Die Terrorserie von Paris zum Hochamt „Fußball“ und ihre Folgen

Wer nicht die Macht hat zu schützen, hat auch nicht das Recht, Gehorsam zu verlangen.

Die schlimmste Terrorserie in Europa seit mehr als zehn Jahren: Mehr als 140 Menschen werden innerhalb von Minuten in Paris getötet. Zeitgleich findet das Fußballspiel der beiden führenden Nationen Europas im Stade de France statt: Frankreich gegen „Die Mannschaft“, die Weltmeister ist und auf der „FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste“ aktuell Platz zwei belegt. Frankreich und Deutschland werden in ihrem Spiel kaum gestört, während die Peripherie des Stadions in Gewalt und Blutbädern versinkt. Symbolisch wie die Zwillingstürme am 11. September 2001: Der Anschlag findet zum Hochamt der europäischen „Religion Fußball“ statt. Die Botschaft lautet: Noch spielt ihr, aber wir gestalten eure Realität! Warum jetzt, wo sich doch Europa dezidiert islamfreundlich zeigt?

Das Einlaufen der Mannschaften

Al-Qaida gab im Jahr 2003 bekannt: We „should have made clear to the West that a person has only three options: become a Muslim, live under the rule of Islam, or be killed.“ Gihād, genauer „“gihād fī sabīl Allāh“, bedeutet „die Ausbreitung des Islam auf dem Wege Gottes“ oder „für Gott“. Da die Erde aus dem Reich des Friedens, dār al-islām, und dem Reich des Krieges – dār al-harb, das Gebiet, das noch nicht islamisch ist – besteht, ist die Aufgabe des gihād die „Befriedung“ aller nichtislamischen Gebiete.

Diese Dichotomie findet sich paradoxerweise auch im Westen wieder. Da die eigentlich 1789 dem Volk gegen den Staat zur Verfügung stehenden Menschenrechte sukzessive durch die Staaten selbst „gekapert“ wurden, sind Kriege des Westens automatisch Bürgerkriege der „Menschheit“ gegen etwas, was „dem Menschen“ nicht entspricht. Der postmoderne französische Philosoph Jean-Francois Lyotard beschreibt das folgend: „Von nun an wird man nicht mehr wissen, ob das auf diese Weise verkündete Gesetz französischer oder menschenrechtlicher Natur ist, ob der im Namen der Menschenrechte geführte Krieg auf Eroberung oder Emanzipation abzielt, ob die im Namen der Freiheit ausgeübte Gewalt repressiver oder pädagogischer (fortschrittlicher) Natur ist.“ Um mit Peter Struck zu sprechen, ob Deutschland „auch am Hindukusch“ verteidigt werden muß und/oder – dieselbe Rede – „dass Menschenrechte eingehalten werden“.

Das Eigentor

Eine Entwicklung, die verstärkt wird durch technischen Fortschritt und Globalisierung und der einhergehenden Deterritorialisierung und Entgrenzung: Der allerdings folgerichtige Gipfel der Entwicklung besteht darin, dass Staaten globale Menschenrechte auf Kosten von Bürger- und Grundrechten der eigenen Bevölkerung, ja auf Kosten ihrer selbst durchsetzen – was die EU im  freiwilligen Verzicht auf Hoheitsrechte und durch die Nichtahndung des Illegalen Grenzübertritts belegt.

Die nahezu kampflose Auf- und Preisgabe Europas kann allerdings auch der „Gihād“ nicht hinnehmen. Das geistreiche Diktum Clausewitz‘ – Der Eroberer liebt stets den Frieden … Er würde gern widerstandlos in unser Gebiet einziehen – ist dem Glaubenskämpfer zwar nun möglich, ohne Gihād, zumal auch die ihm im Paradies zur Verfügung stehenden Jungfrauen, – „haarlos außer den Augenbrauen und dem Kopf“, „ewig jung“, „mit großen, runden Brüsten“ und „anregender Vagina“ – ein durchaus westliches, oft auch mit plastischer Nachhilfe errungenes Schönheitsideal sind. Aber: Ohne Gihād keine Gihād-Führenden, kein (religiöses) Heldentum, das im Westen der „postheroischen Gesellschaften“ (Herfried Münkler) ja schon lange wegrationalisiert wurde.

