Wirtschaftsnobelpreis für Spielregeln bei öffentlichen Auktionen

Die Erkenntnisse der diesjährigen Preisträger Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson sind von großem Nutzen für die Allgemeinheit. Ihr Erkenntnis wurden bei der Versteigerung der 5G-Lizenzen für Mobilfunknetze angewandt. Von Rudolf Hickel

imago images / TT

Der seit 1969 verliehene „Preis für die ökonomische Wissenschaft im Gedächtnis an Alfred Nobel“ geht in diesem Jahr an die beiden US-amerikanischen Ökonomen
Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson. Sie haben auf dem Gebiet der Auktions- und Mechanismus-Design-Theorie Pionierarbeit geleistet.

Abgesehen von der Erinnerung an Kunstauktionen klingen diese Theorien eher wie Konstruktionen aus einem Forschungslabor. Dabei ist deren praktische Bedeutung auch in Deutschland enorm hoch. Beispielsweise werden Fischfangquoten, Flughafenslots, Lizenzen für Strom und auch Telekommunikationslizenzen über Auktionen versteigert. Paul Milgram hat auch eine faire Gestaltung der Zuordnung von Organspenden an Patienten designt. Im Zentrum steht eine besondere Art von Gütern, sich über die Preisbildung am Markt nicht effizient und gerecht verteilen lassen. Es handelt sich um Verwertungsrechte, die per Auktionen zugeteilt werden. Die Forscher haben Spielregeln erarbeitet, die das einzelwirtschaftliche Gewinninteresse („prime value“) in das gesellschaftlich gewollte Ziel („common value“) einbetten.

Dazu sind durch die beiden Preisträger mit den Methoden der Spieltheorie hochkomplexe, aber durchaus anwendbare Modelle entwickelt worden. Es geht nicht um die Frage, wie Spieler – das gilt auch für die Akteure bei der Auktion – spielen. Gesucht werden die optimalen Spielregeln. Die Nobelpreisträger hatten mit ihren Auktionstheorien auch bei der Versteigerung der G-5-Mobil-Lizenzen in Deutschland deutlichen Einfluss: Nach 12 Wochen mit 497 Runden wurden die Lizenzen durch fünf Kommunikationsunternehmen zum Preis von 6,6 Mrd. Euro ersteigert. Die Bundesnetzagentur hat jedoch den Zuschlag an die infrastrukturelle Aufgabe geknüpft, einen flächendeckenden Netzausbau zu garantieren.

Die Erkenntnis der beiden Nobelpreisträger sind genutzt worden: Nicht der höchste Erlös, sondern das beste Ergebnis bei der Netzversorgung stand im Mittelpunkt. 


Rudolf Hickel war Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Bremen und von 2001 bis 2009 Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW).

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Kommentare ( 7 )

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Gerhard Doering
14 Tage her

Habe mir Gedanken gemacht wie das bekannte Monopoli-Spiel mit den Regeln der großen Transformation in Einklang gebracht werden kann und hoffe auf einen Nobelpreis. Es fängt so an wie wir es kennen, jedoch gilt es alles zu verschenken,verschwenden und an die Wand zu fahren.Hotels,Wohnungen und Straßen und wer zu erst Pleite ist scheidet aus. Das Spiel läuft aber weiter und wenn der Letzte Mitspieler verarmt ist setzt sich der welcher zuerst ausschied wieder dazu und ist der Gewinner.Dieser verkündet das die große Transformation vollendet ist und ruft den Kommunismus aus indem er „Ihr habt es so gewollt“,oder „Merkel forever“ruft. Anschließend… Mehr

Hoffnungslos
15 Tage her

Wer entscheidet darüber, wie der höchste gesellschaftliche Nutzen aussieht?

Alexis de Tocqueville
14 Tage her
Antworten an  Hoffnungslos

Das wird natülich demokratisch entschieden, von Frau Merkel, Frau Esken und Frau Baerbock. Kommt keine Einigung zustande, stimmen die Medien ab.

Pankratius
15 Tage her

Bitte nehmen Sie es nicht krumm: Aber der obige Artikel ist in seiner allgemeinen Phraseologie nichtssagend. Dass die Herrschaften etwas zur Optimierung von Auktionen verhackstückt haben sollen, war schon überall zu lesen.

Etwas anderes: Was das Thema Versteigerungen „nobelwürdig“ im Sinne der Staatsbank macht, bleibt schleierhaft. Vielleicht sollte auch ein entsprechender N-Preis an die Geschwätzwissenschaften Sozio, Polito & Gender verabreicht werden. Frau Dr. G. in Berlin, bald dort „regierend“, wäre da eine heiße Anwärterin.

Jan-Peter
15 Tage her

Als ich 1993 die Begründung vernahm, warum ein Ökonomie Nobelpreis an einen Prof. Fogel ging, bekam ich einen Lachkrampf.

„Als Fogel 1993 den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Arbeit über die Verbindung von ökonomischer Theorie und Geschichte erhielt,räumte er alle Zweifel aus der Welt: «Sklaverei war aus ökonomischer Sicht rentabel, aber ein tief unmoralisches System, von dem wir uns entledigen konnten», sagte er. Moral, so sein Fazit, sei wichtiger als Ökonomie.“

Seitdem warte ich ungeduldigst, dass man mir für meine Erkenntnisse im Fache Ökonomie einen Nobelpreis verleit.
Ich fand heraus, dass „Gute Laune“ direkt proportional mit dem jeweiligen Kontostand korreliert.

Alexis de Tocqueville
14 Tage her
Antworten an  Jan-Peter

Ich weiß ja nicht… Klingt nach Bullshit. Wenn Sklaverei ökonomisch so renatabel wäre, dann hätten wir sie noch.
Moral ist nur gefühliges Geschwätz, um auszuknobeln, wer der Sklave werden muss.
Beweis: Unsere Regierung und ihre Lügenmedien reden den ganzen Tag von Moral – jeden Tag.

Phil
11 Tage her
Antworten an  Jan-Peter

Gewalt und Befehl sind aus ökonomischer Sicht nie sinnvoll. Es mag eine Zeit lang so aussehen als ob man von der Ausübung von Macht über andere profitiert, diese Illusion lässt sich jedoch nur mittels einem stetig steigenden Aufwand an Ressourcen und Gewalt aufrecht erhalten. Der Schutz des Eigentums beinhaltet ebenso den Respekt vor dem Eigentum anderer. Wo sich Menschen auf Augenhöhe begegnen und die Vertragsfreiheit, sowie eine Marktwirtschaft, welche diesen Namen auch verdient, die Grundlagen einer Gesellschaft sind, stellen die unterschiedlichen individuellen Interessen kein Problem sondern eine gegenseitige Bereicherung dar. Grundlage dafür sind die Gleichheit vor dem Gesetz (und nur… Mehr