Kahlschlag bei VW geht weiter: Kündigung der Tarifverträge, nun streicht die Software-Tochter Cariad 1.000 Stellen. Zyniker würden sagen: VW und Öko-Deutschland haben den Klimakampf für sich entschieden, sind aber in der realen Welt der Wirtschaft in allen Bereichen hoffnungslos unterlegen.
picture alliance/dpa | Matthias Balk
Volkswagen präsentiert sich in diesen Wochen als eine Art wirtschaftlicher Januskopf. Die Fehler der Vergangenheit, der ideologische Kotau vor einer völlig entgrenzten Klima- und Regulierungspolitik, enthüllen sich in katastrophalen Betriebsergebnissen, schrumpfender Produktivität und sinkendem Absatz. Letztendlich folgen nun Konzernumbau, Stellenstreichungen und Betriebsverlagerungen ins Ausland.
Gleichzeitig zeigt uns eben jener Reparaturbetrieb Volkswagen, der in Teilen einer kollabierenden Zelle der deutschen Wirtschaft gleicht, was uns in Zukunft bevorsteht: Deutschland befindet sich in einem Abwehrkampf gegen die großen ökonomischen Blöcke USA, China und Indien.
Volkswagen zeigte am Donnerstag erneut, wohin die deutsche Wirtschaft abgleitet: Die Software-Tochter Cariad soll 1.000 von derzeit 4.300 Stellen abbauen. Ein massiver Schritt: Beinahe ein Viertel der Belegschaft der einst als hausinterne Software-Schmiede geplanten Firma entfällt damit aus Kostengründen. Ende 2023 hatte Cariad noch 6.500 Beschäftigte, nach dem Abbau blieben nur noch etwa 3.300. Wann und auf welche Weise die Stellen wegfallen, ist noch offen.
VW informierte die Belegschaft auf einer Betriebsversammlung. Nun sollen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern beginnen. Auch bei Cariad wurden Tarifverträge gekündigt. Zudem sollen die Investitionen der Tochter von 2027 bis 2031 um rund 6,1 Milliarden Euro sinken, begründet wird das mit der nötigen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber externen Softwareanbietern.
Doch welche Alternative besteht überhaupt noch? Die Ertragslage bei VW ist katastrophal. Das China-Geschäft hat im ersten Halbjahr etwa ein Drittel seines Absatzvolumens eingebüßt. Die operative Marge soll im Gesamtjahr nach der Prognose des Konzerns nun noch bei etwa einem Prozent pendeln.
Volkswagen taumelt ungebremst der Verlustzone entgegen
Das Tragische dabei: Cariad war ursprünglich dazu gedacht, die technologische Lücke zwischen Volkswagen und der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz zu schließen. Diese Idee ist damit Geschichte. Das notwendige Wissen zur Automatisierung und weiteren Digitalisierung der Mobilität wird man sich anderswo einkaufen müssen, womöglich aus Indien oder den Vereinigten Staaten.
Der Problemfall Cariad reicht bei näherer Betrachtung wesentlich tiefer. Es handelt sich um mehr als eine reine Fehlkalkulation eines einzelnen Unternehmensbereichs. Softwareentwicklung folgt immer kürzeren Entwicklungszyklen. Sie erfordert flexible, hochspezialisierte Teams, eine konsequente Orientierung an technologischen Standards und am Weltmarkt sowie die Bereitschaft, funktionierende Lösungen fortlaufend zu verbessern – kurz: Die absolute Fokussierung auf das Kerngeschäft ist unabdingbar. Das schließt im Übrigen auch tarifpolitische Flexibilität mit ein, eine Distanz zur Politik und die reine Orientierung am Marktgeschehen. VWs Rang als eine Art staatlich-marktwirtschaftliches Projekt, inklusive des VW-Gesetzes, wirkt in diesen Zeiten wie ein Bremsklotz.
Der Versuch, die digitale Transformation aus der bestehenden Konzernstruktur heraus zu steuern, ist mit dem Kahlschlag bei Cariad offiziell gescheitert. Niemand wartet auf VWs quälend lange interne Abstimmungsprozesse, auf die Klärung hierarchischer Zuständigkeiten oder auf die Befindlichkeiten der niedersächsischen Landesregierung und der Gewerkschaften. Gerade die IG Metall und ihr anachronistischer Anspruch auf eine gemütliche Work-Life-Balance in der deutschen Industrie wirken in diesen Wochen gespenstisch – enthoben jeder Realität.
Währenddessen machen andere das Geschäft: Toyota sowie die chinesischen Giganten BYD, Geely und SAIC, aber auch die Amerikaner schließen technologisch auf. Man muss VW zugutehalten, dass das Unternehmen immerhin erkannt hat, dass eine Softwarelücke zu schließen war. Dass nun ausgerechnet jene technologische Kompetenz aus Kostengründen zurückgefahren werden muss, ist das Eingeständnis, dass man es nicht geschafft hat, mit dem Wettbewerb Schritt zu halten. Es ist eine wirtschaftliche Kreuzigung, coram publico, die ein grelles Licht auf den Zustand der deutschen Automobilindustrie und den Wissensstand in der Wirtschaft generell wirft.
Die Geschichte von Cariad ist dabei mehr als bloß eine unternehmerische Fehlentscheidung. Sie steht auch für einen Konzern, der sich längst den ideologischen Doktrinen des Klimasozialismus verschrieben hatte.
