2033 – was sich ändert, was bleibt

Wie schnell die Zeit vergeht! Seit 2029 regieren die Grünen mit absoluter Mehrheit und bringen das Land flexibel zur Klimaneutralität. Das gefällt nicht allen, aber die Weltgemeinschaft wartet auf unseren Beitrag.

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Symbolbild

Wie schnell die Zeit vergeht! Seit 2029 regieren die Grünen mit absoluter Mehrheit und bringen das Land flexibel zur Klimaneutralität. Das gefällt nicht allen, aber die Weltgemeinschaft wartet auf unseren Beitrag.

Liebe Leserinnen, Leser und Leserx,
ich hoffe, Sie sind gut ins neue Jahr gekommen. Einiges wird neu sein, wie etwa die verpflichtend zu installierende Regierungs-App. Bundeskanzlerin Ricarda Lang kündigte über diese in ihrem Neujahrspodcast bereits an, dass sich manches ändern wird. Wir müssen noch mehr für das Klima tun und bequeme, aber alte Zöpfe abschneiden. Was ist neu in 2033, was bleibt?

Zeit zum Lesen
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Rentner erhalten nunmehr die Hälfte ihrer Rente in Sachbezugsscheinen, wobei der Anteil der Lebensmittelkarten „vegan“ auf 70 Prozent steigt. Die Verringerung der Geld-Rente soll verhindern, dass Bargeld unkontrolliert weiter gegeben wird, Schwarzarbeit soll eingedämmt werden und ungerecht hohe Erbschaften vermieden werden. Die zugestandene Wohnfläche pro Rentnerkopf bleibt mit 40 Quadratmetern unangetastet. Größere Wohnflächen werden durch Mieterzuweisung gesellschaftsdienlich genutzt. Der Zugang zu Maßnahmen der Sterbehilfe wird erleichtert.

Das System der angebotsorientierten Energieversorgung wird weiter ausgebaut. Der Energiesoli bleibt durch die erfolgreiche Arbeit der Regierung bei 22 Cent pro Kilowattstunde. Die Stromtarife werden weiter diversifiziert, so dass mehr Auswahl besteht. Es handelt sich durchweg um Einheitspreise, da diese staatlich gestützt werden müssen. Die Stromflatrate, also Strom zu jeder Zeit in beliebiger Menge, steigt im Preis auf 2,30 Euro pro Kilowattstunde. Der Flex-1-Tarif (variable Abschaltungen nach 30-minütiger Vorankündigung für 3mal je eine Stunde am Tag) beträgt nun 1,79 Euro, der Flex-2-Tarif (5mal je eine Stunde) nur noch 1,29 Euro. Im Öko-Tarif lässt sich am meisten sparen, hier ist die Abschaltung für 3mal zwei Stunden möglich und nachts für fünf Stunden. Für die verbrauchte Kilowattstunde zahlt man dann nur 99 Cent.

Nicht in Anspruch genommene Strommengen können gegen die Gutschreibung von Social-Credit-Points zurückgegeben oder unter den Verbrauchern getauscht werden, zum Beispiel gegen Medikamente, womit das Gesundheitswesen entlastet werden kann.

Die Abschaltzeiten sind flexibel und werden künftig aus Gründen der Akzeptanz als „Ökostunden“ bezeichnet. Für den öffentlichen Dienst und staatliche Stellen sowie Schulen, Hochschulen und Universitäten ist diese Sprachregelung verpflichtend.

Mit Ausnahme des Flatrate-Tarifs unterliegen alle anderen Tarife einer Kontingentierung je nach Haushaltsgröße. Eine Überschreitung um 30 Kilowattstunden pro Monat ist zugelassen, diese werden dann zum Stromflatrate-Tarif berechnet. Wird das Kontingent weiter überzogen, erfolgt über die digitalen Zähler automatisch eine Abschaltung.

Ökostunden können bei entsprechend hohem Naturstromaufkommen entfallen. Dafür ist der weitere ehrgeizige Ausbau der Windenergie erforderlich. Auf Industriebrachen wie bei Wolfsburg,

Ludwigshafen und Leuna sowie in städtischen Großparks wie dem Englischen Garten in München, dem Tiergarten und dem Grunewald in Berlin und dem Großen Garten in Dresden stehen weitere Flächen zur Verfügung.

Rationiert statt angebotsorientiert
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Weiterhin gilt es, den Stromverbrauch zu senken, deshalb sind ab diesem Jahr Streamingdienste verboten. Das Internet bleibt nur im nationalen Rahmen bestehen. Dies verringert nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch das Eindringen reaktionärer gesellschaftlicher Positionen, die die Bevölkerung verunsichern könnten. Der E-Mail-Verkehr soll ebenso zur Stromersparnis eingeschränkt und verstärkt durch die Briefpost ersetzt werden. Die Zustellung erfolgt durch Abholung bei Briefverteilstellen.

