Mit seiner Ablehnung des Mercosur-Abkommens isoliert sich Frankreich zunehmend. Für die EU wird das zum Problem. Sie musste eine Abwägung zwischen Agrarwirtschaft und Industrie treffen. Die Handelspolitik ist indes nicht das einzige Thema, bei dem Frankreich für die EU zum Hemmklotz wird. Frankreichs Finanzen befinden sich in einem dramatisch schlechten Zustand.
shutterstock
Am Samstag wurde offenbar, dass es in der Europäischen Union kriselt. Da wird EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen nach Paraguay reisen, um dort das Handelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur-Verbund unterzeichnen. Dieser Wirtschaftsorganisation gehören Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay an. Frankreich hat bis zum Schluss gegen diese neue Freihandelszone opponiert. Einmal schon musste die Unterzeichnung verschoben werden. Eine Mehrheit der EU-Länder aber will das Abkommen. In Frankreich aber – von der extremen Linken bis nach ganz rechts reicht dort die Ablehnung. Die Politiker befürchten, dass viele heimischen Landwirtschaftsbetriebe mehr Wettbewerb nicht überleben werden. Dabei ist die Sache gar nicht so eindeutig: Für Käse- und Weinhersteller eröffnen sich neue Märkte, Rinderzüchter und Milchbauern sowie die Produzenten von Zucker und Ethanol fürchten dagegen die Konkurrenz aus Lateinamerika.
Mit seiner Ablehnung isoliert sich der mächtige Mitgliedstaat zunehmend. Für die EU wird das zum Problem. Sie musste eine Abwägung zwischen Agrarwirtschaft und Industrie treffen. Die Handelspolitik ist indes nicht das einzige Thema, bei dem Frankreich für die EU zum Hemmklotz wird. Frankreichs Finanzen befinden sich in einem dramatisch schlechten Zustand, und die Regierung sollte das aufgelaufene Defizit gemäß der EU-Defizitktiterien schleunigst reduzieren. Das Budget wird allerdings verschleppt; die Regierung ist ohne verabschiedeten Haushalt ins neue Jahr gestartet. „Am Kapitalmarkt kann sich Frankreich noch finanzieren. Aber das kann sich rasch ändern. Die Welt ist instabil geworden. Halbwegs solide Finanzen sind jetzt nötiger denn je, um Turbulenzen zu überstehen. Frankreich scheint das nicht zu bekümmern“, moniert eine Kommentator der „Neuen Zürcher Zeitung“. In der Tat, Deutschland und die EU muss es aber kümmern.
Das Beispiel Italien zeigte 2012, wie ernsthafte budgetäre Probleme eines Landes auf andere überschwappen. Frankreich dagegen fordert, dass sich die EU stärker verschuldet. Gibt die EU allerdings bei gemeinsamen Schulden nach, steht sie finanziell in einigen Jahren möglicherweise so schlecht da wie Frankreich heute. Industriepolitisch vertritt das Land ebenfalls eine Minderheitsposition. Nach einheimischer Tradition verlangt es mehr staatliche Eingriffe in die Wirtschaft der EU, um so Wachstum zu schaffen. Industriepolitik hat in Frankreich aber nur beschränkt funktioniert – sonst stünde das Land heute besser da.
Nach dem starken Jahresstart am deutschen Aktienmarkt haben sich die Anleger am Freitag erst einmal zurückgehalten. Der Dax fiel um 0,2 Prozent auf 25.297 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Börsenwerte ging es gut 0,1 Prozent tiefer mit 31.899,26 Punkten ins Wochenende. Allerdings sehen viele Analysten wie Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater darin lediglich eine Verschnaufpause: „Nach dem ereignisreichen Jahresbeginn an den Krisenschauplätzen Venezuela, Grönland und Iran mussten die Kapitalmärkte diese geopolitischen Entwicklungen erst einmal verdauen.“
Aus Sicht von Marktexperte Marcel Mußler konkurriert derzeit der kurzfristige Abwärtstrend mit dem steilen Rallytrend seit Mitte Dezember. So trieb zuvor vor allem die Aussicht auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft die Kurse an. Hinzu kommen der weiter ungebremste Ausbau von KI-Kapazitäten weltweit sowie die Rüstungsinvestitionen rund um den Globus. Obendrein nehmen noch Trends wie Robotik und perspektivisch auch die Weltraumwirtschaft Fahrt auf.
Die Entwicklung in Frankfurt spiegelte sich an den übrigen großen europäischen Börsenplätzen wider: Der EuroStoxx 50 büßte am Freitag 0,2 Prozent auf 6.029 Punkte ein. Außerhalb der Euroregion gab der britische FTSE 100 ebenfalls leicht nach, der Schweizer SMI fiel sogar fast ein halbes Prozent. Auf Unternehmensseite stand hierzulande zum Wochenschluss der Stahlhändler Klöckner & Co im Fokus. Der US-Konzern Worthington Steel bietet elf Euro je Aktie für die Düsseldorfer, deren Großaktionär Friedhelm Loh das Angebot unterstützt. Der KlöCo-Aktienkurs schnellte um 28,2 Prozent auf 11,04 Euro nach oben. Bereits seit dem Bekanntwerden von Übernahmeverhandlungen Anfang Dezember 2025 war es steil aufwärts gegangen.
