Unions-Rebell bei Lanz: AfD nicht umsonst auf Platz eins

Armin Petschner-Multari kritisiert die Union. Roderich Kiesewetter verleumdet Maximilian Krah. Und Elmar Theveßen verbreitet Hass und Hetze. Jede Menge Zündstoff bei Markus Lanz – und am Ende die unangenehme Frage: Was wird der Moderator diesmal alles abstreiten? Von Brunhilde Plog

Screenprint: ZDF / Markus Lanz

Bei Lanz läuft heute alles aus dem Ruder. Erst lässt er 30 Minuten lang die amerikanische Innenpolitik debattieren. Und als es endlich um Deutschland geht, entgleiten dem Moderator zeitweise alle Zügel. Der Grund hat einen Namen: Armin Petschner-Multari.

Wenn ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen über die jüngsten Ereignisse in den USA spricht, rutscht Petschner-Multari unruhig auf seinem Sessel hin und her. Der 36-Jährige korrigiert Theveßen, ordnet die Vorfälle rund um die US-Einwanderungsbehörde ICE mitunter deutlich anders ein als „unser Mann im Weißen Haus“. Theveßen, der in alter Manier Trump als Faschisten hinstellt und die USA als Orwell-Staat, trifft plötzlich auf offenen Widerspruch. ICE habe sogar einen Fünfjährigen verschleppt, behauptet Theveßen. „Das habe ich anders wahrgenommen“, erklärt Petschner-Multari, erzählt eine andere Version der Geschehnisse – und Lanz schaut bedröppelt zu. Sein Lieblings-Korrespondent und Freund Elmar wird gerade auf offener Bühne zerlegt.

Mit seiner Kampagnen-Agentur „The Republic“ ist Petschner-Multari zwar für eine stramm konservative Politik bekannt. Doch wie er heute Abend seinen Leuten hier in Deutschland wie in Amerika die Sporen gibt, hat eine neue Dimension. Auch er kritisiert das Vorgehen der ICE-Agenten, doch er gibt Kontra, wenn Theveßen überdreht. Nach den zwei Todesfällen bei ICE-Einsätzen konstatiert der Korrespondent etwa, hier werde konsequent „menschliches Leben verachtet“. Es gehe um White Supremacy, also Rassismus. Petschner-Multari differenziert, sieht in den USA (wo er selbst zeitweise lebt) zwei extreme Pole, die aufeinander losgelassen würden. Die ICE-Beamten seien sehr schlecht ausgebildet, und die Lage sei hochpolitisiert. „Dass es da zu Verfehlungen kommt, ist fast nicht auszuschließen.“

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Lanz geht diese Sichtweise erkennbar gegen den Strich. „Das klingt ein bisschen wie selber schuld“, sagt er vorwurfsvoll und schlägt sich auf die Seite seines Freundes Elmar. Wenn der von Konzentrationslagern spricht (um sofort einzuschieben, der Begriff sei unpassend, aber verwenden will er ihn halt trotzdem), dann stöhnt Lanz schonmal ein anerkennendes „Wahnsinn!“ dazwischen. Theveßen ist voll auf Kurs Hass und Hetze. „Hier wird gnadenlos deportiert“, sagt er. Petschner-Multari wirkt in solchen Momenten beunruhigt bis fassungslos.

Als endlich die Lage in Deutschland zur Sprache kommt, läuft der CSU-Mann Petschner-Multari dermaßen zur Hochform auf, dass Unionskollege Roderich Kiesewetter ins Straucheln kommt. Selbstkritik trifft auf Schönfärberei – dieses Duell immerhin scheint Lanz geplant zu haben.

Egal ob „Mass Deportations“ in den USA oder Remigration in Deutschland – „am Ende ist es die Durchsetzung des Rechtsstaats“, sagt Petschner-Multari. Bereits Barack Obama habe Rückführungen als seine vornehmliche Aufgabe betrachtet. Heute werde Trump für dieselbe Vorgehensweise kritisiert. Beim US-Präsidenten sieht er „Entertainment“ und in seinen Wahlkampfauftritten sogar eine „gewisse menschliche Wärme“.

Deutschland habe bislang völlig versagt. „Wir freuen uns, wenn der Innenminister einen Afghanen, einen Straftäter, ins Flugzeug setzt“, sagt Petschner-Multari. „Ihnen geht das nicht weit genug?, fragt Lanz allen Ernstes. „Das ist ja ‘ne Farce“, antwortet der, „irgendwo ist doch hier ein Vollzugsdefizit.“ Und dann ein Satz wie eine Bombe: „Angela Merkel wollte damals keine hässlichen Bilder an der Grenze. Das heißt, wenn man sie nicht an der Grenze will, muss man sie im Inland haben.“

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Roderich Kiesewetter will dagegenhalten, doch seine Argumente sind selbst einem Lanz zu dünn. In alter Manier kommt er sofort wieder mit syrischen Ärztinnen und Ärzten. „Unsere Aufgabe ist Integration und Bildung“, sagt Kiesewetter und „bei den Syrern haben wir hunderttausende in Arbeit.“ Nur ganz wenige seien straffällig, behauptet er, und dann fordere ein Maximilian Krah trotzdem die Remigration von 21 Millionen Menschen. Eine Behauptung, die rechtliche Konsequenzen haben dürfte. AfD-Mann Krah schreibt noch während der Sendung auf X, er werde Kiesewetter „dafür auf Unterlassung in Anspruch nehmen“.

