Maischberger: Mehr Zeit für Banken hätte gelohnt

"Gier ohne Grenzen: Sind unsere Banken nur für Reiche da?" Im letzten Teil der Runde war die Antwort klar: Ja.

Die Besetzung der Rollen bei TV-Talks wie hier bei Maischberger ist vorhersehbar. Was brauchte es für dieses weitere Versatzstück der Inszenierung der Panama Papers? Ein paar Kundige: Ex-ARD-Börsenjournalist Frank Lehmann, Anleger-Anwalt Helge Petersen und Finanzwissenschaftler Hans-Peter Burghof. Dann die betrogene Rentnerin Urbe Sommermeyer und den Berufsbetrüger, Steuerberater, Ex-Honorarkonsul von Panama (!) Josef Müller. ARD-Reporter Christoph Lütgert, eigentlich schon in Rente, aber unentwegt aktiv, ist für eine ordentliche Attacke gegen das Böse immer gut, Stammgast Sahra Wagenknecht, die unkonventionelle Sozialistin, auch.

Dass Lütgert zu Recherchezwecken übers Internet problemlos eine Briefkastenfirma in Panama eröffnen konnte, ist wirklich keine Sensation. Dass der Bankenberater kein Berater ist, sondern Verkäufer, der „den Menschen Dinge verkauft, die sie eigentlich nicht brauchen und die sie nicht durchschauen“ (Wagenknecht), zählt noch immer nicht zum Allgemeinwissen. Sonst hätte Frau Sommermeyer nicht mehr als die Hälfte ihrer Ersparnisse verloren, weil ihr „Bankberater“ sich nicht an die Vorgabe hielt, ihr Geld nur konservativ anzulegen, sondern risikoreiche Zertifikate erwarb, die schnell an Wert verloren.

Was verkauft wird, hat nichts mit dem Kundenwillen zu tun, sondern erfüllt die Betriebsvorgabe, sagt Petersen und: „Früher hat man das Geld relativ simpel direkt investiert, später ist man dann dazu übergegangen, die Dinge noch und nöcher zu verpacken, so dass man am Ende nicht mehr direkt investiert, sondern nur noch in eine Wette auf ein Investment.“

Da tröstet Lehmann nicht: „Früher hatte die Geldwirtschaft eine dienende Funktion und hat der Realwirtschaft zugespielt. Das wurde irgendwann zu langweilig. Also hat man neue Finanzprodukte erfunden.“ Und: „Tatsächlich wollen die, die haben, immer mehr. Das ist eine Frage der Gier. Das ist ein Hobby der Superreichen geworden.“ Für die Zielgruppe Vermögende machten die Banken alles. Die kleinen Leute kümmern sie nicht mehr.

Als wirklicher Verteidiger der Finanzwelt erweist sich auch der Finanzwissenschaftler nicht. Burghof: „Sie sind nicht der eine Sündenbock, aber sie sind natürlich traditionell an dem dran, der Geld hat. In dieser Hinsicht ist die Korrumpierbarkeit groß.“ Außerdem hätten sich die Banken gebessert. Aber: „Es wird andererseits schlimmer, weil die Globalisierung diese Chancen bietet.“ Merke: Globalisierung ist böser als Banken.

Dass Wagenknecht gegen den Steuertrick Offshorefirma neue Steuern will, kommt nicht unerwartet: „Wir können nichts verbieten, was in Panama passiert, aber wir können die Kapitalflüsse besteuern, die in solche Länder fließen.“ Jede Überweisung wird registriert, müsste man sie offenlegen, könnte man sie besteuern, „wenn das Geld in legale Geschäfte fließt, entfällt die Steuer“, sagt die Schlaue. Ex-Konsul und Millionenbetrüger Müller gießt Wasser in ihren Wein: „Gier frisst Hirn. Durch Gesetze wird man das Kapital nie eindämmen, das findet immer eine Lücke“.

Lehmann: „Wir haben viel Illegalität auf der Welt, mit Steueroasen, das können wir nicht in den Griff kriegen.“ Wussten wir das nicht alle vor der Runde? Doch wie der unwiderstehliche Alt-68-Spruch sagt: Gut, dass wir darüber gesprochen haben.

Bundesfinanzminister Schäuble mit seinem Zehn-Punkte-Plan für ein weltweites Firmenregister hält Wagenknecht vor, sich lange massiv gegen ein solches öffentliches Register eingesetzt zu haben. Schauen wir mal, was daraus wird, wenn die mediale Vermarktung der Panama Papers vorbei ist. Die Neugier des Publikums daran nimmt merklich ab. Das Recherche-Netzwerk achtet offensichtlich nicht auf das eigene Gesetz, dass man keine Sau unbegrenzt lange durchs Dorf treiben kann. Der „Weltspiegel extra“ vor Maischberger gehörte auch zur Überdosis.

Interessant wurde es erst spät, als die abgezockte Rentnerin Sommermeyer dazukam und der Anlegeranwalt Petersen, der von seiner Erfahrung als Bänker profitiert, das Thema Banken und Sparkassen insgesamt auf den Seziertisch legte. Lütgert und Müller hätten nach fünf Minuten gehen können, mehr als den Skandal Panama repräsentierten sie nicht. Ohne den Panama-Teil hätte das spannend werden können. Als die Banken endlich dran waren, sind sicher schon viele Zuschauer eingeschlafen, vor dem Bildschirm oder im Bett.

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