Söder bei Miosga: Märchenstunde mit Marky Markus

Neue Runde, alte Angst. Einmal mehr geht es bei Miosga um die Panik vor der AfD. Markus Söder schießt dabei aus allen Schwurbel-Rohren. Die AfD würde Behinderte ausgrenzen. Sie fahre lieber Lada als BMW. Und sie glaube, dass die Erde eine Scheibe ist. Keine Behauptung ist ihm zu bescheuert.

Screenshot ARD / Miosga

Besonders bissig wird Söder bei den Vorgängen in Sachsen-Anhalt, wo momentan der politische Zündstoff der CDU knistert. Die Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten hat eine unangenehme Frage aufgeworfen: Wer aus der CDU gab ihm seine Stimme? Weil die Wahl geheim war, bleibt die Antwort offen. Doch vier Stimmen mehr als erwartet geben Anlass zu parteiinternen Verdächtigungen. Söder fordert Klarheit von seinen Kollegen: „Wollt ihr woanders hin? Dann sagt’s auch.“ Anonyme Unterstützer nennt er „schäbig“ und verlangt: Sie sollten „das Rückgrat haben, das auch öffentlich zu machen“ und sich „auch gleich in die politische Richtung bewegen“. Denn „wer die AfD wählt, der hat bei uns jetzt nicht so die Zukunft.“

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Gleichzeitig warnt er vor Instabilität im Bund: Wer „zündelt“, riskiere „eine extreme AfD-Dominanz“. „Sollte die zweite demokratische Regierung innerhalb weniger Jahre scheitern nach der Ampel, wäre das ein Riesenschaden für die Demokratie.“ Söder verteidigt die schwarz-rote Kollisions-Koalition als „positiv, wichtig und produktiv“. Harte Worte zur Regierungskrise vermeidet er. Dem Franken ist sein Solo-Auftritt wichtiger, wobei er zwischen Staatsmann-Pose und Bierzelt-Witz pendelt. Auch die Medien bekommen ihr Fett ab: Manche würden „den ganzen Tag nur versuchen, alles in Grund und Boden zu machen“. Begriffe wie „Systemversagen“ betrieben aus seiner Sicht „das Geschäft von sehr radikalen Gruppen“. Ein klassischer Söder also: Kritik an der Regierung delegitimieren, indem man sie den Extremisten in die Schuhe schiebt.

Christoph Werner (Chef der dm-Drogeriemärkte) und Julia Löhr (FAZ) dürfen zwischendurch etwas zum Standort Deutschland und zur Bürokratie sagen, doch der Fokus bleibt auf dem CSU-Chef. Den Gipfel seiner Provinz-Poesie liefert er zum BMW-Dienstwagen-Streit um den AfD-Landtagspräsidenten: „Der AfD kann’s ja wurscht sein. Die fahren eh wahrscheinlich lieber Lada aus Russland.“

Um die Brandmauer verbal zu zementieren, ist Söder jedes Mittel recht. Und keine Behauptung zu blöd. In Bayern sei die AfD besonders „brutal rechts außen“. In Landtagssitzungen passierten „zum Teil echt gruselige Dinge“, erzählt er sichtlich angewidert. Zum Beispiel gebe es in der AfD Leute, die tatsächlich an eine flache Erde glaubten. Außerdem würde sich die Partei Moskau „andienen“ und auch noch Behinderte ausgrenzen: „Es ist nicht normal, Menschen mit Behinderung als nicht normal einzuschätzen.“ Söder feuert aus allen Rohren. Volle bayerische Verblödungs-Breitseite, und niemand widerspricht.

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Und es geht munter weiter: „Der Einfluss von Höcke und Co. und seiner Gefolgschaft ist eher gewachsen“, behauptet Söder, um sich selbst sofort als wackeren Kämpfer zu inszenieren: „Ich hab keine Lust und bin nicht bereit, der AfD das Land zu überlassen.“ Man dürfe in der Koalition nicht nur aus Angst vor den nächsten Wahlen zusammenbleiben. Besser sei es, „in den Nahkampf zu gehen“. Dass die AfD nach der gewonnenen Wahl in Sachsen-Anhalt nun eine Regierung bilden wird, hält Söder allerdings für „zwingend notwendig“, denn die Wähler hätten „da schon ein sehr klares Wort gesprochen“.

