ifo Institut: Kurzarbeit steigt um fast 20 Prozent

Fast acht Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren im Januar in Kurzarbeit. Eine aktuelle Schätzung des ifo-Instituts für Januar offenbart das Ausmaß der Lockdown-Folgen für den Arbeitsmarkt.

IMAGO / Andreas Gora
Symbolbild

Wer sich fragt, warum die jüngsten Arbeitslosigkeitszahlen so milde ausfielen, erhält vom ifo-Institut erneut die bekannte Antwort: Es liegt vor allem am staatlichen Instrument der Kurzarbeit. Kurz gesagt: Der Staat bezahlt Unternehmen beziehungsweise deren Angestellte dafür, dass sie (noch) nicht entlassen werden.

Eine aktuelle Schätzung des ifo-Instituts für Januar offenbart nun das wahre Ausmaß der Lockdown-Folgen: Die Zahl der Kurzarbeiter ist im Januar um knapp 20 Prozent gestiegen. Nach Schätzungen des ifo Instituts waren 2,6 Millionen auf Kurzarbeit, nach 2,2 Millionen im Dezember. Das betraf damit im Januar 7,8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, nach 6,6 Prozent im Dezember. Am stärksten betroffen ist das Gastgewerbe.

„Einsamer Spitzenreiter bei der Kurzarbeit blieben die vom Lockdown besonders hart getroffenen Hotels und Gaststätten mit 55,9 Prozent nach 54,1 Prozent der Beschäftigten oder 594.000 nach 574.000 Menschen“, sagt ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link. Im Handel stieg die Zahl um mehr als das Doppelte von 260.000 auf 556.000 Menschen, also von 5,7 Prozent auf 12,2 Prozent der Beschäftigten. In der Industrie hingegen ging die Kurzarbeit etwas zurück von 611.000 auf 598.000 oder von 8,8 Prozent auf 8,6 Prozent der Beschäftigten. Dabei entwickelten sich die einzelnen Industriebranchen allerdings sehr unterschiedlich, im Maschinenbau, bei den Metallerzeugern und den Herstellern von Metallerzeugnissen ging die Kurzarbeit zurück, bei den Autobauern stieg sie.

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Kommentare ( 13 )

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Ego Mio
3 Jahre her

Nicht die ganzen Freiberufler vergessen! Die sind weder arbeitslos noch in Kurzarbeit sondern einfach ohne Auftrag.

Rob Roy
3 Jahre her

Das Kurzarbeitergeld wird noch bis Ende 2021 bezahlt. Damit soll das Problem steigender Arbeitslosigkeit aus dem Wahlkampf herausgehalten werden.
Vermutlich werden wir auch noch eine Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzmeldepflicht erleben.
Allzu offensichtliche Strategie der Regierung, um von ihrem totalen Versagen abzulenken.
Vermutlich wird die Strategie aber aufgeben, denn die meisten Bürger interessiert es einfach nicht, wenn sie nicht selbst betroffen sind.

H. Priess
3 Jahre her

Also, ehrlich gesagt bin ich erstaunt, daß es nicht viel mehr sind. Vielleicht liegt das daran, daß die eigentlich Wertschöpfenden also das produzierende Gewebe incl. Fisch und Forstwirtschaft zwar mit einigen Schwierigkeiten aber doch weiter laufen? Wegen Corona hat man hier die Werften lahmgelegt, warum habe ich nie begriffen. Jetzt werden hunderte Millionen an die besitzenden Konzerne gezahlt. Die in den Werften Beschäftigten sind alle in Kurzarbeit meißt mit Nullstunden. Ob die Damen in meinem Frisiersalon alle einen sozialpflichtigen Job haben möchte ich bezweifeln also bekommen die wohl kein Kurzarbeitergeld. Letztendlich geht es um Verschleppung der Folgen der Mißwirtschaft unserer… Mehr

blackhero68
3 Jahre her

Dann haben die Betroffenen ein paar Monate Zeit sich nicht mehr vorhandene neue Jobs zu suchen. Diese nicht vorhandenen Jobs müssen sie sich allerdings mit denen teilen, die sich in den kommenden Monaten ebenfalls nicht vorhandene Jobs suchen müssen…

Biskaborn
3 Jahre her

IfO Institut sind das nicht die wo Fuest der Chef ist. Jener Mann der den totalen Lockdown befürwortet. Damit erübrigt sich zu dieser Einrichtung jeglicher Kommentar.

giesemann
3 Jahre her

Mit Industrie 4.0 werden alle kürzer arbeiten – bei vollem Lohnausgleich. Ansonsten gilt Schelsky: Die Arbeit machen die anderen.

Bernd Simonis
3 Jahre her

Faszinierend, das die Steuereinnahmen immer noch recht hoch sind. Ich erwarte eigentlich einen Einbruch beim Konsum, der Nachfrage. Täglich sehe ich in Zeitungen Artikel und Werbung für E-Autos. Trotz Prämie sehr teuer. Es gibt Leute, die sich das leisten können. Viele aber nicht mehr. Ich denke, mit Zeitverzögerung wird der eigentliche Einbruch noch kommen. Wahrscheinlich leide erst, wenn die Wahlen gelaufen sind.

G Koerner
3 Jahre her

Vor allem diejenigen Arbeitnehmer, die bereits in 2020 über 4 Monate und länger in Kurzarbeit geschickt wurden, werden bei der Steuererklärung den Schock ihres Lebens erhalten. Steuernachforderungen in 4stelliger Höhe sind dann mitunter fällig. Da kann so mancher vier Personen Haushalt auch gleich Privatinsolvenz beantragen.

Horst
3 Jahre her

Damit können die Politiker gut leben, Mehrheiten an Wählerstimmen bekommt man von den Rentnern, Beamten, Öffentlichen Dienst und Transferempfängern.

Flaneur
3 Jahre her
Antworten an  Horst

Ich bezweifle, dass eine große Mehrheit „der Beamten“ / „des ÖD“ der gleichen politischen Meinung ist wie „die Transferempfänger“, geschweige denn, die Regierung für besonders fähig hält und Rot/Grün wählt.

Wilhelm Roepke
3 Jahre her

Es wäre schön gewesen, wenn der Artikel auch die Kosten der Kurzarbeit erläutert hätte.

Christian S.
3 Jahre her
Antworten an  Wilhelm Roepke

Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu! Denn diese Kosten werden von uns über die Arbeitslosenbeiträge wieder eingesammelt, bzw. via zusätzliche Steuererhöhungen… auf diese Schlußrechnung bin ich ehrlich gespannt! Da werden einigen die Augen aufgehen…

D. Ilbert
3 Jahre her
Antworten an  Wilhelm Roepke

@Wilhelm Roepke Was sind schon Kosten? Ergebnisse zählen. Und die sind doch wohl mehr als wunderbar zu nennen. Oder etwa nicht? 2,5 Mio. Kurzarbeiter, das sind, mit Familie so ungefähr 5 bis 7 Millionen, die jetzt wirtschaftlich kürzer treten werden. Keine Wochenendausflüge mehr, keine Gaststätten- oder Restaurantbesuche, eher kein neues Auto und auch die alte Waschmaschine kann wohl noch mal repariert statt ausgetauscht werden. Das spart CO2, das „schützt das Klima“, das wird unsere Urenkel in 70 Jahren und Merkel und Komplizen heute schon unheimlich froh machen. Da muß man doch gar kein Flugverbot mehr aussprechen. Das regelt sich alles… Mehr