Wie Lauterbach & Co. 500.000 das Leben retteten – oder es zumindest glauben

Karl Lauterbach ist gut drauf. Er führt uns ins "letzte Gefecht" und will, dass Sie sich eigenverantwortlich an die Zwangsmaßnahmen halten. Ohnehin: Nur noch drei Lockdowns, dann ist Weihnachten. Und 2022 da capo.

Screenshot ZDF: Maybrit Illner

Zu Beginn der Woche ging noch durch die Presse, dass Karl Lauterbauch auf der Suche nach seiner Herzensdame sei – wenige Tage später steht er schon wieder bei Illner auf der Matte.

Illner kämpft jedenfalls nicht gerade gegen mögliche Gerüchte an, preist Lauterbach als „mutig“ und hebt immer wieder hervor, was er denn alles schon richtig vorher gesagt habe. Aber nicht nur zwischen den beiden knistert es. Auch im Technikteam scheint jemand schwer verliebt und deshalb mit den Gedanken ganz woanders sein. Das würde zumindest erklären, warum die Sendung mit so starken technischen Problemen zu kämpfen hatte – ich habe das minutenlange Fiepen immer noch wie Tinnitus im Kopf. Die restlichen Gäste schwärmen kopflos für Metaphern und die Impfung, aber alle pochen auf die Vernuft. Es ist ein grauenhaftes Dummgesülze.

Er meinte es wohl wirklich ernst mit der Brautschau. Nicht nur, dass sich Lauterbach mit frischem Haarschnitt ganz besonders schick gemacht hat, auch inhaltlich legt er den Gang um – jedenfalls so halb. Dann hat er wohl noch kürzlich gelernt, dass Frauen es nicht so gerne mögen, wenn Männer zu besitzergreifend sind. Deshalb hat er bei den Phrasen etwas runtergeschraubt, ist jetzt gar nicht mehr so auf Zwang aus wie noch bis vor kurzem. Er will zwar immer noch, dass alle nicht auf die Straße dürfen (vielleicht um Konkurrenz zu minimieren?), aber am liebsten nur noch für zwei Wochen.

Heft 04-2021
Tichys Einblick 04-2021: Wie im Irrenhaus - Politik gegen den gesunden Menschenverstand
Außerdem plädiert er dafür, dass die Menschen auch eigenverantwortlich sein können: eigenverantwortlich zu Hause bleiben, eigenverantwortlich Kontakte minimieren, eigenverantwortlich im Lockdown bleiben, aber dieses mal so richtig. Na gut hier muss er vielleicht noch üben.

Jedenfalls habe der Lockdown in Deutschland 500.000 Menschen das Leben gerettet – und wer hat so für den Lockdown gekämpft wie Erzengel Lauterbach? Doch auch martialisch-männlich kann er sein, mit der dritten Welle komme jetzt das „schwere letzte Gefecht“. Er sucht seinen Stil noch.

Nicht auf Brautschau und auch nicht auf der Suche nach der Liebe war Margot Käßmann. Ja, die war auch dabei. Sie erinnern sich vielleicht noch – dass war die Theologin, die letztes Jahr gesagt hat, dass niemand ein Recht auf Weihnachten habe. Maybrit Illner fand es wohl interessant, jetzt ihre Meinung zu Ostern zu hören – wohl in der Hoffnung, ihr einen ähnlich skandalösen Satz zu entlocken. Aber die gute Frau Käßmann war überhaupt nicht gekommen, um uns Zuschauern zu geben, was wir erwarteten. Stattdessen machte sie einen auf verständnisvoll. „Menschen können ohne Hoffnung langfristig nicht leben“ und „Ich brauche nicht so viele Verbotsschilder“ ist jetzt das, was man von ihr zu hören bekommt. Da sind wohl jemandem die Schäfchen davon gelaufen.

Dokumentation
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Claus Ruhe Madsen, der parteilose Oberbürgermeister von Rostock war auch wieder da. Dieses Mal aber nicht, um den unschuldigen Lockerungsteddybär zu spielen. Er war dieses Mal etwas auf Krawall gebürstet. Zu Beginn haut er direkt raus, dass er bei der Entschuldigung Merkels zu Beginn gedacht habe, dass sie zurücktritt. Dann beschwert er sich, dass auf die große Entschuldigung nichts gefolgt ist. Außerdem kommen von ihm Sprüche wie mein persönlicher Favorit: „Noch drei Lockdowns, dann ist Weihnachten“. Nur mit den Methaphern könnte er sich vielleicht ein bisschen zurückhalten, manchmal kommt man gar nicht mehr hinterher, wenn er von Tankern zu Schnellbooten und dann zum Schaffen von Flüssen wechselt. Das gilt allerdings nicht nur für ihn, sondern auch für Smudo.

Der Rapper und Mitentwickler der Luca-App war nur für einen kurzen Werbeblock zugeschaltet, um seine App zu promoten, aber selbst in den paar Minuten lieferte er mehr Metaphern und Vergleiche ab, als ich zählen konnte. Er hat sich sicher sehr poetisch gefühlt. Aber gut, vielleicht bin ich bei ihm auch nicht so ganz objektiv – nach dem Satz: „Ich bin da ganz bei Karl Lauterbach“ war bei mir Ende. Der Regierende Bürgermeister, der jetzt schon zum zweiten Mal in Folge bei Illner zu Gast war, machte seinem Spitznamen „Wandelnde Büroklammer“ alle Ehre. Stur verteidigte er die Regierung und pflichtete Karl Lauterbach bei. Solange bis Illner entschied, dass auch er keinen Mehrwert mehr für ihre Sendung hat und auch nicht mehr weiter angesprochen werden müsse. Ebenso erging es Düzen Tekkal.

Unterm Strich war die Sendung auf allen Ebenen eine Enttäuschung. Weder Informationsgehalt, noch Unterhaltungswert. Am Ende ist die beste Strategie wohl doch, den Zuschauer zu Tode zu langweilen, damit er verschläft, den Sender zu wechseln, oder gar das Kreuzchen bei einer anderen Partei mal zu erwägen.

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Kommentare ( 58 )

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58 Comments
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Wolf Koebele
3 Jahre her

Schön wär*s, wenn wenigstens früher rational auf so einen reagiert worden wäre! Anno 1476 wäre er mit Hans Beheim, dem Pfeiferhand von Niklashausen für solche Aussage verbrannt worden. Der hatte in ebensolcher geistigen Unschuld behauptet, die Vernichtung des Taubertals in einem (Neusprech:) Klimawandel durch hingebungsvolles Beten verhindert zu haben. Lauterbach tut es nicht durch Beten, sondern durch Aufopferung (der Katholik kennt das) in Talkshowbesuchen: wenn schon das Zuschauen gesundheitsgefährdend ist, wie viel mehr ist es die Teilnahme! Lauterbach brennt – zu seinem Glück nur figürlich.

andreask90
3 Jahre her

Wer immer noch Lauterbach und Drosten glaubt, sollte dieses Video anschauen:
https://www.brighteon.com/257797f0-06fa-4596-be69-af71bb3adc21

R.J.
3 Jahre her

Danke. Bevor man kritisiert, sollte man jedoch die profunde und langjährige klinische Erfahrung sowie außerordentliche epidemiologische Expertise von Herrn L. in Rechnung stellen. Derzeit ist er Leiter der intellektuellen Intensivstation seiner Partei bzw. des Pressekonzerns mit angeschlossenem Sinekuren-Stadl. Hier funktioniert dank der vielen Ko-Experten in den Medien die Beatmung noch tadellos, auch ohne Wasserstoff: Mutti, er hat gar nicht geknallt. Der publication record ist ebenfalls beeindruckend, nicht einmal Ainstain wurde so oft zitiert wie L. Die Zahl von 500.000 Geretteten ist sicher zu niedrig gegriffen, es dürfte das Zwanzigfache sein, aber so geht Bescheidenheit, so geht Zurückhaltung im Bereich der… Mehr

Juergen P. Schneider
3 Jahre her
Antworten an  R.J.

Danke für diesen erfrischenden Kommentar! Ironie und Sarkasmus sind die einzigen Waffen, die einem vernünftigen Menschen in dieser irrsinnigen Zeit noch bleiben.

