Ifo: Viele Firmen nutzen Inflation als Vorwand, um Gewinne zu steigern

Gestiegene Preise für Energie und Vorleistungen allein erklären nicht das Ausmaß der Inflation in Deutschland. Handel, Landwirtschaft und Bau haben die Situation vielfach auch als Vorwand genutzt, um ihre Margen zu steigern. Aus der Preisinflation wird damit auch eine Gewinninflation.

dts Nachrichtenagentur
Das Ausmaß der Inflation in Deutschland (10,0 Prozent im November, wie Destatis heute bestätigt) ist nicht alleine mit den gestiegenen Preisen für Energie und Vorleistungen zu erklären. Dies legten Daten der amtlichen Statistik zur Wirtschaftsleistung nahe, meldet das Ifo-Institut. „Vielmehr scheinen Unternehmen in einigen Wirtschaftszweigen die Preissteigerungen dazu genutzt zu haben, ihre Gewinne auszuweiten. Das gilt vor allem für den Handel, die Landwirtschaft und den Bau“, sagt Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden. Das Ifo-Institut hat die Unterschiede zwischen nominaler und preisbereinigter Wertschöpfung ermittelt.

Nach Corona hätten private Haushalte hohe Ersparnisse angesammelt. „Diese wurden im Jahr 2022 aufgelöst und haben die Konsumnachfrage befeuert“, so Ragnitz. „Auch die Entlastungen durch die Regierung dürften dazu beigetragen haben, die Nachfrage zu stützen und damit Spielräume für Preisanhebungen zu erweitern.“

Insbesondere in der Land- und Forstwirtschaft einschließlich Fischerei sowie im Baugewerbe und in den Branchen Handel, Gastgewerbe und Verkehr hätten die Unternehmen ihre Preise deutlich stärker erhöht, als es aufgrund der gestiegenen Vorleistungspreise allein zu erwarten gewesen wäre. „Einige Unternehmen scheinen den Kostenschub als Vorwand dafür zu nehmen, durch eine Erhöhung ihrer Absatzpreise auch ihre Gewinnsituation zu verbessern“, so Ragnitz.

Landwirtschaftsunternehmen hätten zunächst wohl ihre Vorräte an Dünge- und Futtermitteln aufgebraucht, in ihrer Kalkulation aber die zu erwartenden Preissteigerungen bei Nachbestellungen bereits eingerechnet. Auf dem Bau dürften Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage zu den besonders starken Preiserhöhungen beigetragen haben. Das gelte vor allem für einige Ballungszentren.

Das einzige Mittel gegen solche überzogenen Preisanhebungen sei mehr Wettbewerb, sagte Ragnitz. Verbraucher könnten auch billigere Produkte kaufen und so die „Gewinninflation“ dämpfen. Staatliche Eingriffe in die Preise lehnt Ragnitz ab. Auch eine „Übergewinnsteuer“ sei wegen ihrer verzerrenden Wirkung auf die Knappheitssignale des Marktes weder marktkonform noch rechtssicher durchzusetzen.

Da es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass hinter den Preissteigerungen Absprachen der Unternehmen stehen, seien auch kartellrechtliche Maßnahmen nicht hilfreich. Die Bekämpfung der Inflation ist vor allem eine Aufgabe der Europäischen Zentralbank. Die Regierung könne zur Senkung der Inflation beitragen, indem sie auf breit angelegte Entlastungen zugunsten aller Haushalte verzichte und politische Maßnahmen auf besonders arme Haushalte beschränke.

(Mit Material von dts)

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Kommentare ( 31 )

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luxlimbus
1 Monat her

Jetzt rächt sich der mangelnde Wettbewerb durch eine, höchstens Handvoll, geringe Anzahl an Platzhirschen. So ist z.B. im Lebensmittelhandel Aldi mittlerweile zur „Apotheke“ verkommen.

Endlich Frei
1 Monat her
Antworten an  luxlimbus

Auf jedenfall lohnt sich der Abstecher zu Aldi immer weniger. Immerhin nimmt diese oft die Entscheidung ab, ob man nicht direkt zu Edeka oder Netto ausweicht – je nachdem ob man gerade breites Angebot (z. B. bei Edeka oft nicht mehr teurer als bei ALD) oder billige Preise sucht.

