Medien auf Kuschelkurs mit der LINKEN

Dass viele Journalisten mit den Grünen sympathisieren, ist lange bekannt – doch inzwischen wird auch die LINKE zunehmend von Medien hofiert, bis hin zur FAZ.

imago images / Karina Hessland

Janine Wissler, bis vor wenigen Tagen Mitglied der trotzkistischen Gruppe Marx21, kandidiert für den Parteivorstand der LINKEN. Gegenüber der ZEIT erklärte sie jetzt ihren Austritt: „Ich bewerbe mich als Parteivorsitzende, da ist es üblich und richtig, die Unterstützung und Mitgliedschaft in innerparteilichen Strömungen und Zusammenhängen zu beenden“, sagte Wissler ZEIT ONLINE. „Das gilt in meinem Fall für die Sozialistische Linke, die Bewegungslinke und Marx21.“

Selbst wenn sie erklärt hätte, dass sie die politischen Grundsätze der trotzkistischen Gruppe nicht mehr teile, müsste man die Frage stellen, ob sich Haltungen von einem Tag auf den anderen radikal ändern und ob der Austritt aus einer Gruppe gleichbedeutend mit einer überzeugenden inneren Abkehr sei. Aber Wissler hat sich ausdrücklich nicht von den Inhalten, die diese Gruppe vertritt, distanziert.

Wenig kann man in den Medien auch über das Thema „Entrismus“ lesen, dabei ist eine Kenntnis dieser trotzkistischen Taktik entscheidend ist, um Janine Wissler zu verstehen. „Entrismus“ ist ein anderes Wort für „Unterwanderung“ und wurde schon in den 20er Jahren von Trotzkisten in der SPD und der französischen sozialdemokratischen Partei angewandt. 1934 trat beispielsweise auf einen Ratschlag Leo Trotzkis die Mehrheit der französischen Trotzkisten in die sozialdemokratische SFIO ein, um diese zu unterwandern. Diese Taktik verfolgen die Trotzkisten auch mit der Zielrichtung der LINKEN, und die Wahl von Wissler wäre die erfolgreiche Krönung.

FAZ zu Wissler: „Links mit Format“

Die FAZ bringt am 10. September einen großen Artikel unter der positiven Überschrift „Links mit Format“.

In dem Artikel heißt es, auch wer Wisslers Positionen nicht teile, werde den Abschied der Fraktionschefin der Linken im Hessischen Landtag „bedauern“. Unbestreitbar besitze sie „das nötige Format für die nationale Ebene der deutschen Politik“, mit ihrem rhetorischen Talent sei sie ein „Ausnahmetalent“. „Fast möchte man sie als Schaf im Wolfspelz bezeichnen – wenn sie nicht so schlau wäre“, so die FAZ. Soll heißen: Sie ist im Kern friedfertig und gut und wirkt vielleicht nur nach außen anders. Aus dem Wolf im Schafspelz macht die FAZ ein Schaf im Wolfspelz.

Und was ist mit ihrer Mitgliedschaft in der trotzkistischen Gruppe? Auch dazu hat die FAZ eine verharmlosende Erklärung: „Viele Zitate aus der Programmatik des trotzkistischen Netzwerkes wurden ihr in den zurückliegenden Tagen vorgehalten. Darin wird in erstaunlicher Klarheit eine tiefe Verachtung von demokratischen Regeln und Institutionen zum Ausdruck gebracht. Doch hat Wissler die Theorien der Ultralinken nie besonders ernst genommen.“

Aha, Wissler war bis vor wenigen Tagen Mitglied einer Gruppe, die sich an den bolschewistischen Revolutionären Lenin und Trotzki orientiert. Aber, Schwamm drüber, ist nicht so schlimm. Erstens ist sie ja ausgetreten und zweitens hat sie das alles sowieso nie ernst genommen. Belege? Keine.

Wie wäre die Reaktion, wenn bekannt würde, dass ein AfD-Mitglied viele Jahre in einer offen rechtsextremistischen Gruppierung Mitglied war und jetzt ausgetreten ist? Hieße es dann auch: „Naja, der ist ja ausgetreten und außerdem hat er die rechtsextremistischen Theorien sowieso nie ernst genommen.“

Man reibt sich die Augen: Kein einziges Medium bringt ein Interview mit Wissler, in dem sie direkt gefragt wird, wie sie es heute mit Lenin und Trotzki hält. Ich würde gerne ein Interview lesen, in dem sie mit dieser Frage konfrontiert wird – geführt von einem Journalisten, der kritisch genug ist, sich nicht mit Ausflüchten und Gemeinplätzen zufrieden zu geben.

