Nächste Abgabe im Anflug: Berlin plant die Einführung einer weiteren Plastiksteuer

In Berlin herrscht Haushaltsnotstand. Anstatt zu sparen, wird die Bevölkerung mit immer höheren Abgaben überzogen. Die jüngste Idee: eine Plastiksteuer. Dabei kassiert bereits Brüssel beim Plastik ab. Hinzu kommt der Bürokratieaufwand: Die Bundesregierung rechnet mit mehr als 800 Stellen. Kosten: 46 Millionen Euro jährlich.

picture alliance / AP Photo/Markus Schreiber | Markus Schreiber

Brüssel, Berlin, die Kommunen – sie alle drängen sich vor der deutschen Steuertheke: Frische Abgaben sind im Anflug. Der deutsche Steuerzahler ist zum Abschuss freigegeben. Und so vergeht kaum noch eine Woche ohne neue Steuerdebatte oder den Versuch, die Erwerbsbevölkerung durch höhere Sozialabgaben zur Kasse zu bitten.

Alles ist recht, solange es dem Bundeskanzler den Reformdruck von den Schultern hebt.

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Es hat sich unbestreitbar auch am Anleihenmarkt herumgesprochen: In Berlin herrscht akute Finanznot. Im ersten Halbjahr stiegen die Staatsschulden Deutschlands um 100 Milliarden Euro an. Für das Gesamtjahr müssen wir davon ausgehen, dass etwa 230 Milliarden neue Schulden zu Buche stehen, das Desaster bei den Kommunen einmal mitgerechnet. Es ist ein vernichtender Befund: Das Schulden-Duo Merz-Klingbeil tanzt am Rande des Schuldenvulkans und speit dem Steuerzahler in diesem Jahr eine Neuverschuldung von über 5 Prozent, gemessen am BIP, entgegen.

Kein Wunder, dass sie in Berlin und Brüssel die Köpfe rauchen lassen: Der Finanzdruck steigt angesichts der zerbröselnden Industrie – nun geht es darum, unter Zeitdruck immer neue Abgabenquellen aufzuspüren. Und sie werden fündig: Nach der Zuckersteuer, der Anhebung von Tabak- und Alkoholabgaben, der höheren CO2-Zertifikateabgabe, den gestiegenen Sozialbeiträgen und weiteren Belastungen für Verbraucher und Unternehmen soll nun also auch noch eine Plastiksteuer zur Haushaltslinderung beitragen.

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Doch damit ist die Belastungswelle noch längst nicht abgeebbt: Die Anhebung des Spitzensteuersatzes, die Einrichtung einer Superreichensteuer, die Erweiterung von Erbschaftssteuern auf Firmenvermögen gelten als ausgemachte Sache. Der Staat wird zunehmend auf die Substanz der schrumpfenden Mittelschicht zugreifen müssen, um seine zahlreichen ideologischen Experimente liquide zu halten. Der Finanzminister braucht dringend Geld. Im kommenden Jahr dürfte Deutschlands Neuverschuldung die 6-Prozent-Marke knacken: Das Land rutscht ganz ohne Zweifel in eine Schuldenspirale ohne Ausweg ab. Es sind dieselben Herrschaften, die diesen Schuldenpfad verantworten, die eisern an der ideologischen Zerstörung der Wirtschaft durch Klimaregulierung, Energiewende und Fiskalextraktion festhalten.

Eine neue Plastikabgabe soll also her. Ab Juli 2027 wäre, geht es nach dem Wunsch der Bundesregierung, ein Preis von 550 Euro je Tonne Kunststoff vorgesehen. Die Steuer zielt auf Kunststoffverpackungen, Folien sowie Verbundverpackungen, sofern deren Kunststoffanteil mehr als 5 Prozent beträgt. Die Abgabe wird die gesamte Logistikkette umfassen, da Transport- und Verpackungsmittel, Folien, Verschlüsse, Deckel und Kunststoffkapseln die gegebene Definition erfüllen. Technisch soll sie bei der Herstellung und beim Verbringen, wie es im Beamtendeutsch heißt, sowie bei der Einfuhr entsprechender Verpackungsmaterialien erhoben werden.

