OneBlade – eine der schärfsten Begegnungen des Mannes

Geht es um den Kampf gegen Gesichtsbehaarung, kann es gar nicht genug Klingen im Rasierer geben – sagt uns zumindest die Werbung. Doch ein edles Teil aus den USA liefert Männer nun gegen viel Geld mit nur einer Klinge ans Messer.

OneBlade

Ein Block aus kaltem, schwerem Stahl übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf uns Männer aus. In meinem Bad steht ein solches Stück, und darauf befindet sich ein kleines Wunderwerk der Feinwerktechnik aus Amerika. Frauen nehmen das gar nicht wahr, aber kein Mann kann anders, als es in die Hand zu nehmen und von allen Seiten zu begutachten.

Das Gerät ist aus glänzendem Stahl und hochpräzise gefertigt. Es hat keinen Motor, keinen Chip und keine Batterie. Entfernt ähnelt es einem Rasierer, aber es hat kein Plastik und ist schwer wie eine Smith & Wesson. Es hat einen Griff und einen beweglich gelagerten Kopf mit einem Schlitz darin.

Wenn sich der männliche Gast in meinem Bad unbeobachtet fühlt, dann nimmt er eines der Plättchen, die neben dem feinen Gerät liegen, und führt es von vorn in den Schlitz ein. Aber das erste Mal führt fast unausweichlich zu Blut: Denn die Plättchen sind einseitig geschliffene Klingen, die in Japan gefertigt werden. Sie gelten als die schärfsten Rasierklingen der Welt. Und sie werden nicht von vorn, sondern von hinten in das Gerät eingelegt, denn sie sind nur auf einer Seite scharf. Aber diese Erkenntnis kommt zu spät: Jetzt muss mein Gast seine Verfehlung zugeben und nach einem Pflaster fragen.

Man sollte meinen, dass eine solch kompromittierende erste Begegnung eher abschreckend wirkt, aber das ist nicht unsere männliche Natur. Stattdessen werden wir jetzt irrational. Wir wollen dieses Stück haben und es nicht nur besitzen, sondern auch beherrschen. Das weiß der Hersteller natürlich genau, weshalb er den Preis neulich um 100 Dollar erhöht hat und nun 400 Dollar für dieses Erlebnis verlangt.

Aber das hält uns nicht ab. Uns ist klar, dass man technisch gesehen die Barthaare auch mit Plastikteilen für zehn Euro kürzen kann, und wir zieren uns daher noch ein paar Tage, bevor wir das Teil per Internet bestellen.

Wir lassen uns auch nicht davon abhalten, dass eine der japanischen Klingen knapp einen Dollar kostet und nur höchstens zwei Rasuren lang hält. Während wir uns bei der Drogerieklinge noch über einen Preis von vier Euro für drei Wochen fürchterlich aufgeregt haben, freuen wir uns bei diesem Gerät, dass wir die importierten Klingen bei einem deutschen Anbieter für nur 65 Cent pro Stück (also pro Tag) finden. Aber was soll’s: Wir kaufen auch vergoldete Lautsprecherkabel, wenn das technisch geboten ist, um sich den Grenzen des physikalisch Machbaren zu nähern. Wieso sollte das bei unserem Rasierer anders sein?

Wir können es kaum erwarten, bis der Paketbote klingelt und die Zollgebühren eintreibt. Mit zitternden Händen öffnen wir das Päckchen aus den USA. Darin kommt ein kleines Kästchen aus braunem Leder zum Vorschein, in dessen Innerem sich eine stilisierte Konstruktionszeichnung des Stahlgeräts befindet. Wie gesagt, der Hersteller hat unsere Natur durchschaut. Darunter trennt uns noch eine Anleitung von dem begehrten Gerät, die klarmacht, dass die Klingen von hinten zu laden sind. Dem Eingeweihten soll es besser gehen als dem Dilettanten, der sich heimlich in fremden Bädern vergreift.

Das Blut der Präzision geleckt

Aber Blut fließt trotzdem. Denn wir haben schon vor Generationen verlernt, wie man eine Klinge so führt, dass die Haare ganz verschwinden und die Haut da bleibt. Die abgewinkelte Anordnung des Kopfes macht es uns etwas leichter, als es bei den alten T-förmigen Rasierhobeln der Fall war, aber die japanische Klinge ist, wie gesagt, sehr scharf, und das fordert uns heraus.

Wir tasten uns jeden Tag einen oder zwei Mikrometer vor. Die scharfe Japanerin im amerikanischen Schlitten verzeiht nicht, wenn wir zu vorlaut werden, aber sie ist unglaublich befriedigend, wenn man weiß, wie man sie zu führen hat. Wir verstehen jetzt auch, wozu die Beweglichkeit des Kopfes da ist: Durch sie weicht die Klinge etwas aus, wenn wir allzu forsch vorgehen und bei einem falschen Winkel landen würden.

So arbeiten wir uns durch den ersten Vorrat an Klingen und Pflaster. Die Erfahrung ist frustrierend, aber das zieht uns nur umso mehr an. Wir haben das Blut der Präzision geleckt, und jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die seltenen Male, bei denen es richtig klappt, versetzen uns den ganzen Tag lang in Ekstase. Wir freuen uns wie kleine Kinder, wenn diese Tage öfter werden und die Pausen dazwischen kürzer.

Früher war Rasieren mal eine lästige Routine. Aber auf einmal werden die Stunden lang, bis der Bart endlich wieder die Länge hat, um unsere Kunstfertigkeit herauszufordern. Mit einem Schlag verwandeln sich zehn Minuten am Morgen in den ersten Genuss des Tages. Es gibt um diese Uhrzeit kaum eine größere Befriedigung, als ein Präzisionsgerät aus gebürstetem Stahl gekonnt zu führen. Aber das versteht nur derjenige, der den OneBlade Razor einmal selbst zwischen den nassen Fingern gehalten hat.

Bilder: OneBlade
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Auch wenn das in dem Artikel bejubelte Gerät statt dreier nur eine Klinge besitzt: Die Rasur mit dem Hobel bleibt Pipifax. Echte Männer verwenden ein klassisches Rasiermesser. Das ist deutlich lässiger – und man kann damit mindestens ebenso schöne Gemetzel in der eigenen Visage anrichten, bis man das Teil einigermaßen beherrscht. Nicht zuletzt ist ein Rasiermesser auch noch für andere Zwecke im Haushalt verwendbar – selbst wenn man nicht plant, unter die Serienmörder zu gehen …

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