Große Teile der Bevölkerung verhalten sich in Fragen der Ernährung noch nicht klimagerecht. Deshalb werden Südfrüchte wie beim Fleisch mit einer Mehrwertsteuer von 30 Prozent belegt, Bohnenkaffee mit einer Luxussteuer von 50 Prozent. Über die Verwendung einheimischer Lebensmittel ist durch die Medien verstärkt zu informieren. Attraktive Rezepte für Steckrüben- oder Weißkohlgerichte sollten auch über Schulen und Bildungseinrichtungen vertrieben werden. Schul-, Bundeswehr- und Behördenversorgung unterliegen einem Verbot der Verwendung von Import-Lebensmitteln.

Das Wahlalter sinkt auf acht Jahre, dafür kann Kindergeld bis zum Alter von 32 Jahren bezogen werden, sofern sich das Kind noch in einer Ausbildung befindet, die gesellschaftspolitisch wichtig ist. Näheres regeln die geisteswissenschaftlichen Fakultäten von Hochschulen und Universitäten nach Zustimmung durch die Kultusministerkonferenz. Das Wahlrecht wir durch die Einführung einer 10-Prozent-Hürde geändert. Dies soll die Anzahl der Parteien im Bundestag verringern und fruchtlose Diskussionen überflüssig machen. Positive Elemente aus Parteiprogrammen von SPD und FDP, die bereits heute in der außerparlamentarischen Opposition wirken, wurden von der regierenden grünen Partei übernommen. Die Dauer der Legislaturperioden wird auf acht Jahre verlängert, wodurch Kosten gespart werden.

Das Demonstrationsrecht bleibt erhalten, sofern die Veranstaltungen eine gesellschaftlich progressive Zielrichtung haben. Dies wird bei Anmeldung geprüft. Eventuelle Absagen müssen nicht näher begründet werden, da die politische Perspektive der staatlichen Stellen vom Grundsatz höher einzuschätzen ist, als die von anmeldenden Laien.

Das Bundesverfassungsgericht hat nunmehr die Hauptaufgabe, die Große Transformation juristisch zu begleiten. Das Grundgesetz wird auf Grund seines Alters und seiner kapitalistischen Ausrichtung nur noch informativ zur Rechtsfindung herangezogen.

Auslandsreisen erfordern seit 1. Januar eine Antragstellung. Reisen nur zu touristischen Zwecken werden nicht mehr genehmigt, da sie unnötige Emissionen verursachen. Für Urlaub und Erholung bestehen im Inland ausreichend Möglichkeiten. Angehörige der Regierung und von NGOs, die im Sinne des Klimaschutzes und der Völkerverständigung Reisen unternehmen, erhalten dauerhaft Reisepässe. Die Ausfuhr von Euro in Länder, die nicht oder nicht mehr dem Euro-Raum angehören, wird beschränkt.

Mit EnSikuMaV und EnSimiMaV zum Sieg
ABC von Energiewende und Grünsprech 108 – Kurzfristenergie-versorgungssicherungs-maßnahmenverordnung
Im Rahmen der Verkehrswende müssen in 2033 alle PKW bis Baujahr 2003 entschädigungslos stillgelegt werden. Dies gilt auf Grund der Emissionen auch für Oldtimer, die nur noch ausgestellt, aber nicht mehr gefahren werden dürfen. Zweitwagen, auch im Bestand, müssen beantragt und hinsichtlich der Notwendigkeit von den lokalen Behörden genehmigt werden. Nicht genehmigte Zweitwagen können in 2033 noch verkauft werden, ab 2034 erfolgt die entschädigungslose Einziehung und ein Export zugunsten der Staatskasse. Tanken im Ausland ist verboten, bei den Grenzkontrollen wird der Tankinhalt dokumentiert. Bei der Wiedereinreise muss der Tankinhalt innerhalb einer Toleranzgrenze dem der Ausreise entsprechen.
Die Stilllegung eines Verbrenner-PKW ohne Anschaffung eines anderen/neuen PKW wird mit kostenloser Zuteilung einer Jahreskarte für den ÖPNV/Regionalverkehr belohnt.

Das Rauchverbot tritt zu einhundert Prozent in Kraft. Verstöße werden mit Geldstrafen belegt. Ausgenommen sind Wasserpfeifen (Shishas) als kulturelles Erbe. Der Preis für Cannabis bleibt konstant, die Vergünstigung für Senioren bleibt bestehen.

Auch im neuen Jahr hoffen wir weiter auf die Unterstützung durch die Volksrepublik China und ihrer weitsichtigen Führung durch die KP. Da sich die Erreichung der Klimaziele unseres großen Partnerlandes verzögert, müssen wir dies durch verstärkte Anstrengungen zur Emissionssenkung kompensieren. Dafür werden wir über die Neue Seidenstraße wichtige Hilfslieferungen erhalten, die uns weiter von den kapitalistischen Nachbarstaaten unabhängig machen.

Ich wünsche Ihnen ein gesundes 2033 und viel Erfolg als Mitglied einer klimaprogressiven und solidarischen Gesellschaft. Das große Ziel vor Augen, sollte es möglich sein, alte Privilegien hinter sich lassen. Der verschwenderische Reichtum der Vergangenheit war ein Irrtum der Geschichte, der bald vergessen sein wird.


