Wenn es um die Epstein-Akten geht, kann das ZDF eine gewisse monothematische Fixierung nicht verbergen: Von Interesse ist für die Talkrunde vorrangig, ob die Enthüllungen Donald Trump schaden könnten. Von Fabian Kramer
Screenprint: ZDF / Maybrit Illner
Selbst der begnadetste Krimiautor oder der verwegenste Drehbuchautor bei James Bond hätten sich in ihren kühnsten Albträumen kein derart perfides System ausdenken können wie das Epstein-System. Jahrzehntelang nutzte der vermögende Jeffrey Epstein seinen Reichtum und seine herausragende gesellschaftliche Stellung, um ein weltweites Netzwerk zum Missbrauch minderjähriger Mädchen zu schaffen.
Das Ausmaß des Missbrauchs erreichte Dimensionen, die wahrscheinlich noch kein ähnlicher Fall zuvor erreicht hat. Teil des Epstein-Kosmos war die globale High-Society. Der New Yorker kannte sie alle. Prinz Andrew, Bill Clinton, Donald Trump, Bill Gates oder Mette Marit waren gute Bekannte des Sexualstraftäters. Kaum Bekanntschaft machte Epstein mit der amerikanischen Justiz.
Obwohl es über all die Jahre massive und glaubwürdige Anschuldigungen gegen Epstein gab, wurde so gut wie nichts unternommen. Haben Epsteins mächtige Bekannte ihn geschützt, weil er sie erpresst hat? Trotz Millionen an Dokumenten bleibt vieles Spekulation und wage Vermutung. An diesem Donnerstagabend beschäftigt sich Maybrit Illner mit der Causa-Epstein. In der Runde sind die Empörung und das Entsetzen groß. Wie man es vom ZDF nicht anders erwarten konnte, dreht sich ein Großteil der Debatte um Donald Trumps Kontakt zum Sexualstraftäter. Außer moralischer Bestürzung liefert die Sendung wenig Inhalt und schon gar keine neuen Erkenntnisse. Die Talkrunde kaut die bereits vor Wochen medial ausgeschlachteten Enthüllungen der Epstein-Dokumente nochmal durch. Eine spannende Sendung geht anders.
Kommt noch mehr?
Millionen von Dokumenten sind veröffentlicht und weitere Millionen könnten noch folgen. Die Epstein-Dokumente sind noch lange nicht ausgewertet und womöglich sind noch viele schmutzige Details zu enthüllen. Ob es allerdings zu weiteren Veröffentlichungen von Dokumenten kommt, ist derzeit fraglich. Schließlich sitzt mit Donald Trump ein guter Bekannter des Sexualstraftäters im Weißen Haus, der kein gesteigertes Interesse an weiteren Schlagzeilen haben wird. Bei den veröffentlichten Dokumenten wurde vieles geschwärzt.
Trotzdem gibt sich der investigative Journalist Daniel Laufer zuversichtlich. “Eine richtige Vertuschung ist nicht möglich”, meint er. Immer wieder monieren die Demokraten im Kongress, dass die US-Regierung Dokumente weglassen würde. Allerdings ist schwer nachzuvollziehen, was nicht veröffentlicht wurde. “Was fehlt, kann man nicht genau sagen”, berichtet Laufer. Es würden zum Teil einzelne Dokumente in dreifacher Ausführung veröffentlicht, was zu Verwirrung führe, so der Journalist. FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hält auch deutsche Beteiligte für möglich. “Ich erwarte, dass es auch in Deutschland aufpoppen wird”, spekuliert die EU-Abgeordnete. Für Strack-Zimmermann steht außer Frage: “Epstein hat Akten angelegt, um zu erpressen.” An diesem Punkt hätte Illner einhaken müssen. Es ist eigentlich die zentrale Frage. Hat Epstein die Erpressungen als Kopf des Systems in eigenem Interesse geplant oder steckt hinter Epstein noch viel mehr? Arbeitete er für Geheimdienste, die sein Wissen über die Verbrechen der Mächtigen nutzen konnten? Leider entwickelt sich dahingehend keine Debatte.
Trump unter Druck
Erst leugnete Donald Trump seine Beziehung zu Jeffrey Epstein, doch aufgrund enthüllter Beweise musste er seine Bekanntschaft zu Epstein eingestehen. Für den amerikanischen Präsidenten sind die Enthüllungen ein unangenehmes Thema. Zwar sind die Demokraten genauso in den Fall verwickelt, aber es betrifft ehemalige Spitzenpolitiker und keine aktuellen. “Die Enthüllungen sind für Trump auf mehreren Ebenen eine Gefahr”, erklärt die Journalistin Annett Meiritz. Damit hat die USA-Kennerin recht. Einige von Trumps größten Unterstützern haben sich deswegen zurückgezogen. Seine eigenen Kongressabgeordneten haben dafür gesorgt, dass die Regierung die Akten veröffentlichen musste. “Es gibt ein massives Vertrauensproblem”, stellt Meiritz klar.
Für die FDP-Frau Strack-Zimmermann bietet sich dadurch die Gelegenheit, um frustrierte Amerikaner nach Europa zu locken. “Es ist eine Chance für Europa”, frohlockt sie. “Wir müssen unseren Wertekanon schützen”, fordert sie. Bei diesen Gedankengängen ist sehr viel Wunschdenken dabei. Die EU ist nun wahrlich keine Institution, die dafür bekannt ist, dass sie transparent arbeitet und Missstände aufklärt. Außerdem gibt es sehr viele europäische Kontakte von Epstein, die durch die veröffentlichten Dokumente bekannt wurden. Viele der Opfer stammen aus Europa, ohne dass es deswegen irgendwelche Ermittlungen gab. Es verbietet sich, mit dem moralischen Zeigefinger auf die Amerikaner zu zeigen, denn immerhin wurden Dokumente veröffentlicht. Zu den Impfstoff-Deals mit Pfizer beispielsweise hat die EU-Kommission bis heute nichts veröffentlicht. Wirklichen Vertrauensverlust hat Donald Trump bei seinen Wählern ohnehin nicht erlitten. “Epstein spielt keine Rolle bei seine Anhängern”, sagt Journalistin Annett Meiritz.
Eine dünne Sendung, die außer dem skandalträchtigen Thema nichts aufzubieten hat.

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> Erst leugnete Donald Trump seine Beziehung zu Jeffrey Epstein, doch aufgrund enthüllter Beweise musste er seine Bekanntschaft zu Epstein eingestehen. Für den amerikanischen Präsidenten sind die Enthüllungen ein unangenehmes Thema. Zwar sind die Demokraten genauso in den Fall verwickelt, aber es betrifft ehemalige Spitzenpolitiker und keine aktuellen. Keine aktuellen? Vielleicht muss man nur tiefer graben? Auf jeden Fall ist ein mächtiger Freund der Dems betroffen: „Neue Akten zeigen: Gates und Epstein hatten 38 Treffen, weltweite Reisen, Strategiegespräche – die „Abendessen“-Story hält den Dokumenten nicht stand – uncut-news.ch“ > „… Bill Gates hat wiederholt erklärt, seine Kontakte zu Jeffrey Epstein… Mehr
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