Selten war eine Auszeichnung so unverdient: Dunja Hayali bekommt den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Die Frau sabotiert im ZDF täglich alles, was im öffentlich-rechtlichen Betrieb an Restjournalismus übrig ist. Eine Abrechnung.
picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Mit Dunja Hayali habe ich ein paar Jahre lang zusammengearbeitet. Das war bei DW-TV, den Fernsehnachrichten der Deutschen Welle. Sie war Moderatorin, ich war verantwortlicher Senderedakteur.
Sie war damals genauso, wie sie heute ist. Das ist kein Kompliment.
Kamera als Kanzel
„Distanz halten. Sich nicht gemein machen mit einer Sache – auch nicht mit einer guten“. So hat Hanns-Joachim Friedrichs den Beruf des Journalisten definiert.
Dunja Hayali tut das Gegenteil. Das genaue Gegenteil.
Sie selbst bezeichnet sich als „Haltungsjournalistin“. Das Wort ist inhaltlich hohl und semantisch irreführend. Das dürfte kein Zufall sein. Kaum etwas ist Zufall bei der 52-Jährigen.
Haltung kann man wohlwollend als Weltsicht bezeichnen. Die hat so ziemlich jeder Mensch – und doch würde sich niemand jemals zum Beispiel als „Haltungsversicherungsvertreter“ bezeichnen. Haltung hat man privat, sie zielt auf einen selbst. Was die in Nordrhein-Westfalen geborene Tochter irakischer Eltern so harmlos „Haltung“ nennt, ist in Wahrheit eine Mission. Eine Mission zielt ausdrücklich auf andere Menschen. Da geht es um Belehrung und Bekehrung.
Was Dunja Hayali „Journalismus“ nennt, ist in Wahrheit Aktivismus.
Sie hat das Berufsbild des „Journaktivisten“ maßgeblich geprägt: Das ist der als Journalist getarnte Aktivist. Sie informiert ihre Zuschauer nicht, sie missioniert sie – mit der Kamera als Kanzel und der Anmoderation als Predigt.
Dabei kollidiert sie – wie so viele propagandistische Prediger mit glühendem missionarischen Eifer – auch schon mal mit dem achten Gebot: „Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten.“
Wie man rhetorisch auf Mordopfer spuckt
Der Mord an Charlie Kirk wird die US-Geschichte mehr prägen, als selbst den meisten Amerikanern heute bewusst ist. Die ZDF-Berichterstattung darüber im „heute journal“ am 11. September 2025 wird die deutsche TV-Geschichte mehr prägen, als den meisten Deutschen heute bewusst ist.
Das liegt allein an Dunja Hayali.
Mit ihrer Anmoderation zum Bericht über das Attentat setzt sie ein neues Allzeittief der Schäbigkeit. Sie verurteilt den Mord mit unschuldigem Augenaufschlag – und brandmarkt gleichzeitig das Mordopfer als „radikal religiösen Verschwörungsanhänger“. Sichtbar angewidert fantasiert sie außerdem von „abscheulichen, rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Aussagen“ von Kirk.
Subtext: selbst schuld.
Wer – wie ich – Charlie Kirk einmal persönlich kennenlernen konnte, der weiß, wie unendlich weit weg von der Wahrheit diese Tiraden sind. Der Mann war beeindruckend gütig, offen, friedlich und positiv – sämtlich Eigenschaften, die man Dunja Hayali nicht zuschreiben mag.
Bei ihr wird die Nachricht über den Mord an einem Andersdenkenden zur Gelegenheit für einen Schauprozess gegen den Toten, den sie nach ihren eigenen politischen Maßstäben verurteilt. Dem Zuschauer liefert sie einen Leichnam – und dazu die Etiketten für angemessene Abscheu.
Nicht über die Tat, wohlgemerkt, sondern über das Opfer.
Falsche Geiseln
Die ZDF-Frontfrau ist so ein bisschen die Klassensprecherin ihrer Blase. Das wird man im modernen Deutschland nicht ohne eine gefestigte Anti-Israel-Position.
Das erklärt, wie es im „heute journal“ am 28. Mai 2025 zu diesem denkwürdigen Dialog mit Bundeskanzler Friedrich Merz kommen kann. Da erklärt der CDU-Vorsitzende, die Hamas könne den Krieg im Gaza-Streifen mit der Freilassung der israelischen Geiseln sofort beenden. Gemäß dem offiziellen ZDF-Transkript der Sendung formuliert Hayali dann diesen Einwand:
„Palästinenser haben die Angst, wenn alle Geiseln freigelassen werden, dass dann die israelische Regierung noch massiver vorgeht …“
Ich übersetze mal: Die israelischen Geiseln seien also für die armen Palästinenser im Gaza-Streifen ein Schutz vor härteren israelischen Angriffen. Es fehlt bloß noch der Satz: „Das kann man doch verstehen, oder?“ Auf den verzichtet die Moderatorin. Sie muss ihn auch gar nicht mehr extra aussprechen.
Als Israel inhaftierte palästinensische Terroristen und Verbrecher aus dem Gefängnis entlässt, damit die Hamas-Terroristen israelische Geiseln (und die Leichen ermordeter israelischer Geiseln) zurückgeben, macht Dunja Hayali im ZDF-„Morgenmagazin“ am 13. Oktober 2025 aus den palästinensischen Häftlingen kurzerhand „palästinensische Geiseln“. Die Empörung ist groß, völlig zu recht. Jeder Volontär, der einen Häftling mit einer entführten Geisel verwechselt, wird sofort gefeuert. Völlig zu recht.
Das ZDF erklärt die Formulierung zu einem „Versprecher“. Sigmund Freud wusste: Es gibt Versprecher, die lassen mehr über die wahre Gesinnung des Sprechenden durchscheinen, als dem vermutlich lieb ist.
