Weis(s)e Weihnacht – die etwas andere: El Camino Christmas

Kein amerikanisches Klischee fehlt und der Zuschauer hat immer das Gefühl selbst dabei zu sein, weil sich alles so einfach entwickelt und sooo nachvollziehbar ist: alles von höchster Perfektion und nie ohne trauriges Lächeln.

Netflix

„Hier sieht´s wie in einem beschissenen Kriegsgebiet aus, ja friendly fire, die Hölle auf Erden… trotzdem schönes Weihnachten.“ Das sagt sich in einem Store, mit einer sehr gemischten Insassenschaft, die von der Polizei in Nevada am Weihnachtstag belagert wird. Ein unglaubliches Drama shakespearscher Komplexität mit allen Verschränkungen und Wendungen, die man von einem erstklassigen Movie erwartet.

Wirklich kein amerikanisches Klischee bleibt ausgelassen und der Zuschauer hat immer das Gefühl selbst dabei zu sein, weil alles sich alles so aus dem einfachen Vordergrund entwickelt und sooo nachvollziehbar ist. Alles ist von höchster Perfektion und nie ohne trauriges Lächeln.

Ein junger Tramp (Luke Grimes) sucht seinen Vater in einem Kaff nahe der Wüste in Nevada und gerät in die Mühle eines überbordenden Vice Sheriffs  (durch einen großartigen Vincent D’Onofrio gespielt) und wird in einem typischen sehr amerikanischen, sehr freundlichen Store am Straßenrand Store gestoppt. Ein alter Veteran, der aus „Guck mal wer da hämmert“, der eher kömödiantisch bekannte Tim Allen, gibt eine geniale Charakterrolle als versoffener Veteran, der einiges anders sieht als alle anderen und dem Ganzen eine Wendung gibt. Jessica Alba (Dark Angel) ist mit ihrem vielleicht  achtjährigen Filmsohn Ashton Essex Bright mehr als die einzige überzeugende menschliche Note im Streifen. Und irgendwie schneit es dann doch.

Während ganz normale und lebenskluge Polizisten unter dem nicht mal schlecht meinenden Sheriff (Kurtwood Smith, Stark Trek VI, The Undiscovered Contry) und Dax Shepard als Deputy versuchen, das Unmögliche in den Griff zu kriegen, kippt die Situation und endet nicht ganz wie im typischen amerikanischen Film.

Regisseur David E. Talbert hat mit seinen Autoren Theodore Melfi, Christopher Wehner mit Goldenlight Films und der unaufgeregten Starbesetzung im letzten Jahr ein cinematographisches Meisterstück gezimmert, dass eher an ein Kammerspiel als an einen der üblichen amerikanischen BlockBuster erinnert. Trotzdem fehlt absolut nichts an Schärfe, Spannung, Brillianz und Tiefe. Selten habe ich so eine gelungene Komposition erlebt, die so originell ist und einem das Nachdenken nicht erspart. Shakespeare hatte das einst mingle-mangle genannt, wenn einem das Lachen plötzlich ausbricht oder eben doch ganz schnell im Halse stecken bleibt.

El Camino Christmas ist bei Netflix zu sehen, und demnächst im Handel.

Torsten Kurschus ist freier Publizist.

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Kommentare ( 4 )

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So so… ein cinematographisches Meisterstück also.
Fand ich nicht.

Kommt da auch eine Weihnachts – und Neujahrsansprache drin vor ?

Der falsch geschriebene Filmtitel in der Überschrift versprach nichts, was der Artikel nicht halten konnte.

Kunden welche „El Camino Chrismas“ mochten, schauten auch die Serien „Fargo“, „Breaking Bad“ und „Ozark“.

Schöne Grüße an den Gastautor! 🙂

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