Bei Anne Will: Tolle Ideen für die große Umverteilung

Der Parlamentarismus entstand letztendlich nur, weil der Steuerzahler mitbestimmen wollte, wofür sein Geld verschwendet wird. Von daher ist es lobenswert, dass nicht nur der Herr Finanzminister sowie Vertreter der Regierungspartei bei Anne Will über die große Geldverteilung miteinander plauderten, sondern auch ein Vertreter der Opposition.

Screenprint: ARD/Anne Will

Warum aber ausgerechnet ein Mitglied der kleinsten Oppositionspartei (8,9% bei den letzten Wahlen) in der Runde saß, das ist wohl dem Wunschtraum all der Annes, Carmens und Tinas vom Staatsfunk geschuldet, die sich ein Leben ohne ihre grünen Lieblinge gar nicht mehr vorstellen können. Und wenn schon keine Kompetenz, dann bitte gleich Annalena Baerbock. Die beweist ihre komplette Ahnungslosigkeit damit, dass sie Deutschland für die größte Volkswirtschaft der Welt hält. Der Größenwahn kommt diesmal nicht aus Österreich, sondern von einer Frau.

Was also soll bei einem Gespräch ohne wahre Opposition groß herauskommen oder bei dieser vorgetragenen Komplett-Inkompetenz? Vor allem das, was Olaf „Schlachworte“ nennt. Wie „Wiederaufbauhilfen“. Darin steckt das Wort Wiederaufbau, was vielleicht manchen im Nettozahler-Land an Geschichten vom zweiten Weltkrieg erinnern soll, wo ja auch einiges wieder aufgebaut werden musste, und der deshalb Verständnis für die aktuelle große Umverteilung – 100 Milliarden hierhin, 100 Milliarden dorthin – aufbringt, nur ist überhaupt nichts kaputt gegangen, was wiederaufgebaut werden müsste.

Man muss nur lange genug zuhören, dann erfährt man, dass es nicht um Wiederaufbau geht, sondern um „Projekte“, zum Beispiel „ganz konkrete Straßen“ (Scholz), die „mit der Zukunft Europas zu tun haben“.

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„Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Um die Politik vom größten Blödsinn abzuhalten, wurde schon im Jahre 1963 der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ ins Leben gerufen, den die Medien fortan „die fünf Wirtschaftsweisen“ nannten. Schnell begriffen die Politiker, dass bei der Auswahl der Fünf besondere Sorge zu tragen ist, so dass man nicht von der Seite kritisiert wird. Seit kurzem ist Monika Schnitzer dabei, und müssten wir raten, wer ihre Wahl unterstützt hat, würden wir spontan auf die Grünen tippen. Angesichts der geplanten 500 Milliarden „Wiederaufbauhilfen“ für Frankreich und die Südeuropäer will die Weise Schnitzer „das Narrativ ändern“, nicht mehr von Nettozahlern und Empfängern sprechen. Neue Projekte sollten mit der halben Billion gefördert werden in den Bereichen Green Deal, Gesundheit, Digitalisierung. Die Südländer werden sich verbitten, als betreute Werkstätten behandelt zu werden, und selber wissen, was sie mit dem Geld machen. Bei der Digitalisierung sind sie eh schon viel weiter fortgeschritten als wir.

Carsten Linnemann von der CDU hat wohl die Ansage bekommen, Annalena Baerbocks Grünkurs mitzufahren. Zwar tendierte er zu Beginn zur Abteilung Sebastian Kurz, teilte die Sorge, Milliarden würden versickern, „weil leider in der Vergangenheit“, aber dann schwenkte er um zu „CO2 kennt keine Grenzen“ und ähnlich bekanntem Nonsens.

Rot, schwarz und grün wollen gemeinsam „Europa noch besser machen“, deshalb müsse es auch Mehrheitsentscheidungen im Rat geben, kein Einstimmigkeitsprinzip mehr, und Olaf möchte zudem eine gemeinsame Mindestbesteuerung. Das macht natürlich niemand mit. Wie wäre es denn stattdessen, wenn wir steuerlich und rentenmäßig mit den anderen gleichgestellt würden?

