Kurssturz bei der SAP-Aktie: Was Analysten jetzt raten

Der größte deutsche Software-Konzern hat die Märkte mit einer erneuten Gewinnwarnung geschockt und verliert zeitweise über 30 Milliarden Euro Börsenwert. Analysten raten jetzt zum Kauf der Aktie bei Kurszielen von 145 bis 160 Euro. Von Wolfgang Ehrensberger

imago images / Eibner

Trotz gekappter Geschäftsprognosen und ungeachtet eines dramatischen Kurseinbruchs halten die meisten Analysten am Softwarekonzern SAP fest. Deutsche Institute wie Baader Bank, Berenberg und Warburg gaben nach der Gewinnwarnung Kaufempfehlungen ab, ebenso Goldman Sachs, Barclays, UBS und Credit Suisse. Die Kursziele der Analysten liegen zwischen 145 und 160 Euro. Analyst Knut Woller von der Baader Bank erwartet beim Walldorfer Konzern nun einen radikaleren Wandel zur Cloudsoftware und eine zweijährige Übergangszeit.

Nach der Prognose-Senkung stürzte die SAP-Aktie am Montag um zeitweise 21 Prozent ab. Damit schrumpfte der Börsenwert binnen Minuten um etwa 31 Milliarden Euro – mehr als die gesamte Marktkapitalisierung des Rückversicherers Munich Re. Die Aktie notierte auf einem Niveau wie zuletzt Ende März.

Der Software-Konzern hatte am Sonntag zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt und auch die Mittelfrist-Ziele gekappt. Die Zahlen seien eine böse Überraschung, kommentierten Marktteilnehmer das Geschehen. SAP drohe im Vergleich zur US-Konkurrenz zurückzufallen. Zugleich könnte es der Auftakt einer ganzen Reihe von Gewinnwarnungen im Technologiesektor sein. Überraschend sei vor allem der gesenkte Ausblick für das Cloud-Geschäft 2020 so spät im Jahr, sagte Analyst Andrew DeGasperi von der Berenberg Bank. Die gesenkten Mittelfrist-Ziele zeigten dass die steigenden Corona-Zahlen die Geschäftserholung verzögern könnten.

Schnellerer Umstieg in die Cloud

Inzwischen geht der weltgrößte Unternehmenssoftware-Anbieter davon aus, dass sich die Pandemie „voraussichtlich mindestens bis zur ersten Jahreshälfte 2021“ negativ auswirkt. Demnach könnte das Betriebsergebnis in den nächsten zwei Jahren auch „stagnieren oder etwas geringer“ ausfallen. Im dritten Quartal reichte es währungsbereinigt noch zu einem Plus von vier Prozent auf zwei Milliarden Euro.

Dax-Konzern in der Krise
Im April hatte SAP zum ersten Mal den Ausblick gesenkt. Konkret rechnet SAP 2020 nun mit einem währungsbereinigten Betriebsergebnis zwischen 8,1 und 8,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,2 Milliarden). Bisher waren bis zu 8,7 Milliarden in Aussicht gestellt worden. Beim Umsatz gehen die Walldorfer, die in der Krise auch Abschied von der Doppelspitze genommen hatten, nun von 27,2 bis 27,8 Milliarden Euro aus statt der zuvor prognostizierten 27,8 bis 28,5 Milliarden. Im Gesamtjahr 2019 waren es 27,6 Milliarden Euro.

SAP sieht insbesondere einen schnelleren Umstieg seiner Kunden in die Cloud. Wie die US-Rivalen Salesforce, Workday oder Oracle setzen die Deutschen immer stärker auf den Verkauf von flexibleren Web-Abos, die in der Regel monatlich bezahlt werden und nicht einmalig.


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Kommentare ( 17 )

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Armin Reichert
29 Tage her

Dafür hat SAP die Transformation in eine durch und durch politisch-korrekte, diversifizierte, bunte, klimaneutrale Firma zu 100% erreicht. Glückwunsch Ex-Kollegen!