Falsche Bilder
Und es geht immer weiter so in der endlosen Fortsetzungsreihe „Dunja Hayali und die Wahrheit“:
Im von ihr moderierten „heute journal“ am 15. Februar 2026 läuft ein Bericht über die US-Abschiebebehörde ICE. Ein Video zeigt eine angebliche Festnahme vor weinenden Kindern. Die Szene ist KI-generiert. Mit anderen Worten: Fake News. Eine andere Bildsequenz stammt aus dem Jahr 2022 und zeigt in Wahrheit eine Festnahme nach einer Drohung gegen eine Schule. Mit aktuellen ICE-Einsätzen haben die Bilder nichts, aber auch gar nichts zu tun.
Das ZDF entschuldigt sich und zieht die verantwortliche Korrespondentin aus New York ab. Nach Darstellung des Senders wusste Moderatorin Hayali von den Fehlern nichts. ZDF-Insider sind von dieser Darstellung durchaus überrascht, denn normalerweise kennen die Moderatoren des „heute journals“ die Beiträge ihrer jeweiligen Sendungen vorab.
Falsches Datum?
Den AfD-Parteitag in Erfurt Anfang Juli 2026 kündigt unsere Lieblings-Journaktivistin mit dem Hinweis auf ein „ganz spezielles Datum“ an: Hundert Jahre vorher hat ebenfalls in Thüringen ein NSDAP-Parteitag stattgefunden. Die Moderatorin erwähnt süffisant, dass die AfD von einem Zufall spricht.
Was sie nicht erwähnt: Die Messe Halle hat bestätigt, dass die AfD mehrere Wochenenden angefragt hatte; nur das letztlich gewählte Wochenende war noch frei.
Irgendwelche Belege dafür, dass entgegen dieser offiziellen Stellungnahmen von Partei und Messe doch eine symbolische Absicht hinter der Terminwahl gelegen haben sollte, liefert die Anmoderation natürlich nicht. Es genügt die Suggestion mithilfe des Kalenderblatts.
So hat Agitprop immer funktioniert. Auch schon vor hundert Jahren.
Falsche Gleise
In ihrer „Dokumentation“ über die Deutsche Bahn behaupten Dunja Hayali und ihr Co-Autor Sebastian Bellwinkel am 21. Juli 2026, dass es bei der Deutschen Bahn kein digitales Stellwerk gibt.
Tatsächlich gibt es drei.
Zudem macht das Filmchen mit einer irreführenden Pünktlichkeitsgrafik Stimmung. Die Bahn ist, nun ja, „not amused“. Am Ende muss das ZDF beide Fehler korrigieren und eine Unterlassungserklärung abgeben.
Man wundert sich. Die DB bietet doch nun wahrlich mehr als genug Stoff für vernichtende Kritik. Warum lässt der Milliardenkonzern ZDF es zu, dass eine vermeintliche Spitzenkraft einen Film macht, in dem die Fakten ungefähr so zuverlässig sind wie die Fahrpläne der Bahn?
Privat statt Staat
Dunja Hayali predigt zwar, aber eine Klosterschwester ist sie nicht. Und schon gar kein Bettelmönch.
Obwohl sie beim ZDF fürstlich verdient, lehnt sie Nebenjobs der Industrie nicht ab. Sie moderiert Veranstaltungen der Glücksspielbranche; auch BMW und Amazon gehören zu ihren Auftraggebern. Sie selbst sieht darin keinen Verlust der Unbefangenheit in ihrem kritischen Wirken als professionelle Journalistin. Es seien auch keine Werbeauftritte.
Ja, was denn sonst?
Nicht nur für den Medienwissenschaftler Volker Lilienthal sind die Auftritte selbstverständlich keine „journalistische Dienstleistung“, sondern schlicht PR für Firmen und Verbände der privaten Wirtschaft. Wer sich dafür bezahlen lasse, könne in Zukunft kaum mehr neutral über seine Auftraggeber berichten.
Schrottpreis
Und für all das gibt es jetzt also den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis.
Die Jury lobt ausdrücklich die Bahn-Dokumentation.
Wie bitte?
Sie bescheinigt Dunja Hayali gute Vorbereitung.
Wie bitte?
Sie erklärt, es sei selten, dass die Kollegin mal ausrutsche.
Wie bitte?
Für eine erbärmliche Fehlerserie stellt das zwangsgebührenfinanzierte Haltungsjournalistenmilieu seiner Klassensprecherin ein Einser-Zeugnis aus. Es ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Zuschauer.
Den Preis vergibt ein Verein. Dessen Vorsitzende ist Sandra Maischberger; im Vorstand sitzt auch Claus Kleber. Unter der Schirmherrschaft der NDR- und WDR-Intendanten feiern also Fernseh-Großverdiener andere Fernseh-Großverdiener. Das ist eine Geschlossene Gesellschaft, allerdings mit offenem Gebühreneinzug. Die Preisverleihung findet am 5. November 2026 beim NDR in Hamburg statt. Da darf der Zwangsgebührenzahler dann dabei zusehen, wie das von ihm finanzierte Milieu sich selbst beweihräuchert.
Auch eine Podiumsdiskussion ist geplant: „Journalismus und der Angriff auf die Demokratie – Zeit, sich mit einer Sache gemein zu machen?“ Im Namen eines verstorbenen echten Top-Journalisten diskutiert die Blase also die Abwicklung des von ihm formulierten Berufsethos. Dreister kann man das Andenken eines Menschen kaum mit Füßen treten.
Das einzig Gute daran ist, dass Hanns-Joachim Friedrichs es nicht mehr miterleben muss.


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