Grönland-Hin-und-Her – Adidas und BASF enttäuschen

Als Trump am Mittwoch in Davos erneut über seine Grönland-Pläne sprach, fielen an den internationalen Börsen die Kurse. Am Abend verkündete er überraschend einen Deal und nahm seine Zolldrohungen zurück. Am Donnerstag dann erneute Kehrtwende an den Börsen: Die Notierungen stiegen wieder. Am US-Aktienmarkt hatte sich am Freitag allerdings keine einheitliche Tendenz ausgebildet.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Evan Vucci
Als Grund für seinen Rückzieher gab Trump ein sehr "produktives Treffen" mit dem Nato-Generalsekretär Mark Rutte an, Davos, 21.01.2026

Erst am vergangenen Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump acht europäischen Ländern massiv gedroht: Frankreich, Finnland, Dänemark, Deutschland, Schweden und die Niederlande sowie Norwegen und Großbritannien müssten sich auf Zusatzzölle von zehn Prozent gefasst machen, wenn die USA künftig nicht über Grönland verfügen könnten und sie weiter seine Absichten hintertrieben. Für diese Länder wäre dann ein Zoll von insgesamt 25 Prozent (statt 15 Prozent) fällig geworden. Dann flog Trump zum World Economic Forum (WEF) in die Schweizer Berge und sprach am Mittwochmittag in Davos erneut über Grönland und seinen Wunsch, das „Stück Eis“ zu bekommen. An den internationalen Börsen wechselten die Vorzeichen, die Kurse gingen in den Keller; die EU-Staats- und Regierungschefs verabredeten sich bereits zu einem Sondergipfel, als Trump am Abend wieder einmal überraschte. Auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social teilte er mit, dass es die Zölle ab dem 1. Februar nicht geben werde; dafür existiere ein Deal über Gespräche zu Grönland.

Als Grund für seinen Rückzieher gab Trump ein sehr „produktives Treffen“ mit dem Nato-Generalsekretär Mark Rutte an. Mit ihm habe er den Rahmen für künftige Gespräche über die ganze arktische Region geschaffen. Zudem soll es Unterredungen über das Raketenabwehrsystem Golden Dome geben, das sich auch auf Grönland erstreckt. Eine Abtretung Grönlands an die USA war vom Tisch. Gemäß Angaben der „Welt“ beinhaltet die Grundsatzvereinbarung vier Punkte: Der erste ist der Rückzug sämtlicher Zolldrohungen. Der zweite sieht eine Neuverhandlung des Sicherheitsabkommens vor, das die USA 1951 mit Grönland geschlossen hatten. Der Bau eines Golden-Dome-Systems wird Teil davon sein. Der dritte Punkt sieht vor, dass die USA die Hoheit über Militärbasen auf Grönland erhalten – nach dem Vorbild der britischen Luftwaffenstützpunkte auf Zypern, die zum britischen Staatsgebiet gehören. Die USA würden ihr Staatsgebiet ausweiten, ohne sich die Insel einzuverleiben und schließlich soll den USA eine Art Investitionskontrolle zugestanden werden, um die Kontrolle über den Abbau von Rohstoffen zu erhalten. Am Donnerstag dann erneute Kehrtwende an den Börsen: Die Eskalation war abgewendet, die Notierungen stiegen wieder. Nach zweitägiger Erholung hat sich am US-Aktienmarkt am Freitag allerdings dann keine einheitliche Tendenz ausgebildet. Standardwerte gaben nach, im Tech-Sektor war die Stimmung etwas besser. Aus der Gruppe der Magnificent Seven legten Microsoft, Meta, Amazon und Nvidia deutlich zu.

Die Stimmung der US-Verbraucher hellte sich im Januar stärker auf als erwartet, wie am Freitag eine zweite Schätzung des von der Universität Michigan erhobenes Konsumklimas zeigte. Der Leitindex Dow Jones Industrial verlor 0,6 Prozent auf 49.099 Punkte und auf Wochensicht damit gut 0,5 Prozent. Der marktbreite S&P 500 schloss am Freitag praktisch unverändert 6.915 Punkten und verbuchte ein Wochenminus von gut 0,3 Prozent. Der technologielastige Nasdaq 100 stieg am letzten Handelstag der Woche um 0,3 Prozent auf 25.605 Zähler, womit sich eine Wochenbilanz von plus 0,3 Prozent ergibt. Von der Verunsicherung am Markt profitierten am Freitag erneut die Edelmetalle. So stieg der Preis für Silber erstmals über 100 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Gold nähert sich der 5.000-Dollar-Marke je Unze. Aktien von Silber-Produzenten folgten vor dem Wochenende dem steigenden Silberpreis und zogen ebenfalls an: Bei Pan American Silver, First Majestic, Wheaton und Hecla Mining gab es Aufschläge von bis zu fünf Prozent.

Der Chipkonzern Intel wird derweil auf seinem Sanierungskurs von Lieferengpässen gebremst. Das Umsatzziel für das laufende Quartal enttäuschte die Wall Street: Die Intel-Aktien sackten um 17 Prozent ab. Allerdings hatten sie seit dem Jahreswechsel einen Kursanstieg von fast 50 Prozent hingelegt. Für JPMorgan-Analyst Harlan Sur war der Kursanstieg zu viel des Guten. Er hob sein Kursziel zwar an, blieb aber bei seinem „Underweight“-Votum. Die Quartalszahlen des Halbleiterkonzerns fand er besser als erwartet, den Ausblick aber enttäuschend. Für die Papiere von Nvidia ging es um 1,5 Prozent nach oben. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, haben chinesische Beamte dem größten Technologiekonzernen des Landes den Kauf von Nvidias H200-KI-Chips erlaubt.