Aus Branchensicht schwächelten insbesondere Chemiewerte, nachdem die Analysten von Barclays und JPMorgan wenig Hoffnung auf eine Belebung der schon lange schwächelnden Branche gemacht hatten. Am Dax-Ende verloren Brenntag und BASF vier beziehungsweise 3,7 Prozent, im MDax gerieten Evonik, Wacker Chemie und Lanxess unter Druck. Gefragt waren auf der anderen Seite Papiere von Unternehmen, die von der Energiewende und dem Ausbau von Künstlicher Intelligenz (KI) profitieren. Die Aktien des Energietechnikkonzerns Siemens Energy gewannen vorne im Dax 6,3 Prozent, für Versorger RWE ging es um 1,5 Prozent nach oben. Ihm kam auch der Durchbruch beim geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zugute. Für die Anteilsscheine von K+S ging es dagegen um 4,6 Prozent bergab, womit die Anleger ihre jüngsten Gewinnmitnahmen beim Kalidünger-Konzern ausweiteten. Für Belastung sorgte wohl Konkurrent Mosaic. Das US-Unternehmen berichtete von einer Nachfrageschwäche im vierten Quartal, die deutlicher als saisonal üblich ausgeprägt gewesen sei.
Drägerwerk knüpften mit einem Anstieg um 11,7 Prozent an ihren starken Vortag an, an dem der Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik mit Eckdaten und einem ersten Ausblick für 2026 überzeugt hatte. Am Freitag stufte Analyst Harald Hof von MWB Research die Aktien bei einem neuen Kursziel von 95 Euro auf „Buy“ hoch. Die Prognose des Managements für 2026 deute auf eine stärkere Margendynamik hin als bisher angenommen.
Später schloss der Dow Jones Industrial knapp 0,2 Prozent tiefer bei 49.359 Punkten. Daraus resultierte ein Wochenverlust von 0,3 Prozent. Der marktbreite S&P 500 ging praktisch unverändert mit 6.940 Zähler aus dem Markt. Der von Technologiewerten geprägte Nasdaq 100 sank um knapp 0,1 Prozent auf 25.529 Punkte, woraus sich ein Wochenminus von knapp einem Prozent ergab.
Für Unsicherheit sorgten Aussagen von US-Präsident Donald Trump im Rennen um den Chefposten bei der US-Notenbank Fed. Er wolle seinen Wirtschaftsberater, der als Kandidat hoch gehandelt wird, eigentlich in dessen aktuellem Job behalten, sagte Trump bei einem Auftritt in Washington. Hassett, der Vorsitzende des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus, gilt als umstritten, da er wie der US-Präsident eine sehr lockere Geldpolitik befürwortet und damit das Risiko steigender Inflation in Kauf nimmt.Konjunkturdaten aus den USA spielten kaum eine Rolle. Die Industrieproduktion war im Dezember stärker als erwartet gestiegen.
Aus Branchensicht standen Bau- und Immobilienwerte in der Anlegergunst ganz oben, gefolgt vom Industriesektor. Versorgeraktien wurden hingegen mit am stärksten gemieden. Dazu trugen auch die Papiere von Constellation Energy bei, die um knapp zehn Prozent absackten. Händlern zufolge reagierten Anleger auf die wachsenden regulatorischen Risiken, nachdem die jüngsten Maßnahmen der US-Regierung zur Begrenzung der Netzauktionen Bedenken hinsichtlich der künftigen Gewinne der Stromversorger aufkommen ließen. Die Anteilsscheine von Mosaic standen – wie oben erwähnt – mit einem Abschlag von 4,5 Prozent negativ im Rampenlicht. Das Unternehmen enttäuschte die Anleger, indem es für das vierte Quartal von einem deutlichen Rückgang der Düngemittelnachfrage in Nordamerika berichtete. Laut dem Experten Andrew Wong von RBC unterstreicht dies schwache Marktbedingungen bei Düngemitteln.
Derweil setzte sich die Tendenz fort, dass viele Analysten zum Jahresbeginn ihre Aktienfavoriten neu definieren. So geschehen bei JPMorgan, deren Experte Stephen Tusa die Papiere des Mischkonzerns Honeywell hochstufte und jene des Mischkonzerns 3M abwertete. Honeywell verteuerten sich um 2,1 Prozent, während 3M um 1,9 Prozent nachgaben. Morgan Stanley gab im Konsumgüterbereich zwei bisher optimistische Urteile auf, worauf hin die Aktien von Kraft Heinz und JM Smucker um 2,9 beziehungsweise 2,6 Prozent fielen. Analystin Megan Clapp stellte in ihrer Studie fest, dass der US-Lebensmittelmarkt erhöhten Wettbewerbsrisiken ausgesetzt sei.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein