Naturkatastrophen-Bericht: ARD und ZDF setzen den Klima-Frame

Der Bericht der Munich Re über Naturkatastrophen 2019 gibt zwar für Klima-Alarmistik nichts her. Die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen es trotzdem.

Der Weltklimarat sieht eine Zunahme von Extremwetter-Ereignissen durch den Klimawandel, behauptet das ZDF. Das stimmt so nicht.

Am 8. Januar veröffentlichte Munich Re, einer der größten Rückversicherer der Welt, seinen jährlichen Bericht über die weltweiten Schäden durch Naturkatastrophen.
Die wichtigsten Daten darin fallen für 2019 eher positiv aus – abgesehen davon, dass es grundsätzlich um Tote und Unglücke geht. Die Zahl der Naturkatastrophen-Toten ging stark zurück, von 15.000 im Jahr 2018 auf 9.000 im vergangenen Jahr. Die angerichteten Schäden sanken leicht, von 160 auf 150 Milliarden Dollar. Alles in allem, so Munich Re, lägen die Schäden für 2019 im inflationsbereinigten Schnitt der letzten 30 Jahre.

Der Bericht eignet sich schon wegen dieser Zahlen nicht für Klimakatastrophen-Berichterstattung. Außerdem behauptet das Rückversicherungsunternehmen darin keinen direkten Zusammenhang zwischen globalen Klimaveränderungen und Naturkatastrophen, etwa den beiden tropischen Zyklonen, die 2019 den Großraum Tokio heimsuchten und Schäden von 24 Milliarden Dollar anrichteten.
In ihren Berichten griffen sowohl Tagesschau als auch heute-Nachrichten den Munich Re-Bericht auf und setzten prompt ein Klima-Frame. Die Tagesschau teasert ihre Meldung folgendermaßen an:

„Naturkatastrophen 2019
150 Milliarden Dollar Schäden weltweit
Stürme, heftiger Regen und Hitzewellen – Naturkatastrophen haben 2019 Schäden in Höhe von 150 Milliarden Dollar verursacht, berichtet der Rückversicherer Munich RE. Experten sehen auch einen Zusammenhang mit dem Klimawandel.“

In dem eigentlichen Artikel auf tagesschau.de, den ein Nutzer dann aufklicken kann, kommen allerdings keine Experten vor, die einen Zusammenhang zwischen den Naturkatastrophenschäden 2019 und den Klimaveränderungen behaupten. Zitiert werden nur Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek mit der sehr allgemeinen Aussage, man könne den „Klimawandel spüren und sehen“, und der „Chef-Klimaexperte“ des Konzerns, Ernst Rauch, der lediglich für die Zukunft mehr Hagelgewitter voraussagt. Überraschend ist beides nicht, denn die Prognose künftiger Schäden dient bei großen Versicherern als Begründung, die Versicherungsprämien hoch zu halten beziehungsweise zu erhöhen. Das gehört zum Geschäft und ist nichts, was man dem Unternehmen vorwerfen müsste. Aber weder handelt es sich bei den von der Tagesschau zitierten Managern um unabhängige Experten, noch „sehen sie einen Zusammenhang“ zwischen den Versicherungsschäden 2019 und den globalen Klimaentwicklungen.

Die Kollegen vom ZDF gehen bei der Klima-Einrahmung des Munich Re-Reports noch einen großen Schritt weiter.

Auf heute.de vergleicht die Redaktion zunächst die reine Zahl von Naturkatastrophen 2019 – also nicht Tote und Schadenshöhe – um festzustellen, die Katastrophenanzahl für 2019 läge „deutlich“ über diesem Schnitt. Um dann eine Verknüpfung zwischen dem Munich Re-Report und einer angeblichen Feststellung des Zwischenregierungs-Rats zum Klimawandel IPCC (in deutschen Medien regelmäßig als „Weltklimarat“ übersetzt) herzustellen, der damit „bestätigt“ werde.

Bei heute.de heißt es:
„Zwischen 1989 und 2018 waren es im Schnitt 520, im letzten und vorletzten Jahr dagegen deutlich über 800. Der Bericht bestätigt damit, was Wissenschaftler, zum Beispiel die des Weltklimarates (IPCC), schon länger feststellen: Die Zahl von Extremwetterereignissen nimmt weltweit durch den Klimawandel zu.

Der Satz „Die Zahl von Extremwetterereignissen nimmt weltweit durch den Klimawandel zu“ ist auf der ZDF-Seite zwar aufmerksamkeitsverstärkend gefettet – es fehlt aber ein entsprechender Link zu einem IPCC-Bericht, der das tatsächlich feststellen würde. In dem heute.de-Text folgt auch kein Zitat, das die Behauptung belegen würde, der IPCC hätte diese Feststellung getroffen. Was nicht verwunderlich ist. Denn in seinem Report von 2018 geht die Organisation auf das Thema Extremwetter-Ereignisse umfangreich ein. Nur nicht so, wie das ZDF behauptet.

