Das Netz lacht über Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist als bodenständiger Kämpfer gelobt worden. Von sich selbst. Auf Twitter. Für viele steht dabei der Verdacht im Raum, dass er einen gefälschten Account bedienen wollte.

IMAGO / Rolf Poss

Der Milliardär Elon Musk möchte Twitter kaufen. Vorher soll das soziale Netzwerk aber offen einräumen, wie viele seiner Nutzer nur „Fake Accounts“ sind. Musk schätzt mindestens 5 Prozent – das wären weltweit rund 12 Millionen Accounts, die von jemandem anderen betrieben werden als ausgegeben oder hinter denen ein Computer steht.

Gerade in politischen Debatten werden diese Accounts gerne genutzt, um kontroverse Meinungen per Twitter abzusetzen. Oft verstecken sich Politiker, ihre Mitarbeiter oder politische Verwaltungsangestellte dahinter, die so mal die Sau rauslassen können, ohne dafür belangt zu werden. Wer dann tatsächlich diese „Eisberge“, „Social Warrior“ oder „Peter Müller“ sind, erfährt der Nutzer in der Regel nicht.

Das Geheimnis hinter „PeterMl64582938“ könnte jetzt aber gelöst sein. Jener Account fiel dadurch auf, dass er den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) übermäßig gelobt hat: „Herr Aiwanger, wir bräuchten mehr Politiker wie sie, mit Verstand und Pragmatik. Mit dem Ohr am Bürger. und nicht wie viele andere weltfremd im Wolckenkuckucksheim! Sie sind ein Kämpfer und haben sich ihren Posten als bayr. Wirtschaftsminister hart erkämpft gegen Widerstände!“ Nun vermutet die Twitter-Gemeinde, dass Aiwanger persönlich hinter Müller steckt.
Denn Aiwanger zoffte sich am Donnerstagabend mit dem Klimaforscher Christian Schwarun. Und wieder tauchte der gleiche Kommentar auf, der den Wirtschaftsminister unterstützt und dafür lobt, nicht im Wolkenkuckucksheim zu leben. Inklusive aller Rechtschreibfehler und Abkürzungen. Nur dass es dieses mal nicht Müller ist, der Aiwanger lobt – sondern Aiwangers Account selbst.

Der Verdacht steht für viele Twitterati nun im Raum: Der bayerische Wirtschaftsminister wollte sich erneut als Peter Müller selbst loben – hat aber vergessen, vorher den Account zu wechseln. Zumindest vermuten das die Twitter-Nutzer: Anna Dushime schreibt: „Finde jemanden, der sich so liebt wie Hubert Aiwanger sich selbst liebt.“ Heiko Bielinski textet: „Hubert Aiwanger – Der Mann, der Peter Müller war“. Und sogar der Bundesjustizminister mischt sich in die Debatte ein. Den „Fall Aiwanger“ könne man ja mit Humor nehmen, aber: „Im Internet werden… #FakeAccounts genutzt, um Stimmungsbilder zu manipulieren“, schreibt Marco Buschmann.

Aiwanger keift auf Twitter zurück: „Damit es jetzt alle kapieren können die es kapieren wollen, wo der Text herkommt. Viele von denen, die mir einen Zweitaccount andichten wollen haben wahrscheinlich selbst einen. Ich hab keinen.“ Darunter stellt er den Originaltweet des „Original“-Müllers. Das soll wohl heißen, dass er nicht Peter Müller ist, sondern dessen Tweet nur kopiert habe. Als Antwort in einer Debatte mit einem Klimaforscher.

Nun gibt es einen Mann – oder Frau – der das Rätsel lösen könnte: „PeterMl64582938“. Doch der Account ist stillgelegt. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wurde es Herrn Müller peinlich, wie sehr er Aiwanger gelobt hat, oder Aiwanger hat, nachdem er aufgeflogen ist, die Spuren verwi – aber nein, er sagt ja, dass er es nicht war.

Die Twitter-Polizei bittet nun um sachdienliche Hinweise. Wer einen Peter Müller kennt, soll ihn melden an den Account: „MarioThurnesisteingroßartigerAutor“. Kann ja nicht so viele Peter Müller geben. Sonst wäre das schließlich der perfekte Name, um sich als Politiker dahinter eine zweite Identität aufzubauen, mit der man sich mal selbst tüchtig loben kann.

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Kommentare ( 11 )

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Manfred_Hbg
1 Monat her

Zitat: „Das soll wohl heißen, dass er nicht Peter Müller ist, sondern dessen Tweet nur kopiert habe. “

> Und selbst WENN H.Aiwanger den Tweet „nur“ kopiert hat, zeigt das doch, wie -sehr Milde ausgedrückt- einfalls- und hirnlos deutsche Politiker sind.

Womit hier dann für mich vor allem die Frage bleibt, ob der Hubert in unserer Altparteienelite wohl nur ein Einzelfall ist?

Peisistratos
2 Monate her

„Das Netz lacht“, wenn ich das schon höre. Die Misere ist doch, das die Politik diesem ganzen ‚Soziale Medien‘-Topfen vollkommen unreflektiert hinterherrennt.

elly
2 Monate her

Gerade in politischen Debatten werden diese Accounts gerne genutzt, um kontroverse Meinungen per Twitter abzusetzen. Oft verstecken sich Politiker, ihre Mitarbeiter oder politische Verwaltungsangestellte dahinter, die so mal die Sau rauslassen können, ohne dafür belangt zu werden. „
die wahren Totengräber der Demokratie sind die sogenannten sozialen Medien. Es doch nicht darum, einmal die Sau rauszulassen, es geht um Manipulation, Meinungsdiktatur.
Aiwangers Fauxpas wäre lustig, wenn die manipulative Nutzung der sozialen Medien und dazu zähle ich auch Umfragen auf civey, yougov etc. nicht so brandgefährlich wäre. Die Grünen und ihre unterstützenden NGOs nutzen dies exzessiv für ihre Zwecke.

Rene Meyer
2 Monate her
Antworten an  elly

die wahren Totengräber der Demokratie sind die sogenannten sozialen Medien. Nein, die Totengräber der Demokratie sind vor allem die Machteliten, die Politiker, darunter leider auch ehrenamtliche, sowie der ÖRR. Und genau diese nutzen alle Kanäle aus, eben auch, aber nicht nur die sozialen Medien. Das Versagen des ÖRR ist besonders verwerflich, da er seiner grundgesetzlichen, freiheitlich-demokratischen, der Ausgewogenheit und dem Pluralismus verpflichteten Aufgabe im Wesentlichen nicht nachkommt. Oder anders gesagt: Ihn dürfte es so, wie er agiert und agitiert, gar nicht geben als Einrichtung des öffentlichen Rechts. Der ÖRR mag zwar eine Anstalt sein, aber er ist nicht mit Fug… Mehr

Manfred_Hbg
1 Monat her
Antworten an  Rene Meyer

Zitat: „Das Versagen des ÖRR ist besonders verwerflich, da er seiner grundgesetzlichen, freiheitlich-demokratischen, der Ausgewogenheit und dem Pluralismus verpflichteten“

> Was ich auch so wie Sie sehe.

Würde der heutige ARD/ZDF Staatsfunk und die heutigen „Qualitäts-“ und Relotiusmedien ihre journalistische und berichtende Arbeit so verrichten wie es geschrieben steht und vorgesehen ist – also in etwa so, als die Leute sie damals noch mit Achtung und respektvoll als die 4. Macht im Staate bezeichnet hatten, dann wären heute vermutlich auch die Wahlergebnisse andere und die Leute vielleicht auch schon längst auf die Barrikaden gestiegen.

Hannibal Murkle
2 Monate her

Internet-Manipulationen sind sowieso ein Thema für sich. Wenn man sich etwa dieses Forum genauer anschaut – meist von Massenspam der Woken Propaganda-Brigade geflutet, besonders gerne wird von ihr der „Spiegel“ zitiert – der nach den Leaks im staatlichen Propaganda-Konzept eine große Rolle spielt:

https://www.xing.com/communities/groups/cdu-1069101

Die Frage jetzt, wie Konservative dagegen steuern können? Man kann entweder das Internet den Woken überlassen oder dagegen ankämpfen – ich halte nichts davon, schnell aufzugeben. Es ist aber nicht ein Eigenlob eines Politikers, sondern Megabytes an Meinungsmache, gegen die man zu tun hat.

Last edited 2 Monate her by Hannibal Murkle
RMPetersen
2 Monate her

Ach, auch Bundeskanzler Scholz wird auf dubiosen Accounts auf schon peinlich schmeichlerische Art gelobt.
Na, wer es denn nötig hat. Twitter ist doch ohnehin mehrheitlich tumbes Entertainment wie Dschungelcamp und kein Informationsmedium.

Hannibal Murkle
2 Monate her
Antworten an  RMPetersen

Dennoch wird dort Volkserziehung betrieben wie bisher im ÖRR – würde man es ignorieren, braucht man sich nicht zu wundern, dass woke Narrationen weiter ziehen. Die werden inzwischen bewusst von „Grünen Netzfeuerwehren“ verbreitet, The Washington Post berichtete sogar von Pentagon-Aktionen in den sozialen Medien. Gleichzeitig zitiert die Propaganda-Abteilung ständig merkwürdige Artikel über vermeintliche russische und chinesische Aktionen, die den Eindruck schüren sollten, jede kritische Stimme seien Putins Bots. Die Aktion begann im verlinkten CDU-Webforum, dass einer in etliche kritische Threads 1:1 den gleichen Text über „Putins Trollfabriken“ spammte – als ob jede Kritik nur von dort kommen könnte. Wenn man… Mehr

Marcel Seiler
2 Monate her

Ich habe Verständnis für den Mann: Wer nicht unentwegt seine eigene Trommel trommelt, kommt als Politiker heute unter die Räder. (Dies vorausgesetzt, dass er wirklich PeterMüller war, was ich nicht beurteilen kann.)

Interessanter aber fände ich es, zu wissen, wie gut denn seine Wirtschaftspolitik ist. Macht er es besser als Herr Habeck?

Michael M.
2 Monate her
Antworten an  Marcel Seiler

Ich bitte Sie, jeder macht es besser als Habeck, auch wenn ich zur Wirtschaftspolitik in Bayern (gibt’s da überhaupt eine 😉) nicht viel sagen kann, obwohl ich aus Oberbayern bin.
Oh fast vergessen, neuerdings redet der Hubsi auch über Windmühlen, der glaubt inzwischen anscheinend auch, dass mehr Windmühlen die sich nicht drehen besser sind als wenig/keine die sich nicht drehen. Es ist zum Mäuse melken …

Last edited 2 Monate her by Michael M.
Alfonso
2 Monate her

Gibt es in Deutschland noch einen Politiker, über den man nicht lachen muss,
obwohl es eigentlich zum Heulen ist, was die alles so anstellen?