Willkommen in Frankfurt, Madame Lagarde

Lagarde sagte als frisch gebackene Chefin des Internationalen Währungsfonds: „Wir verletzten alle Rechtsvorschriften, weil wir einig auftreten und wirklich die Eurozone retten wollten (…) Der Vertrag von Lissabon war eindeutig. Keine Rettungsaktionen.“

JOHN THYS/AFP/Getty Images

„Es gibt nur zwei wirkliche Unglücke im Leben eines Menschen: Nicht zu bekommen was man will – oder zu bekommen was man will!“ – Oscar Wilde

Weidmanns Heil

Den Satz des geistreichen Iren schicke ich vorweg als Trost für Bundesbankpräsident Weidmann dafür, dass er nicht Präsident des gröZombaZ, des größten Zombies aller Zeiten, der Zentralbank der EU, wird. Denn wäre sein gar nicht heimlicher Wunsch in Erfüllung gegangen, hätte er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Kollaps dieser fehlkonstruierten Vermögensvernichtungsmaschine präsidieren dürfen.

Lieber Herr Weidmann, das wäre nicht vergnügungssteuerpflichtig gewesen! Jetzt, da unsere in den erlauchten Kreis der Harvard-Erleuchteten aufgenommene Kanzlerin sich entschlossen hat, statt ihrer Person die Antwort Frankreichs auf Uschis Stahlhelmfrisur, Madame Christine Lagarde auf den wackelnden Thron der Druckerpresse zu hieven, können Sie übrigens auch wieder frei von der Leber sagen, was Sache ist und müssen nicht den eher sinnlosen Versuch fortsetzen, wahlkampftechnisch die Realität zu kneten, um in der EU Knoblauchgürtel (Das ist kulinarisch als Lob gedacht!) Akzeptanz zu finden. Denn in der größten moralischen Krise des Kontinents seit 1945 dürfen wir eine Sache als abgemacht betrachten: Nur wer die Dinge beim Namen nennt, wird bestehen.

Amakudari. Japanisch für Abstieg vom Himmel

Wenden wir uns also der Dame zu, die gewissermaßen nach japanischer Amakudari-Manier (Japanisch: „Abstieg vom Himmel“; bezeichnet den Übergang von hohen Ministerialbeamten in die Führungsriege japanischer Großunternehmen) vom Washingtoner Olymp des Internationalen Währungsfonds in die irdischen Gefilde der westlichen Äpelwoi-Hauptstadt herabschreiten wird, um mit ihrem stahlgrünen Super Woman-Laserblick Kritiker und Skeptiker in die Schranken zu verweisen.

Es wäre müßig, sich an dieser Stelle lange mit dem Umstand aufzuhalten, dass diese Reise das Ergebnis eines Kuhhandels zwischen „chère Angela“ und „ami Emmanuel“ (Küsschen, Küsschen) ist. Etwas anderes in dieser EU zu erwarten, deren Markenzeichen der Hinterzimmerhandel und deren passendes Wappentier eben jene Kuh sein sollte, die ihn so passend repräsentiert, fällt unter den Superlativ von naiv. Was bitteschön anderes wollen Sie von einer Institution erwarten, die bei der Wahl zu ihrer vermeintlichen Volksvertretung ein Klassenwahlrecht zur Anwendung bringt, bei der eine Luxemburger Wählerstimme 10 mal so wertvoll ist wie eine Deutsche? Dass die Staats- und Regierungschefs im Zweifel diese Versammlung, die ungefähr so viel mit einem Parlament zu tun hat wie ein Kinderkaufmannsladen mit einem Supermarkt (dann geh doch zu netto!), mitleidig lächelnd ignorieren, ist nur folgerichtig. Ab und zu blitzt halt die Wahrheit zwischen den Spiegelwelten der Räterepublik von Brüssel hervor.

Nimm vom Staat das Recht weg, was bleibt dann als eine große Räuberbande – Hl. Augustinus

Viel wichtiger aber ist die Frage: Was ist das für eine Person, der man jetzt die Führung der Schattenregierung der EU, dem wahren Politbüro dieser EU-Räterepublik anvertraut?

Da bietet sich ein Zitat an, welches Madame Lagarde gerade passend im Zusammenhang mit der Rettung diverser Länder am Beginn der Eurokrise in ihrer Rolle als damals frisch gebackene Chefin des Internationalen Währungsfonds in die Landschaft gestellt hat, als wäre der Rechtsbruch die normalste Sache auf der Welt: „Wir verletzten alle Rechtsvorschriften, weil wir einig auftreten und wirklich die Eurozone retten wollten (…) Der Vertrag von Lissabon war eindeutig. Keine Rettungsaktionen.“

So etwas nennt man in anderen Kreisen ein Geständnis. Im Land von Herrn Draghi würde man sagen: „Sie hat gesungen“.