Dort schreiben die IPCC-Autoren vielmehr, sie hätten „geringes Zutrauen“ („low confidence“) in Daten, die einen Langzeittrend in der Zunahme von Intensität, Frequenz und Dauer tropischer Zyklone in den letzten 40 Jahren zeigen sollen. Ebenfalls „geringes Zutrauen“ habe das IPCC in Trendbeobachtungen zu „kleinräumlichen Phänomene(n) wie Tornados und Hagel“, dazu seien die Daten zu widersprüchlich und die Beobachtungssysteme zu wenig geeignet:
„There is low confidence in any observed long-term (i.e., 40 years or more) increases in tropical cyclone activity (i.e.,intensity, frequency, duration), after accounting for past changes in observing capabilities. It is likely that there has been a poleward shift in the main Northern and Southern Hemisphere extratropical storm tracks. There is low confidence in observed trends in small spatial-scale phenomena such as tornadoes and hail because of data inhomogeneities and inadequacies in monitoring systems.“

Für wahrscheinlich hält das IPCC seinem Bericht zufolge die Verlagerung außertropischer Stürme Richtung Norden, außerdem die Zunahme der Zahl warmer Tage und Nächte und die Abnahme von kalten. Das überrascht wenig – und hat vor allem nichts mit dem Thema Naturkatastrophen zu tun.

Mit seinem Bericht von 2018 bestätigte das IPCC eine ganz ähnliche Aussage aus seinem Report von 2013: Es gibt keine hinreichenden Daten für einen Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und Wetterextremen. Die Erkenntnis passt auch gut zu dem Report von Munich Re, denn der Versicherer registriert seit 30 Jahren keinen signifikanten Anstieg der Schadenshöhen.

Fazit: ARD und ZDF stecken den Naturkatastrophen-Schadensbericht eines Versicherers in einen Klima-Deutungsrahmen, obwohl die Daten in dem Munich Re-Bericht weder einen alarmierenden Trend noch einen Zusammenhang zwischen Extremwetter und Klimaentwicklung hergeben. Das ZDF behauptet zudem eine Aussage des IPCC zu einem Zusammenhang von Extremwetterereignissen und Klimawandel, die das IPCC gerade nicht so getroffen hat.

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Kommentare ( 38 )

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38 Kommentare auf "Naturkatastrophen-Bericht: ARD und ZDF setzen den Klima-Frame"

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…also nichts weiter als die übliche lügerei und verarsche der Öffentlichen !

Erschreckend, wie leicht solche Manipulationen der öffentlichen Meinung gelingen!
Vielen Dank, lieber Herr Wendt, für dieses eindrückliche Beispiel. Wer von den ÖRR-geschädigten Zuschauern bzw. Lesern hat schon Zeit, Lust oder kommt überhaupt auf die Idee, sich Munich Re im Original vorzunehmen oder das Behauptete im IPCC-Bericht nachzuprüfen? Unsere Framing-Experten wissen das natürlich.
Gerade ihre Tarnung hinter der Berichtsform (die ja eigentlich streng sachlich und wertungsfrei sein sollte) ist besonders gefährlich.
Zum Glück werden in letzter Zeit von den ÖRR so viele Fehler gemacht, dass der ganze Laden (hoffentlich!) bald implodiert.
(Einzugsermächtigung der Zwangsgebühr natürlich bereits gekündigt!)

Ich habe schon letztes Jahr die Elementarschadenversicherung auf mein Haus gekündigt. Soviel zum Framing der L-Medien. Denen nehme ich nicht einmal die Zeitansage ab.

Hatte bis vor kurzem eine Wetterapp für meine Stadt. Seit einiger Zeit wurden zum normalen Wetter auch rot markierte Weltuntergangshinweise gesendet „Achtung vor extremer Kälte!“ Seit wann sind im Dezember Minus 4 Grad extrem? Diesen Schund brauch ich jedenfalls nicht. Mein Vorsatz für 2020 Rückzug vom Irrsinn Deutschland und irgendwie diese Zeit überleben

Ich empfehle mal – nur so zum Gaudi – die „Klima“-Seiten auf wetteronline. Keine Werbung für diesen Dienstleister, einfach sehr interessant https://www.wetteronline.de/klimawandel-temperatur/berlin Hier kann man über einen Zeitraum von 30 Jahren die gemessenen Höchst- und Tiefsttemperaturen für jeden Monat und für so ziemlich jeden Ort der Erde nachschauen und die Änderungen im Zeitverlauf per Diagramm bewundern. Da kommt man aus dem Staunen nicht heraus…. Interessanter Gedanke am Rande: Höchst- und Tiefstemperaturen sind reinste Rohdaten. „Roher“ und damit sauberer geht es eigentlich gar nicht mehr. Durchschnitte haben immer den Nachteil, dass man mit den Rechenmodellen, Messzyklen, Glättung von Ausreißern usw. wunderbar… Mehr