Odysseus JMB
30 Tage her

Wer in D-land Cloudanbieter werden will, sollte sich fragen, ob denn in diesem Land eine adäquate Energienetz-Betriebssicherheit auf die längere Sicht gewährleistet ist. Diesen Umstand sehe ich nicht. Vielmehr werden in absehbarer Zeit (vermutlich mit dem Abschalten der Atom-Grundlast-Kraftwerke 2023) Blackouts zu den wöchentlichen Highlights einer unverantwortlich betriebenen Energiewende gehören. Die Vorkehrungen für die Bereitstellung ausreichender Serviceverfügbarkeiten werden dann zu einem nicht kalkulierbaren Kostenfaktor, der die betroffenen Geschäftsmodelle infrage stellen wird. EU-Vorschriften könnten zudem sehr Kosten treibend wirken, wenn sie Standorte auf EU-Mitglieder einengen. Norwegen oder die Schweiz gehören bekanntlich nicht dazu. Daneben stellen die, aus heutiger Sicht, kaum überschaubaren… Mehr

Warren Buffett jun.
30 Tage her

Plattner hat heute noch einmal für 50 Mio Euro nachgekauft und seinen Einstandskurs vom Montag verbilligt.
Ich werde bei 92,50 Euro ebenfalls anfangen nachzukaufen und meinen Bestand verbilligen.

smart_observer
1 Monat her

Aktie liegen lassen und aussitzen. Das wird wieder.

Wolfgang M
1 Monat her

Na und.
Vor etwa 3,5 Jahren kaufte ich SAP-Aktien. Aktuell liegen die Aktie ca. 36% im Plus gegenüber dem Einkauf. Da sind die Minus der letzten Tage kein Weltuntergang.
Bei Aktien kann man zocken und ständig kaufen und verkaufen. Oder man verhält sich wie ein Anleger und weiß, dass es in den meisten Fällen auch wieder in die Gegenrichtung geht.
Als Anleger beteiligt man sich auch nicht an Unternehmen wie wirecard.

Familienvater mit Job
1 Monat her

Tja, stellt sich die Frage ob man jetzt kaufen soll oder geht es nochmal runter? Die Kanzlerin fordert ja dringend härtere Maßnahmen.

Warren Buffett jun.
1 Monat her

Warten Sie, bis an drei Tagen hintereinander der XETRA-Schlusskurs der SAP-Aktie höher war als am Vortag – dann können Sie mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit von einer abgeschlossenen Bodenbildung des Aktienkurses ausgehen.

Familienvater mit Job
1 Monat her
Antworten an  Warren Buffett jun.

Danke für den Tip. Ich war im März ähnlich vorsichtig. Da habe ich den Einstieg dann aber komplett verpasst. Ich wollte nur ein wenig vom Notgroschen in Aktien investieren. Auf der Bank nutzt es auch nichts, im Gegenteil. Vermutlich trifft fast keiner den perfekten Kurs.

Schweigender Gast
1 Monat her

2020 währungsbereinigtes „Betriebsergebnis zwischen 8,1 und 8,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,2 Milliarden).“
Muss jetzt der deutsche Steuerzahler für diesen wahrhaft exorbitanten und in der Menschheitsgeschichte noch nie dagewesenen realen Verlust einspringen?

Oder geht es ganz banal darum, spekulierte Börsenwerte und -verluste dafür zu benutzen, mit Hilfe der Kanzlerin einen neuen Staatskonzern zu gründen?

fatherted
1 Monat her

häää? SAP hat doch gerade für viel Steuergeld eine „nicht funktionierende“ Corona App auf den Markt gebracht….? Warum dann dieser Kurssturz? Das Unternehmen und seine Produkte sind doch „super erfolgreich“……

Corrado Cattani
1 Monat her
Antworten an  fatherted

Die Investoren kommen vornehmlich aus dem Ausland und gucken keine Tagesschau und andere ÖRR-Sendungen…

Ben Goldstein
1 Monat her

Also ich versteh die Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft nicht. Das muss man einfach alles positiv sehen, so wie die ARD. Die Zukunft des Standorts Deutschland liegt ja wohl mal im CO2-neutralen Tourismus. Wir und Thailand. Da guckt der böse Ami in die Röhre.

Fulbert
1 Monat her

Wie viele Technologiewerte war SAP hoch bewertet. Zudem war die Aktie ein Liebling zahlreicher Fondsmanager und entsprechend stark gewichtet in den Portfolios. Da reicht eine Enttäuschung, um einen derartigen Einbruch hervorzurufen. Eine zweite Wirecard muss man aber nicht fürchten, eher weitere Korrekturen bei anderen teueren Technologieaktien.