Hennig-Wellsow – Lanz fragte nicht nach

Wirklich kritische Nachfragen sind jedoch selten, wenn es um die Linke geht. In Erinnerung geblieben ist ein denkwürdiger Auftritt von Susanne Hennig-Wellsow am 12. Februar 2020 bei Markus Lanz. Hennig-Wellsow wurde bekannt, weil sie nach der Wahl von FDP-Mann Thomas Kemmerich in Thüringen dem soeben gewählten Ministerpräsidenten einen Strauß Blumen vor die Füße warf. Neben Wissler ist sie die zweite Kandidatin für den Parteivorsitz der LINKEN. Ihr intellektuelles Niveau wird in diesem Dialog deutlich:

„Wenn ich Ihnen erzählen würde, wie die AfD im Thüringer Landtag unsere Abgeordneten bedroht. Immer in Situationen, in denen niemand dabei ist, wo es immer perfide ist. [Markus Lanz: Können Sie mal ein Beispiel geben?] Es ist einfach Fakt, dass die AfD faschistische Methoden anwendet. Zwei Beispiele: Das eine: wir haben eine junge Abgeordnete, die war neulich im Fahrstuhl, dann kam eine Reihe von AfD-Abgeordneten in den Fahrstuhl hinein und stellten sich so [zeigt vor die Nase] mit ihren Gesichtern vor sie und grinsten sie an und hörten nicht auf. Eine Situation, aus der sie nicht herauskommen konnte. Das andere Beispiel ist das extreme Gegenbeispiel, aber auch das eine Methode der Nazis: Übertriebene Freundlichkeit. ‘Gehen Sie doch mit uns Kaffee trinken’, ‘Sollen wir Sie nicht da und dort mitnehmen und fahren’ und so weiter. Ich selbst wurde neulich von einem AfD-Abgeordneten bedrängt, der körperlich meinen Weg begleiten musste. Ich will damit nur sagen, das ist keine bürgerliche Partei und das kann man schon wissen, wenn man nur Björn Höcke zuhört.“

Warum fragte Lanz eigentlich nicht kritisch nach: „Übertriebene Freundlichkeit und die Einladung auf einen Kaffee – sind das wirklich typische Nazi-Methoden? Bedeutet das nicht eine Verharmlosung von wirklich faschistischen Methoden?“

Zur Erinnerung: Lanz hatte nach Beispielen für die Bedrohung von Abgeordneten der Linken gefragt. Statt kritisch nachzuhaken, ob denn eine Einladung zum Kaffee wirklich eine Bedrohung sei, nickte er nur und schien zufrieden mit der Antwort. So wie Lanz unlängst nicht nachfragte, wen Grünen-Chefin Annalena Baerbock denn gemeint hat, als sie im Gespräch mit ihm behauptete, fast wäre ein Nazi Ministerpräsident von Thüringen geworden.

Dabei hat Lanz sonst schon hundertfach bewiesen, dass er gekonnt und kritisch nachfragt und nachhakt – so lange, bis es weh tut. Aber wehtun wollte er an diesem Abend offenbar der Frau mit dem Blumenstrauß nicht.

Warum schonen die Medien die Linke?

Ich glaube nicht, dass die meisten Journalisten der LINKEN nahe stehen. Aber ich bin sicher, dass nicht wenige Journalisten eine Grün-rot-rote Bundesregierung favorisieren. Das ist der Grund, warum die LINKE verharmlost und die „Aktion Nebelkerze“ der SPD nicht aufgedeckt wird. Was ich damit meine: Es ist doch ganz offensichtlich, dass mit Olaf Scholz ein Kanzlerkandidat vorgeschickt wird, dessen ausschließliche Funktion die Wählertäuschung ist. Eine radikal nach links gerückte SPD, in der die Meinungen von Kevin Kühnert und Saskia Esken dominieren, kann keine Stimmen ehemaliger Merkel-Wähler holen. Deshalb inthronisiert man jemanden als Kanzlerkandidaten, der „bürgerlich“ erscheint, ganz nach dem Vorbild der Demokraten in den USA, die Biden vorschicken, weil sie glauben, dieser könne eher ehemalige Trump-Wähler herüberziehen als die Linksaußen-Politiker Bernie Sanders oder Elizabeth Warren.

Dass die LINKE jetzt freilich ein Duo aus einer Trotzkistin und einer unsympathischen radikalen Linken auf das Schild heben wird, hat im Vergleich zur SPD in der Tat etwas Ehrliches: Personen wie Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht, die als Sympathieträger galten, waren gefährlicher als die unsympathische Hennig-Wellsow und die Trotzkistin Janine Wissler. Umso erschreckender ist, dass beide jetzt in den Medien so positiv dargestellt werden. Das NEUE DEUTSCHLAND jubelt schon: „Zwei Frauen, deren Namen bereits einen guten Klang haben in der Partei wie in der Öffentlichkeit.“

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Kommentare ( 47 )

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47 Kommentare auf "Medien auf Kuschelkurs mit der LINKEN"

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Die SED ( heute nennt sie sich “ die Linke“) ist eine Kopie der NSDAP . Das einzige was die beiden Parteien unterschied, waren die Insassen Ihrer KZs.

