Neue Runde, alte Angst. Einmal mehr geht es bei Miosga um die Panik vor der AfD. Markus Söder schießt dabei aus allen Schwurbel-Rohren. Die AfD würde Behinderte ausgrenzen. Sie fahre lieber Lada als BMW. Und sie glaube, dass die Erde eine Scheibe ist. Keine Behauptung ist ihm zu bescheuert.
Screenshot ARD / Miosga
Besonders bissig wird Söder bei den Vorgängen in Sachsen-Anhalt, wo momentan der politische Zündstoff der CDU knistert. Die Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten hat eine unangenehme Frage aufgeworfen: Wer aus der CDU gab ihm seine Stimme? Weil die Wahl geheim war, bleibt die Antwort offen. Doch vier Stimmen mehr als erwartet geben Anlass zu parteiinternen Verdächtigungen. Söder fordert Klarheit von seinen Kollegen: „Wollt ihr woanders hin? Dann sagt’s auch.“ Anonyme Unterstützer nennt er „schäbig“ und verlangt: Sie sollten „das Rückgrat haben, das auch öffentlich zu machen“ und sich „auch gleich in die politische Richtung bewegen“. Denn „wer die AfD wählt, der hat bei uns jetzt nicht so die Zukunft.“
Christoph Werner (Chef der dm-Drogeriemärkte) und Julia Löhr (FAZ) dürfen zwischendurch etwas zum Standort Deutschland und zur Bürokratie sagen, doch der Fokus bleibt auf dem CSU-Chef. Den Gipfel seiner Provinz-Poesie liefert er zum BMW-Dienstwagen-Streit um den AfD-Landtagspräsidenten: „Der AfD kann’s ja wurscht sein. Die fahren eh wahrscheinlich lieber Lada aus Russland.“
Um die Brandmauer verbal zu zementieren, ist Söder jedes Mittel recht. Und keine Behauptung zu blöd. In Bayern sei die AfD besonders „brutal rechts außen“. In Landtagssitzungen passierten „zum Teil echt gruselige Dinge“, erzählt er sichtlich angewidert. Zum Beispiel gebe es in der AfD Leute, die tatsächlich an eine flache Erde glaubten. Außerdem würde sich die Partei Moskau „andienen“ und auch noch Behinderte ausgrenzen: „Es ist nicht normal, Menschen mit Behinderung als nicht normal einzuschätzen.“ Söder feuert aus allen Rohren. Volle bayerische Verblödungs-Breitseite, und niemand widerspricht.
DM-Chef Werner vermisst wirtschaftsfreundliche Visionen, Löhr seziert die Reformträgheit der Koalition. Doch beide bleiben sie Staffage. Zumal die eigentlichen Probleme des Landes mal wieder von der ganzen Runde erfolgreich ignoriert werden. Dass die Regierung etwa Milliarde um Milliarde nach Kiew schickt, wird nicht kritisiert, ja nicht einmal erwähnt. Stattdessen diskutieren die Vier von der Talk-Stelle leidenschaftlich darüber, ob man dem Bürger für eine kurze Zeit einen Tankrabatt von 17 Cent einräumen darf. In diesem Punkt ist Söder sogar noch der klarste Kloß in der trüben Brühe. Während Werner und Löhr den Rabatt als gönnerhafte Leistung des Bundes an die Bürger hinstellen, sagt Söder, was es tatsächlich ist: eine kurzfristige Steuersenkung, der Verzicht auf zusätzliche Steuereinnahmen, die ohnehin schon exorbitant hoch seien. Schließlich verdiene der Staat an jedem Liter Kraftstoff das Allermeiste.
Der größere Rahmen der Sendung ist die Krise der Bundesregierung. Doch die eigentlichen Probleme des Landes kommen nicht zur Sprache. Dass Deutschland seine Atomkraftwerke in die Luft sprengt, Bürgergeld sogar an Schwerverbrecher zahlt, die per Haftbefehl gesucht werden – kein Thema. Dass Milliarden in Masken-Deals, peruanischen Radwegen, tansanischen Transsexuellen-Teeparties (Spaß!) und Entwicklungshilfe für China (echt!) versickern – Schwamm drüber.
Stattdessen die Nachricht: Die Regierung prognostiziere für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Toll. Und Söder singt die übliche Hymne auf sein pfundiges Bayern: High Tech, Startups, Bildung – alles gschmeidig da vor den Bergen. Löhr tritt auf die Hackenbremse: Diese Wachtumsprognose speise sich derzeit vor allem aus den Schuldenpaketen des Staates und nicht aus privaten Investitionen. Diese „Potentialwachstum“ sei viel aussagekräftiger und liege nur bei 0,5 bis 0,6 Prozent. „Es gibt praktisch einen Investitionsstreik“, konstatiert Löhr, und Wirtschaftsmann Werner fragt, wo denn eigentlich die „Oase“ sei, „für die es sich lohnt, durch die Wüste zu gehen.“ Er vermisse bei der Regierung „klare Visionen“.
32 Prozent der CDU-Anhänger wollten Söder als Kanzler, frohlockt Miosga. Und fragt den bayerischen Lockdown-König, der im Karneval als schottischer Freiheitskämpfer „Braveheart“ ging: „Wann befreien Sie Bayern von preußischer Herrschaft und werden Braveheart in Berlin?“
Doch Söder kennt die Tücken: „Das ging ja irgendwie ziemlich schlecht aus. Also er war ja dann tot.“





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