CSX stiegen um 2,4 Prozent, nachdem der Umsatzausblick der Eisenbahngesellschaft auf 2026 besser als erwartet ausgefallen war. Alaska Air schlossen mit plus 4,1 Prozent. Der Quartalsgewinn übertraf die Erwartungen dank starker Nachfrage nach Premium-Plätzen und Geschäftsreisen. Allerdings fiel der Ausblick auf 2026 etwas mau aus, ähnlich wie bei größeren Konkurrenten. Die Papiere von Booz Allen Hamilton sprangen um 6,8 Prozent hoch. Das auf Technologie und Verteidigung spezialisierte Beratungsunternehmen punktete bei Analysten mit dem Ausblick.

Nach der Erleichterungsrally am Vortag hatte sich zuvor schon am deutschen Aktienmarkt wenig getan. Der Dax ging 0,2 Prozent höher mit 24.901 Punkten ins Wochenende. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte stieg um ebenfalls 0,2 Prozent auf 31.746 Zähler. Ermutigende Einkaufsmanagerindizes entpuppten sich nicht als Kurstreiber, obwohl sie aus Sicht von Marktbeobachter Andreas Lipkow weiter die These einer möglichen konjunkturellen Erholung im neuen Jahr untermauerten. Zeitweise war der Dax im Wochenverlauf bis auf 24.349 Punkte gesunken und hatte seit dem Rekord der Vorwoche bei 25.507 Zählern dabei 4,5 Prozent abgegeben. Auf Wochensicht hat der deutsche Leitindex trotz der jüngsten Erholung mehr als anderthalb Prozent verloren.

„Die Kurse treten auf der Stelle, weniger aus Gelassenheit als aus Vorsicht“, kommentierten die Experten von Index Radar. Nach dem Weltwirtschaftsforum in Davos werde zwar Entspannung eingepreist, jedoch ohne belastbares Fundament. Konkrete Inhalte des Grönland-Abkommens fehlten bislang – „und genau diese Leerstelle macht die Märkte nervös“, ergänzten die Fachleute. Daher sei es nicht verwunderlich, falls bereits am Wochenende neue Unruhe aufkomme.

Hierzulande lagen Adidas am Dax-Ende und rutschten um 5,7 Prozent auf das tiefste Niveau seit fast drei Jahren. Die kanadische Bank RBC strich ihre Empfehlung für den Sportartikelhersteller. Adidas schlage sich in einem recht schwierigen globalen Umfeld gut, doch die Markterwartungen für 2026 seien hoch, schrieb Analyst Piral Dadhania. Für Konkurrent Puma ging es sogar um 14,1 Prozent abwärts. Ein Händler verwies auf einen Bericht, demzufolge die Gespräche der französischen Milliardärsfamilie Pinault mit dem chinesischen Konzern Anta Sports über eine mögliche Puma-Übernahme beendet seien. Die Pinault-Familie hält knapp 30 Prozent der Anteile.

BASF verfehlte mit den Eckdaten für 2025 die Erwartungen. Die Aktien verloren 0,9 Prozent, hatten im Tagesverlauf zeitweise allerdings mehr nachgegeben. Der Chemiekonzern enttäuschte mit einem überraschend heftigen Gewinnrückgang. Rüstungswerte wie Rheinmetall, Hensoldt und Renk fielen mit Kursgewinnen zwischen 2,2 und 4,7 Prozent auf. In Abu Dhabi sprechen Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA über ein mögliches Kriegsende. Rüstungswerte reagieren üblicherweise negativ auf neue Verhandlungsansätze. Im Fokus steht aber der milliardenschwere Börsengang des tschechischen Rüstungskonzerns Czechoslovak Group (CSG) in Amsterdam. Er verlief sehr erfolgreich und sorgte für eine gute Branchenstimmung.

Siemens Energy erreichte ein Rekordhoch, letztlich gewannen die Papiere 3,1 Prozent. Die schweizerische Bank UBS vollzog eine Kehrtwende und empfahl nach bislang pessimistischer Einstufung die Aktien nun zum Kauf. Analyst Christopher Leonard liegt mit seinen operativen Ergebnisschätzungen für den Energietechnikkonzern bis 2030 nach eigener Aussage deutlich über dem Konsens. An der Dax-Spitze gewannen SAP vor der Veröffentlichung der Jahreszahlen des Softwarekonzerns kommende Woche 4,3 Prozent. Sie erholten sich damit vom tags zuvor verzeichneten tiefsten Stand seit August 2024. Die Aktien von Redcare Pharmacy wurden von Wettbewerbssorgen belastet und büßten 1,7 Prozent ein. Nach dem Markteintritt der Drogeriekette DM will auch dessen Konkurrent Rossmann eine eigene Online-Apotheke aufbauen. Im Nebenwerteindex SDax brachen Wacker Neuson um 21,8 Prozent ein. Die Aktionäre des Baumaschinenkonzerns müssen ihre Hoffnung auf eine Übernahme durch den südkoreanischen Mischkonzern Doosan Bobcat begraben. Die Gespräche würden nicht fortgesetzt, hatte das deutsche Unternehmen am Donnerstagabend mitgeteilt. Für den Autozulieferer Schaeffler ging es dank einer Kaufempfehlung des Analysehauses Jefferies um 8,2 Prozent aufwärts. Expertin Vanessa Jeffriess begründete ihren Optimismus mit dem Geschäft rund um humanoide Roboter. Außerdem stufte sie Aumovio auf „Hold“ nach oben, was die Aktien des Branchenkollegen um 4,2 Prozent antrieb.

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