Petschner-Multari kann nicht verstehen, warum hier gleich „der Konnex zu Maximilian Krah wieder aufgemacht wird“. Migration sei nun einmal das Topthema, in den USA wie in Deutschland. Genau daraus speise sich doch der Erfolg der AfD. „Donald Trump ist ja auch ein Produkt dessen, dass Joe Biden vier bis fünf Millionen illegale Grenzübertritte zugelassen hat“, sagt Petschner-Multari. „Wir haben Menschen die ausreisepflichtig sind“, sagt er. Und das müsse auch Konsequenzen haben.

Kiesewetter wirft ein, es gebe aber viele Staaten, die „ihre Leute nicht zurücknehmen“. Dann müsse man sich eben „gewisse Mechanismen überlegen“, antwortet Petschner-Multari: „Das ist ’ne typisch deutsche Diskussion. Bei uns wird immer erklärt, was alles immer nicht geht.“

Doch er ist noch nicht fertig mit seinem Parteikollegen. „Ich sitze in der Straßenbahn und fahre in die Arbeit und sage: Wen muss ich wählen, damit ich nicht morgens mit einem Messer im Hals ende. Und dann sagen viele Leute inzwischen: Dann wähle ich AfD.“ Lanz grätscht rein: „Das ist jetzt ein drastisches Bild. Wie viele Leute kennen Sie, die morgens in der Straßenbahn mit einem Messer im Hals enden?“

Petschner-Multari formuliert es anders: „Schauen Sie mal, Sie gehen auf den Christkindlsmarkt und fragen: Wen muss ich wählen, damit ich hier nicht mehr am Poller vorbeilaufen muss? Dann ist für manche Leute die Antwort: AfD.“ Lanz versucht ihn einzufangen: „Das ist ja nochmal ein anderes Thema, ’ne?“ Doch der Unions-Mann lässt sich nicht stoppen: „Migration verändert das Sicherheitsgefüge in diesem Land und hat es schon getan. Und es gibt Leute, die nehmen das hin und sagen das ist jetzt so. Und es gibt Leute, die sagen: Ich möchte das nicht hinnehmen. Die AfD ist ja nicht umsonst gerade auf Platz 1 in den Umfragen.“ Einen Tipp hat Petschner-Multari noch: „Fahren Sie doch mal zu ‘ner gewissen Tageszeit in Berlin in der U-Bahn. Viel Spaß! Ich möcht’s nicht unbedingt.“

„Es entsteht ein Störgefühl“, gibt Lanz zu und fragt Kiesewetter, ob die Union wohl deshalb gerade zerrissen werde. „Sie zerreißt nicht“, sagt der trotzig. „Der Riss ist ein anderer. Die Brandmauer wird nicht fallen. Es wird auch keine Kooperation mit der AfD geben. Diese Beschreibung, alles über den Kamm Migration zu scheren, ist mir zu einfach.“ Die Brandmauer-Diskussion sieht Kiesewetter „als überaltert“. Er geht „fest davon aus, dass diese Debatte nicht nochmal hochkommt. Unser Problem ist nicht Migration.“

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Lanz lässt eine Umfrage an die Wand werfen. Sachsen-Anhalt, Wahlprognose: Die AfD bei 40 Prozent, die CDU bei nur noch 26 Prozent. Kiesewetter liest es anders. Die Zahlen zeigten, „dass die Union als demokratische Kraft am stärksten ist mit 26 Prozent“. Man habe aber bei Bildung und Integration geschlafen, und „unser Bundespräsident hat sich die Lippen wundgesprochen“. Dann noch gleich eine weitere Unterstellung hinterher: AfD und BSW seien ja „sehr stark russlandaffin“.

Sabine Rennefanz (Illustrierte „Der Spiegel“) wird von Lanz als Vorzeige-Ossi installiert. Sie soll die Lage „drüben“ beschreiben. Sie malt ein düsteres Bild: Steigende Arbeitslosigkeit, strukturelle Probleme, die alternde Gesellschaft – „Da gibt es wenig, was Hoffnung macht.“ Im Erfolg der AfD sieht sie „Rachegefühle“ und „Lust auf Krawall“. Es sei auch ein bisschen Nostalgie dabei, „ein Wunsch nach Retro-Deutschland“.

Petschner-Multari will kein Blockbündnis aller Parteien gegen die AfD: „Ist das denn der Weg nach vorne?“, fragt er. Man könnte der AfD ja auch auf andere Weise begegnen: „Ihr habt einen Wählerauftrag. Ihr macht das jetzt einfach mal.“

Kiesewetter versteigt sich zu weiteren kühnen Thesen: „Die Berliner Bubble ist müder als unsere Bevölkerung“, sagt er. Im Volk habe er vernommen, dass man sehr viel mehr ertragen könne. Deshalb gelte jetzt: „Die erste Priorität ist die Sicherheit der Ukraine.“ Andernfalls stehe eine Massenflucht bevor. Dort würden „zwei, drei Millionen Menschen auf gepackten Koffern sitzen“.