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Uns Steuerzahler vertrat Reiner Holznagel vom Bund der Steuerzahler, der 2016 schon mal gefordert hatte, dass Steuergeldverschwendung durch Politiker ein Straftatbestand wird (das geht natürlich nicht, denn dann wären die Knäste endgültig überfüllt). Anne Will kam nicht darüber hinweg, dass es nicht Bund der Steuerzahler-INNEN heißt, und überhaupt sei der Reiner in der CDU.

Trotzdem sagte der den unerhörten Satz „Nichts ist alternativlos“, und empfahl erst mal einen Kassensturz, bevor die Piepen weiter verbraten werden. Von den 50 Milliarden für Kleine und Mittelständler seien erst 13 Mrd. abgeflossen. Und die EU-Förderprogramme seien auch nicht der Weisheit größter Ratschluss. „Wenn ich ein Haus baue und kriege 90% Förderung dazu, dann wird das deutlich luxuriöser als ohne Förderung.“ Die Verantwortung seitens der empfangenden Politiker gehe verloren. Schon jetzt habe der Steuerzahler nicht das Gefühl, das alles „nachhaltig“ eingesetzt wird.

Das zeigte dann auch eine Scheindebatte über Konsumgutscheine, 300 Euro pro Kind, und sonstige Kaufprämien. Besser wären Liquiditätsmaßnahmen für Unternehmen, so Linnemann, und Frau Schnitzer regte den steuerlichen Verlustrücktrag an. Vor Corona ist nach Corona. Selbst die Weise Monika Schnitzer ist mit ihrer Weisheit schnell am Ende. Ihre Antworten auf die Zukunftsfragen: E-Mobilität und Digitalisierung.

Grüne an die Macht
Die Kindgesellschaft und ihre Angst vor der Wirklichkeit
Weil die Industrie es nicht geschafft habe, die besten E-Autos zu bauen, würden mit einer Autoprämie nur Verbrenner-Autos gekauft. Was die Frau Professorin nicht weiß: Seit über 100 Jahren ist sonnenklar, dass E-Autos niemals eine ernsthafte Konkurrenz zum Verbrenner sein können, so wie der Trabbi keine Überlebenschance außerhalb einer sozialistischen Marktwirtschaft haben kann. Übrigens: Zuletzt zeigte der Elektrotüftler Dyson, dass man das nur hinkriege, wenn jedes Auto 170.000 Euro kostet, das wäre also bloß für die im politmedialen Komplex geeignet.

Auch Digitalisierung ist ein großes Wort in einem Land, das gerade mal eine Äpp auf die Reihe kriegt. Nicht mal die Bundesbehörden und Ministerien haben wenigstens eine einheitliche IT. Obwohl bereits 3, 5 Milliarden Euro dafür verplempert wurden.

Fehleinscheidungen, wohin man schaut. Der Zug ist längst abgefahren. Apropos: Die Pilotstrecke für den Transrapid hätte vor ein paar Jahren gerade mal heute geradezu lächerliche 3 Milliarden Euro gekostet. Da könnte man dann von Mobilität der Zukunft sprechen. Aber der Transrapid fährt nun in China, gerade wird eine 1.000 Kilometer lange Strecke gebaut, die der Zug in zwei Stunden zurücklegt.

Haben die Chinesen eigentlich schon einen Sachverständigenrat? Gute Nacht.

