Bei Maischberger: Tradwifes, Huckleberry Finn und andere Geschichten

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) muss sich vor Sandra Maischberger, die den christlichen Glauben wiedergefunden hat, rechtfertigen. Die Kaltherzigkeit des Politikers soll der Schriftsteller Salman Rushdie mit Trump-Bashing geradebiegen. Aber das Geschichtenerzählen übernehmen die ÖRR-Journalisten dann doch lieber selbst.

Screenprint: ARD / Maischberger

Zwischen all den Geschichten, die Politiker erzählen, haben sich die Kommentatoren am Mittwochabend auf das Märchen von der Migrationswende geeinigt. Und das Ende dieser Geschichte ist nicht offen: schuld ist die AfD. Die Union hat sich in die Misere gefahren, als sie sich ihrer Linie angenommen hat, so der Journalist Albrecht von Lucke. Jetzt haben sie den Salat – oder besser gesagt, Söder hat den Salat. Denn Cem Özdemir hat den Wurst-Liebhaber abgehängt. Zur sichtlichen Freude von Sandra Maischberger sowie der Autorin und Moderatorin Amelie Fried.

Fried ist der Meinung, dass die Methode „Sinkende Asylzahlen ist gleich sinkende AfD“ ein Märchen ist. Nur die Podcasterin Dagmar Rosenfeld kann sich erinnern, um was es vor dem Kampf gegen Rechts ging: „Das ist keine AfD-Politik, sondern illegale Migration ist tatsächlich ein Problem, und es ist ja auch keine Erfindung der Union, dagegen vorzugehen.“ Und als sie auch noch auf die Migrations-Politik der Ampel zu sprechen kommt, muss Maischberger sie zurechtstutzen: „Das war nicht die Frage. Die Frage war, ob es eine Auswirkung auf die AfD hat.“ Von Lucke stimmt Maischberger zu und erinnert, es gehe darum, „was uns die Union versprochen hat“. Nachdem Von Lucke dann auch endlich fertig ist mit der Litanei an Beschuldigungen, wendet Maischberger die gleiche Taktik gegen Alexander Dobrindt an.

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Dieser sitzt recht gelassen gegenüber Maischberger – auch wenn ihm die Freude nicht ins Gesicht geschrieben steht. Maischberger verschwendet auch keine Zeit mit Geplänkel, sondern feuert direkt los: „Wollen Sie mal bewerten, was Sie da sehen in Amerika?“ „Naja, ich sehe, dass da Sicherheitskräfte unterwegs sind, die schlecht ausgebildet sind und offensichtlich ein Vorgehen haben, was nicht akzeptabel ist, mit schrecklichen Ergebnissen. Das findet bei uns nicht statt, kann bei uns auch nicht stattfinden, will auch keiner.“ Maischberger ist aus dem Häuschen: „Also ‚schreckliche Ergebnisse‘ ist sozusagen das Maximum an Bewertung?“ Als dann die geplanten Return Hubs, also Abschiebezentren in Drittstaaten, zum Thema werden, erlebt Maischberger eine religiöse Erweckung: „Ist das christlich, Herr Dobrindt?“ Maischberger drückt noch stärker auf die Tränendrüse: „Kinder und Familien in Gefängnissen?“ Dobrindt gibt resigniert auf: „Das ist ein typisches Framing.“ Damit ist das Unheil an ihm aber noch nicht vorbeigezogen.

Maischberger zieht noch die Brandmauer-Karte. Im Europäischen Parlament habe Manfred Weber (CSU) Absprachen zwischen der EVP und der AfD geduldet. Dobrindt versucht sich herauszureden: „Aber ich habe doch jetzt, was er öffentlich gesagt hat, schon zitiert, dem muss man nichts hinzufügen.“ „Das finde ich schon.“, reagiert Maischberger trotzig. „Na ja, gut, also was soll man hinzufügen? Weber hat gesagt, er hat die Stimmen der AfD nicht zur Abstimmung gebraucht.“

Maischberger ist immer noch unzufrieden: „Besteht die Brandmauer noch eigentlich nach diesem Moment?“ „Ja, eindeutig“, verspricht Dobrindt und muss schon wieder in die Abwehrhaltung für den nächsten Angriff. Maischberger findet es nämlich unerhört, dass linksextreme Buchhandlungen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer von der Leipziger Buchmesse und somit dem Buchhandlungspreis ausgeschlossen wurden. Genau genommen geht es um eine Buchhandlung, welche auf ihrer Mauer „Deutschland verrecke“ stehen habe, meint Dobrindt. Maischberger fügt hinzu, es stehe „Deutschland verrecke bitte“ auf der Mauer. Für Maischberger ist klar: Von dieser höflichen Buchhandlung kann keine Gefahr ausgehen.

