Wall Street bleibt in Rekordlaune, Bitcoin unter Regulierungsdruck

DAX schließt auf, China mit starken Wirtschaftsdaten, Palladium im Höhenflug, Bitcoin unter Regulierungsdruck.

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An der Wall Street haben zum Wochenschluss die Optimisten die Oberhand behalten. In der Hoffnung auf eine weiter anziehende Weltwirtschaft erreichten am Freitag sowohl der breit gefasste Aktienindex S&P 500 als auch die wichtigsten Börsenbarometer aus der Technologiebranche Bestmarken. Allerdings hielten sich die Gewinne angesichts des drohenden Regierungsstillstands in den USA in Grenzen. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hingegen verpasste ein weiteres Rekordhoch und stieg am Ende um 0,21 Prozent auf 26.071 Punkte. Auf Wochensicht ergibt dies ein Plus von 1,04 Prozent. Der S&P 500 ging 0,44 Prozent höher bei 2.810 Punkten, einem neuen Höchststand, aus dem Handel. Der Technologiewerte-Index NASDAQ 100 rückte um 0,34 Prozent vor.

Auf Unternehmensseite nahmen Anleger die Quartalsberichte einiger großer Unternehmen unter die Lupe. Eine milliardenschwere Abschreibung wegen der US-Steuerreform hatte dem Kreditkarten-Riesen American Express den ersten Quartalsverlust seit über einem Vierteljahrhundert eingebrockt. Die Aktien fielen um knapp zwei Prozent. Auch bei IBM hatte eine hohe Sonderbelastung wegen der Steuerreform belastet und das IT-Urgestein im vierten Quartal in die roten Zahlen gedrückt. Allerdings konnte IBM den ersten Umsatzanstieg seit 23 Quartalen verbuchen. Der Konzern bemüht sich schon lange, die Schwäche im Computer-Kerngeschäft mit moderneren IT-Dienstleistungen wie Cloud-Services, Daten-Analyse, künstlicher Intelligenz und Sicherheits-Software zu kompensieren. Analysten äußerten sich dennoch kritisch und bemängelten unter anderem die Profitabilität. Die Papiere verloren am rund vier Prozent. An der Index-Spitze hingegen zogen die Anteilscheine von Nike dagegen um fast fünf Prozent an.

Trotz des weiter starken Euro und der lustlosen Wall Street knüpfte der deutsche Leitindex an seine Vortagsgewinne an und schloss 1,15 Prozent im Plus bei 13.434,45 Punkten. Auf Wochensicht verbuchte er damit einen Gewinn von knapp anderthalb Prozent – zum Rekord bei 13.525 Punkten aus dem November fehlen nun nur noch weniger als 100 Punkte.

Die Nebenwerte-Indizes MDAX und SDAX erreichten zum Wochenschluss wie schon am Vortag Bestmarken. Zum Handelsende behauptete der Index der mittelgroßen deutschen Unternehmen ein Plus von 0,91 Prozent auf 27.455 Punkte, während der Kleinwerte-Index SDAX um 0,92 Prozent auf 12 516 Zähler vorrückte. Der Technologiewerte-Index TecDAX knackte immerhin erstmals seit dem Jahr 2001 wieder die 2.700-Punkte-Marke und verabschiedete sich 0,72 Prozent fester bei 2.703 Punkten.

Im deutschen Leitindex zählte Thyssenkrupp zu den größten Gewinnern. Positiv aufgenommene Aussagen zur Geschäftsentwicklung und erneuerte Forderungen eines Großaktionärs zur Aufspaltung des Konzerns sorgten für einen Kursanstieg um 4,45 Prozent auf 26,30 Euro, was den höchsten Stand seit gut vier Monaten bedeutete. Während Warburg-Analyst Björn Voss den bestätigten Ausblick lobte, sah ein anderer Börsianer die erneuerten Forderungen von Großaktionär Cevian nach einer Aufspaltung des Unternehmens als Kurstreiber.

Am besten im Dax schlugen sich indes die Papiere des Sportartikelherstellers adidas, die um 6,90 Prozent auf 182,80 Euro nach oben sprangen. Hier sorgte neben einem charttechnisch günstigen Bild ein positiver Analystenkommentar zusätzlich für Schwung. Die Aktien von BASF knüpften mit plus 1,58 Prozent an ihre gute Vortagsentwicklung an und erreichten zeitweise sogar ein Rekordhoch.

Dagegen brachen die Aktien von MDax-Schlusslicht Ceconomy nach Quartalszahlen um knapp 13 Prozent ein. Ein schwächer als erwartet verlaufenes Weihnachtsgeschäft und heftige Rabatte um den sogenannten „Black Friday“ hatten dem Elektronikhändler (Mediamarkz) einen deutlichen Gewinnrückgang eingebrockt.

Auch wenn man über den Wahrheitsgehalt von Chinas Wirtschaftsdaten geteilter Meinung sein darf, bleiben sie doch ein Treiber für die Aktienkurse weltweit. So auch vergangene Woche, als Peking verkündete, dass das Bruttoinlandsprodukt im Riesenreich 2017 im vierten Quartal 2017 auf Jahresbasis um 6,8 Prozent und im Gesamtjahr um 6,9 Prozent zugelegt hat — die erste Beschleunigung des Wachs­tumstempos seit 2010. Der Hong­konger Hang Seng Index gehört mit einem Plus von über zehn Prozent zu den besten Börsenplätzen des vergangenen Monats. „Vor dem Hintergrund der ambitionierten Pläne der chinesischen Regierung dürfte sie auch weiterhin alles daransetzen, die Wirtschaft am Laufen zu halten,“ meint Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW.

