Bei Illner: Können sich die Mullahs an der Macht halten?

Den Bürger interessiert, was die Bundesregierung gegen die steigenden Energiepreise tun will. Er will auch wissen, ob die Koalition gemeinsam an der Seite der USA und Israels steht oder ob Deutschland sich abwendet. Der Talk bietet dem geneigten Zuseher viele Mutmaßungen, bringt keine neuen Erkenntnisse. Von Fabian Kramer

Screenprint: ZDF / Maybrit Illner

Fahren deutsche Autofahrer zurzeit an die Zapfsäule, müssen sie tief in die Tasche greifen. Durch den amerikanischen Angriff auf den Iran gehen die Preise für Kraftstoffe durch die Decke. Sollte der Krieg weiter andauern, könnten die Preise sogar weiter ansteigen. Im Moment sieht es nicht so aus, als ob die Amerikaner und die Israelis ein schnelles Ende des Mullah-Regimes erreichen können. Es ist mit einem längeren Einsatz zu rechnen.

Allerdings ist Donald Trump immer für Überraschungen gut. Deshalb kann es auch sein, dass der Krieg abrupt endet. Trump dürfte kein Interesse daran haben, dass ein dauerhafter Krieg seine Wähler verschreckt. An diesem Donnerstag ist Trumps Krieg gegen den Iran das Thema der Debatte bei Maybrit Illner. Ein Vertreter der Bundesregierung sitzt nicht in der Runde. Einziger Politiker am Tisch ist Talkshow-Außenminister Armin Laschet.

Die Runde ist sich darin einig, dass der US-Präsident keine Strategie hat. Darin ist man sich in deutschen Talkshows immer einig. Nach einer deutschen oder europäischen Iran-Strategie fragt im gleichen Atemzug komischerweise niemand. Weil man nicht weiß, was der Plan von Trump ist oder was er als nächstes macht, wird viel gemutmaßt. Substanzielle Erkenntnisse liefert die Runde nicht.

Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende

Steigende Energiekosten ist das Letzte, was die Volkswirtschaft in der Bundesrepublik braucht. „Wir hoffen, dass der Krieg bald zu Ende geht­“, wünscht sich deshalb Armin Laschet. Der CDU-Mann aus dem Rheinland glaubt aber nicht an ein schnelles Ende. „Das Atomprogramm ist noch nicht zu Ende“, meint Laschet. Ob Trump den Krieg weiterführen oder einstellen wird, liegt auch daran, ob er brauchbare Ergebnisse vorlegen kann. Militärisch hat die amerikanisch-israelische Koalition viel erreicht. Der oberste Führer Chamenei wurde ausgeschaltet und es wurden wichtige militärische Ziele getroffen. Trotzdem ist das Regime noch nicht an seinem Ende. Aber nicht nur die deutschen Autofahrer sind von hohen Preisen betroffen, sondern auch die amerikanischen. Deshalb ist es ungewiss, wie lange Trump seinen Kampf gegen die Mullahs aufrechterhält.

„Der Krieg hat starke wirtschaftliche Auswirkungen auf die USA“, analysiert Stormy-Annika Mildner vom Aspen Institute Deutschland. „Die Amerikaner registrieren sofort, wenn die Spritpreise hoch gehen“, ergänzt sie. Für Donald Trump könnte es also politisch ungemütlich werden, mutmaßt Mildner. Doch die USA sind nicht der einzige Akteur und es liegt nicht nur an Donald Trump, wann der Krieg endet.

Der iranische Moderator Michel Abdollahi erklärt: „Benjamin Netanyahu möchte einen Nahen Osten ohne eine Gefahr für sein Land.“ Abdollahi glaubt deshalb nicht an ein schnelles Ende des Kriegs. Vielmehr setzt er darauf, dass sich das iranische Volk dem Widerstand anschließt. Noch sei die Zeit nicht reif, meint der gebürtige Teheraner. Doch er weiß: „Die Menschen werden wieder auf die Straßen gehen.“ Die Wut auf das verbrecherische Mullah-Regime sei enorm groß, so Abdollahi.

Kommt nach den Mullahs die Stabilität im Nahen Osten?

Der Nahe Osten ist seit jeher eine instabile Region. Schon oft wollten westliche Staaten die Region von außen durch militärische Gewalt stabilisieren. Meistens ging es ziemlich schief. Doch nicht nur der Westen führt Krieg in der Region. Die Staaten des Nahen Osten selbst kämpfen seit Jahren gegeneinander. Ein Land, das seit seiner Gründung fast permanent Krieg führt, ist Israel. „Für die Israelis ist der Iran die größte Bedrohung“, erklärt die ZDF-Journalistin Katrin Eigendorf. Sie glaubt: „Benjamin Netanyahu könnte Trump in den Krieg hineingezogen haben.“ Aus Sicht der Israelis wäre ein Ende des Mullah-Regime ein großer Triumph.