Man sollte nicht vergessen, daß die Linkspartei/SED flüchtende Kinder von hinten erschießen ließ, sofern diese versuchten, den auf Anordnung dieser inhumanen Partei erschaffenen Todesstreifen mit Minenfeld und Selbstschussanlagen zu überqueren, um das „Paradies“ zu verlassen… Wer sich mit solchen gemein macht, ist nicht besser.

Ich denke dass der Austritt Wisslers aus der Marx21-Gruppe andere Gründe hat. Eine Trotzkistin hätte die Linke vermutlich niemals als Vorsitzende akzeptiert. Ich darf daran erinnern, dass der Trotzkismus der Hauptfeind in der Sowjetunion war und ideologisch unter dem Faschismus subsumiert wurde. Tausende Trotzkisten haben während der stalinistischen Säuberungen ihr Leben verloren. Meines Wissens ist die Ideologische Grundlinie gegenüber des Trotzkismus nie einer Revision unterzogen worden. Das man den Austritt aus der Marx21 ahnungslosen Zeitgenossen als Beweis einer Deradikalisierung Wisslers verkaufen kann ist m. M. nur ein, aus Sicht der Linken angenehmer Nebeneffekt.

Marxisten, Leninisten, Kommunisten, Trotzkisten, Stalinisten. LINKE.

Vor der Regierungsbildung in Thüringen sahen ja einige Mainstreammedien, z.B. der DLF, ihre Hauptaufgabe darin, den Stinkefinger-Ramelow als grundsoliden, grundanständigen, 100% vertrauenswürdigen Landesvater hinzustellen.

Was heißt hier kuscheln?! Die SIND links & grün. Das gleiche trifft auf große Teile des BT zu. Da gibt’s nix schönzureden. Deren Marsch war mehr als erfolgreich. Punkt.

Der Grund für den Kuschelkurs ist klar: Die Linken eröffnen dem ÖR die Perspektive in die Vollverstaatlichung nach DDR-Vorbild – ohne jeglichen Wettbewerb und leidige Diskussionen um angemessene Gebühren und unverschämte Altersversorgungen. Als verbeamteter Journalist mit Monopolrechten können einem die permanent sinkenden Einschaltquoten oder der vernichtende Preis-/Qualitätsvergleich mit den Privaten sowie Netflix & Co. herzlich egal sein. Die ethisch/moralisch aufrechten Medienschaffenden (wie die mutigen Journalisten bei Tichyseinblick) sind seit über 100 Jahren eine Minderheit in Deutschland. Über 80% fressen jede Kröte für ein dauerhaft fettes Salär. Und nach dem nächsten verlorenen Krieg sind dann alle wieder durch und durch liberal-konservativ… Mehr

„Die Linken eröffnen“?
Das ist längst gelebte Praxis und Normalität.

Insgesamt sind die Verhältnisse längs gekippt.
All die Beamtenberufe sind mittlerweile doch zu linksgrünen Rekrutierungsstellen verkommen – die das linksgrüne Lied singen.
Bundeswehr? genauso, wer will denn heute noch wirklich in den Krieg ziehen, bzw. seinen Kopf hinhalten (verständlicherweise)?
Vollalimentiert und versorgt durch den linksgrünen Staat.
Möglichst ohne Gegenleistung.
Na wenn das keine Aussicht ist.

Diese Doppelmaßstäbe sind so unglaublich. Irgendein AfD-Politiker hat vor x Jahren mal bei irgendeinem Feriencamp mitgemacht, so auf jemand anwesend war der jemanden kannte der… Und hier, bei den Linken? Gar nichts. Die huldigen weiter ihrem schlimmen alten Mann mit Bart, wissend um das unermessliche Leid, das er verursacht hat, und sie machen einfach weiter. Und niemanden stört es!

Ich glaube, dass die meisten L-Journalisten der LINKEN und vor allem den den Grünen sehr nahe stehen.
Nicht wenige sympathisieren sogar mit der linksextremen Antifa oder sind sogar bei denen mit dabei.
Nicht umsonst verbreiten die L-Medien sehr gerne den Hass und die Hetze der Linken, Roten und der Grünen gegen alle Andersdenkende.
Die von den L-Medien unkontrolliert verbreitete, nachweisbare Lügenstory und Fake von Frau Jelpke Die Linke über die 90 Demonstrationen der Querdenker ist dafür eine gutes aber besonders schäbiges Beispiel.

Diverse NGOs wollen eine „sozial-ökologische Transformation“ und wieder für den Kommunismus auf den Straßen hüpfen, doch einer NGO sind die Fridays noch nicht sozialistisch genug.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article215508674/Soziale-Fragen-haben-bei-Fridays-for-Future-keine-Mehrheit.html

Mit anderen Worten: (Öko-)Genossen unter sich.