Freiheit für Grönland – es gibt viel zu tun, warten wir’s ab

Verteidigungsminister Boris Pistorius will deutsche Soldaten auf Grönland stationieren, um dort die US-Army zu verdrängen. Gar nicht mal so dumm, die Idee. Wenn wir die Amerikaner schlagen können, dann im ewigen Eis. Einige Vorteile haben wir dort. Achtung, Glosse.

picture alliance/dpa | Britta Pedersen

Deutschland hat große Philosophen hervorgebracht. Denker, die ihrer Zeit voraus waren. 43 Jahre. So wie Mike Krüger. Der „Blödelbarde“ veröffentlichte 1983 sein „Freiheit für Grönland“. Als B-Seite. Es ist ein Cover des Hits „Lucille“, in dem Kenny Rogers von einer Frau singt, die ihren Ehemann in seiner größten Lebenskrise verlässt. Krüger widmet es der „Freiheit für Grönland“. Nicht etwa, um die dänische Besatzung anzuprangern, sondern um Sponti-Sprüche zu vertonen, wie „Ich geh kaputt, gehste mit“ oder „Weg mit den Alpen, freie Sicht auf den Äquator“.

Nun. So ganz das Niveau von Rogers Welthit erreicht Krüger nicht. Noch nicht einmal das des deutschen Covers „Musst du jetzt gerade gehen, Lucille“ von Michael Holm. Aber Krüger hat „Freiheit für Grönland“ ja auch nur als B-Seite veröffentlicht. Wie kommt man nun von peinlichen Werken auf B-Seiten über „Freiheit für Grönland“ zu Boris Pistorius (SPD), der einen Gastbeitrag zur Grönland-Krise in der Zeit veröffentlicht hat und darin den Einsatz deutscher Soldaten fordert?

Wie auch immer. Genau das hat der Verteidigungsminister getan. Wollten seine sozialdemokratischen Vorgänger die deutsche Freiheit noch am Hindukusch verteidigen, verlegt Pistorius das Geschehen jetzt an den Labradorsee und die Nares-Straße. Oder wie es Krüger ausdrücken würde: „Freiheit für Grönland – weg mit dem Packeis. Ich geh kaputt, gehste mit.“

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Nun gibt es drei Möglichkeiten der Reaktion auf Pistorius’ Idee, die US-Army an der Baffin Bay zurückdrängen zu wollen. Die naheliegendste ist blankes Entsetzen. Aber auch Sozialdemokraten auszulachen hat sich in letzter Zeit bewährt. Beides abwechselnd zu tun, wäre die dritte Alternative. Oder wie es Krüger sagen würden: „Wer ewig lebt, der geht nicht tot“, oder „lieber mal ne Nacht versumpfen, als im Sumpf übernachten“.

Wobei die Deutschen auch Vorteile in diesem ungleichen Kampf hätten. In der Propaganda etwa. Die Amerikaner drehen ihre Kriegsfilme doch am liebsten in Frankreich, schön nah an Meer und Hotelbar. Weicheier. Militärische Niederlagen hingegen im bittersten Eis auf die Leinwand zu bringen, ist für die deutsche Filmindustrie die leichteste Übung. Vielleicht gibt es ja sogar noch die Kulissen von „Stalingrad“ oder des dritten Teils der „O815“-Reihe.

Auch ist das deutsche Training schon viel weiter fortgeschritten. Kai Wegner (CDU) zum Dank. Noch so ein Vordenker vom Schlage Mike Krügers „Unkraut schläft nicht“. Die Medien, also die bösen, die seine Christdemokraten so gerne verbieten würden, die werfen dem Berliner Bürgermeister vor, er sei Tennis spielen gegangen und habe 100.000 Bürger Kälte und Straflosigkeit nach einem linken Terroranschlag überlassen. Die Ahnungslosen. Visionär Wegner hat seinen Untertanen die Chance gegeben, sich an einen grönländischen Kriegswinter zu gewöhnen. Zu dem Zweck hat der Regierende auch die Gehwege hartnäckig nicht räumen lassen. Um die Deutschen kriegstüchtig zu machen, ist Wegner kein Opfer zu groß – so lang er es nicht selbst bringen muss.

Dass sich Deutschland irgendwann mit den USA duellieren müssen, ist ein Zwang des Schulhofgesetzes: Wer so permanent gegen Donald Trump ätzt, wie linke Politiker und Journalisten in Deutschland, der muss sich irgendwann auch mal mit ihm prügeln. Und wenn das schon notwendig wird, dann doch bitte in Grönland. Dort könnten die amerikanischen Waffen vielleicht ausfallen. Für die Bundeswehr wäre das Chancengleichheit. Ihre Gewehre haben Minister der CDU, der CSU und der SPD bestellt – entsprechend treffen die nicht. Niemals. Nirgendwo.

Außerdem verfügen die Deutschen über die endperfekte Taktik bei schlechtem Wetter: Sie bleiben einfach zu Hause. Der Amerikaner kommt mitunter aus Montana, Wyoming oder gar aus Alaska. Der geht doch bei minus 20 Grad nassforsch vor die Tür. Das weiß der Deutsche besser. Der bunkert sich schon bei minus zwei Grad ein und ruft den Notstand aus. Während der G.I erfriert, gewinnt der Landser diesen Krieg auf der Couch. Das mag keine große Chance sein – aber die einzige, die wir haben. Oder um Mike Krüger und seinem Grönland-Song das letzte Wort zu lassen: „Es gibt viel zu tun, warten wir’s ab.“

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Kommentare ( 62 )

