Selbst der wohlwollende Ton des US-Außenministers Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz sind für Miosga und Konsorten nur ein einziger Affront. Statt sich über seine versöhnlichen Thesen auszutauschen, fühlen sich alle von den USA kollektiv auf den Schlips getreten. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ARD / Caren Miosga
Die beiden schlechten Nachrichten gleich vorab: Die Sendung Caren Miosga wird noch immer von Caren Miosga moderiert. Und Armin Laschet (CDU) ist noch immer Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Sie darf sich also weiterhin als Moderatorin versuchen. Und er darf weiterhin über Dinge sprechen, die seinen Horizont erkennbar übersteigen. Wenn nun beide – mal wieder – an einem Sonntag beieinander hocken, ist der Abend schon recht gepflegt im Eimer.
Nach Legislative, Exekutive und Judikative stehen Figuren wie Miosga und Ahrtal-Lächler Laschet für die vierte Macht im Staat: die Primitive. Banale Fragen, banale Antworten, dazu Besserwisserei und eine ordentliche Prise Selbstbewusstsein – huch, da ist uns doch glatt der Deckel vom Streuer geflogen – naja, dann ist es halt Selbstüberschätzung.
„Ich verstehe gar nicht den ganzen Hype um diese Rede“, sagt Laschet.
„Es gibt keinen Grund, wegen dieser Rede beruhigter zu sein“, sagt Militärexperte Christian Mölling.
„Das war eindeutig MAGA-Sprech“, posaunt die Politologin Nicole Deitelhoff.
Immerhin fügt sie an: „Ich fand die Rede richtig gut. Und deswegen auch gefährlich.“ Deitelhoff lobt „die großen politischen Visionen, die Zuversicht.“ Rubio habe die Menschen packen wollen: „Gebt Euch diesen Ruck, lasst uns die Welt wieder erobern.“ Laschet stößt das sauer auf: „Das ist genau diese MAGA-Sprache“, stöhnt er. Und ihm rutscht ungewollt etwas heraus, das die Absurdität deutscher Politik perfekt auf den Punkt bringt. Denn Laschet stößt sich an den Standing Ovations für Rubio: „Mich hat bei manchen gewundert, wie schnell sie da aufsprangen. Dass SPD-Politiker aufspringen, wenn jemand sagt, wir müssen die illegale Migration bekämpfen, und der ganze Klimakult ist falsch.“
Das sollte man einen Moment sacken lassen. Ein Laschet mag es also nicht, wenn jemand möchte, dass illegale Migration bekämpft wird. Wow! Let that sink in, würde Elon Musk wohl jetzt sagen. Würde er jemanden wie Armin Laschet überhaupt wahrnehmen.
Das wiederum kann Laschet so nicht stehenlassen. Er wiegelt ab, denn auf den Kanzler der zweiten Wahl lässt er nichts kommen: Der sei nämlich „einer der Regierungschefs, der überhaupt noch einen Zugang zum amerikanischen Präsidenten hat, der von ihm ernstgenommen wird“. Was er vergisst zu erwähnen: Merz HATTE vielleicht mal ganz kurz einen Zugang zu Trump. Seit Wochen, wenn nicht Monaten, sieht er eher wie ein Zaungast unter vielen anderen Zaungästen aus. Wenn es etwa um die Ukraine geht, um Grönland oder Zölle gegen Europa.
Dass sich Merz demonstrativ mit dem Trump-Gegner Newsom trifft, ist für Laschet „völlig in Ordnung“. Dafür holt sich der CDU-Mann erstmal eine Schelle bei Gordon Repinski ab. Der Chefredakteur des KKR/Springer-Magazins „Politico“ empfindet das Treffen als „die eine Umdrehung zuviel“ und wirft Laschet Doppelzüngigkeit vor: „Dann dürfen Sie nicht mehr kritisieren, wenn die Amerikaner die AfD treffen.“ Laschet laviert: „Dieses ganze Münchner Format, da trifft man so viele Leute, mit denen man Nullkommanull übereinstimmt. Aber das ist ja grad der Reiz!“ Für einen kurzen Moment denkt man, er könne sich um Kopf und Kragen palavern.
Laschet versucht noch eine andere kuriose Volte: Er tut so, als sei das Abrücken von der Ideologie des angeblich „menschengemachten Klimawandels“, wie Rubio es jetzt anmahnte, in Europa längst angekommen. „Er nennt es Klimakult, wir sagen, wir müssen das neu arrondieren“, behauptet Laschet. „Man beginnt Themen, die vor zehn Jahren ganz groß waren, zu korrigieren.“
Huch! Was erlaube Laschet! Behauptet er allen Ernstes, Europa rücke vom Klimakult ab? Bekommt Laschet womöglich in diesen Minuten einen geharnischten Anruf von Merz? Oder von Europakaiserin Ursula von der Flinte? Von Graichen, Habeck, Özdemir, der Umwelthilfe?
Was nicht fehlen darf an diesem Abend, ist das Trommeln für Aufrüstung und eine eigene europäische Atombombe. Dafür tingelt Militarist Mölling schließlich seit Wochen durch die Talkshows der Republik, von Lanz bis Miosga. Mölling weiß auch heute, „dass wir mit einer Höllengeschwindigkeit aufrüsten müssen“.
Politologin Deitelhoff immerhin erinnert an den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der es Deutschland ohnehin untersagt, eigene Atomwaffen zu besitzen. „Diese europäische Atombombe, das ist ein Strohmann, das funktioniert nicht“, sagt sie. Miosga malt noch kurz den Teufel an die Wand. Frankreich habe ja „nur“ 300 atomare Sprengköpfe und Russland 5.000. Mölling mault, es gehe nicht um das Aufrechnen von Zahlen. Laschet ruft: „Da reicht einer!“ Mölling wieder: „Na, das jetzt vielleicht nicht!“, aber „wir können als Deutsche sehr viel mehr im konventionellen Bereich machen, bevor wir über die Frage der Atombombe reden müssen.“ Das Problem, so Mölling: „Wir brauchen Personal“ und „die Aufmerksamkeit der Menschen, dass es hier um ihre Sicherheit geht.“
Womit die Aufgabe der Sendung wohl recht gut beschrieben wäre: Es geht um den Kriegsfall in den Köpfen, um Bereitschaft für den Wehrdienst und um Kriegstüchtigkeit.
Feuer frei!






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