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Kommentare ( 138 )

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138 Comments
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Alexis de Tocqueville
4 Jahre her

Da Sie den Transrapid ansprechen: Der Deutsche ist ja leider sowieso allergisch gegen Investitionen in die Zukunft. Neulich habe ich hier auf TE etwas zum Thema Raumfahrt gelesen, und was findet sich dazu natürlich in den Kommentaren? Selbst hier ist mindestens einer dabei, der das für Geldverschwendung hält und erstmal von Problemen auf der Erde lösen faselt. Die Leute hierzulande haben keine Phantasie, keinen Mut und keine Visionen. Darauf sind sie sogar noch stolz. Doch wer den Kopf in den Sand steckt, muss sich nachher eben nicht wundern, dass allerlei Spinner derweil ihre Visionen fröhlich umsetzen. Und wenn es die… Mehr

Wolfgang Richter
4 Jahre her

Die Will-Sendung der ör. Nichtkönnerin hatte ja offenbar noch irgendwas von Substanz. Habe mir einen Teil der Plasberg-Sendung Montag-Abend angetan zu „Bildung in Corona-Zeiten“ und danach. Ergebnis: Die Politdarsteller haben nichts auf die Kette bekommen, weder vorbereitend, noch während der Unterrichtsausfallzeit. Und mit „Digital“ können offenbar weder Oolitik, noch Lehrerschaft ernsthaft was anfangen, weshalb die vom Bund bereitgestellten 5 Milliarden Euronen noch nahezu unangetastet auf irgend einem Konto schimmeln. Phasenweise stellte die Sendung jede Comedy in jeden Schatten, z.B. als die BW-CDU-Bildungsverantwortliche Frau Eisenmann verkündete, warum nach Wochen der Unterrichtspause am letzzten Freitag ein Brückentag für Lehrer angesagt gewesen sei.… Mehr

Werner Hueskes
4 Jahre her

Herr Paetow, ich kann Ihnen nachsehen, daß Sie irgendwann zur Nachtruhe gehen. Wie vielen Lesern treibt mich die Sorge um die Gesundheit derjenigen an, die sich zweitätig die Meisterwerke der ÖR antun müssen, wollen, erleiden. Da kann Sekundenschlaf auch mal zum Sekundenglück werden (Worte des großen Dichters Groenemeyer). Mit dem Moment des Sekundenschlafs meine ich jenen, in dem die vielleicht nächste Finanzministerin der „größten Wirtschaftsnation der Welt“, die Annalena, folgende Wortschöpfung zum Besten gab: SteuerInnen…zahler. Ich will Sie reizen, Herr Paetow! Holen Sie es nach! Ihrem wachen Verstand und Ihrem Wortwitz traue ich zu, daraus einen Artikel zu schreiben, den… Mehr

Wolfgang Schuckmann
4 Jahre her

Ja, aber wer würde denn dann noch diese Posten haben wollen? Diese Herrschaften zur Verantwortung zu ziehen ist wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Schon mal probiert?

non sequitur
4 Jahre her

Das einzig Eindruck hinterlassende an Annalena waren ihre grünen Pumps.

Wolfgang Richter
4 Jahre her
Antworten an  non sequitur

Kann man so nicht sagen. Ihre Naivität gepaart mit völliger Unkenntnis von allem, über das sie den Sprechautomaten gibt, ist schon beeindruckend. Und noch mehr beeindruckt mich, wie viele im Lande für solche Leute ihre Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen u. so ungebildet sind, deren Realitätsferne auch nur zu erahnen. Ich plädiere für eine Wahglprüfung als Basis für die Zulassung als Wähler, ähnlich dem Deutschtest für Migranten.

Carlotta
4 Jahre her
Antworten an  Wolfgang Richter

Das Bärböckchen’holt‘ die Wähler*innen ‚ab‘, die von vergleichbarer Beschränkung im Oberstübchen sind, dennoch die Berechtigung zum Wählen haben. Das sind eine Menge. Gehen Sie einmal durch deutsche Fußgängerzonen und lauschen den Gesprächsfetzen.
Die Politik will übrigens dumme Wähler*innen. Oder warum glauben Sie, wird das Bildungsniveau immer weiter abgesenkt? Und ihr Compagnon will sogar die Wahlberechtigung ab 16. Das Ganze hat Methode.