Siehe da, auch ein Kiesewetter kann Retro. Sogar konsequent in schwarz-weiß.

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Kommentare ( 31 )

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h.milde
54 Minuten her

Oha, „unser Mann im weißen Haus“ Elmar Theveßen vom volkserziehenden ZWANGSGEBÜHREN-ZDF sagt, die USA haben „KZs“ um illgale Migranten in Abschiebehaft zu nehmen?
Nun, das wird -hoffentlich!- Theveßen & ZDF vom regierenden Mann im Weißen Haus, Donald Trump eine saftige Verleumdungsklage bringen.
No más dinero y afuera!

Mausi
56 Minuten her

„Petschner-Multari ist mit einem Australier verheiratet und lebt in Berlin und New York.“
Laut X: „Exil-Bayer und Teilzeit-Australier. Berlin und New York. Christsozialer der Mitte. Im echten Leben bin ich ganz anders.“
Homepage TheRepublic: „Vor seiner aktuellen Position als Geschäftsführer von TheRepublic war er für die CSU im Bundestag als Leiter Digitale Kommunikation tätig.“
Also niemand, der in D um seine gewählte Zukunft fürchten muss.

Juergen P. Schneider
1 Stunde her

Unser öliger Südtiroler lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er ein weltfremder Bewohner der links-grünen Gesinnungsblase ist, denn davon hängt ja schließlich seine fürstliche Gage ab. Der ÖRR ist und bleibt das größte mediale Werkzeug des links-grünen Altparteienkartells zur Verschleierung und Beschönigung der Realität. Die Zustimmungswerte für das rot-grüne Bankrott-Kartell unter Führung der Union sind konstant und lassen den Schluss zu, dass die Untertanen den Ernst der Lage noch nicht einmal ansatzweise verstanden haben. So geht er denn weiter, der demokratisch legitimierte und bewusst herbeigeführte Niedergang unseres einstmals so schönen Landes.

Boudicca
1 Stunde her

Ob der Herr Kiesewetter das mit dem Volk und dem mehr ertragen, nicht mit das Volk hat mehr zu ertragen verwechselt?

GP
1 Stunde her

Die AfD bei 40 Prozent, die CDU bei nur noch 26 Prozent. Kiesewetter liest es anders. Die Zahlen zeigten, „dass die Union als demokratische Kraft am stärksten ist mit 26 Prozent“.

Erinnert an den alten Witz aus der DDR, die DDR ist auf dem hervorragenden 2. Platz, die BRD hingegen vorletzter. Das Ranking war:

  1. BRD
  2. DDR
Jens Frisch
1 Stunde her

„Kiesewetter […] geht „fest davon aus, dass diese Debatte nicht nochmal hochkommt. Unser Problem ist nicht Migration.“
Wenn er das glaubt, kann er weg – zusammen mit allen Altparteien: Fahr einfach nachts um 12h mit der U-Bahn durch Berlin (oder Köln, Hamburg, Frankfurt….)

Supersilent
1 Stunde her

Das so Leute wie Theveßen immer noch eingeladen werden zeigt wie runtergekommen das deutsche Staatsfernsehen ist. Es wird weiter behauptet, dass 21 Millionen Menschen ausgewiesen werden sollen obwohl das schon lange als Lüge entlarvt wurde, im Staats-TV darf man weiter lügen. Was sagte doch einst der russische Schriftsteller und Systemkritiker Alexander Solschenizyns (1918 – 2008):

„Wir wissen, sie lügen. Sie wissen, sie lügen. Sie wissen, dass wir wissen, sie lügen. Wir wissen, dass sie wissen, dass wir wissen, sie lügen. Und trotzdem lügen sie weiter.“

Endlich Frei
1 Stunde her

Wer schaut sich das Konzert der gescheiterten ÖR oder politischen Mietmäuler noch an ???

Spyderco
1 Stunde her

,,Theveßen, der in alter Manier Trump als Faschisten hinstellt und die USA als Orwell-Staat…“

…und das in einem Land,in dem man strafrechtliche verfolgt wird,wenn man sich weigert, einen Mann,,Frau“zu nennen oder ein ,,Schwachkopf“-Meme repostet.

Kognitive Dissonanz in Reinkultur!

Kassandra
1 Stunde her

Spannend. Warten mit Theveßen auf den VISA-Entzug. Weiter so. Nicht nur Rubio wird ihn im Auge haben. . Das mit dem Kind verfolgte ich, bevor Pretti die Schlagzeilen einnahm – und so Tage alten, längst berichtigen Mist holt unserMann in Washington aus der Schublade, um uns hinter der Fichte zu halten? This is an OUTRAGEOUS lie. Why keep promulgating it, Commiela? The child’s illegal alien father ABANDONED him and ran away. An agent stayed with the child to make sure he was safe while another agent arrested the fleeing father. The ONLY way Dems garner support is by lying.   https://x.com/townhallcom/status/2014725712289153210 .… Mehr