Ungarn will keine Muslime – Wird Islamfeindlichkeit in Europa salonfähig?

Eigentlich war alles zum Ungarn-Bashing vorbereitet, aber leider verlief das Plebiszit wie das Hornberger Schießen. Also wurde ein Buch verkauft. Frei nach Karl Dall: Diese Scheibe müsst ihr koofen, es ist ne Scheibe für die Doofen.

Screenshot ARD

Die Ungarn sind ein eigenwilliges Völkchen, das den Riesen-Reichen immer wieder dezent in deren Einheits-Suppen spuckt. Im Sowjetblock hieß das Gulasch-Kommunismus, im heutigen Moralischen Imperium bringen sie den Einheitsbrei von Schulz zum Überkochen mit ihrer Orban-Demokratie.

Gestern haben sie dann auch noch Anne Wills Empörungsshow zum Shöwchen implodieren lassen. Bevor wir in die Details gehen, müssen wir noch kurz den Hinweis „Dauerwerbesendung“ einblenden, was die ARD leider vergessen hat. Vielleicht dachten die Verantwortlichen, dass das nur bei dezentem Product-Placement, nicht aber bei der Vorschlaghammer-Methode nötig sei. Im Wesentlichen ging es um zwei Produkt-Informationen. Erstens, Cem Özdemir verkauft sich als Spitzenkandidat für Grün-Schwarz, was nicht nur durch Cems Körpersprache – am Ende bewegten er und Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sich fast wie Synchron-Schwimmer –, sondern auch argumentativ verblüffend auffällig war. Zudem hatte Cem augenscheinlich seinen ganzen Ortsverband mitgebracht, der fast so viel Wind machte, wie die falschen Jubler im jüngsten Peinlich-Video unseres Außenministers.

Als Zweites sollte ein Buch verkauft werden, das den Deutschen erklärt, sie mögen sich bei der Willkommenskultur gefälligst noch mehr anstrengen. Deshalb hatte das Anne-Will-Team Lamya Kaddor eingeladen, denn zum Thema „Ungarn will keine Muslime“ konnte sie als Religionslehrerin, zu der sie das Anne-Will-Team herabgestuft hat, während dieses sie im Mai noch als Islamwissenschaftlerin firmiert hatte, vorhersehbar nichts beitragen.

Um das Buch und die Autorin interessant zu machen, wurde Frau Kaddor als Lehrerin vorgestellt, die sich wegen Morddrohungen hat beurlauben lassen. Gerade, als man dachte „Also diese Ungarn!“, erzählte die Grund- und Hauptschullehrerin, „dass massive Anfeindungen nichts völlig Neues für sie seien.“ Schon bei ihrem ersten Buch bekam sie Morddrohungen von Salafisten.

Jetzt aber berichtete sie von „54 Einzelnachrichten“ per Email, die ein und derselbe Verrückte, „der nur 50 Kilometer“ von ihr weg wohnt im Minutentakt geschickt und mit wüsten Beschimpfungen versehen hatte. Absender: „Heil Hitler!“ Nun sind wir sicher, dass ein unflätiger Worttäter, der seine Korrespondenz unter seinem echten Namen derartig beschließt, als Wiederbetätiger in NRW mit mehrjähriger Haftstrafe belegt wird.

Autoren-Paar Kaddor/Schneiders: Auf Beutezug im Deutschlandfunk
Familienbetrieb Kaddor? Public Private Partnership? Öffentlich-rechtlicher Rundfunk?
Ein bisschen weit hergeholt, denken Sie? Nun, die medialen Verkaufswellen für das Kaddor-Buch begannen beim Deutschlandfunk, wo Kaddors Ehemann Thorsten Gerald Schneiders als Redakteur arbeitet, und überschwemmen seitdem das Land. In jedem Fall der Aufhänger: Morddrohungen von rechts. Was uns zum mysteriösen und bis heute ungeklärten Fund einer Pistolenkugel in Heiko Maas´ Briefkasten bringt – aber wir schweifen ab.

Eigentlich ging es ja um „Ungarn will keine Muslime – Wird Islamfeindlichkeit in Europa salonfähig?“, aber das Thema war schon vom Tisch, als die Sendung begann. Denn beim Plebiszit kam die erforderliche Wahlbeteiligung nicht zustande.

Péter Györkös, Botschafter Ungarns, sollte der Tribunal-Vorsitzenden trotzdem Rede und Antwort stehen: Mögen die Ungarn keine Moslems? Wollen sie keine superguten Europäer sein? Ach, Anne, mit so einer billigen Variete-Nummer führst du doch keinen Ungarn aufs Glatteis! Im sympathischen Singsang seiner Heimat ließ sich Györkös noch entlocken, sein Chef sei „gälägäntlich ätwas äckig“, aber Schuldeingeständnisse und Abbitten – Fehlanzeige. Er verwies auf die Flüchtlings-Zwangsverteilungspläne aus Brüssel, und dass Ungarn dagegen Klage eingereicht habe. Und erzählte, wie man das arme Rumänien gezwungen habe, eine Infrastruktur für zigtausend Flüchtlinge aufzubauen, jetzt kämen kaum welche, weil alle nach Germoney wollten. Tollhaus Europa.

Zum ersten Mal beneiden wir Österreich! Wo hat dieses kleine Bergvolk an unserer Südgrenze nur solche Politiker wie Sebastian Kurz her? Einen ganz sachlichen Menschen, der noch alle Tassen im Schrank hat. Bei dem die Linken keine kollektive Schnappatmung kriegen, und den Konservative bejubeln. Gäbe es so jemanden bei uns – Merkel wäre Geschichte!

Ganz subtil belehrt Kurz die Vorsitzende Will, sie dürfe beim Herumreiten auf der 45%-Wahlbeteiligung in Ungarn nicht unterschlagen, dass 98% von denen, die abgestimmt haben, den Orban-Kurs unterstützen. Zudem habe die letzte Europawahl nur 43% an die Urnen gelockt, also mal die Kirche im Dorf lassen. Viele Staaten seien „nicht glücklich“ damit, wie Deutschland den Leuten seine Politik aufzwingen wolle. Und wenn ein Asselbloom phantasiere „Ungarn gehöre ausgeschlossen“, kontert Kurz mit dem altlinken Slogan: Respekt vor der Vielfalt.

Als Frau Kaddor sich erinnerte, im TV gesehen zu haben, „dass Ungarn Zäune gebaut und Flüchtlinge niedergeknüppelt habe“, konterte Kurz, Deutschland lasse heute die Türkei knüppeln, nur dass die Türken keine Kameras zulassen.

Dann wollte die Vorsitzende Will Kurz noch vergeblich in die Burka-Falle, die eigentlich eine Niqab-Falle ist, locken, aber der Österreicher ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ein wenig versuchte Cathrin Kahlweit von der Süddeutschen Zeitung, (die Anne nur Cathrin nannte) das Lied vom „armen verfolgten Moslem“ im kalten Europa mitzusingen – den Text entnehmen Sie bitte der SZ.

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