Das Tagungsprogramm finden Sie beim Klick auf das Banner.

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Kommentare ( 41 )

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Drangtonne
1 Monat her

2033 beginnen die Vorbereitungen für die dann in vier Jahren anstehenden Feierlichkeiten zum einhundertsten Bestehen des Großhamburggesetzes, das der damalige Reichskanzler in seiner Weisheit verkündet hat. Wenn den Machthabern auffällt, wer das war, wird der Stadtstaat wahrscheinlich zerschlagen. Macht nichts…

Querdenker73
1 Monat her

Ich habe zusätzlich gehört, dass aus Gründen der Energieeinsparung im Bundestag ab 2023 die Mikrophone ausgeschaltet bleiben sollen. Das wär doch mal was!

friedrich - wilhelm
1 Monat her

…..schlaraffenland – verkehrt gebracht! glücklicherweise betrifft es die meinen nicht!
dem forum the best from banff,kanada!

GeWe
1 Monat her

Ein altes Sprichwort sagt: spare in der Not, dann hast du Zeit dazu.
Wenn den Deutschen dabei noch gelingt, das Weltklima zu retten, Millionen Gäste durchzufüttern und die EU zu mästen, dann kann man das getrost das grüne Witschaftswunder nennen.

H. Priess
1 Monat her

So es der große Watumba will, werde ich im Jahr 2033 meinen 73igsten Geburtstag feiern. Alles was sie Herr Hennig beschreiben wird so oder so ähnlich Wirklichkeit werden. Davon bin ich fest überzeugt. Schon in dem Buch 2054-Ein Jahr im Paradies der Genügsamkeit beschrieb Wulf Bennert unsere Zukunft. Leider hatte der Autor mit dem Jahr unrecht, es müßte 2034 heißen. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, ein gesellschaftlicher Umbruch, eine Revolution des Volkes oder auch eine ausländische Intervention wird alles so geschehen. Mit ausländischer Intervention meine ich keinen Krieg Russland vs. Deutschland sondern, daß die von unseren geliebten EU Ländern ausgehen wird.… Mehr

verblichene Rose
1 Monat her

Da laust mich doch der Affe. Das war doch keine Satire. Sie haben uns gerade das (etwas abgeänderte, aber wunchdenkende) Parteiprogramm der Grünen vorgetragen 😉

JamesBond
1 Monat her

Satire? Eher die Wahrheit in diesem Schland. Schauen Sie sich mal die Bestimmungen zur Agrar-Reform ab 1.01.2023 an – damit ist der Kampf gegen den Hunger auf der Welt zumindest in Deutschland beendet. Zwangs-Flächenstillegung (Ackerland) von 4% und wer ein weiteres % still legt erhält pro ha. 1.300,00€, für das nächste % dann 500,00€ dh. Es werden vsl. 6% unserer Äcker nicht mehr bewirtschaftet, so geht Maoismus, frohes Neues!

artwilli
1 Monat her

Den Vergleich mit der DDR kann ich zustimmen. Da müßte man aber eine riesige Klimaneutrale Mauer bauen mit einer riesigen FoPo Organisation, da ja jetzt die Bevölkerung in alle Richtungen flüchten kann. Ein großer Unterschied. Alleine dieser Aufwand geht bei den Grünen schief. Wetten? Es wird sowieso viel zu wenig an das umliegende Ausland gedacht, da gibt es noch „normale“ Leute, die gern essen und trinken und das Leben genießen, ohne Oberlehrer Ideologien.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  artwilli

Ob Merkel dann noch in der Schaltzentrale im ehemaligen Büro von Margot Honecker (!!!) an den Schrauben, die sie in 16 Jahren bis kurz vor ab gedreht hat, manipulieren wird können? Wir, die Wähler, werden nicht erst jetzt hinters Licht geführt – die belügen uns schon länger! Inzwischen ist es halt auffällig, da bereits alles persönlich wie gesellschaftlich Erreichte marode vor unseren Augen steht. Die Kraftproben jeweils Silvester lassen noch ein wenig offen, wer am Ende das Sagen hier in Grenzlosland haben wird. Ich befürchte, sie expandieren den Islam – auch all die, wenn man sich die Länder, wo sie… Mehr

Biskaborn
1 Monat her

Welch wunderbare Satire! Nur leider scheint mir diese Satire, nicht weit von einer möglichen Zukunft zu sein. Der Knaller, eine Ricarda Lang als Bundeskanzler oder Wirtschaftsminister. Das würde doch perfekt zu diesem Land passen, nicht erst 2033 übrigens ! Allerdings sollten wir eine Zukunftsoption nicht ausschließen. Im Jahr 2033 hat eine neue Partei, die des Islam, in Deutschland die Macht übernommen. Ob die Grünen dann so gut wegkommen würde ich bezweifeln.

Niklot
1 Monat her

Das klingt nach Utopie, ist aber erschreckend wahrscheinlich. Ich werde mir den Artikel jährlich zum 1. Januar als Wiedervorlage bereitlegen, um prüfen zu können, wie weit wir denn in Richtung der grünen Idealwelt schon fortgeschritten sind.