Kriegsspiele bei Lanz: Alles auf Angriff!

Jetzt drehen sie völlig durch im Fake-News-Sender ZDF. Gerade erst belügt das Heute-Journal seine Zuschauer schamlos mit KI-generierten Anti-Trump-Aufnahmen, und jetzt wird bei Lanz ganz offen Krieg gegen Russland gespielt. Inklusive Frontverlauf an der Wand. Von Brunhilde Plog

Screenshot ZDF / Markus Lanz

Es geht geruhsam los an diesem Abend, doch die Stoßrichtung ist klar: Europa auf zu neuer Stärke, Trump die Stirn bieten und Putin besiegen. Die Zeichen stehen auf Angriff, und ganz vorn schwingt Lanz die Lanze.

Einhellig erfreut ist die Runde darüber, dass der Kanzler der zweiten Wahl auf der Münchner Sicherheitskonferenz derart markige Worte gegen die USA gefunden habe. „Das war ein anderer Merz“, sagt Marina Kormbaki (Illustrierte „Spiegel“). Er habe „mit Trumps Amerika auf offener Bühne gebrochen“, und das sei lobenswert. Ben Hodges frohlockt: „Der selbstbewussteste Bundeskanzler, den ich seit langem gehört habe.“ Als ehemaliger Oberbefehlshaber der europäischen US-Truppen (2014 bis 2017) lässt Hodges von Hause aus gern die Muskeln spielen, wie sich später in der Sendung noch eindrucksvoll zeigen wird.

Dass Merz in seiner Rede auch Fake News verbreitete, wird nicht debattiert. Etwa, dass die Meinungsfreiheit angeblich dort ende, wo sie sich gegen das Grundgesetz richtet. Dies ist nämlich rein rechtlich erlaubt, nur bei einem Merz eben nicht, der ja nicht ohne Grund hunderte Anzeigen wegen angeblicher Beleidigungen gegen einfache Bundesbürger angestrengt hat.

Die Wahrheit wird heute bei Lanz in alter ZDF-Tradition so lange verbogen, bis es ins Narrativ passt und den Hass auf Russland auf das gewünschte Niveau hievt. En passant wird dem Zuschauer noch einmal untergejubelt, was längst durch Fakten widerlegt ist. Etwa, dass es eine „massive russische Einflussnahme“ auf den US-Präsidentschaftswahlkampf gegeben habe (was sich als eine von Obama initiierte Kampagne herausgestellt hat). Oder dass es einen Sturm auf das Capitol gegeben habe (was nach Auswertung der Überwachungskameras zumindest äußerst fraglich ist).

Dazu noch eine Prise Neid – Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sei ja gerade Milliardär geworden, so Lanz – und generelle Russophobie. „Den Russen, den kann man natürlich nicht trauen“, sagt Hodges wie selbstverständlich. Und dass Nord Stream entgegen aller US-Interventionen gebaut wurde, stellt Lanz in der Rückschau demonstrativ als eine ganz schlimme Untat hin. „Wie wir getrickst haben, um die Pipeline trotzdem zu bauen!“, empört sich der Moderator von der glatten Gestalt.

Christoph Heusgen gibt an diesem Abend den Büßer. Der umstrittene Ex-Diplomat und Ex-Chef der Münchner Sicherheitskonferenz soll erklären, warum Deutschland die Dinge jahrelang so dermaßen schleifen ließ, etwa bei der Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent. Heusgen zeigt demonstrativ Reue und erklärt Lanz alles, was der wie üblich „gern einmal verstehen“ will. Zum Beispiel, „was damals in den Köpfen los war“, wenn doch Russland dauernd so aggressiv gewesen sei, „Grozny kurz und klein geschlagen“ habe, Syrien und Afghanistan.