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Naturgemäß zieht diese neue Steuer einen Rattenschwanz an Verwaltungsaufgaben nach sich. Zum einen muss die Fiskalverwaltung entsprechendes Personal einstellen – so viel zum Thema Bürokratieabbau und Abbau von Staatsjobs. Laut „Bild“-Zeitung, die sich auf Gesetzesvorlagen aus dem Bundesfinanzministerium beruft, sind für die Erhebung der Plastiksteuer 819 Stellen nötig, geschätzte Kosten rund 46 Millionen Euro pro Jahr. Für die Zuckersteuer sind übrigens 227 weitere Stellen vorgesehen; die jährlichen Kosten liegen dort bei 28 Millionen Euro.

Nur zur Orientierung: Die offizielle Staatsquote der Bundesrepublik liegt inzwischen bei 52,5 Prozent. Kalkuliert man den Bürokratieaufwand des privaten Sektors im Namen des staatlichen Herrn hinzu, dürften wir die 60-Prozent-Marke längst durchstoßen haben. Hier vollzieht sich Bürokratieabbau der Marke Friedrich Merz.

Auch die Wirtschaft wird erheblichen Verwaltungsaufwand und Dokumentationsnachweise zu erbringen haben. Allein beim Bund summiert sich der zusätzliche Aufwand bis 2029 auf 284 Millionen Euro; danach fallen jährlich weitere 104 Millionen Euro an. Für die Wirtschaft werden zudem jährliche Bürokratiekosten von rund 44 Millionen Euro veranschlagt. Aber das schafft ja bekanntlich Jobs, würde der Finanzminister wahrscheinlich sagen.

Die Einführung der Plastikabgabe fällt in eine Zeit, in der das Experiment mit der EU-Verpackungsverordnung unmittelbar vor dem Scheitern steht. Brüssel hat mit dieser Regelung im August einen Bürokratiemoloch scharfgestellt, der den Paketpreis pro Lieferung anhebt, unsinnigen Verwaltungsaufwand in den Unternehmen nach sich zieht und letzten Endes gleichermaßen den Konsumenten belastet.

Wir sehen: Der Staat hat die Jagdsaison nicht nur auf den Steuerzahler, sondern auch auf den Konsumenten generell eröffnet. Ein fröhliches Hallali, als seien die Familien nicht bereits durch die von Staatsschulden erzeugte Inflation zur Genüge zur Ader gelassen worden. Im ersten Jahr rechnet Berlin mit zusätzlichen Einnahmen aus der neuen Steuer von 805 Millionen Euro. 2028 sollen es dann jährlich knapp 1,5 Milliarden Euro sein – Kleinvieh macht auch Mist, vor allen Dingen, wenn es sich im Wochentakt vermehrt.

Berlin setzt einen kleinen Steuerzwilling neben die bereits bestehende Plastikabgabe der EU. Über deren Aufkommen freut sich seit 2021 die EU-Kommission von Ursula von der Leyen. Damals gelang es Brüssel, eine vollständig autonome Steuerquelle zu erschließen, die eine Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungsabfälle vorsah und seither Jahr für Jahr einen Betrag von über einer Milliarde Euro in die Kassen der fiskalhungrigen EU-Kommission pumpt. Nun gesellt sich also das deutsche Pendant zu dieser Steuer: Zweimal kassiert es sich bekanntlich besser.

Und jedermann weiß: Letztlich verstreut sich diese Abgabe über die Millionen europäischer Konsumenten, die die Zeche dafür zahlen werden. Zusätzliche Kosten werden entlang der Lieferkette weitergereicht: vom Hersteller zum Händler, vom Händler zum Verbraucher.

Wer glaubt, eine solche Steuer werde ausschließlich die Verpackungsindustrie belasten, glaubt auch, dass die Energieformen Sonne und Wind keine Rechnung schicken.

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Kommentare ( 12 )

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12 Comments
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Siggi
1 Stunde her

Neuwahlen jetzt!!!!

Joe4
1 Stunde her
Antworten an  Siggi

Dann käme schwarzrotgrün oder grünrotrot. Was würde damit besser werden?

Haba Orwell
1 Stunde her
Antworten an  Siggi

Was bringt es, wenn westlich der Elbe und in Bärlin die gleichen Kartellparteien gewählt werden wie gehabt?