Es präzisiert immerhin den wesentlich schwammigeren Satz von Herrn Draghi vom „Whatever it takes“, vom „Alles was nötig ist“, um den Untergang des Euro hinauszuzögern. Ich sage bewusst „hinauszögern“ und nicht „retten“, weil letzteres ohnehin nicht mehr möglich ist. Kombiniert man den Satz von Herrn Draghi mit dem von Madame Lagarde, dann wird deutlich, dass der Rechtsbruch nötig war, ist und auch weiterhin bleibt, um die monetäre Matrix, die eine funktionierende Marktwirtschaft vorgaukelnde Scheinwelt des Eurosystems noch eine Weile aufrecht zu erhalten.

Stellenbeschreibung: Helikopterflugschein erwünscht

Immerhin kommt Frau Lagarde mit dem Handwerkszeug, das man braucht, um die ganze Klaviatur des Fiat-Geldsystems solange zu spielen, bis das letzte bisschen Vermögen aus den Sparern dieses Kontinents zugunsten der korrupten Party einer auf Wahlversprechen, Gießkannen und Stimmenkauf angelegten politischen Klasse herausgepresst ist. Wir dürfen uns darauf einstellen, dass der finale Kollaps erst kommt, wenn alle Mittel der Druckerpresse, des Helikoptergeldes, des Umbaus der EZB in die größte Bad-Bank aller Zeiten und der Umverteilung von Nord nach Süd ausgeschöpft sind.

Ihr Lebenslauf spricht dafür, dass sie es technisch voll im Griff hat, die Dose so lange die Straße hinabzutreten, bis keine Straße mehr da ist. Sie wird auch nicht aus der Reihe tanzen und auf die Idee kommen, dass fundamentale Änderungen notwendig sind. Immerhin war sie in ihrer Jugend Mitglied der französischen Nationalmannschaft im Synchronschwimmen. Wir können uns also darauf verlassen, dass sie weiß, wie man in Reih und Glied bleibt, staatstragend und konform bis zum Ende. Dass die ENA sie nicht haben wollte ist ja jetzt bedeutungslos, schließlich schafft „ami Emmanuel“ den schon früher nach Strasbourg (Französisch-Sibirien) verbannten Eliteladen gerade ab. Ansonsten finden wir in ihrem CV das gesamte technokratische Beiwerk der Lebensläufe gallischer Politiker. Ein paar Kratzer (Tapie-Affäre), aber nichts Lebens- äh, Karrierebedrohliches.

Aus all dem können wir schlussfolgern, dass es ungefähr so laufen wird, als hätte sich Herr Draghi transgendern, in Frankreich einbürgern und wieder aufstellen lassen. Die Zinsen bleiben schön unter null, die Manipulation der Märkte durch Anleihen-Kauf geht weiter. Dafür spricht auch das Gemeinschaftswerk, welches EZB und IWF erst vor wenigen Monaten zu der Frage aufgelegt haben, wie man noch sehr viel tiefere Negativzinsen durchsetzen könnte. Hier bei Tichy wurde darüber berichtet.

Eisberg voraus! Volldampf, die EUtanic ist unsinkbar!

Das Alles wird aber an einer Sache nichts ändern: Dass diese Politik das Bankensystem durch Ertragsverfall und Zombifizierung soweit ausgehöhlt hat, dass sein Kollaps bevorsteht. Die dann von der EZB zu finanzierende Rettungsorgie wird die vermeintlich unbegrenzte Feuerkraft der Druckerpresse an ihr Limit führen. Hier mein Formulierungsvorschlag für Madame Lagarde, wenn sie die Pressekonferenz abhält, mit der sich die Euromünzen zum abgeschlossenen Sammelgebiet mausern werden: „Wir setzten uns über alle Lehrbücher der Geldtheorie und Geldpolitik hinweg, weil wir die Eurozone wirklich retten wollten (…) Die Lehren aus 5.000 Jahren Geld- und Wirtschaftsgeschichte waren eindeutig. Der Euro war nie zu retten.“

Bonne chance!


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Kommentare ( 67 )

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Seltsam, seltsam, wie Rechtsbrecher immer wieder schöne politische Pöstchen ergattern! Was denkt sich die EU dabei, wenn man solch zweifelhaften Personen solche Posten gibt?
https://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/iwf-chefin-urteil-gegen-christine-lagarde-erwartet-a-1126513.html

Nicht trotz – wegen. Bei der Mafia würde ja auch kein gesetzestreuer Pedant eingestellt.

Selbst mit Drogen-Therapeuten ist die Sucht nach dem billigen Geld nicht mehr einzudämmen.

Jens Weidmann sollte seine Fachkenntnisse dafür nutzen, endlich die Bürger über das schamlose Treiben aufzuklären. Politische Rücksichten sollte er nicht mehr nehmen – und schon zweimal nicht auf Madame Lagarde. Solange die Politik nämlich davon überzeugt ist, die Bürger hinter die Fichte führen zu können, solange wird das Gelddrucken anhalten.

Christine Lagarde, das ist meine Befürchtung, ist eine Inflationistin.
Inflationisten sind Leute die glauben, wirtschaftliche und sogar finanzielle Probleme mit einem Mehr an Inflation lösen zu können.
Lagarde sollte deshalb gelegentlich die deutsche Hyperinflation von 1923 bis 1927 studieren. Am Ende der Inflation waren die Geldvermögen verschwunden.