Laschet hält eine Stabilisierung der Region durch einen Sturz der Mullahs für möglich. „Der Iran hat die ganze Region destabilisiert“, kritisiert er. Sollten die autokratischen Herrscher in Teheran stürzen, würden viele terroristische Verbündete in der Region ohne Schutzmacht dastehen. Allerdings wird sich das Regime wehren, seinen Platz an der Macht zu räumen.

„Das Regime wird die politischen und ökonomischen Kosten hochtreiben“, vermutet der Terrorismusexperte Hans-Jakob Schindler. Er befürchtet: „Wenn das Regime überlebt, gibt es Migrationsströme.“ Diese Ströme sind auch zu befürchten, falls das Regime gestürzt wird. In jedem Fall wird es zu Rache kommen und die betroffene Seite wird das Land verlassen.

Die drohende Fluchtbewegung ist leider kein Thema, das in der Sendung vertieft wird. Es wäre interessant zu wissen, ob man nach 2015 besser auf einen Ansturm vorbereitet ist. Großer Schwachpunkt der Sendung ist das Fehlen von Spitzenpolitikern der Regierung. Für den deutschen Bürger wäre es durchaus von Interesse, was die Bundesregierung tun will, um gegen die steigenden Energiepreise vorzugehen. Es wäre auch spannend zu wissen, ob die Koalition gemeinsam an der Seite der USA und Israels steht oder ob Deutschland sich abwendet. Alles in allem bringt der Talk dem geneigten Zuseher keine neuen Erkenntnisse.

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Kommentare ( 7 )

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LiKoDe
30 Minuten her

»Können (sich) die Mullahs sich an der Macht halten?«
Solch eine Frage liesse sich erörtern, wenn man sich zuvor mit der Geschichte des Islams im Iran (Persien) … beschäftigte. Daran aber mangelte/mangelt es.

Urbanus
32 Minuten her

Eine kleine aber wichtige Sequenz aus der Sendung. Katrin Eigendorf hat ganz zart angedeutet, dass „Israel nix gut“ ist. Nach diesen Worten wurde sie ganz nervös (das Wasserglas !)

Fatmah
33 Minuten her

Andere moralisch überhöht zu kritisieren ist eine deutsche Tugend wie es scheint. Ein klares sowohl als auch in der Iranfrage. Ich bin gegen Krieg aber dem Regime des Iran traue ich ohne Weiteres zu, eine Atombombe auf Israel zu werfen. Ohne Bodenkrieg wird man jedoch keinen Regimewechsel erzwingen können und den Preis will Niemand zahlen. Ein Machtvakuum würde wieder den noch Radikaleren in die Hände spielen. Ein Patentrezept gibt es nicht. Mann hat den Iran militärisch jetzt um ein paar Jahre zurück gebombt.

Haba Orwell
38 Minuten her

> Können sich die Mullahs an der Macht halten?

Eine Frage, welche Perser zu entscheiden haben. Im Westen wichtiger – können sich die Epstein-Hohepriester an der Macht halten? Pepe Escobar bezweifelt es.

Montesquieu
43 Minuten her

Wieso sollten Deutschland oder Europa eine Kriegsstrategie haben? Wir sind an dem Krieg doch gar nicht beteiligt. Oder sind die Kriege Israels und den USA jetzt quasi automatisch auch „unsere Kriege“?

Dundee
56 Minuten her

Die Mullahs sind mir schei..egal. Die waren mir schon immer egal und werden mir immer egal sein.

Ich möchte wissen wie ich bitte die nächste Tankfüllung bezahlen soll? Und die nächste Heizöltankfüllung. Ich möchte wissen wie ich das Brot bezahlen soll, wenn der Bäcker seine Kosten fürs Backen und transportieren darauf umlegt und der Bauer seine Kosten für Dünger, die vielen Maschinenstunden seiner Traktoren und Mähdrescher, seine Kosten auf das Getreide, aus dem das Brot besteht, abrechnen muß.

Das erste an dem ich spare ist die GEZ. Denn die kann ich nicht essen.

Udo Zimmermann
1 Stunde her

Bis jetzt stürzt im Iran und Umgebung schon mal gar nichts. Ob so der Strategieplan der Angreifer aussah, wage ich zu bezweifeln.
Wer ist für den militärisch strategischen Fehler verantwortlich, die sogenannte Straße von Hormuz nicht schlagartig zu besetzen ?