Klar ist doch: Je mehr Menschen, desto mehr Betroffene, desto mehr Schäden, wenn der Orkan mal drüber fegt, der Tsunami kömmt und der Vulkan Asche spuckt. Wo ist also das Problem? In zehn Jahren werden weitere 800 Millionen Erdenbewohner der Natur, dem alten Luder ausgesetzt sein, bis es 2050 dann insgesamt 10.000 Millionen sein werden, wo ist das Problem?

Die Statistik der Rückversicherung zeigt ja aber genau das Gegenteil! Die Schadenssummen sind seit 30 Jahren gleich. Und das bei mehr Bevölkerung, mehr Straßen, Häusern, Strom- und Telefonleitungen.

Ja, ja, und die Versicherungsprämien sind seit 30 Jahren gleich geblieben – wer’s glaubt. Jeder belügt sich eben, so gut er kann.

Das nennt sich Inflation. Wenn die Geldsumme, die für Schäden aufgewendet wurde, relativ gleich geblieben ist, müssen die Schäden also weniger geworden sein. Die höheren Beiträge sind dann also die Mehrkosten für Verwaltung und Gehälter.
Für Vorstände: Porsche 911 Targa 1980: ca. 55.000 DM, die günstigste aktuelle Version Porsche 911 104.665€ (=205.143,40 DM)
Es ist also wie beim ÖR: weniger oder gleichbleibende Leistung für mehr Geld

Also gut, wollte es bloß nicht so hart sagen: Ihre Aussage mit den „gleichen Schadenssummen“ stimmt eben nicht, klar?

„Die angerichteten Schäden sanken leicht, von 160 auf 150 Milliarden Dollar. Alles in allem, so Munich Re, lägen die Schäden für 2019 im inflationsbereinigten Schnitt der letzten 30 Jahre.“

Sollte ein Bericht feststellen, in der Ex-DDR gibt es seit der Wende nicht mehr Verkehrsunfälle als davor, lautet das Framing der Genossen Redakteure vermutlich „Schon wieder Verkehrsopfer! Kapitalismus tötet!“… Nur so, zur Veranschaulichung des Prinzips. Nachdem die Framings Hallams von Klima-Vergewaltigungen nicht mehr ziehen, erzählen Topmanager Narrative: https://www.welt.de/wirtschaft/article204867274/Klimaschutz-Nachhaltigkeit-wird-fuer-Wirtschaft-zur-neuen-Waehrung.html „… Klimaschutz als neue Währung für die Welt …“ „… In kürzester Zeit wird Nachhaltigkeit für Unternehmen so wichtig wie ihre Bonität, glaubt der Chef der Deutschen Bank. Doch dafür braucht es einen radikalen Wandel in der Wirtschaft …“ Das erinnert mich an die Märch… Narrative vom ‚Homo Sovieticus‘, der nicht mehr… Mehr

Die ÖR-Propagandasender ziehen halt ihr Ding durch. Sind doch finanziell super gepampert diese Fasch….. sender! Nur leider ist es so, das die Menschen irgendwann kapieren das der ertrinkende gar nicht ertrinkt. Er schreit um Hilfe, aber er braucht eben keine – er steht auf bestem Grund. Die Mitmenschen kapieren es und sie sagen sich LMAA! Keiner braucht mehr diese ÖR – völlig kaputt und dekadent dieser Haufen Linksfaschisten!

ARD und ZDF sind eine menschen gemachte Katastrophe.

@“Dort schreiben die IPCC-Autoren vielmehr, sie hätten „geringes Zutrauen“ (…) in Daten, die einen Langzeittrend in der Zunahme von Intensität, Frequenz und Dauer tropischer Zyklone in den letzten 40 Jahren zeigen sollen.“ Wird IPCC jetzt seriöser? Vor ein paar Jahren setzten sie die Alarm-Meldung in die Welt, die Himalaya-Gletscher würden bis 2035 abschmelzen – tatsächlich mit einem Zahlendreher aus einer WWF-Broschüre abgeschrieben, wo 2350 stand. Die beruhte wiederum auf einem einzigen Interview – sollen wir Billionen ausgeben auf „wissenschaftlichen Grundlagen“, die bei keinem TU-Studenten durchgehen würden? Wenn die jetzt auf Nachfragen nach den Perioden sinkender Temperaturen was vernünftigeres als „falsche… Mehr