chlodwig zwo
4 Jahre her
Antworten an  non sequitur

Schöne Schuhe reichen nicht, wenn sie die Basis bilden, auf denen nahezu unerreichte Blödheit fußt…

schukow
4 Jahre her

Ich bin jetzt seit über 14 Monaten MSM-frei und lese gelegentlich noch die Kommentare von Herrn Paetow oder Herrn Wallasch. Was mich wundert ist, wieviel Aufmerksamkeit diesem Schmierentheater der öffentlich-rechtlichen Volksaufklärung und Propaganda hier noch zuteil wird. Liebe Foristen, es gibt ein Leben diesseits der virtuellen Realität vor der Glotze. Macht das Ding aus, zieht den Stecker und macht was anderes in der Zeit.

friedrich - wilhelm
4 Jahre her
Antworten an  schukow

……ich habe hier in jasper kein fernsehen und lese auch keine zeitungen! doch ist unser refugium bestens ausgestattet mit einer reichhaltigen bibliothek, schallplatten und disketten inkl. laufwerken. ich spiele ziemlich gut klavier und meine frau cello, meine kinder allerhand instrumente, so daß wir hin und wieder gute hausmusik zur freude unserer enkel treiben können. natürlich kann ich auch te und die anverwandten lesen. das mach ich aber zu unserer information. die abos werden über eine unserer deutschen banken beglichen. bücher bestellt mir mein vetter und schickt sie mir per post zu. hin und wieder gehe ich auch jagen und fischen!… Mehr

Fragezeichen
4 Jahre her

Das Haus-Beispiel wurde (erstmals?) auf Ihrem Blog erwähnt:

https://www.tichyseinblick.de/tichys-einblick/500-milliarden-fuer-einen-rettungsfonds-deutschland-zahlt-doppelt/

Sollte Reiner Holznagel „Tichys Einblick“ lesen?

usalloch
4 Jahre her

Zum Transrapid. Das Gespräch hatte fand im Oktober 2002 in Hangzhou statt. Ein seit 25 Jahren in China lebender deutscher Geschäftsmann, ärgerte unsere chinesische Lieferantin mit den Worten: Du wirst sehen , die Jungfernfahrt mit Schröder und eurem Ministerpräsidenten wird nicht durchgeführt, weil die Zeit zu knapp ist. Nach einigen hin und her wurde unsere Partnerin ernst und patriotisch. „Wenn unser Ministerpräsident sagt das die Fahrt stattfindet, dann findet sie statt. Und im Übrigen, eines Tages werden wir euch die HOCHTECHNOLOGIE verkaufen und ihr uns die Haushaltprodukte.“ Die Fahrt fand pünktlich statt. Der SPIEGEL schrieb dazu: Mit viel Tamtam haben… Mehr

Dr. Mephisto von Rehmstack
4 Jahre her

Es gab einen Moment, als kurz das Licht der Weißheit die Runde erhellte, als der Bund der Steuerzahler.INNEN mahnte, daß das unsere Kinder auslöffeln müßten, aber dann wars wieder dunkel, so dunkel!

Waton2
4 Jahre her

Wer ist Monika Schnitzler? Noch nie von dieser Dame gehoert.

Dr. Mephisto von Rehmstack
4 Jahre her
Antworten an  Waton2

Schnitzler, Schnitzler, da war doch was?

Peter Pascht
4 Jahre her
Antworten an  Waton2

Monika Schnitzer, das ist die Dame die für die groben Schnitzer zuständig ist,
die irgendwie weiß man nicht wie und warum zu den „weisen“ gesetzt wurde,
weil sie das theoretische Schwadronieren“ so gut beherrscht.
Sie hat vorher noch nie Verantwortung in einem Finanz- oder Wirtschaftsunternehmen gehabt, aber wohl mächtig Lobbytätigkeit geleistet. Eine parteipolitische Besetzung mit welcher Parteien sich gutwillige Begutachtungen erkaufen.

Kassandra
4 Jahre her
Antworten an  Waton2

Berufungsregeln in den Sachverständigenrat lt. wiki:
„Der Rat hat fünf Mitglieder, die vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung jeweils für die Dauer von fünf Jahren berufen werden. Wiederberufungen sind möglich.“
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