Bei Miosga: Mächtig Angst vor MAGA

Selbst der wohlwollende Ton des US-Außenministers Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz sind für Miosga und Konsorten nur ein einziger Affront. Statt sich über seine versöhnlichen Thesen auszutauschen, fühlen sich alle von den USA kollektiv auf den Schlips getreten. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Caren Miosga

Die beiden schlechten Nachrichten gleich vorab: Die Sendung Caren Miosga wird noch immer von Caren Miosga moderiert. Und Armin Laschet (CDU) ist noch immer Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Sie darf sich also weiterhin als Moderatorin versuchen. Und er darf weiterhin über Dinge sprechen, die seinen Horizont erkennbar übersteigen. Wenn nun beide – mal wieder – an einem Sonntag beieinander hocken, ist der Abend schon recht gepflegt im Eimer.

Nach Legislative, Exekutive und Judikative stehen Figuren wie Miosga und Ahrtal-Lächler Laschet für die vierte Macht im Staat: die Primitive. Banale Fragen, banale Antworten, dazu Besserwisserei und eine ordentliche Prise Selbstbewusstsein – huch, da ist uns doch glatt der Deckel vom Streuer geflogen – naja, dann ist es halt Selbstüberschätzung.

Dokumentation
Die Rede von Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Original und Übersetzung
Und wichtig: Das Ganze immer sauber am Thema vorbei. Die Rede des US-Außenministers Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz etwa würde jede Menge Ansatzpunkte für eine muntere Plauderei bieten. Rubio betonte die gemeinsamen Wurzeln Europas und der USA, prangerte die illegale Migration an,  verurteilte die Besteuerung von Atemluft als Klimakult, warnte vor De-Industrialisierung und feierte die gemeinsamen Werte der Kontinente. Und was macht die Runde bei Miosga: Sie nennt es abfällig „MAGA-Sprache“ und fühlt sich von Rubio pauschal angegriffen.

„Ich verstehe gar nicht den ganzen Hype um diese Rede“, sagt Laschet.

„Es gibt keinen Grund, wegen dieser Rede beruhigter zu sein“, sagt Militärexperte Christian Mölling.

„Das war eindeutig MAGA-Sprech“, posaunt die Politologin Nicole Deitelhoff.

Immerhin fügt sie an: „Ich fand die Rede richtig gut. Und deswegen auch gefährlich.“ Deitelhoff lobt „die großen politischen Visionen, die Zuversicht.“ Rubio habe die Menschen packen wollen: „Gebt Euch diesen Ruck, lasst uns die Welt wieder erobern.“ Laschet stößt das sauer auf: „Das ist genau diese MAGA-Sprache“, stöhnt er. Und ihm rutscht ungewollt etwas heraus, das die Absurdität deutscher Politik perfekt auf den Punkt bringt. Denn Laschet stößt sich an den Standing Ovations für Rubio: „Mich hat bei manchen gewundert, wie schnell sie da aufsprangen. Dass SPD-Politiker aufspringen, wenn jemand sagt, wir müssen die illegale Migration bekämpfen, und der ganze Klimakult ist falsch.“

Das sollte man einen Moment sacken lassen. Ein Laschet mag es also nicht, wenn jemand möchte, dass illegale Migration bekämpft wird. Wow! Let that sink in, würde Elon Musk wohl jetzt sagen. Würde er jemanden wie Armin Laschet überhaupt wahrnehmen.

Große Worte aus verzagten Mündern
Münchner Sicherheitskonferenz: kein Wintermärchen, eher Kindskopf-Komödie
Könnte man Rubios Rede irgendwie wohlwollend aufnehmen, als eine Art ausgestreckte Hand verstehen? Für einen Laschet eine absurde Idee: „Donald Trump kann nächste Woche wieder irgendwas verkünden, und dann ist die Rede irrelevant. Sie war freundlich, sie war zugewandt“, gibt er zu, aber mehr auch nicht. Miosga spritzt sofort etwas Säure hinzu: Merz habe die Rubio-Rede ja sogar geschwänzt und lieber in Hinterzimmern mit irgendwelchen Verteidigungs-Start-Ups gesprochen. Und mit dem kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom.

Das wiederum kann Laschet so nicht stehenlassen. Er wiegelt ab, denn auf den Kanzler der zweiten Wahl lässt er nichts kommen: Der sei nämlich „einer der Regierungschefs, der überhaupt noch einen Zugang zum amerikanischen Präsidenten hat, der von ihm ernstgenommen wird“. Was er vergisst zu erwähnen: Merz HATTE vielleicht mal ganz kurz einen Zugang zu Trump. Seit Wochen, wenn nicht Monaten, sieht er eher wie ein Zaungast unter vielen anderen Zaungästen aus. Wenn es etwa um die Ukraine geht, um Grönland oder Zölle gegen Europa.

