„Wilde Wahl“ in Limbach: Wenn niemand mehr Bürgermeister sein will – TE-Wecker am 25. Januar 2026

Der TE-Wecker erscheint montags bis freitags – und bietet Ihnen einen gut informierten Start in den Tag. Ideal für den Frühstückstisch – wir freuen uns, wenn Sie regelmäßig einschalten. An Wochenenden und Feiertagen erscheint der Wecker mit einer Schwerpunktsendung.

 

In der Gemeinde Limbach im Neckar-Odenwald-Kreis steht eine Bürgermeisterwahl an – doch zunächst ohne Bewerber. Weder aus der Verwaltung noch aus dem politischen Umfeld fand sich ein Kandidat. Erst nach Hinweisen aus dem Bekanntenkreis entschloss sich Giovanni Deriu, parteilos und von außerhalb, seinen Hut in den Ring zu werfen. Damit wurde aus einer formalen Wahl eine sogenannte „wilde Wahl“ – ein seltenes, aber zunehmend häufiges Phänomen in ländlichen Regionen.

Giovanni Deriu ist seit langem TE-Autor, kennt selbst kommunale Abläufe aus jahrelanger Zusammenarbeit mit Bürgermeistern, war jedoch selbst noch nie Kandidat. Die Reaktionen in Limbach und den Ortsteilen reichen von Skepsis bis Erleichterung, dass sich überhaupt jemand bewirbt. Viele Bürger berichten von strukturellen Problemen: fehlender Nahverkehr, Abwanderung junger Menschen, knappe Haushalte und kaum kommunaler Gestaltungsspielraum.

Der Fall Limbach ist kein Einzelfall. Immer mehr Gemeinden finden keine Bewerber mehr für das Bürgermeisteramt. Hohe Arbeitsbelastung, politische Konflikte, begrenzte finanzielle Mittel und geringe Planungssicherheit schrecken ab. Die „wilde Wahl“ in Limbach macht sichtbar, was vielerorts verdrängt wird: Kommunale Selbstverwaltung steht unter Druck. Wo niemand mehr Verantwortung übernehmen will, gerät ein Grundpfeiler der Demokratie ins Wanken.

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Kommentare ( 16 )

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16 Comments
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Markus Gerle
1 Monat her

Vielen Dank für die interessanten Informationen. Auch ich kannte das Prozedere nicht. Nebenbei habe ich mal geschaut und gesehen, dass man zum Bürgermeisteramt sogar verpflichtet werden kann wie damals als Soldat. O. k., mit einem Ordnungsgeld kann man sich freikaufen. Herrn Giovanni Deriu wünsche ich viel Erfolg. Leider bin ich bei der Kommunalwahl in Limbach nicht wahlberechtigt. Ich empfehle Herrn Deriu jedoch, seinen Namen möglichst häufig in gedruckter Form zu veröffentlichen. Deutsche Wähler können sich den Namen u. U. nicht so leicht merken, was bei diesem Verfahren die Wahrscheinlichkeit einer Wahl reduziert. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, liegt… Mehr

Maja Schneider
1 Monat her

Um Gottes willen, wir wissen nun doch durch den ehrenwerten Ministerpräsidenten Daniel Günther und die medialen und sonstigen Auseinandersetzungen rund um seine Aussagen bei Markus Lanz, dass diefreien und unabhängigen Medien – Nius und andere – (auch der Kontrafunk wird seit neuestem von bestimmten Kreisen in Konstanz als „rechtsextrem“ bezeichnet) der Demokratie aufgrund ihrer falschen, also rechten und faktenbefreiten Gesinnung schaden und deshalb staatlicherseits bekämpft bzw.verboten werden müssten. Herr Deriu aber schreibt nun für eines dieser „demokratiegefährdenden“ Medien und ist somit sicher nicht geeignet für den Bürgermeisterposten von Limbach, trotz des Mangels an Bewerbern. Ich möchte fast wetten, dass seine… Mehr

Rene Meyer
1 Monat her

Kommunale Selbstverwaltung steht unter Druck. Wo niemand mehr Verantwortung übernehmen will, gerät ein Grundpfeiler der Demokratie ins Wanken. Wo es kaum Gestaltungsspielraum gibt, da gibt es auch kaum Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen. Da geht es letztlich nur noch um die Verwaltung des Mangels, was regelmäßig dazu führt, dass das kleinere Übel gewählt wird und der Abwärtsstrudel weitergeht. Hier verantwortlich zu handeln, hieße, den Gestaltungsspielraum zu vergrößern. Dazu müssten sich die Kommunen zusammentun und sich ihre lokale Entscheidungs- und Rechtsfreiheit zurückholen. Falls sich innerhalb der bestehenden Strukturen für Deutschland überhaupt noch etwas auf verträgliche Weise zum Positiven hin verändern kann, dann… Mehr

Britsch
1 Monat her

Selbst wohne ich in einer kleineren Gemeinde. Umgeben von weiteren.
Ich glaube das Hauptüroblem sind die vielen Vorschriften.
Und auch daß Mitarbeitende ihre Tätigkeit großteils nur noch als Job sehen.
Genauso macht es Schwierigkeiten, daß sichj heutzutage fast Niemand mehr an Gesetze hält und nur entsprechend dem eigenen Vorteil sieht, was auch in der Verwaltung zu Schwierigkeiten führt