Wie um ihn weiter zu demütigen, lässt Lanz eine legendäre Szene aus 2018 einspielen. Zu sehen: Heiko Maas als Außenminister, der in der UN-Vollversammlung mit einem arroganten Schmunzeln auf Trumps Kritik an russischen Gaslieferungen nach Deutschland reagiert. Und wer sitzt neben Maas und schmunzelt ebenfalls? Heusgen, denn der war damals deutscher UN-Botschafter. „Man ist im Rückblick immer schlauer“, sagt er heute kleinlaut. Und gibt sich demonstrativ linientreu. Man habe sich in Russland getäuscht, „die Dramatik, die Putin da rein setzt“ zu spät erkannt und deshalb vieles verschlafen. Für seinen Gang nach Canossa heimst er bei Kormbaki ein paar wohlwollende Worte ein: „Ich finde, Ihre Ausführungen sind von einer erfreulichen Offenheit.“

Ben Hodges hingegen gibt sich voller Tatendrang. Der Kriegs-Profi sagt, was ein Kriegs-Profi eben so sagt. Sein Motto: Attacke! Er kritisiert US-Außenminister Rubio, „der nach Bratislava und Budapest reist, also ausgerechnet die beiden Länder, die sich bemühen, das auseinander zu brechen, was Europa heißt“. Er kritisiert Trump, der einen Friedens-Deal unbedingt vor dem 4.Juli erreichen wolle, wenn die USA ihren 250. Geburtstag feiern. Es gebe Gerüchte, dass sogar schon einige Deals geschlossen worden seien. Unerhört, findet Hodges. „Der Witkoff, der tut so, als ob das alles Freunde sind“, empört er sich und stöhnt: „Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und Stabilität in Europa.“

Der US-Militär dreht jetzt mächtig auf: „Wir haben uns alle komplett entwaffnet“, behauptet er. Die Truppenstärke in Europa sei in den Zeiten der vermeintlichen Entspannung massiv reduziert worden, dabei habe Russland doch „jedes einzelne Abrüstungsabkommen vor unseren Augen gebrochen“. Hodges appelliert an die allgemeine Kriegslust: „Wir waren alle so naiv. Wir müssen aufwachen!“ Dabei schlägt er sich mit der Faust in die Hand.

Willkommen auf dem Kriegspfad. Wie passend, dass jemand im Studio sitzt, der sich auf solchen Wegen ganz genau auskennt, in der Theorie zumindest. Franz-Stefan Gady hat selbst schon mal Kommandeur gespielt. In einem „War Game“ der Tageszeitung „Welt. Darin übernahm der österreichische Militäranalyst die Rolle des russischen Oberkommandeurs und erwischte mit einem Überraschungsangriff auf Litauen die NATO auf dem falschen Fuß, wie Lanz nicht ohne eine gewisse Häme attestiert. Alles nur ein Spiel, natürlich, aber hey, das können wir ja schnell mal durchexerzieren, damit auch der Zuschauer ein bisschen Lust auf Krieg bekommt.

Also schnell eine Karte an die Wand: das Baltikum, ein paar Länder, Städte, Kampflinien. Ein paar Truppen hier, ein Korridor dort, schnell die 65 Kilometer lange „Suwalki-Lücke“ geschlossen und zack, schon steht die NATO nackt dar. „Na, warum greife ich nicht Litauen an?“, habe er sich überlegt, sagt Gady, und in seiner Russenrolle einen humanitären Korridor wegen einer angeblichen Hungersnot in Kaliningrad vorgetäuscht. Alles ganz schön töfte ausbaldowert, Hodges ist schwer begeistert. Gady müsse sofort befördert werden, frohlockt er, und man erwartet, das er im nächsten Moment einen Orden aus der Weste kramt. Dabei hat Gady nur durchgespielt, was 2022 schon einmal recht real war.

Hodges zieht das ach so unterhaltsame Spiel in die Realität. Wichtig sei es, „zu erkennen: Russland ist schon im Krieg mit Europa.“ Überall gebe es Sabotageakte und „Drohnen die rumfliegen“ – wieder eine Behauptung, für die bis heute zwar Belege fehlen, die aber vom ZDF weiterhin als Fakt (oder Fake?) verbreitet wird.