Dass sich Merz demonstrativ mit dem Trump-Gegner Newsom trifft, ist für Laschet „völlig in Ordnung“. Dafür holt sich der CDU-Mann erstmal eine Schelle bei Gordon Repinski ab. Der Chefredakteur des KKR/Springer-Magazins „Politico“ empfindet das Treffen als „die eine Umdrehung zuviel“ und wirft Laschet Doppelzüngigkeit vor: „Dann dürfen Sie nicht mehr kritisieren, wenn die Amerikaner die AfD treffen.“ Laschet laviert: „Dieses ganze Münchner Format, da trifft man so viele Leute, mit denen man Nullkommanull übereinstimmt. Aber das ist ja grad der Reiz!“ Für einen kurzen Moment denkt man, er könne sich um Kopf und Kragen palavern.

Freie Fahrt zum Wohlstand für alle
Trumps Abkehr von der Klimapolitik ist eine Zeitenwende - eine Chance für Deutschland
Aber da sei die Runde vor. Miosga nimmt schnell Herrn Mölling dran, und der findet das Verhalten des Kanzlers „völlig in Ordnung“. Wenn Merz einem Außenminister Rubio zugehört hätte, hätte er vielleicht auch anderen Außenministern zuhören müssen, und wo käme man da denn hin. Wir paraphrasieren, passend zu dieser absurden Talkrunde.

Laschet versucht noch eine andere kuriose Volte: Er tut so, als sei das Abrücken von der Ideologie des angeblich „menschengemachten Klimawandels“, wie Rubio es jetzt anmahnte, in Europa längst angekommen. „Er nennt es Klimakult, wir sagen, wir müssen das neu arrondieren“, behauptet Laschet. „Man beginnt Themen, die vor zehn Jahren ganz groß waren, zu korrigieren.“

Huch! Was erlaube Laschet! Behauptet er allen Ernstes, Europa rücke vom Klimakult ab? Bekommt Laschet womöglich in diesen Minuten einen geharnischten Anruf von Merz? Oder von Europakaiserin Ursula von der Flinte? Von Graichen, Habeck, Özdemir, der Umwelthilfe?

Was nicht fehlen darf an diesem Abend, ist das Trommeln für Aufrüstung und eine eigene europäische Atombombe. Dafür tingelt Militarist Mölling schließlich seit Wochen durch die Talkshows der Republik, von Lanz bis Miosga. Mölling weiß auch heute, „dass wir mit einer Höllengeschwindigkeit aufrüsten müssen“.

Krieg bis zur Niederlage Russlands
ABER-Kanzler Merz, good cop Rubio – viel Adabeis und nichts Neues
Und schon ist Möllings Lieblingsthema am Start: nukleare Abschreckung. Der atomare Abwehrschirm, ob jetzt durch in Deutschland gelagerte US-Bomben, durch Frankreich oder durch eigenes, deutsches Bestreben, sei ja kein Schirm, den man in einem Kaufmannsladen einfach austausche. Alle Schirme seien außerdem unterschiedlich, „auch in der Stärke des Regens, den sie abhalten können“. Sie lesen richtig. Auf diesem Niveau bewegt sich heute die Diskussion, weshalb wir sie hier gar nicht weiter wiedergeben möchten.

Politologin Deitelhoff immerhin erinnert an den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der es Deutschland ohnehin untersagt, eigene Atomwaffen zu besitzen. „Diese europäische Atombombe, das ist ein Strohmann, das funktioniert nicht“, sagt sie. Miosga malt noch kurz den Teufel an die Wand. Frankreich habe ja „nur“ 300 atomare Sprengköpfe und Russland 5.000. Mölling mault, es gehe nicht um das Aufrechnen von Zahlen. Laschet ruft: „Da reicht einer!“ Mölling wieder: „Na, das jetzt vielleicht nicht!“, aber „wir können als Deutsche sehr viel mehr im konventionellen Bereich machen, bevor wir über die Frage der Atombombe reden müssen.“ Das Problem, so Mölling: „Wir brauchen Personal“ und „die Aufmerksamkeit der Menschen, dass es hier um ihre Sicherheit geht.“

Womit die Aufgabe der Sendung wohl recht gut beschrieben wäre: Es geht um den Kriegsfall in den Köpfen, um Bereitschaft für den Wehrdienst und um Kriegstüchtigkeit.

Feuer frei!

Unterstützung
oder

Kommentare ( 0 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen