Bei maybrit illner: Claudia mit Ladehemmung

Schon wieder Erdogan, der Schreckliche! Darf der Bösewicht uns wüst beschimpfen? Dürfen türkische Minister in der EU Wahlkampf machen? Da bleibt nur eine Hoffnung. Kann Claudia Roth, die Betroffenheit in Person uns aus der Erdogan-Lethargie rausholen?

Bis auf den Ehrenmord hat er eigentlich das gesamte Beleidigten-Programm abgefahren, der schäumende Sultan vom Bosporus. Schmiss die Möbel aus dem Fenster, biss vor Wut in seinen fliegenden Teppich, zerdepperte das gesamte politische Porzellan („Verehrte Merkel, du unterstützt Terroristen!“) und drohte zuletzt, dass er weiß, wo Merkels Haus wohnt (wo er ganz viele Flüchtlinge vorbeischicken will). Und wie reagieren unsere zuständigen Bereichsleiter auf den Integrationsverweigerer? Peter Altmaier, Merkels Sancho Panza, jammerte, auch Deutschland habe „eine Ehre“.

Der fürs Äußerste zuständige Sigmar Gabriel war zuletzt eher weniger präsent, dafür „aktualisierte“ jemand auf der Außen-Amts-Website die Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei. Schließlich war erst vor kurzem ein Europäer in der Türkei zusammengeschlagen worden, weil man ihn für einen Niederländer hielt, und holländische Rindviecher wurden von den Türken außer Landes gebracht.

Die Niederländer bringen uns dann auch zu unserem Thema: Maybrit Illners Frage des Tages „Erdogans Zorn – Lässt Europa sich provozieren?“. Da standen dann sechs Stühle und eineinhalb Meinungen im Raum. Die halbe Meinung gehörte zum AKP-Mann Fatih Zingal, auf den wir später zurückkommen. Alle anderen hatten im Geiste das T-Shirt „Je suis Rutte“ übergezogen, für Mark Rutte, den ersten Vrijheidshelden der EU. Der hatte zwei Fliegen mit einem Streich geschlagen, Wilders mit Erdogan, und alle am Tisch waren mächtig stolz auf ihn. Sogar Gesine Schwan von der SPD, obwohl ihre niederländischen Parteifreunde mit minus 19,14% mit am Fliegenfänger hingen.

Als Vertreter der heldenhaften Niederländer war der Migrationsforscher Ruud Koopmanns geladen, der dann so Sätze sagen durfte wie „Auch wir sind eine stolze Nation“ und „Es gibt einen demokratischen Patriotismus“, oder „Politiker haben die Pflicht, auch die Unzufriedenheit im Volk aufzunehmen“, ohne im Geheul von Multikulti-Phantasten unterzugehen. Dafür guckte Claudia Roth an dieser Stelle besonders böse und zog drohend eine Augenbraue hoch. Ehrlich gesagt hatten wir nur wegen ihr eingeschaltet, denn Erdolf ist ja längst überall unten durch und medial total ausgeweidet. Könnte Claudia, die Betroffenheitsschleuder, die Dicke Berta der Grünen, uns noch einmal aus der Erdogan-Lethargie herausholen?

Immerhin verdanken wir der gelernten … Quatsch! Nix gelernt, … der geborenen Politikerin Erkenntnisse wie „Die Türken haben Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut.“ (Hinweis an CR: türkische Gastarbeiter kamen ab 1961 mitten ins voll laufende „Wirtschaftswunder“.) Politisch hat sie außerdem die gefühlte mindestens zweite Staatsbürgerschaft: „Ich mache seit 20 Jahren Türkeipolitik, das ist viele Jahre. Und ich liebe die Menschen in der Türkei. Und ich liebe die Konflikte in der Türkei.“ Ist es da ein Wunder, dass wir besonders von ihr heute viel erwartet haben?

"Zwischen Wilders und Erdogan: Europa in der Populistenfalle?"
Maischberger: War da was? Zapp, zapp.
Jedenfalls steht ihre Partei in den Umfragen knapp an der Armutsgrenze, da wäre doch wenigstens moralische Entrüstung der Sonderklasse angebracht. Aber, wir wollen es gleich vorwegnehmen, das war nicht unsere Claudia, wie wir sie kennen, mit dem falschen Pathos, der sie so weit gebracht hat im Land der romantisch Verstrahlten. Logo, dass sie klare Kante gegen Erdogan verlangt, schließlich ist er nicht ihr Freund. Und die, die ihre Freunde sind, wollen nicht unter ihm leben. Der Flüchtlingsdeal sei schlecht, den sollten wir gleich aufkündigen. In ihren Augen braucht es da sowieso keinen Deal, eher Fährschiffe, die alle nach Europa bringen, die kommen wollen.

Dann wusste sie tatsächlich, dass den Türken seit 1963 ernsthaft versprochen wurde, sie einmal in die EU aufzunehmen (obwohl es 1963 gar keine EU gab), und dass Merkel mit ihrer „privilegierten Partnerschaft“ den türkischen Frust noch verschärft habe. Also irgendwie sind wir Deutschen doch an allem schuld.

Wir Deutschen. Das bringt uns zum Solinger Rechtsanwalt und Erdogan-Unterstützer Fatih Zingal von der „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“. Der sollte das freiheitlich demokratische Bekenntnis ablegen, dass er sich von Erdolfs Nazi-Vergleichen genauso beleidigt fühlt wie alle anderen am Tisch. Er fühlte sich eher „tief traurig“. Worauf Dorothee Bär, Karrierefrau der CSU, scharf nachfragte: „Fühlen Sie sich als Türke oder als Deutscher?“ „Sowohl als auch. Aber ‘beleidigt‘ ist das falsche Wort.“

An Zingal prallten die Aufgeregtheiten um ihn herum ab, als habe er die Aufregung um ihn herum nicht vernommen. Easy peasy. Nein, wir wollen den ganzen Trara nicht wiederholen, nur so viel, als dass schon das türkische Recht Auslandspropaganda türkischer Politiker verbietet (Koopmanns), dass Erdogan, die „starke Persönlichkeit“, tief enttäuscht sei, dass man die Nazi-Vergleiche in der Türkei anders sehe (Zingal), dass Europa der Türkei wohl keine Demokratie zugetraut habe (Schwan). Und dass Merkel der Türkei Visa-Freiheit und beschleunigte Beitrittsverhandlungen versprochen habe (Koopmanns).

Nun hoffen alle (bis auf einen), dass Erdogan das Referendum verliert, das sei jetzt das „Endspiel der Demokratie“ in der Türkei, sagte Koopmanns. Claudia will die EU-Gelder für die Türkei an ihre Freunde von den NGOs umleiten und dass Schäuble auch dem türkischen Finanzminister keine Kredite gibt. Dass europäische Banken bis zum Hals in nun politisch wackeligen Türkei-Krediten stecken, kam nicht vor beim allgemeinen Bekenntnis-Geschwätz – macht ja alles nur komplizierter.

Natürlich ist längst in Vergessenheit geraten, warum um Himmels Willen die Türkei überhaupt zu Europa gehören soll. Weil sie im Eurovision Song Contest mitmacht? Macht Australien auch. Weil die Türkei vor 2000 Jahren zum Römischen Reich gehörte? Das taten Marokko, Tunesien und Libyen auch. Welchen Vorteil hätte eine Europäische Union von einem weiteren Nettokassierer in ihrer eh schon angeschlagenen Organisation? Eigentlich nur den, dass Claudia Roth ohne Pass in das Land ihrer Träume reisen kann. Schließen wir mit einem Blick in die Archive, als unsere Bundesvizedingens Claudia noch so von dem Land schwärmte: „Mir gefällt in der Türkei Sonne, Mond und Sterne, mir gefällt Wasser, Wind. Mir gefallen die Meze, mir gefallen Kichererbsenpüree, mir gefallen Börek. Ich kann gute Börek machen.“

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Kommentare

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  • Zwerg Hübich vom Hübichenstein

    Seit der Krönungsmesse des Heiligen Martin glaube ich das auch. Er hätte auch das Telefonbuch vorlesen können. Lag wohl am Charisma, unglaublich der Hype. Aus Dummheit oder Verzweifelung? Die Frauen waren geradezu verzückt von ihm. Soll bei einer anderen historischen Figur so um 1933/34 auch so gewesen sein.

  • Bernd

    Hier, als Pendat, spaßeshalber zwei Focus-Kommentare zu „Opel-Lobbyist soll Merkels Wahlkampf managen“:

    „Dream Team
    Wenn das dann so erfolgreich wird wie die Entwicklung der Firma Opel in den letzten Jahren, sollte Frau Merkel schon einmal ihr Ausweichquartier in Südamerika auf Vordermann bringen lassen. Andererseits, Planlosigkeit und Durchwurschteln kennt man bei Opel ja aus dem Effeff, somit haben sich bei Berater und zu Beratender ein absolutes Dream Team gefunden“.

    „Rettungsanker ?
    Wenn er so gut weiterarbeitet wie bei Opel und Röttgens
    müssen wir uns ja über unsere Zukunft keine sorgen machen und Merkel
    wird wie Opel abgestoßen!!“

  • Zwerg Hübich vom Hübichenstein

    Erdo:“Diese Jugend wird Geschichte Scheiben.“ Die „Deutsche Jugend“ hat auch schon Geschichte geschrieben. In der HJ, als Flakhelfer oder 16jähriger Wehrmachtsoldat. Das reicht für die nächsten 1000 Jahre.

  • Thomas Mairowski

    Wenn bestimmte Menschen an einer Diskussion teilnehmen, ist die ganze Diskussion reine Zeitverschwendung. Zu diesem Personenkreis gehören: Claudia Roth, Michele Friedmann, Gesine Schwan. Es gibt bestimmt noch weitere Personen, insbesondere sogenannte „Politikwissenschaftlerinnen“ (Frau Schwan ist eine von denen) die man schlichtweg als Realitätsverweigerer bezeichenen müsste.

  • TheBelleAlbum

    Im Grunde bleibt einem dieser Tage ja nur der Humor, insbesondere der spöttische und der rabenschwarze. In der Politik hat das ja durchaus Tradition, man denke an das politische Kabarett. Ich finde das noch den gesündesten Weg, mit dieser abstrusen politischen Wirklichkeit und diesem Kabinett des Schreckens umzugehen. Weiter unten gibt es jemanden, der das gar nicht witzig, sondern entwürdigend findet. Aber der hat wohl auch einen anderen Blick auf das politische Geschehen.

  • The Bro

    Nein, Maischberger-illner-etc… schaue ich schon lange nicht mehr. Läuft meist so ab: 4 Linientreue und 1 dunkeldeutschen zum bashing.
    Gesine&Claudi gräßlich.
    Und wenn Claudia noch so ein Stuss redet…
    Die Wahl-Demenz der Deutschen ist ihr sicher.

  • Andreas Schneider

    Nein, diese medialen Kasperletheater tue ich mir schon lange nicht mehr an (nicht zuletzt, um solchen Knallchargen wie Claudia Roth keine Chance zur Schädigung meines Nervenkostüms zu geben).

    Herrn Paetows Beitrag zeigt mir einmal mehr auf, dass meine Verweigerung ihre Gründe hat. Kann von diesem Gelaber mehr als der Eindruck verbleiben, als dass dieses Personal die Politik als einen überdimensionierten Kindergarten betrachtet?