Mausi
1 Monat her

kommunaler Gestaltungsspielraum: Ich habe mal unseren kommunalen Haushalt angeschaut. Wenn ich den denn richtig verstanden habe, ist der größte Einnahmeposten die GewerbeSt. Sie macht 50% der Einnahmen aus. Knapp 55% der Einnahmen fließen als Kreisumlage und GewStUmlage aus dem Haushalt ab. Der verbleibende „Rest“ fließt dann zu 75% in Personalkosten und Gebäude- und Grundstücksunterhalt, Bewirtschaftungskosten. Die verbleibenden 25% werden dann wie folgt – bezogen auf die 25% – ausgegeben: Die drei größten Posten: Schulen einschl. Umlage für weiterf. Schulen (29%), Feuerwehren (19%), Straßen- und Gewässerbau (16%). An vierter Stelle stehen mit 13% des Anteils von 25% die Ausgaben für Kindertagesstätte,… Mehr

Last edited 1 Monat her by Mausi
Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Mausi

Dann suchen Sie erst mal, was Klingbeil auf ganz anderen Ebenen anrichtet. Oder Lindner vordem angerichtet hat. Und vor dem…

Haba Orwell
1 Monat her

> Viele Bürger berichten von strukturellen Problemen: fehlender Nahverkehr

Ein TE-Autor? Wollte TE nicht das Deutschlandticket abschaffen, am besten gleich den Nahverkehr mit? Ob das in der Wahl so gut ankommt?

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Haba Orwell

Das Eine hat, wie so oft in Ihren Kommentaren, mit dem Anderen doch gar nichts zu tun?
Da fährt gar kein Bus. Oder keiner im Stundentakt bzw. ein Taxi auf Abruf.
.
Was nützte einem also ein Ticket, wenn er an Haltestellen vergeblich wartete?

Britsch
1 Monat her
Antworten an  Haba Orwell

Ich denke der öffentliche Nahverk4ehr ist da vielfach eher als nebensächlich zu betrachten

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Britsch

Ist schon ein Problem für Menschen ohne Auto – gerade wenn in der Gemeinde kein Supermarkt mehr ist, auch keine Ärzte oder Banken und sonst wenig Infrastruktur.
Man ist tatsächlich auf Nachbarschaftshilfe wie Vorratshaltung angewiesen – zumal wenn nicht mal mehr der Bäcker klingelnd seine Brote per Sprinter verkauft.

Britsch
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Ich hätte schreiben sollen, daß das VIELFACH eher nebensächlich zu betrachten ist. Ich kenne Gemeinden da ist der öffentliche Nahverkehr sehr gut und es gibt Schwierigkeiten Jemand zu finden. Dier Gemeinden habenm auch z.B. keinerlei Schwierigkeiten bezüglich Bevölkerungsschwund

Last edited 1 Monat her by Britsch
GefanzerterAloholiker
1 Monat her

Dort sehen Sie rot.
https://www.bayernets.de/transparenz/versorgungssicherheit
Bayern zu analysieren, scheint zu lohnen.

Last edited 1 Monat her by GefanzerterAloholiker
Mausi
1 Monat her

Danke für den Link! Es taucht über uns Leser immer wieder Interessantes auf.

GefanzerterAloholiker
1 Monat her
Antworten an  Mausi

In Bayern haben die möglicherweise – man redet davon – eine Anzahl Speicher, die deutlich verringerten Füllstand aufweist.
Ein kalter Februar wird neue Aufschlüsse bringen.

Guzzi_Cali_2
1 Monat her

So sehr ich dem Herrn allen Erfolg wünsche; angesichts der überbordenden Bürokratie würde ich mir diesen Depri-Job nicht ans Bein binden wollen. Und er hat schon das typische, bei mir zwischenzeitlich Ekel auslösende, Politgeschwafel drauf, von wegen „Menschen mitnehmen“ und so. Wenn einer schon von „Menschen“ redet, könnte ich brechen. Wenn einer Bürgermeister werden will, dann bin ich für den vor allem erstmal gleichrangiger BÜRGER – ich bin mit ihm ja nicht nackt in der Sauna. Richtig Party wäre, wenn sich jetzt noch ein AfD-Kandidat aufstellen lassen würde. Man könnte gar nicht so schnell gucken, wie die Kartellparteien einen Gegenkandidaten… Mehr

Manfred_Hbg
1 Monat her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

Nun ja, so wie Sie, hätte auch ich keinerlei Interesse an einen OB-Job. Doch wenn jemand wie Herr Giovanni Deriu Lust auf den Job hat UND da in Limbach dank den bisherigen Bürgermeister ja soweit alles geregelt zugehen soll, wäre das vielleicht der geeignete Ort wo Herr Deriu seinen Bürgermeister-Wunsch gut und wohl auch ziemlich streßfrei umsetzen und erfüllen kann.
Doch schaun wir mal….. – denn erst mal muß Herr Deriu ja noch gewählt werden.