Anne Will nach der Bundestagswahl: Von schlechten Verlierern und Krisengewinnlern

Bei Anne Will wurden schon mal Koalitionen ausgelotet. Die vom Wähler verprügelten Roten finden, Gelb und Grün sollen es jetzt mal machen. Aber die zieren sich noch ...

Screenprint: ARD/Anne Will

Wüssten die Kopulationspartner der Gottesanbeterin, was sie am Ende erwartet, sie würden sich wohl auch so zieren wie SPD, Grüne und FDP als Koalitionspartner von Angela Dorothea Merkel. Wobei – es gibt wenigstens noch ein Leben nach Merkel. Wenn auch übel zerrupft (SPD), rechtes Auge blau (CSU) oder erst nach langer Rekonvaleszenz (FDP). Nur SIE ist danach wie davor immer bester Laune. „Ich bin nicht enttäuscht“, sagt die Kanzlerin mit dem schlechtesten CDU-Ergebnis seit 1949, so um die 33%. „Da lässt sich drauf aufbauen.“

Flucht nach vorn im Zorn

Dann macht mal schön, spottet Manuela Schwesig, Parteigenossin von Deutschlands Biggest-Loser-Martin-100-minus 80%-Schulz in Richtung Cem Özdemir und Wolfgang Kubicki. Die Genossen haben jedenfalls die Nase voll und, nachdem sie „klug überlegt“ haben, die Scheidung von Merkel eingereicht.

Özdemir versteckte seine tiefe Freude über die da kommenden Möglichkeiten (Sozialarbeiter als Minister mit allen Schikanen) hinter der pathetischen Aufforderung an die Sozialdemokratin, sich doch den Verpflichtungen für „unser großartiges Land“ mit diesem „großartigen Grundgesetz“ nicht zu entziehen, und wenigstens Koalitionsgespräche zu führen. Keine Chance, die SPD ist bockig und wütend auf die ganze Welt. Spitzenkandidat Schulz zeigte vorher in der Berliner Runde sein wahres Gesicht: Er beschimpfte nicht nur Merkel aufs Übelste (Wattene fiese Möpp!), sondern gleich auch noch das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen, das ihm die Wahl vermasselt habe. Da forderte sogar FDP-Chef Christian Lindner, man möge Schulz aus Mitleid das Wort abschneiden, „sonst redet der sich noch um Kopf und Kragen“.

Nicht einmal der Verweis darauf, dass die SPD doch eine „stolze Partei“ sei, „die im Nationalsozialismus gottseidank auf der richtigen Seite stand“ (Cem), konnte Schwesig bei Anne Will umstimmen, obwohl sie sich für den Hinweis zum dritten Reich tief bewegt bedankte.

Immerhin bekämpft die stolze Partei den NS umso entschlossener und tapferer, je länger der verschwunden ist, gemeinsam mit den Grünen und den Linken. Aus Ermangelung echter Nazis außerhalb der Geschichtsbücher, wurde von den zum Heldenmut Entschlossenen kurzerhand die AfD zur Nachfolgeorganisation erklärt. Da kann Alexander Gauland, 76 Jahre alt, davon 40 in der CDU, das noch so oft als „lächerlich“ bezeichnen. Irgendwann wurde es Wolfgang Kubicki zu viel, und er erklärte Manu und Cem, dass „mit 13% keine Machtergreifung drohe“. Ihn beunruhigte nicht einmal, dass, würde die Groko wider Erwarten fortgesetzt, die AfD als drittstärkste Kraft Oppositionsführer wäre. Für ihn ist die AfD eher wie „ein Stein im Schuh“.

Nach der Schlacht: Ursula im Kampfmodus

Ursula von der Leyen würde jetzt gerne über Themen reden. Was am Tag nach der Wahl ein wenig gaga ist. Aber die Arme durfte als bekannter Negativposten der Regierung und Wahlrisiko der Union kurz vor der Wahl im Fernsehen halt nicht so häufig über Themen reden wie sonst. Dann brach aus ihr heraus, was sie dem armen Gauland immer schon mal sagen wollte, begleitet von Anne Will und dem Gejohle der intellektuell etwas schlichten Jugend im Publikum. Man muss es nicht wiederholen, wurde der Sermon doch schon vor der Wahl über alle verfügbaren Kanäle so intensiv verbreitet, dass die Zahl der Protestwähler noch mal deutlich anstieg. Als unsere (Ex?-) Verteidigungsministerin dann begeistert ausrief, „das alles (Brexit, AfD 13%, etc.) führt dazu, dass die Menschen in Europa aufstehen!“, kam uns der Gedanke in den Sinn, dass die immerhin Ärztin wohl ihren Zugang zum Medikamentenschränkchen ausgenutzt haben könnte.

Gauland „würdigte“ dann noch kurz die Kompetenzen der Regierung, inklusive der „dämlichen Energiewende“. Und Kubicki fand das passende Schlusswort in Richtung der Anti-AfD-Koalition: Man möge doch bitte sachlich differenzieren und nicht nur denunzieren.

