Dies ist eine Hommage auf einen Roman und dessen Autor Franz Werfel. Ich bin darauf gestoßen durch Rezensionen den Kollegen Roland Tichy und der Kollegin Anna Diouf. Beide berichteten hinreißend von ihren Lektüre-Erlebnissen, und ich war angefixt und vergrub mich in diesem Wunderwerk, das auch eines der Sprache ist: selten habe ich einen so warmherzigen, einfühlenden Roman über das Unerklärliche gelesen, das wie ein göttlicher Lichtstrahl auf die Menschen trifft.
Freunde, hier ist wieder Matussek. Heute machen wir einen Bogen um das Brackwasser der deutschen Politik. Wir beginnen mit einer traurigen Melodie, die den Abschied von einer geliebten Person besingt, kurz vor ihrem Tod, voll Ratlosigkeit und Trauer.
Es handelt sich um die heilige Bernadette von Lourdes, die uns in diesem Abenteuer begleiten wird. Es geht um Wunder und die Frage, die auch Agnostiker beschäftigt: Gibt es solche noch in unserer Zeit?
Durch Rezensionen von Roland Tichy und Anna Diouf auf Tichys Einblick bin ich auf das Buch gestoßen. Beide berichteten leidenschaftlich von ihren Leseerfahrungen, und ich vergrub mich in diesem Wunderwerk, das selten so warmherzig und einfühlend das Unerklärliche behandelt.
Franz Werfel, ein Riese der deutschen Literatur, der als Lyriker begann, ist ein begnadeter Erzähler. Sein „Lied für Bernadette“ behandelt das heiße Eisen des Wunders. Gibt es Wunder? Ein Skandal gegen Vernunft und Wissenschaft — ein Riss durch den Alltag.
Vorher hatte ich Zolas Roman „Lourdes“ gelesen, der auf dramatische Weise das Elend der Kranken beschreibt, aber Wunder ausschließt. Werfels Roman hat eine andere Temperatur, ein wahrhaftiges Lied. Mit seiner Erzählung erfüllte er ein Gelübde, das er ablegte, als er 1940, als deutsch-jüdischer Emigrant, vor den Nazis flüchtete.
Er schwor, ein Buch über Bernadette zu schreiben, wenn er heil in Amerika ankäme. Tatsächlich gelang ihm die Flucht, und er schrieb den Roman in sieben Monaten. Er wurde ein Bestseller und 1943 wurde er mit Jennifer Jones verfilmt.
Werfel schrieb: „Ich habe es gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude.“ Er fühlte sich dem katholischen Glauben stark verbunden, während er seinem jüdischen Glauben bis ans Lebensende treu blieb.
Bernadette, die 1858 im Alter von 14 Jahren die „schöne Dame“ sieht, steht nicht im Vordergrund als frommes Mädchen, sondern als jemand, der eine innere Welt lebt, zwischen den Menschen und dem Zeitgeist.
In einer ihrer ersten Erscheinungen an der Grotte sieht Bernadette eine junge Dame in einem weißen Kleid mit blauer Schärpe. Werfel schildert diese Begegnung eindrucksvoll und glaubwürdig und bringt uns Bernadettes Empfindungen näher. Bernadette ist ergriffen und fällt auf die Knie. Ihre Mitschülerinnen können die Erscheinung nicht sehen. Sie fühlen, dass sie Zeugen von etwas Ungewöhnlichem ist.
Die Nachricht über Bernadette verbreitet sich schnell, und schon bald wird Lourdes zur Pilgerstätte. Werfel vollzieht den schwierigen Balanceakt zwischen Skepsis und dem Glauben an das Wunder. Dabei gelingt es ihm, verschiedene Perspektiven authentisch einzufangen: Skeptiker, Gläubige, Ärzte.
Der Pfarrer Peyramale, anfangs kritisch, wird Bernadettes treuster Verbündeter, während der Bürgermeister das Potenzial der Pilgerströme sieht.
Spätestens als die Grotte als Quelle für Wunderheilungen gilt, wird das Phänomen von allen Seiten beleuchtet. Aber wie geht die Kirche mit diesen Ereignissen um? Der Bischof hat Bedenken, könnte es sich um Betrug handeln? Bernadette bleibt unbeirrt.
Am 11. Februar 1858 sieht Bernadette zum ersten Mal die Erscheinung. Diese Bedeutung bleibt bis zu ihrem Tod 1879 bestehen, geprägt von Abgeschiedenheit und Glauben. Sie tritt in ein Kloster ein und stirbt an Tuberkulose, aber ihr Leben wird unvergesslich bleiben.
Papst Pius XI. sprach sie 1925 selig, und 1933 wurde Lourdes ein Wallfahrtsort, der jährlich Millionen Pilger anzieht. Und Lourdes ist mittlerweile der berühmteste Wallfahrtsort, 5 Millionen Pilger strömen jährlich dorthin, bisher sind 6000 unerklärliche Heilungen verzeichnet.
Die kleine Bernadette verkraftet den beginnenden Trubel nicht mehr. Mit 22 tritt sie in das Kloster Couvent Saint-Gildard ein, weit weg von Lourdes in Zentralfrankreich. Bewegend schildert Werfel die letzten Jahre und Tage der kränkelnden Heiligen, die noch einmal von ihrem Vater besucht wird, auch vom Pfarrer Dominique Peyramale, der einstigen Schreckensgestalt – er kommt, um zu bereuen und zu beten.
Sie stirbt am 16. April 1879 mit 35 Jahren an einer langjährigen Lungen- und Knochen-Tuberkulose, unter Asthma litt sie ein Leben lang. Ihr Körper wurde später, was bei Exhumierungen für die Selig- und Heiligsprechung die Regel gebietet, als unverwest (incorrupt) befunden – ein Phänomen, das die Kirche als Zeichen göttlicher Gnade wertet und das bis heute in Nevers in einem Glasschrein zu sehen ist.
Tja, liebe Freunde, ich hoffe, ich habe Eure Neugier auf den Roman befördert. Tichy hat ihn im Programm, bestellt ihn Euch, Ihr werdet ebenso berührt sein wie ich.
Franz Werfel, Das Lied von Bernadette. Roman. edition credo, Fe-Medien Verlag, Hardcover mit Schutzumschlag, fadengeheftet, Lesebändchen, 604 Seiten, 19,80 €




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