Moses2
3 Jahre her

In einem Land, in dem Lauterbach zu einem Experten wird, was die Corona-Pandemie betrifft, muss man sich über das entsprechende „Krisenmanagement“ nicht wundern.

Ingolf
3 Jahre her

Wow, diese „Übermenschen“ … ich finde, sie qualifizieren sich gerade als Teilnehmer der ersten bemannten Mars-Mission.
Karl wird die Marsianer über Viren, Bakterien, Pandemien und Zahnhygiene aufklären.
Margot missioniert die Marsianer und warnt vor den Folgen hemmungslosen Alkoholgenusses (und dass man UFOs nicht im trunkenen Zustand führen sollte).
Smudo beeindruckt die Marsianer mit „Rap“ und schwäbischen Maultaschen (alternativ: Saure Kutteln).
Vorteil für die Menschheit: Jegliche Invasionspläne der Marsianer werden durch die Marsianer augenblicklich vernichtet, denn der Erstkontakt mit Vertretern der Erde lassen die Marsianer dann doch am Sinn einer Invasion zweifeln.

November Man
3 Jahre her

Wenn ich schon diese Düzen Tekkal in einer deutschen Talk-Schau sehe ist der ganze Abend versaut.
Das ist die Frau die mal bei Maischberger folgende Unterstellung gegenüber Andersdenkenden und Querdenker-Demonstranten verbreitet hat:
Zitat bei Maischberger Düzen Tekkal:
„Am Wochenende in Berlin hatten wir ja Zweiundzwanzigtausend, die sozusagen verfassungsfeindlich sind, die die Werte mit Füßen treten, die in Parallelstrukturen leben, die nicht integriert sind“, sagt dazu grinsend Journalistin Tekkal, die dann auch noch debattiert haben will, was dieses komische Deutschsein eigentlich bedeutet.
Solche Leute sollte man nicht in öffentlich rechtliche Sendungen einladen.
Bei Maischberger: Düzen Tekkal erklärt Demoteilnehmer zu Verfassungsfeinden
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/bei-maischberger-duezen-tekkal-erklaert-demoteilnehmer-zu-verfassungsfeinden/

Juergen Schmidt
3 Jahre her

Bei der vollkommen überdrehten Corona-Panik-Trompete Lauterbach würde mich eigentlich nur noch der Hintergrund seiner sehr erfolgreichen PR-Tätigkeit interessieren: Wurde er von Pfizer korrumpiert? Wird er dort auf einen Aufsichtsratsposten wechseln, wenn er mit seiner Arbeit fertig ist und alle deutschen Schulkinder zwangsgeimpft sind, mit jährlich folgenden Nachimpfungen? Wurde ihm ein Abteilungsleiterposten bei der WHO in Verbindung mit einem Ruhesitz in einer Gated Community in Acapulco versprochen? So dass er seinen Ruhestand nicht in Köln-Mülheim verbringen muss? Wird er von der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung bezahlt? Bekommt er das Geld auf ein schweizer Konto oder doch eher Caiman Islands? Hier gibt es eigentlich sehr… Mehr

November Man
3 Jahre her

Lanz, Will, Illner, Maischberger, Plasberg und Konsorten, für mich nur schlechte Doku-Soaps (Dokumentar-Seifenoper).
So bezeichnet man eine Form des Reality-Staatspropaganda-TV, in der die gezeigten Personen wie Lauterbach und Freunde in dramatisch inszenierter Weise sich selbst und ihr immer gleiches Framing darstellen dürfen.
Seit einem Jahr hören wir in diesen Sendungen den immer gleichen Schwachsinn.
Kann man getrost abschaffen. Schade für Geld und Zeit.

RMPetersen
3 Jahre her

„… was er denn alles schon richtig vorher gesagt habe“

Beispielsweise bis 2019 den Standardsatz „Wir haben zu viele Krankenhäuser und zu viele Krankenhausbetten.“

moorwald
3 Jahre her

Ich sehe ja nicht fern – aber Lauterbach ohne Brille wäre mir eine Ausnahme wert.