Was sagen Sie? Hans-Ulrich Jörges? Der lag bei Anne Will wie immer mit allem (Wahlergebnis, Einschätzungen, Pathos) gedruckt wie gesprochen so weit daneben wie Manuela Schwesig. Die sagte tatsächlich, und meinte das wohl wie die Schuldeingeständnisse zur Zeit der chinesischen Kulturrevolution: „Wir haben es nicht geschafft, die Leute beim Thema Flüchtlinge mitzunehmen!“ Mitnehmen? Wohin?

Die gute Nachricht zum Schluss. Heiko Maas, unser Justiz-Dilettant ist nun wohl bald Geschichte. (Keine Sorge, liebe Leser der „Blackbox“, wir wollen den „Heiko der Woche“ in Memoriam Denuntianti beibehalten.)

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Je mehr die ÖR senden, desto stärker wird die AfD. Es reicht nunmal auf Dauer nicht, nur die Medien zu kontrollieren, wenn die Distanz zur Realität zu groß wird.

Schon richtig, aber der Wind hat sich gedreht im Lande – und der gemeine FDP-Wähler hat mittlerweile auch Angst um seine Tochter.

Ich habe nichts gegen das Wort „Volk“, meinetwegen auch „Deutsche“ (wenn die denn gerade exklusiv gemeint sind, und nicht alle Einwohner des Landes, etwa auch meine niederländischen Nachbarn).
Aber was soll „uns das Volk zurückholen“ denn bedeuten? Lassen Sie sich einfach mal die Formulierung auf der Zunge zergehen…

Offenbar trägt die jahrzehntelange Gehirnwäsche ihre Früchte.

Je länger das 3. Reich zurückliegt, desdo mehr werden die Begriffe ‚Volk‘ oder ‚völkisch‘ mit der Nazizeit Deutschlands in Verbindung gebracht.
Dabei haben die meisten Leute nicht den Schimmer einer Ahnung, welche Verbrecher im 3. Reich geherrscht haben und wie nicht konforme Meinungen damals geahndet wurden.
Wüssten Sie es, würden Sie die tatsächliche Gefahr erkennen, die im heutigen Parteiensystem virulent ist.

Ich bin mit ihrem Schlußabsatz besonders einverstanden. Unser Untergang sind die Grünen und die FDP profitiert von Verzweifelten, die die Etablierten nicht wählen mochten und die AFD nicht wählen wollten.

Nach dem Krieg war die CDU, mit hochrangigen Nazis ausreichend vertreten.
Stimmt das jetzt, oder war es nicht so?

Gauland hat doch gestern wieder eine Vorlage geliefert. Er will sich nicht nur „unser Land zurückholen“ (soweit okay), sondern auch noch „unser Volk“. Wie kann man auf die Idee kommen, an dieser Stelle noch so unsinnig und zwanghaft das Wort Volk unterbringen zu müssen?
Die Nummer mit dem sehr energisch vorgetragenen „jagen“ (passend zur Krawatte) ist dabei zugestanden…

Was haben Sie gegen das Volk?

Unglaublich. Schon wieder Bettvorleger. Womit hat Merkel den in der Hand?

Herr Lindner wäre mit dem Klammerbeutel gepudert würde er seinen Erfolg für ein paar Ministerpöstchen bei Merkel eintauschen. Er sollte Merkel erst mal bei Sondierungsgesprächen vorführen, absagen und bei Neuwahlen als „Merkel-Killer“ so richtig auch bei AfD-Frustwählern absahnen.

Da haben Sie den Nagell auf den Kopf getroffen.

Studienabbrecher wie Claudia Roth, KGE und Geistesriesinnen wie Kipping, Kaddor und Özoguz geben deutschen Professoren, Chirurgen, Unternehmern, Architekten, Ingenieuren, Handwerkern und Hausfrauen Nachhilfeuntericht in Geschichte, Religion, Betriebswirtschaft und Kultur.

Sie sind aber tolerant und geduldig mit uns „Idioten“.
Sofern Sie uns nicht „abholen konnten“, weil wir auf dumpfe Rattenfänger hereingefallen sind, geben Sie die Hoffnung nicht auf, dass sie uns auf den Pfad der Tugend zurückholen können. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass wir dann mit Lichterketten gemeinsam das Lied von der Weltrettung und von der Fluchtursachenbekämpfung anstimmen.

Lindners Schwindelei bei Anne Will, die FDP hätte schon 1997 ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild gefordert: „Neues Zuwanderungspapier der FDP Die FDP, die als erste der Parteien schon im vergangenen Jahr ein eigenständiges Zuwanderungskonzept vorgelegt hatte, beteiligt sich mit einem neuen Positionspapier an der aktuellen Diskussion der Parteien um eine Zuwanderungsregelung, das sie am 30. Juli 2001 vorstellt. Im Gegensatz zu allen übrigen Entwürfen will die FDP bei der Zuwanderung von Arbeitskräften auf Quoten verzichten und den Ausländerzuzug den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts überlassen. Ohne Festlegung auf bestimmte Branchen und ohne bürokratische Hürden sollen freie Arbeitsplätze, für die sich keine einheimische… Mehr
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