Ryanair zieht sich aus Bremen zurück – Flughafen verliert 20 Prozent seines Angebots

Fast volle Flugzeuge, trotzdem Rückzug: Ryanair stellt ab April 2027 sämtliche Flüge von und nach Bremen ein. Nach Angaben des Landes verliert der Flughafen jährlich rund 400.000 Passagiere – etwa jeden fünften Fluggast – und drei Millionen Euro Einnahmen.

picture alliance/dpa | Jörg Sarbach

Harter Schlag für die Bremer: Sie müssen künftig mit 20 Prozent weniger Flugmöglichkeiten zurechtkommen. Denn gerade sind die seit September laufenden Verhandlungen zwischen Airline, Flughafen und Bremer Regierung über neue Konditionen gescheitert. Nach Darstellung von Wirtschaftsstaatsrat und Flughafen-Aufsichtsratschef Kai Stührenberg verlangte Ryanair so weitgehende Nachlässe, dass Bremen bis zu fünf Euro je Passagier hätte zuschießen müssen. Das sei wirtschaftlich und beihilferechtlich nicht tragbar gewesen.

Der Streit dreht sich nicht um leere Maschinen. Die Auslastung lag 2025 bei rund 88 Prozent. Diese Darstellung ist allerdings nicht durch eine veröffentlichte Kalkulation überprüfbar. Dem ohnehin defizitären Flughafen drohen Einnahmeausfälle von rund drei Millionen Euro jährlich, sofern kein Ersatz kommt. Stührenberg sagt zugleich ausdrücklich, die Auslastung sei nicht das Problem gewesen. Er räumt ein, dass deutsche Luftfahrtkosten einen erheblichen Wettbewerbsnachteil darstellten, den ein einzelner Flughafen nicht ausgleichen könne.

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Damit gerät wieder das grundsätzliche Strukturproblem der deutschen Luftfahrt ins Blickfeld: die Kosten für Landungen und Abfertigungen sowie Ticketsteuern. Dass die Kostenbelastung tatsächlich gestiegen ist, belegt eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt: Zwischen 2019 und 2024 stiegen die untersuchten Standortkosten in Deutschland um 38 Prozent, gegenüber 26 Prozent im europäischen Durchschnitt. Dazu gehören Steuern, Gebühren und Flughafenentgelte. Ryanair, die mit jedem Cent rechnen muss, kritisiert seit Jahren hohe Steuern, Sicherheits- und Flughafengebühren in Deutschland.

Sechs Direktziele dürften künftig von den Bremer Flugzieltafeln vollständig verschwinden. Betroffen sind die Ryanair-Verbindungen nach London-Stansted, Alicante, Málaga, Lamezia Terme, Zadar und Palma de Mallorca. Nach dem derzeitigen Angebot werden davon fünf Ziele ausschließlich von Ryanair bedient; nur Mallorca bleibt auch mit anderen Airlines erreichbar. Ohne Ersatz verliert Bremen somit nicht bloß Frequenzen, sondern ganze Direktverbindungen.

In Bremen dürfte damit die dringend notwendige Flughafensanierung schwieriger werden. Schon vor dem Ryanair-Aus wurde über ein Defizit von rund 13 Millionen Euro berichtet. Mit dem Sparprogramm „BreStart“ waren nach Angaben Stührenbergs etwa 4,1 Millionen Euro eingespart worden. Der zusätzliche Einnahmeausfall trifft also keinen finanziell gesunden Flughafen, sondern einen laufenden Sanierungsfall.

Der Rückzug passt in eine breitere Kürzungsrunde: Für den Winter 2026/27 kündigte Ryanair 700.000 Sitzplätze weniger in Deutschland an, ein Minus von zehn Prozent. Gleichzeitig baut die Airline an ausgewählten Standorten aus. Sie verabschiedet sich also nicht pauschal aus Deutschland, sondern verschiebt Kapazitäten dorthin, wo sie bessere Bedingungen sieht. Immerhin ist Ryanair – schwierig für die linke Bremer Politik zu verstehen – kein Staatsunternehmen, sondern muss Geld verdienen.

Bremen steht nicht allein. Dortmund, Dresden und Leipzig/Halle sind seit dem Sommerflugplan 2025 ohne Ryanair. Dortmund verlor sieben Ziele. In Dresden und Leipzig/Halle scheiterten inzwischen auch Gespräche über eine Rückkehr im Sommer 2027. Frankfurt am Main hatte Ryanair bereits Ende März 2022 vollständig verlassen und fünf stationierte Flugzeuge abgezogen. Düsseldorf gab der Konzern im Oktober 2020 auf; die Lauda-Basis in Stuttgart schloss schon im September 2020. Nicht zu verwechseln sind diese Flughäfen mit Frankfurt-Hahn und Weeze: Dort fliegt Ryanair weiterhin.

Anders liegt der Fall in Berlin. Am 24. Oktober 2026 schließt Ryanair seine Basis am BER und zieht sieben Flugzeuge ab. Das Angebot wird etwa halbiert, aber nicht eingestellt: Maschinen aus ausländischen Basen bedienen Berlin weiter. Auch Hamburg bleibt im Netz, trotz weiterer Kürzungen.

Das ist weniger ein Problem für die gut verdienende Ryanair als für das schrumpfende Angebot für Fluggäste. Dabei geht es um mehr als Urlaubsflüge: Luftverkehr verbindet deutsche Unternehmen mit Kunden und Geschäftspartnern, bringt ausländische Besucher ins Land und sichert Arbeitsplätze. Das unterstreicht ein neuer Wirtschaftsreport von DLR und Luftverkehrsverband BDL. Ryanair trägt mit günstigen europäischen Direktverbindungen zur Erreichbarkeit bei und schafft Wettbewerb. Verschwindet ein Anbieter ohne Ersatz, verlieren Reisende Auswahl und die Region ihre Anbindung. Luftverkehr ist keine bloße Urlaubszugabe, sondern Teil der wirtschaftlichen Infrastruktur.

Nebenbei: Ryanair hat mit seinen billigen Flügen mehr für ein europäisches Zusammenwachsen getan als EU-Funktionäre in Brüssel, denen nur neue Bürokratiemaßnahmen einfallen.

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