DM-Chef Werner vermisst wirtschaftsfreundliche Visionen, Löhr seziert die Reformträgheit der Koalition. Doch beide bleiben sie Staffage. Zumal die eigentlichen Probleme des Landes mal wieder von der ganzen Runde erfolgreich ignoriert werden. Dass die Regierung etwa Milliarde um Milliarde nach Kiew schickt, wird nicht kritisiert, ja nicht einmal erwähnt. Stattdessen diskutieren die Vier von der Talk-Stelle leidenschaftlich darüber, ob man dem Bürger für eine kurze Zeit einen Tankrabatt von 17 Cent einräumen darf. In diesem Punkt ist Söder sogar noch der klarste Kloß in der trüben Brühe. Während Werner und Löhr den Rabatt als gönnerhafte Leistung des Bundes an die Bürger hinstellen, sagt Söder, was es tatsächlich ist: eine kurzfristige Steuersenkung, der Verzicht auf zusätzliche Steuereinnahmen, die ohnehin schon exorbitant hoch seien. Schließlich verdiene der Staat an jedem Liter Kraftstoff das Allermeiste.

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Doch dass sein Wendehals noch immer bestens funktioniert, macht Söder beim Thema Energie besonders deutlich. Noch im November 2024, kurz vor der Bundestagswahl, verlangte er einen Stopp des AKW-Rückbaus, brachte sogar eine Wiederinbetriebnahme ins Gespräch. Doch passiert ist seither nichts. Jetzt lässt er in Bayern gerade mal wieder ein Kernkraftwerk zerstören. Und bei Miosga fordert er wiederum „eine Art von Energiesteuerreform“ und die Erschließung der deutschen Gasvorkommen. Man könne nicht „teuerstes“ Fracking-Gas aus den USA kaufen, aber im eigenen Land die Gewinnung verbieten, „weil wir uns ökologisch in Anführungsstrichen gut halten wollen“.

Der größere Rahmen der Sendung ist die Krise der Bundesregierung. Doch die eigentlichen Probleme des Landes kommen nicht zur Sprache. Dass Deutschland seine Atomkraftwerke in die Luft sprengt, Bürgergeld sogar an Schwerverbrecher zahlt, die per Haftbefehl gesucht werden – kein Thema. Dass Milliarden in Masken-Deals, peruanischen Radwegen, tansanischen Transsexuellen-Teeparties (Spaß!) und Entwicklungshilfe für China (echt!) versickern – Schwamm drüber.

Stattdessen die Nachricht: Die Regierung prognostiziere für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Toll. Und Söder singt die übliche Hymne auf sein pfundiges Bayern: High Tech, Startups, Bildung – alles gschmeidig da vor den Bergen. Löhr tritt auf die Hackenbremse: Diese Wachtumsprognose speise sich derzeit vor allem aus den Schuldenpaketen des Staates und nicht aus privaten Investitionen. Diese „Potentialwachstum“ sei viel aussagekräftiger und liege nur bei 0,5 bis 0,6 Prozent. „Es gibt praktisch einen Investitionsstreik“, konstatiert Löhr, und Wirtschaftsmann Werner fragt, wo denn eigentlich die „Oase“ sei, „für die es sich lohnt, durch die Wüste zu gehen.“ Er vermisse bei der Regierung „klare Visionen“.

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Visionen haben andere. Miosga lässt zwei CDU-Ministerpräsidenten einspielen, die Söder in den vergangenen Tagen ins Kanzleramt quasi quasseln wollten. Michael Kretschmer aus Sachsen sehnte sich ein „CSU-Gen“ herbei, und Mario „Dr. No“ Voigt aus Thüringen hat wohl von Chat GPT erfahren, dass es 1328 schon einmal einen deutschen Kaiser gab, der aus Bayern kam. Der „liebe Markus“ solle doch bitte, bitte … Söder, von Miosga mit den beiden Speichelleckern weich getropft, wischt sich den Mund, so wie er sich stets den Mund wischt, wenn es um die Machtergreifung geht. Kanzler werden, nein, das wolle er ganz gewiss nicht. Und je stärker er es betont, desto skeptischer wird stets der Zuschauer.

32 Prozent der CDU-Anhänger wollten Söder als Kanzler, frohlockt Miosga. Und fragt den bayerischen Lockdown-König, der im Karneval als schottischer Freiheitskämpfer „Braveheart“ ging: „Wann befreien Sie Bayern von preußischer Herrschaft und werden Braveheart in Berlin?“

Doch Söder kennt die Tücken: „Das ging ja irgendwie ziemlich schlecht aus. Also er war ja dann tot.“

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