Räte sind auf russisch die „Sowjets“, der Begriff der europäischen Sowjetunion ist deshalb nicht beleidigend, sondern sagt nur aus, um was es sich in Wirklichkeit handelt. In Bezug auf Geld – zumindest – kann man auch ohne Bedenken den Begriff „sozialistisch“ hinzufügen. Geld würde sich im Markt über Angebot und Nachfrage bestimmen, im Sozialismus der EZB über dirigistische Entscheidungen. Ein Zins der bei Null liegt, sagt aus, dass jeder der sich Geld leiht, dies tun kann, ohne Gewinn machen zu müssen. Schätzungen sagen, dass zehn bis fünfzehn Prozent der EU-Wirtschaft heute schon ohne Gewinne arbeiten. Eine notwendige Marktbereinigung gibt es… Mehr

Jeden Tag ein bißchen Dr. KRALL, sei es als Buch , als Video oder eben jetzt hier als Artikel gibt mir das Gefühl, kein Spinner zu sein. Sein fatalistischer Sarkasmus bringt mich oft zum Lächeln auch dafür möchte ich mich bedanken.

Es gibt nur wenige Menschen, die den Mut und das Rückrat haben, sich so weit aus dem Fenster zu lehnen, dies so öffentlich zu tun und dafür viele Nachteile in Kauf nehmen. Ich wünsche H.Dr. KRALL, dass man sich seiner erinnert, wenn es um den Wiederaufbau Deutschlands geht, nachdem Mme Lagarde den Euro endgültig ins Nirwana gedruckt hat.

Frauen in der Politik sind der direkte Weg in den Untergang. Demnach können für meinen Geschmack gar nicht genug Frauen Positionen in der EU einnehmen. Und um den beknackten Euro ist es eh nicht schade.

In Brüssel und Berlin natürlich…

Ich mag Ihre Frauen-Pauschalierungen nicht. Zeigen Sie mir einen fähigen MANN in der Politik!?

Na dann will ich mal hoffen, dass Sie kein Mann sind. Aber sollten Sie eine Frau sein, bitte ich Sie folgende Frage ehrlich für sich zu beantworten: Arbeiten Sie lieber unter einem Mann, oder einer Frau? Sehen Sie, schon sind wir uns einig. Zu Ihrer Frage: Trump, Putin, Salvini, Orban um mal die beliebtesten zu nennen.

Deutschland hat sich womöglich gar nicht „über den Tisch ziehen lassen“. Dafür kommt dergleichen nach meinem Eindruck schon viel zu häufig vor. Alternative Deutung: Deutschland hat sich wieder mal über den Tisch geschoben, ein Opfer für das anscheinend oberste Priorität genießende „europäische Projekt“ gebracht (auch wenn man es öffentlich nicht so darstellt).

Deutschland ohnehin nicht, allenfalls das derzeit herrschende Regime.
Insofern finde ich auch das Gerede albern, mit von der Leyen wäre die Chance gegeben, der EU-Kommissionsvorsitz gehe an Deutschland, das ist lachhaft. Allenfalls besitzt die Person eine BRD-Personalnummer.

Da muss ich kein „Reichsbürger“ sein, um da gewissen Unterschied zu erkennen.

Die Posten wurden beim letzten BB-Treffen, vor wenigem Wochen, verteilt. Da wird nicht gewählt, sondern eingesetzt.
WIE IMMER!

Unterstellt, Sie sind davon überzeugt, wohin werden Sie auswandern, wenn das leise Zittern durch den Rumpf der EUtanic geht, welches die Partygäste aud dem Oberdeck genausuwenig wahrnehmen wie die Abermillionen, die in der Holzklasse tief im Inneren des Schiffes zum Tode verurteilt sind? Denn vorbereitet müssen wir ja sein, wenn die Chose ins Rutschen kommt, geht’s schnell. Persönlich habe ich an Namibia gedacht, da ich für AUS, CAN oder NZE zu arm bin. Für den Blick auf die Lüderitz👹-…. ups Walfisch Bay tät’s reichen

Vergessen Sie auf jeden Fall Neuseeland, das wird sich noch vor Deutschland zur Islamischen Republik erklären.

Wo Sie Ihren gewoehnlichen Aufenthaltsort haben werden ist nicht so wichtig wie die Frage, wo Sie Ihre Ersparnisse parken wollen. Mit diesen Ueberlegungen sollte man frueh beginnen. Unter den ersten Symptomen des Absturzes wird sich vermehrte Devisenbewirtschaftung finden.

Und die hat ja schon begonnen: US-Anleihekäufe für Otto Normalverbraucher sind inzwischen quasi nicht mehr möglich, der Streit der EU mit der Schweiz hat dazu geführt, dass an EU-Börsen keine Schweizer Aktien mehr gehandelt werden können usw.: Nachtigall, ick hör‘ Dir trapsen!

Die Frage die sich zuallererst in dem Zusammenhang stellt ist: Wer wird neuer Chef des IWFs?
Jemand mit gutem Kontakt zu Leganrd plus FED? Dann Gnade uns Gott!