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Gefahr gehe vielmehr von den sogenannten Tradewifes aus, betont Fried. Immer häufiger würden Frauen in diese Falle tappen. Fried hat einen Roman „Eine von uns“ über dieses Phänomen geschrieben. Genau genommen geht es darin um eine Frau, die sich auf ihren Mann verlassen hat und dadurch „die Arschkarte“ gezogen habe, so Fried. Eine weitere Geschichte an diesem Abend, von der Gefahr ausgehe, ist Huckleberry Finn. Dieser Klassiker werde in Amerika von den Republikanern verboten, so Maischberger. Dass Huckleberry Finn vor allem vom linken Rand wegen der rassistischen Aussprüche gecancelt wurde, ging an Maischberger offenbar vorbei.

Nicht so schlimm. Sie hat mit dem Schriftsteller Salman Rushdie einen neuen Verbündeten. Dieser bezeichnet Trump als Idiot und Lügner, aber vor allem als einen „Storyteller“. Geschichtenerzähler ist auch er, mit der Hoffnung auf ein linkes Amerika. Wie er die Entwicklungen im Iran sehe, will Maischberger von dem Schriftsteller, der ein Augenlicht durch einen islamischen Anschlag verlor, wissen. Er glaube nicht, dass der Iran durch diesen Krieg befreit werde. Größere Sorgen hat Salman Rushdie,  wenn es um die Abschiebungen in den USA geht. In seiner Karriere als Schriftsteller beschäftige er sich im Moment lieber mit dem Tod – oder wie Kafka, mit einem offenen Ende.
Ein offenes Ende gibt es bei Maischberger dagegen nie.

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Kommentare ( 4 )

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Dieter Blume
58 Minuten her

In irgendeinem woken Kriminalfilm wurde vor Kurzem eine Tradwife als Täterin verdächtigt. Da saßen die guten und gerechten Kommissar:innen zusammen, um uns kleinen Leuten zu erklären, wie schlimm das ist mit den Tradwifes. Zum Abgewöhnen.

Harry Charles
1 Stunde her

HIER WIRD VOR ALLEM

eines demonstriert, was Männern blühen würde, wenn solche wie Maischberger an die Macht kämen. Schopenhauer hätte ihre Freude an ihr. Sie aber nicht an ihm, vor allem wenn sie seine Abhandlung „Über die Weiber“ lesen würde. Es geht dabei wohl um zeitlose Wahrheiten. Und es stellt sich die Frage: Hat die damals schon gelebt, als Schopenhauer das geschrieben hat? Weil das passt.

humerd
1 Stunde her

Dobrindt will ineffiziente Deutschkurse nur noch für Asylbewewrber mit Bleiberecht bezahlen. Die Asylindustrie inkl. der VHS und Kirchen plärren laut auf.
Die Ampel, besser gesagt die GrünInnen, haben die Finanzierung der sogenannten Asylberatung aus Steuermitteln eingeführt. Dobrindt will diese „Beratung“ nicht mehr aus Steuern finanzieren. Die Presse und die Asylindustrie inkl. der Kirchen macht daraus „Asylberatung:
Verbände kritisieren die geplante Streichung der Asylberatung“https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-03/asylberatung-bundesinnenministerium-streichungen-kritik-alexander-dobrindt-gxe
Die Beratung ist mitnichten gestrichen, die Finanzierung aus Steuergeldern will Dobrindt streichen.

Kassandra
1 Stunde her

„Sinkende Asylzahlen ist gleich sinkende AfD“ . Die Wähler der Blauen sind schlau und wissen, auch, wenn (angeblich) weniger hier Anträge auf Asyl oder sonstwelche Bleiberechte stellen: die Anzahl derer, die hier aus welchem Grunde auch immer all inclusive alimentiert werden, wird von Tag zu Tag höher. Bleiben sie nur lange genug gibt der deutsche Merkelstaat auf und verteilt unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigungen und sogar Pässe. „Asyl“ erhalten überhaupt nur unter 1% derer, die einen Antrag stellen: René Aust, AfD, neulich bei Hayali – die Anerkennungsquote bei Asyl liegt bei 0.7% – und sie will ihn dafür öffentlich-rechtlich fertig machen: https://x.com/oida_grantler/status/1796274727264100575 Laut… Mehr