Nibelung
1 Monat her

Wie immer bei Krisen, gibt es Gewinner und Verlierer und gruppenbezogen dürften es derzeit hauptsächlich die Konsumenten sein, die mit warmen Worten zur Kasse gebeten um dabei kräftig rasiert rasiert zu werden. Bei solchen Umwälzungen, die uns derzeit überfallen haben, hauptsächlich durch die Dummheit der Politik sollte diese wenigstens den Mut haben um den Schlüsselunternehmen in die kalkularischen Karten zu sehen und diese von unabhängigen Fachleuten prüfen zu lassen, ob der Wahrheitsgehalt auch zu trifft. Da die aber von nichts Ahnung haben und vielleicht auch zu faul sind, tatsächlich Schaden abzuwenden, lassen sie den Spielern und Hassadeuren freien Lauf, denn… Mehr

Mausi
1 Monat her

So gesehen, sind Unternehmen immer Inflationstreiber. Sie versuchen immer, den höchsten Preis am Markt durchzusetzen. Und natürlich sind Sondersituationen dafür besonders gut geeignet. So wie die Politik von ihrem Verschulden ablenkt, lenken auch die Unternehmen zugunsten eines besonders hohen Preises ab.
„Mehr Wettbewerb“ wird es sicher nicht geben. Diesen Rat wird sich unsere Regierung nicht auf die Fahne schreiben. Planwirtschaft ist das Mittel der Wahl.

Iso
1 Monat her

Ganz klar, wenn die eigenen Angestellten 10 % mehr haben wollen, dann muss man den hiesigen Steuer- und Abgabesätzen 20 % draufschlagen.

Raul Gutmann
1 Monat her

Die jüngsten Preissteigerungen – insbes. Nahrungsmittel 20% – sind wesentlich die Folgen dreier Staatseingriffe: a) hyperexpansive Geldpolitik der EZB, b) der zumindest Beschädigung der Lieferketten durch die „Corona“-Repressionsmaßnahmen, Angebotsreduzierung und Nachfragesteigerung fossiler Energierohstoffe aufgrund ideologisierter Politik gegen Rußland.
Daß vor diesem Hintergrund sich der Handel von einem Käufer- zu einem Verkäufermarkt dreht darf nicht wundern. Den Bauern ist es insofern zu gönnen, als sie hoffentlich finanzielle Entlastung erfahren – bspw. kostendeckender Milchpreis.
In der Baubranche wirkt in großem Maße die einwanderungsbedingte Nachfragesteigerung.

Endlich Frei
1 Monat her
Antworten an  Raul Gutmann

Was viele beobachten: Milchprodukte bleiben immer öfters in den Regalen liefern. Ein Gewinnplus ergibt sich allenfalls aus dem Weniger an Ware zu Mehr aus Preis – doch dies auch nur als Mischkalkulation. Doch die Lücken in den Verkaufsregalen sind unübersehbar. Und auch, dass viele Hersteller dabei ganz unter die Räder kommen (es wird zu Substitutionsprodukten gegriffen). Die Folgen sind bereits sichtbar – so etwa folgt bei Müllermilch eine Rabattschlacht nach der anderen. Konsequenter wäre es für das Unternehmen, den hohen Standardpreis (z. B. 1 Müllermilch 1,19 Euro) wieder auf einen erreichbaren Marktpreis zu reduzieren. Doch es sieht so aus, dass… Mehr

Ingolf
1 Monat her

Nicht vergessen werden sollten Staat (z.B. Erbschaftssteuer), Sozialversicherungen (z.B. Krankenkassen), Länder (z.B. Grundsteuer), Kommunen (z.B. Abwasser- und Müllgebühren, Verkehr) und Energieversorger, gegen die manche Preissteigerungen der Privatwirtschaft wie Waisenknaben wirken.