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Egozentrik
1 Monat her

„Außerdem verfügen die Deutschen über die endperfekte Taktik bei schlechtem Wetter: Sie bleiben einfach zu Hause.“ Ganz stimmt diese Behauptung nicht! Das sieht man nicht nur am Bundeskanzler Merz, der nach dem Terroranschlag von Berlin wortlos nach Indien zu einer (Urlaubs-)Reise aufbricht, sondern auch den beiden Ministern Klingbeil und Wadephul, die getrennt voneinander mit zwei Bundesflugzeugen uneingeladen nach Washington verschwinden. Dort allerdings reicht es nicht einmal für eine Höflichkeitsbegrüßung durch die US-Politiker! Aber was machen unsere Mainstream-Medien daraus? Da werden uns in den Nachrichtensendungen Statements beider Politiker gezeigt, um so eine Akzeptanz der US-Regierung und die Wichtigkeit unserer Minister und… Mehr

Last edited 1 Monat her by Egozentrik
Juergen Waldmann
1 Monat her

Die Bundestags Präsidentin bergrüßte heute im Reichtagsgebäude , das Dreigestirn des Kölner Karnevals , den Bauer , Prinzen und die Jungfrau . Mann sollte die hohen Herrschaften auch nach Grönland schicken , sicher machen sie mehr Eindruck auf Donald Trump als unsere paar BW Soldaten !

Klaus Uhltzscht
1 Monat her

Realistischer Vorschlag:
Die USA bekommen Grönland, und im Gegenzug dazu bekommt die EUdSSR Haïti.

Waldorf
1 Monat her

Spätestens seit Merkel herrscht in der ganzen deutschen Berufspolitik (und bis nach Brüssel) große Einigkeit, was, wie und warum moderne Politik sein könnte bzw. zu sein hat: Mach was du oder deine Geldgeber wollen, nur vermeide jede persönliche Verantwortung, selbst wenn du sie offensichtlich trägst. Alles was du machst muß darauf hinauslaufen, dass die staatliche Bürokratie zunimmt und nach Möglichkeit jeden Lebensaspekt reguliert. Fange daher bei der Basis für alles an, dem Geld und der Energie, dem Lebenssaft für alles. Besteuere was die Phantasie hergibt, denn jede noch so abstruse Steuer macht aus jedem Hirnfurz einen vollständigen Verwaltungsvorgang, der eine… Mehr

WGreuer
1 Monat her

Grundsätzlich haben Sie recht. Nur leider hat unserer geliebte und weise Bundesregierung vorher schon länger alle Brücken gen Osten abgebrochen und spielt da „Kriegerles“. Russisches Gas und Öl und andere Rohstoffe sind bekanntlich pfui.
Und woher bekommen wir derzeit den Großteil unsers Erdgases beziehen? RIchtig, von Onkel Trump. Was wäre hier im Land los wäre, wenn die Amis ihre Rechenzentren für uns dichtmachen oder die Software-Lizenzen einstellen?
Nein, das Spiel haben wir schon vor Jahrzehnten verbockt. Game over.

BellaCiao
1 Monat her

Unser supertatkräftiger Kanzler glaubt, mit den 13 rasch nach Grönland entsandten Bundeswehrsoldaten kann er bei den US-amerikanisch-dänischen Verhandlungen mit am Tisch sitzen und die Okkupation Grönlands verhindern. Witz, komm raus. Aber Hauptsache die Regierungsmedien berichten.

H. Priess
1 Monat her

Freiheit für die Gummibärchen, weg mit den Plastiktüten!! Es gibt noch viel zu tun, nichts wie weg!! Waren, glaube ich, auch von Maik. Grönland den Grönländern, Deutschland den……Deutschländern!! Meica läßt grüßen! Warum sind die Deutschen immer so scharf auf einen Zweifrontenkrieg? Deutsche Überheblichkeit? Deutscher Größenwahn oder doch nur Deutscher Idiotismus? Da sind jetzt zwei Busladungen voll Bundeswehrsoldaten in Grönland eingeflogen worden, zur Verteidigung gegen die Amis total ausreichend denn die fallen vor lachen tot um. Ob die Soldaten von der beritteten Gebirgsmarine stammen konnte ich nicht eruieren. Fakt ist, jetzt gehts ans Eingemachte und die Nato kann ihrem amerikanischen Oberbefehlshaber… Mehr

Waldorf
1 Monat her
Antworten an  H. Priess

Ein islamisiertes Europa entbehrt nicht einer gewissen Ironie: deren größte Befürworter und Föderer, werden ihr am meisten und am gründlichsten zum Opfer fallen. Nichts ist weniger bis gar nicht mit einer Islamisierung vereinbar, als liberale, progressive Politik moderner, vuläglinker Prägung, die Einhorn und Regenbogenpolitik. Das könnten ihre Vertreter natürlich schon heute wissen und in diversen Ländern am eigenen Leib ausprobieren, nur geht es ihnen offenbar gar nicht darum. Wie immer geht es um Macht und Geld, dort wo es sich für Unproduktive lohnt. Und das ist ganz offensichtlich nicht irgendein „Shithole“, sondern natürlich nur ein reiches Land des sog kapitalistischen… Mehr

Dieter Blume
1 Monat her

Liebe Soldaten, bitte denkt an die mahnenden Worte der öffentlich-rechtlichen Politkommissare und bleibt bei Schneefall und Eisglätte möglichst zu Hause.

karlotto
1 Monat her

Verteidigen , gegen die USA ?
Deutschland , ein Fall für die Psychatrie ?
Die Grönländer werden sich für Trump entscheiden , die Dänen waren nie beliebt und Europa ist ein Auslaufmodell.

StefanH
1 Monat her

Oh. Soldaten auf Grönland gegen den Ami. Soldaten in der Ukraine gegen den Russen. Plant man in Berlin auch schon eine Operation Walross, um die Briten heim in die EU zu holen?