Falsche Prioritätensetzung, tarifpolitische Wolkenkuckucksheime mit immer kürzerer Arbeitszeit, Sondervergütungen und die geradezu unheimliche Liebedienerei gegenüber der ideologischen Staatsdoktrin ließen das Management, aber auch die Gewerkschaften und die führenden Mitarbeiter der Belegschaft blind für die Realität am Markt werden.
Gerade im Software-Bereich sowie in den Bereichen der Robotik und der künstlichen Intelligenz – das sollte sich auch bei VW herumgesprochen haben – hat der globale Wettbewerb massiv an Schärfe gewonnen.
Kompetitive Standorte mit deregulierten Energiemärkten und marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen das Rennen. So dominieren die USA beispielsweise im Bereich der künstlichen Intelligenz und der Softwareentwicklung, während China die Produktion neuer Antriebstechnologien schneller skaliert, als es die deutsche Konkurrenz unter den gegebenen Rahmenbedingungen jemals leisten könnte.
Die Cariad-Entscheidung ist dabei nur das jüngste Glied in einer Kette von Konsolidierungsmaßnahmen. Gerade erst am Mittwoch hat Volkswagen zehn Tarifverträge zum Jahresende gekündigt. Arbeitskampf steht an, Werksschließungen werden unvermeidlich sein.
Der Kollaps ganzer Bereiche des Volkswagen-Konzerns wird nur überdeckt, weil Filetstücke aus dem Immobilienportfolio veräußert werden und die Mehrheit an der Schiffsmotorenschmiede Everllence für rund 7,4 Milliarden Euro an einen Finanzinvestor geht. Die Liquidität wird gestärkt, an der Kostenstruktur wird mit massiven Einschnitten gearbeitet.
Ob die Bemühungen des VW-Vorstands letztlich genügen, um wenigstens einen Rumpfkonzern zu erhalten, der noch Autos am Standort Deutschland fertigt, steht derzeit in den Sternen.



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Nicht nur dieser Autokonzern fährt bereits auf den Felgen, sondern andere gleich mit und alle zusammen, mit Zulieferanhang garantieren Massenentlassungen bei überdotierten Löhnen und Gehälten und das weitere Umfeld im Dienstleistungssektor wird ebenso darunter leiden und das ist nur die Spitze des Eisbergs und wer nun immer noch glaubt, diese Koalition wird es noch richten kann weiter träumen und wird in der Wirklichkeit aufwachen, wo jeder Federn lassen muß. Das ist der Stoff, worin Steinmeier eine Staatskrise erkennt und da hat er ausnahmsweise mal recht, wobei dieser Begriff noch zu kurz gegriffen ist, wenn sich die Bürger anschließend gegenseitig alles… Mehr
Ich bin kein Betriebswirt, nur doofer Ingenieur, also verzeiht mir die Frage. Wieso verkauft man die gewinnträchtigsten Unternehmensteile, wenn der Umsatz zusammenbricht?
Man tut so etwas, weil die verlusträchtigen Unternehmensteile niemand haben will. Aber vor allem ist es eine Verzweiflungstat, um Geld ohne Rücksicht auf weitere Verluste in die leere Kasse zu schaufeln.
Ich hätte da eine Idee:
Einfach Autos bauen ohne bunte Unterhaltungs-, Freiheitsbeschränkungs- und Spionagesoftware.
Die Softwarebude, die in all den Jahren nur fehlerhafte, bedienungsunfreundliche Touch-Displays gebastelt hat, komplett streichen. Das Personal am freien Arbeitsmarkt aussetzen. Die Propaganda-Abteilung, die diesen Quatsch als Lifestyle anpreist, gleich mit. Samt den Quotendarstellern in ihren Werbeprospekten.
Ja ich weiß, die Chinesen erwarten, daß ein Auto wie ein Smartphone daherkommt.
Ich bin aber kein Chinese.
Vermutlich hatten die soviele Leute eingestellt damit nicht Andere den gesuchten “ Goldspinner “ finden , nach dem alle suchen. Frage , was haben die Leute bisher gemacht , wenn man sie jetzt nicht mehr braucht ?
Der Volkswagen Konzern – ist zu 25 % im Besitz des Bundeslandes Niedersachsen. Man hat dort das gesunde logische Denken abgeschafft.
In einer Werbeanzeige zu dem neuen VW Modell T-Rock heißt es – als Verbrenner Benzin, Leistung 150 PS Mild Hybrid, es der aktuelle Preis für den Neuwagen knapp über – 40.000 Euro – !
In einer Vollausstattung verlangt der Konzern für den T-Rock satte 48.300 Euro
Abgelesen in einer neuen Werbeanzeige von Volkswagen.
Wer soll oder wer kann das noch bezahlen ?
So wird das nichts mehr mit dem ehemaligen Volkswagen für alle Bürger.
Die CDU hat den Turbo gezündet: Bis 2029 “ muss alles raus“ und dieses Ziel scheint bereits 2027 erreicht zu werden. Es kann der CDU gar nicht schnell genug gehen, auch dank unseres hochdynamischen Kanzlers Friedrich Merz. Insbesondere wird die „Energiewende“ in eine Industriewende aufgelöst: Statt Industrie, die mangels Strom nicht fertigen kann, werden wir dann keine Industrie mehr haben – Problem gelöst!