Edelmetalle glänzen wieder. Am hellsten strahlt derzeit aber nicht Gold, sondern Palladium, dessen Preis auf den höchsten Stand seit 17 Jahren geklettert ist, vor allem dank starker Trends auf dem Automarkt. Während der Absatz von Dieselfahrzeugen zusehends ins Stocken gerät, boomt die Nachfrage nach Autos mit Benzinmotor. Dies fördert die Nachfrage nach Palladium, das vorwiegend in Autokatalysatoren von Benzinmotoren genutzt wird. Die ­Notierung wird zudem gestützt, da bei Palladium 2017 das sechste Jahr in Folge mit Angebotsdefizit angefallen sein dürfte. Zuletzt hat allerdings das Schwesteredelmetall Platin noch mehr hinzugewonnen, das 2017 noch die schlechteste Preisentwicklung unter den Edelmetallen aufwies. Daher besteht nach Meinung der Rohstoffexperten der Commerzbank auch noch großes Aufholpotenzial. Denn sollte Palladium dauerhaft teurer als Platin bleiben, dürften die ­Autohersteller versuchen, Palladium vermehrt durch Platin zu ersetzen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Unternehmen sicher sind, dass die Preisdifferenz tatsächlich länger bestehen bleibt.

Die Finanzaufseher in den USA und in Europa wollen nach den Kursturbulenzen bei Bitcoin & Co die Kryptowährungen stärker unter Kontrolle bringen. Die US-Börsenaufsicht SEC warnte Fonds-Verbände vor Sicherheitsproblemen bei Anlageprodukten, die auf solchen virtuellen Währungen basieren und für eine breite Öffentlichkeit vorgesehen sind.

Deutschland und Frankreich kündigten ein gemeinsames Werben in der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) für ein international koordiniertes Vorgehen an, um die Risiken der Cyberdevisen zu begrenzen. In der EU seien zudem Beratungen über eine Richtlinie bereits fortgeschritten, die dem Bitcoin die Anonymität nehme, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Freitag.

In den USA machte die zuständige SEC-Vertreterin Dalia Blass deutlich, dass es erst dann grünes Licht für Finanzprodukte mit Bezug auf Kryptowährungen geben werde, wenn bestehende Bedenken ausgeräumt seien. „Es gibt eine Reihe substanzieller Probleme mit dem Investorenschutz, die geprüft werden müssen, bevor die Emittenten diese Fonds Investoren anbieten“, betonte Blass in dem am Donnerstag bekanntgemachten Brief. Sie forderte Antworten auf detaillierte Fragen. So müsse geklärt werden, wie bei den anvisierten Investmentfonds und börsennotierten Fonds (ETFs) die Anlegergelder geschützt sind und Preise festgelegt werden. Wichtig sei ferner, dass die Investoren die Risiken verstünden und eine Manipulation der Bitcoin-Märkte verhindert werde.

Die Kursexplosion bei Bitcoin und anderen Cyberdevisen im vergangenen Jahr hat große Begehrlichkeiten in der Finanzindustrie geweckt. Allerdings äußerte die SEC bereits vor Tagen grundsätzliche Bedenken. Daraufhin zogen mehrere Fondsanbieter ihre Zulassungsanträge für Kryptowährungs-Fonds zurück, die sich auch an Privatanleger richten sollen. Insidern zufolge will sich der US-Senat im kommenden Monat mit den Risiken von Bitcoin & Co befassen.

Bereits im März vergangenen Jahres scheiterten die beiden Investoren Cameron und Tyler Winklevoss, denen die Bitcoin-Börse Gemini gehört, mit dem Versuch, einen ersten ETF auf die Cyberwährung genehmigen zu lassen. Die SEC erteilte ihnen eine Absage. Die Winklevoss-Zwillinge, die mit Plagiatsvorwürfen gegen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bekannt wurden, streben an, dass ihr Fonds direkt in Bitcoin investiert. Dies gilt als besonders riskant. Daher sehen die – nun allerdings ebenfalls ausgebremsten – Vorschläge anderer Fondsfirmen vor, in den USA bereits gelistete Terminkontrakte auf Bitcoin zur Grundlage ihrer ETFs zu machen.

Auch in Europa rücken Kryptowährungen immer mehr in den Blickpunkt. Das Bundesfinanzministerium will nach eigenen Angaben die Risiken virtueller Währungen „vertieft“ im Blick behalten. „Bitcoin sind kein gesetzliches Zahlungsmittel, sie unterliegen keiner Einlagensicherung“, sagte der Ministeriumssprecher. Die Finanzaufsicht BaFin habe sie allerdings als Finanzinstrument eingestuft. Damit würden Tauschplattformen für virtuelle Währungen der Aufsicht und damit Sorgfaltspflichten unterliegen.

Auf der europäischen Ebene ist man dem Ministerium zufolge noch nicht ganz so weit. Daher sollten in einer Änderung der EU-Geldwäscherichtlinie alle europäischen Tauschplattformen für solche Währungen und deren Anbieter unter anderem zu einer Identifizierungspflicht beim Umtausch in reale Währungen angehalten werden. Das aber würde „Bitcoin auch die Anonymität nehmen“, sagte der Ministeriumssprecher.

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Das pfeifen die Spatzen schon lange von Dächern. Bitcoin ist ein Testaballon, der bald platzt, und Wallstreet sehr teuer. Chancen sehe ich in Russland: https://www.onvista.de/derivate/index-und-partizipations-zertifikate/OPEN-END-INDEX-ZERTIFIKAT-AUF-RTX-ENERGY-EUR-AT0000A0GV93

Hat jemand noch eine andere Idee?