptbeschuldigte. Es liegt ja eine Strafanzeige gegen Schlesinger und Konsorten vor. Die zuständigen Ermittlungsorgane haben zu klären und zu prüfen.

doncorleone46
2 Jahre her

Für den grünen ÖRR in allen Facetten ist Deutschland ein paradiesischer Selbstbedienungsladen. Die müssen noch nicht mal arbeiten für ihr Geld, Gesinnung reicht vollkommen. Und an den Spitzen der Sender ist für eine Einstellung wichtig, dass die menschlich negativen Fähigkeiten die Mehrheit haben.

Siggi
2 Jahre her

Sie wird ohne jeden Schaden aus der Affäre kommen. Die Regierung braucht die ÖR und wird alles mitmachen, um diese Allianz nicht zu gefährden. Die ÖRs werden von der Politik geführt und die Justiz macht das, was ihr aufgetragen wird. Es wird ein wenig rumoren, aber es wird sich nichts ändern, auch wenn der Bau nachher eine Milliarde kostet. Die Willkür ist zur Normalität geworden, Folgen muss keiner mehr fürchten. Dafür hat Merkel rechtzeitig gesorgt. Der Bürger kann es sich nu noch gefallen lassen, selbst wenn die Wahlergebnisse eine Änderung bedingen. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Mausi
2 Jahre her

Was soll man erwarten? Zuerst wird outgesourced bis es kracht, damit in den „Bilanzen“ die Personalkosten sinken. Und man „wir haben gespart“ rufen kann. Und sich dann wundern, wenn Beraterverträge nach feministischen Kriterien – Bauchgefühl und „Familien“zugehörig)keit – vergeben werden. Wenn alles outgesourced ist, wer sollte dann das Fachwissen besitzen, um mit Vernunft über Verträge zu entscheiden? Juristische Vernunft allein – so sie denn überhaupt vorhanden ist – reicht nicht.

Last edited 2 Jahre her by Mausi