Insofern nutzt der Glaubenskämpfer die ihm zur Verfügung stehende Freizügigkeit und Reisefreiheit, um auf seine „verzweifelte Lage“ dreifach aufmerksam zu machen: „Angst und Schrecken“, durch die „Kreuzfahrer-Gazetten“ transportiert, sind zum einen Nachweis für die Auftraggeber und Unterstützer in der islamischen Umma, gereichen zögernden Sympathisanten ob dieses nachlesbaren Ruhms als Vorbild und erschüttern die postheroischen Gesellschaften.

Der Konter

Keine Actio ohne Reactio, denn, mit Thomas Hobbes gesprochen: Wer nicht die Macht hat zu schützen, hat auch nicht das Recht, Gehorsam zu verlangen. Insofern muss der Staat versuchen, seine passive Kernkompetenz, das voreilig preisgegebene Feld der Inneren Sicherheit, zurückzugewinnen. Frankreich hat mittlerweile den Ausnahmezustand ausgerufen und seine Grenzen geschlossen. Die Armee soll an neuralgischen Punkten im Inneren eingesetzt werden.

Die Maßnahmen zur Stabilisierung der Inneren Sicherheit, die sicher in ganz Europa folgen werden, gleichen – mit Henryk Broder gesprochen – einer Schwangeren im neunten Monat, die sich Gedanken über Verhütung macht. Der, wenn überhaupt, gestellten Frage, ob denn die zu Millionen registriert und unregistriert in Europa befindlichen Flüchtlinge – zu über 70% männlich und jung – nun wirklich in Not oder „nur“ Wirtschaftsflüchtlinge sind, werden sich weitere hinzugesellen: Terrorist oder kein Terrorist, Potential für Salafisten oder nicht?  Ob das die „Willkommenskultur“ nachhaltig erschüttern wird, vermag man angesichts der Faktenresistenz mancher „Multiplikatoren“ und Mitbürger nicht vorauszusagen.

Die zweite Halbzeit

Sicher ist: Die damit verbundenen „Unbehaglichkeiten“, Gesetzesverschärfungen, Überwachungsmaßnahmen betreffen nicht nur die eigenen Bevölkerung, sondern eben auch die kasernierten oder frei herumziehenden Flüchtlinge – laut BAMF im Oktober mehr als 300.000. Und erhöhen das Potential der Enttäuschung und damit der Radikalisierung, gerade angesichts einer Infrastruktur am Limit, dessen jüngster Hilferuf der Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung des Tempfelhofer Feldes ist, auf dem trotz gegenläufigem Volksentscheid, 5.000 Flüchtlinge untergebracht werden sollen.

Das alles spielt dem Gihād in die Hände. Denn wenn sich Europa seiner eigenen Werte besinnt und beginnt, sich zu verteidigen, dann wird es wieder „Kreuzfahrer“ und gerät „mit Recht“ ins Visier des Gihād, der ja bereits in Form des IS in Syrien „weapons of mass migration“ gegen den Westen einsetzt und dies auch in Lybien als Schleuser für potentiell 60 Millionen afrikanische Migranten exerzieren möchte. Rekrutieren ließe sich zudem das bereits in Europa zunehmende Prekariat.

Wenn sich Europa allerdings nicht wehren sollte, dann wird sich von den Optionen, die der gewaltbereite Islam den Ungläubigen zur Verfügung stellt – a) become a Muslim, b) live under the rule of Islam, c) or be killed – sukzessive a) oder b) erfüllen. Aber auch das ist keine Option, denn die sich darin spiegelnde „Feigheit“ widerspricht dem „Männlichkeitswahn“ des Nahen und Mittleren Ostens, den nicht nur Alice Schwarzer hier treffend zu beschreiben weiß, und aufgrund dessen die „deutschen Kartoffeln“ gerne auch schon gegenwärtig verspottet werden.

Da aber auch Frauen und Kinder Opfer des islamischen Terrorismus werden – wie aktuell in der „Facebook-Intifada“ in Israel -, möchte man hoffen, dass auch von dieser Seite her ein wirklicher #aufschrei erklingt, der Mama Merkel nicht nur an die „Adoptivkinder“, sondern auch an die eigenen erinnert.

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