Christian S.
1 Monat her

Tja, sowas kommt von sowas! Wenn die nicht so guten den Mindestlohn auf 12 Euro angehoben bekommen, was machen dann die guten Leute? Naaa? Richtig! Ein saftiges Plus verlangen oder den Betrieb wechseln, der andere hat nämlich auch keine Leute und zahlt… es gibt halt Branchen die nicht tariflich abgesichert sind, wo man seinen Lohn selber aushandelt. Und da augenscheinlich niemand mehr arbeiten will ist jetzt Zahltag! Der Chef kann es am Markt weitergeben, also tut es anderen weh. Hier in meinem Fall geht es um den Verkehrssektor, meine Lohnsteigerung der letzten 2 Jahre: 30%, die nächsten 15% kommen im… Mehr

AnSi
1 Monat her
Antworten an  Christian S.

Wow, ich sollte umschulen. Meine Lohnsteigerung betrug nach zähen Verhandlungen gerade mal 3%. Ein absoluter Witz, da mir mit LstKl. V davon dann nur die Hälfte bleibt und ich mir so gerade mal noch das künftige 49€-Ticket leisten könnte! Wohl gemerkt, ich bin Diplom-Ingenieur im Maschinenbau! Soviel zu „den Reichen“ Mittelständlern 😉

Marcel Seiler
1 Monat her

Volkswirtschaftsstudenten lernen, dass Inflation die Preistransparenz zerstört: Die Nachfrager wissen nicht mehr, was in jedem Moment der faire Preis für eine Ware ist. Fehlende Preistransparenz kann ausgenutzt werden.

Auch für die Anbieter ist es nicht leicht: Sie wissen ja nicht, zu welchem Preis sie die heute verkaufte Ware morgen nachbestellen können. Verkaufen sie heute zu billig, sind sie morgen pleite.

Verantwortlich sind nicht die „bösen Unternehmen“, verantwortlich sind Regierung und Zentralbank.

W aus der Diaspora
1 Monat her

Da hat wohl jemand die Erhöhung des Mindestlohns vergessen? Innerhalb von einem Jahr um mehr als 20%. Dass dann die anderen Löhne in der Firma auch angehoben werden müssen ist wohl vielen ebenfalls nicht bekann? So lag z.B. der Tariflohn für Bürokaufleute in vielen Branchen unter dem neuen Mindestlohn … Diese willkürliche Erhöhung von Staatsseite, macht sich gerade im gesamten Lebensmittelbereich bemerkbar. Von den Erntehelfern über die Arbeiter in der Verarbeitung von Lebensmitteln bis zur Verkäuferin – sind davon betroffen. Das konnte man vorher bereits wissen – so man es denn wissen wollte. Der Staat – unsere derzeitige Regierung, hat… Mehr

Duke_van_Hudde
1 Monat her

Das einige Branchen wohl extrem ihre Gewinnmargen ausweiten und das dadrunter Teile des Handels und der Bauwirtschaft sind ist richtig. Nur der Teil zur Landwirtschaft ist grober Unfug oder der Begriff Landwirtschaft ist nicht korekt gewählt. Im Prinzip gibt es nur in sehr wenigen Teilbereichen Erzeuger die eine Marktmacht haben die es ihnen erlaubt die Gewinnmargen von sich aus zu erhöhen. Mit viel guten Willen könnte man noch Landwirte die auch im Handel/Verkauf(Direktvermakter) aktiv sind dazuzählen. Hier gibt es vielel Landwirte die ihre Preise den der Handelsunternehmen vor Ort anpassen.(z.b. 10 % teurer als der Rewe vor Ort.) Was Lagerhaltung… Mehr

erwin16
1 Monat her
Antworten an  Duke_van_Hudde

„Nur der Teil zur Landwirtschaft ist grober Unfug „

Das ist richtig! Dt. ist verwöhnt! In den USA und China sind manche Produkte viel teurer als hier!
Bestimmte Preissteigerungen Energie und Dienstleistungen kann die Lw. nicht weitergeben, weil ihr Produkt austauschbar und im Überfluss vorhanden ist!
Dazu viel Auflagen und Maßnahmen sind noch nicht kostenwirksam geworden bzw. konnten nicht eingepreist werden!
Wenn jetzt die Produkte eventuell knapper werden, dreht sich der Spieß um!

Alles berechenbar und alles so gewollt!

Nun habt ihr: ein bisschen mehr kann es ruhig kosten!