Der Aufbau der deutsche Brigade in Litauen sei genau der richtige Weg“, sagt Hodges, und Heusgen treibt das Kriegsspiel auf die Spitze: „Deshalb finde ich es so wichtig, dass wir, ja, praktisch zur Logik des Kalten Krieges mit der Vorwärtsverteidigung kommen. Dass wir in Litauen die Brigade einsetzen.“

Doch woher die Leute nehmen? Auch dafür hat Hodges eine Idee: In Amerika bekomme man als Einwanderer sofort den ersehnten Pass, sobald man in die Armee eintritt. Das sei doch auch eine Idee für Europa, um das Personalproblem der Bundeswehr zu lösen.

Was er nicht weiß: In Deutschland kriegt man sowieso ziemlich schnell den Pass. Egal, ob man in die Armee eintritt oder ins Sozialsystem.

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Kommentare ( 11 )

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Montesquieu
1 Stunde her

Die meinen die übermächtigen Armeen, die keine 500 Soldaten für eine symbolische Abordnung in Litauen zusammenbringen? Lol. Diese multimediale offene Kriegstreiberei changiert zwischen Groteske und brandgefährlichem Wahnsinn. Vermutlich haben mittlerweile selbst alle Politiker realisiert, dass die EU+GB demographisch und wirtschaftlich am Ende sind: Billionen hohe Verschuldung, absehbarer Zusammenbruch der Sozialsysteme, keine essentiellen Rohstoffe, keine günstigen Energieträger, interner und externer Brain drain und eine anhaltende Massenzuwanderung aus Regionen, die jetzt schon so sind, wie wir es in 15 Jahren sein werden. Russland war übrigens bis vor wenigen Jahren ein zuverlässiger Wirtschaftspartner ohne jede aggressive Intention Westeuropa gegenüber. Der europäische Teil der… Mehr

Kassandra
1 Stunde her

Wie man sich so in Illusionen fangen kann?
Ich habe die MerzRede gelesen – und nichts gefunden, was solche Hoffnungen der Lanztruppe auch nur im geringsten belegen könnte – was ja letztendlich Glück für uns bedeutet – da wir nur weiter mit den Messerkriegern im Inneren beschäftigt sein werden müssen, die der Kanzler überhaupt nicht ins Blickfeld rückt, die uns aber die Kette Merkel-Scholz-Merz beständig weiter aufs Auge drückt: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rede-kanzler-msc-2407218

EndofRome
2 Stunden her

Krieg gegen Russland? Interessante Idee! Wenn Putin noch ein Ass im Ärmel hätte, warum hat er dann nicht das Assad-Regime in Syrien gestützt? Den Nahen Osten hat er damit verloren, die Amerikaner können mit den Teheraner Terrormullahs jetzt machen was sie wollen und in der Ukraine ist Putin ja auch noch längst nicht fertig. Und jetzt Litauen ???? Warum nicht gleich ganz Skandinavien?? Und dann nach Paris! Putin hat’s ja. Mehrere Hunderttausend Tote und Verletzte sind ja gar nichts bei einer auf unter 140 Mio. geschrumpften Bevölkerung.

humerd
2 Stunden her

Der Schauspieler und Regisseur Selenskyi spielt die Rolle seines Lebens udn die Claqueure in der ersten reihe applaudieren. Der Rest sitzt starr wie das Kaninchen dabei.
Wer Ukraine first anzweifelt oder gar kritisiert, ist Putinist und Nazi.
Erschreckend, dass laut darüber nachgedacht wird, eigene Atombomben zu besitzen. Joschka Fischer, einstiger Obergrüner und Außenminister, brachte die Atombombe zuerst ins Gespräch. Grotesk, die Grünen sind gegen AKWs, aber für Atombomben. Der Iran soll atomar abrüsten und die, auf Kriegspfad unterwegs, EU der Ursula von der Leyen will atomare Aufrüstung.

Stamiac
2 Stunden her

Merz und die aus Sozialisten bestehende (totalitäre) Demokratie der Mitte folgen einer Ideologie. Zum Glück im Moment nur der Ideologie. Mir graust es davor, wenn zur Ideologie noch eine Führungsperson kommt!

Haba Orwell
2 Stunden her

> Und dass Nord Stream entgegen aller US-Interventionen gebaut wurde, stellt Lanz in der Rückschau demonstrativ als eine ganz schlimme Untat hin. „Wie wir getrickst haben, um die Pipeline trotzdem zu bauen!“, empört sich der Moderator von der glatten Gestalt.

Unglaublich üble Untat – durch das Ding hätte man Erdgas für einen Bruchteil des heutigen Preises bezogen, dafür aber nicht aus dem Heiligen Amiland. In ein paar Tagen gibt es ohnehin kein Gas mehr, zumindest nicht für die Industrie (Gasspeicher-Füllstand zuletzt um 23% – unter 20% wird abgeschaltet).

Hektor
2 Stunden her

Vom Finnland bis zu Schwarzen Meer, vorwärts
am 22. Juni 1941 („Unternehmen Barbarossa“) setzte die deutsche Wehrmacht rund 3 bis 3,3 Millionen Soldaten ein und hat verloren.
Was glauben die eigentlich wer sie sind, das die wieder vom Krieg träumen.

tiptoppinguin
2 Stunden her

Es lohnt ein Blick auf die jährlichen Verteidigungsausgaben im Haushalt: Die beiden NATO-Staaten Deutschland und Großbritannien geben zusammen mehr aus als Rußland. Und dann gibt es da noch Frankreich, Italien, Polen, Spanien, die baltischen Staaten usw.
Naja, Qualität kommt durch Exzellenz und nicht durch Geld, wie der ÖRR gerade erst wieder mit KI-Gate bewiesen hat. Die hier besprochene Sendung bestätigt das auch wieder …

Kuno.2
2 Stunden her

Bei all diesen „Kriegsspielen“ sollte man nie vergessen was russische Generäle zu einem möglichen Krieg gegen Natostaaten sagen.
Nämlich, dass sich Russland in einem konventionellen Krieg nicht verteidigen könne und dies auch nicht tun werde.
Denn da stünden 1,1 Mrd. Menschen innerhalb der Nato gegen 150 Millionen Russen. Man werde deshalb keinen Krieg gegen diese Staaten führen sondern diese auslöschen. Und dazu braucht man keine Soldaten.

Haba Orwell
2 Stunden her
Antworten an  Kuno.2

> Man werde deshalb keinen Krieg gegen diese Staaten führen sondern diese auslöschen.

Was macht man nicht alles für die Rheinmetall-Aktienkurse… Sie wollen hoffentlich nicht sagen, danach sendet ÖRR nicht mehr? Das würde den Michel um den existenziellen Sinn bringen.

Nibelung
2 Stunden her
Antworten an  Kuno.2

Diese Aussage der Russen ist aktenkundig und nicht zu bestreiten und wer die ukrainische Grenze bewaffnet überschreitet muß mit Konsequenzen rechnen, denn die müssen anders handeln um mit der Gegenseite fertig zu werden und dann lieber einen Tod in Ehren, als gefesselt und zerstückelt am Boden zu liegen und uns noch vorher ein Schicksal ereilen wird, was wir nie vergessen werden, wenn es uns danach überhaupt noch gibt. Hinzu kommt noch die anzunehmende Tatsache, daß sich die Amis nicht für uns einsetzen werden, um selbst zu überleben und wer mit solchen Politikern gesegnet ist, sollte jetzt noch verschwinden, bevor er… Mehr