OJ
24 Minuten her

Deutschland ist pleite, die Verwaltung eine Ruine, aber hey, wir besteuern jetzt Joghurtbecher.
Die Berliner Politik hat den ultimativen Alchemistentrick erfunden:
Aus purem Plastikmüll feinste Goldbarren für das eigene Staatsversagen pressen.
Morgen wird dann wahrscheinlich das Atmen kostenpflichtig❗

Udo Zimmermann
39 Minuten her

Irgendwie muss doch das Rockefeller- Getue für die ganze Welt , insbesondere für Kiew, finanziert werden. Platiksteuer …, mein Lachen bleibt mir im Halse stecken. Was auch noch lohnend wäre, garantiert große Geldsummen generiert, wäre eine Lügensteuer für Regierungsmitglieder und Abgeordnete. Ich denke an 10.-€- pro Lüge. Die anfallenden Mengen müssen ja auch irgendwo archiviert werden, so viel Platz haben wir kaum zur Verfügung. Ich meine das nicht lediglich satirisch, sondern gleich den Steuerentscheidungen der Regierung. Da dachte ich oftmals, das kann nur ein Gag sein. Dann kam der Mahnbescheid.

roffmann
50 Minuten her

Was dann sagte der Mann , das wars noch nicht ! In der Pipeline lauert schon die Cellulose-Steuer die das schlimmste besteuert , was dann noch übrig ist !

maps
50 Minuten her

Diesen Alt-Parteien geht es nur noch um Raub! Dafür machen sie sich selbst die Taschen voll. Es ist ein ekelhaftes System.

Antaam
53 Minuten her

Die Regierung will die milchgebende Kuh töten oder den Ast absägen, auf dem auch die Regierung selbst sitzt. Es ist alles irgendwann zu Ende. Der Gutwilligste kann nicht mehr geben, als er hat und die Gutwilligen werden immer weniger. Was könnte die Regierung machen? Der Ukraine den Geldhahn zudrehen. Das hätte auch zur Folge, dass Menschen nicht mehr unnütz sterben müssten. Die NGOs wollen Nichtregierungsorganisationen sein, also nehme man sie beim Wort und streiche denen die Gelder. Eine Nichtregierungsorganisation ist unglaubwürdig, wenn sie durch die Regierung gepampert wird. Das Geld für Migranten muss gekürzt werden. Migranten haben kein Anrecht auf… Mehr

Haba Orwell
55 Minuten her

In Frankreich nimmt man immer mehr Abzocke nicht so einfach hin: >>>Frankreichs Schülerrevolte – die Jungen präsentieren der Macron-Politik die Rechnung<<<

> „… Die Protestierenden sind eben nicht „Migranten“. Es sind französische Staatsbürger in dritter Generation – und zunehmend auch Kinder „weißer“ Eltern, wie die Bilder zeigen. … Migration und Klima liegen bei jungen Europäern erst an vierter oder fünfter Stelle ihrer Sorgen. An erster Stelle: Zukunft, Wohnen, Arbeit, Perspektive. …“

Sicherlich auch die vom Staat angetriebene Teuerung.

Ho.mann
1 Stunde her

Merzelensky braucht Geld, Geld und nochmals Geld, da muss für die profitable Ausbeutung der Steuerzahler dringend eine neue Geldquelle erschlossen werden.

Montesquieu
1 Stunde her

Der Politiker sagt, die Steuer zahlen ja die Produzenten – das erfordert eine synaptische Übertragung. Das Wählerhirn glaubt es, auch das erfordert nur eine Synapse, wenn auch eine andere. Das gesunde Hirn sagt, die Produzenten geben ihre Mehrausgaben für Produktionsmittel legitimerweise an den Endverbraucher weiter. Dies zu antizipieren, erfordert jedoch eine weitere, zweite synaptische Übertragung. Dies ehrlich zuzgeben, erfordert ebenso eine zweite Synapse. Wenn auch eine andere. Mehr als eine synaptische Übertragung ist den meisten aber leider nicht mehr möglich. Gestern gabs übrigens ein äußerst unterhaltsames Paradebeispiel für das Dilemma bei Jauch. Dunning Kruger live. Großes Kino, sollte man angesehen… Mehr

Last edited 1 Stunde her by Montesquieu
hoho
1 Stunde her

Schafft Fritze den Krieg auch oder zerstört nur die deutsche Wirtschaft und den Sozialstaat? Er hat noch bisschen, vlt doch.