Deutschlands struktureller Kollaps: Für 2026 bis zu 30.000 Insolvenzen befürchtet

Die CDU muss einsehen, der Wirtschaft geht es „nicht gut“. Die Klausurtagung zum Wachstum hat der CDU-Vorstand kurzfristig abgesagt: wegen schlechten Wetters. Ein Pleitesturm zieht auf wie in der Weltfinanzkrise 2008. Experten sprechen von „strukturellem Kollaps“.

picture alliance / dts-Agentur | -

Symbolträchtiger könnte es nicht sein. Am Freitag wollte sich der Vorstand der CDU zur Klausur in Mainz treffen, um als Auftakt in das Superwahljahr 2026 mit fünf Landtagswahlen mit einer Mainzer Erklärung Wachstum „Made in Germany“ zu starten. Wie der Titel schon sagt, geht es vor allem um die Wirtschaft, denn nicht einmal die CDU kann sich vor der Einsicht drücken, dass es der deutschen Volkswirtschaft „nicht gut“ geht. „Sie leidet schon länger – nicht an einer konjunkturellen Krise, sondern an einer strukturellen Schwäche, die Wachstum bremst und die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Die deutsche Wirtschaft ist längst nicht mehr Technologieführer in allen für unseren Wohlstand zentralen Sektoren. Das dritte Jahr in Folge drohen Stagnation und Rezession.“

Nicht erst das dritte Jahr, seit 2019 wächst die Wirtschaft nicht mehr wirklich. Doch nun wurde „aufgrund der eindringlichen Wetterwarnungen und der damit verbundenen Gefahrenlage sowie den angekündigten Zug- und Flugausfällen … (die) Jahresauftaktklausur am kommenden Freitag und Samstag“ abgesagt, wie es von der CDU hieß. Nicht wegen schlechter Wirtschaft, sondern wegen schlechten Wetters. Am Ende der DDR hieß es, der letzte macht das Licht aus, jetzt muss das keiner mehr machen, es geht von allein aus, gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter.

In der Wirtschaft zieht ein Pleitesturm herauf, wie wir ihn zuletzt in der Weltfinanzkrise 2008 erlebt haben. Betroffen sind der Maschinenbau, die Automobilzulieferer, Metallwaren, Elektrotechnik, Solarhersteller, Autohändler, Nahrungsmittelhersteller, Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeheimen. Wie TE berichtete, war es in den Jahren 2024 und 2025 zum Anstieg der Großinsolvenzen gekommen, 2024 zu einem Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von 35 Prozent, so im Jahr 2025 noch einmal um 25 Prozent. Experten rechnen in diesem Jahr mit noch einmal 15 bis 20 Prozent. Jonas Eckhardt von der Restrukturierungsberatung Struktur Management Partner schätzt laut Handelsblatt ein: „In manchen Branchen geht es mittlerweile nur noch ums reine Überleben.“ Sein Kollege Georgiy Michailov, Geschäftsführer der Restrukturierungsberatung Struktur Management Partner, formuliert so kühl wie drastisch: „Wir sind an einem Kipppunkt.“ Da die Wirtschaft nicht wächst, „werden wir immer mehr wirtschaftlich bedeutende Insolvenzen sehen“. Schuld daran sind vor allem zu hohe Energiekosten, hohe Kosten für Arbeitskräfte und Bürokratie, die Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit entscheidend schwächt.

Alarmierend ist, dass „die Zahl der Insolvenzen … nicht mehr die Folge einer konjunkturellen Delle“ ist, „sondern … den strukturellen Kollaps der deutschen Wirtschaft“ zeige, wie Eckhardt laut Handelsblatt resümiert. Doch wie immer wieder für die Wirtschaft insgesamt oder für Branchen wie beispielsweise die Stahlbranche auf TE analysiert und beschrieben, ist der Hauptfaktor, der zu Geschäftsaufgaben, zu Insolvenzen oder zur Produktionsverlagerung ins Ausland führt, die zu hohen Energiekosten infolge Merkels Energiewende von 2011 und der abenteuerlichen, ideologischen und suizidalen Energiepolitik von Robert Habeck, die im Grunde schon den Tatbestand der Sabotage berührt – und die von der Regierung Klingbeil-Merz fortgesetzt wird. Möglicherweise ließen sich die hohen Kosten für Arbeitskräfte auffangen, wenn man zu einer preiswerten und sicheren Energiewirtschaft und einer heftigen Entbürokratisierung käme.

Doch die Lösung des Hauptproblems meidet die Union unter dem, was sie zu produzieren versteht, unter einem Wortschwall. Die hohen Energiepreise kann sie bestenfalls eine kurze Zeit bremsen, bis das Geld alle ist, wenn sie nicht an das EEG geht, und die Entbürokratisierung fängt sie falsch an. Sieht man von dem Feuerwerk an Subventionen ab, die teils am Ende doch versteckt den Windbaronen und Solarprinzessinnen zugutekommen, das Klima-Kartell finanzieren wie der Industriestrompreis, oder der Energieinfrastrukturfonds, oder die Einschränkung der Bürgerrechte, die sich hinter der markig verkündeten Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren verbirgt, dann wird Habecks desaströse Wirtschaftspolitik unter neuen Namen und Titeln fortgesetzt.

So heißt es im Entwurf: „Wir wollen Erneuerbare Energie markt- und systemdienlich fördern sowie Netze, Erneuerbare Energie und dezentrale Flexibilität synchron ausbauen.“ Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix. Erneuerbare Energien werden weiter ausgebaut, die jetzt schon ca. 30 Milliarden Euro an Steuergeldern verschlingen, jedes Jahr übrigens mehr, denn 2024 waren es noch 23 Milliarden Euro. Wollte die Union wirklich etwas ändern, müsste sie das EEG komplett streichen und auch die CO2-Bepreisung. Die 2. Novelle des GEG, die Habeck-Novelle, wollen sie zumindest zurücknehmen. Zentral ist aber die Abschaffung des EEG. Wenn die Regierung nicht das zentrale Problem der deutschen Wirtschaft, die Energiepreise, angeht, wird sich nichts ändern und die deutsche Wirtschaft kollabieren.

Struktureller Kollaps heißt, dass die Strukturen zusammenbrechen. Konnten sich im Jahr 2020 noch 68 Prozent der Firmen, die in ein Insolvenzverfahren gingen, sanieren, so waren es 2023 noch 52,3 Prozent und im Jahr 2024 nur noch 43,9 Prozent. „Unter Unternehmern und Investoren ist der Optimismus in der Breite verloren gegangen“, schätzt Eckhardt ein. Es wird also immer schwerer, Investoren für angeschlagene Unternehmen zu finden, denn die Ursachen für die Insolvenzen liegen immer weniger in Managementfehlern, sondern in einer systemischen Disruption durch eine ideologische Wirtschaftspolitik, durch Klimaplanwirtschaft. Egal wie gut die Ideen, wie kreativ das Management ist, es lohnt sich nicht, in Deutschland ein Stahlwerk zu betreiben oder chemische Werke, wie der Zusammenbruch des mitteldeutschen Industriedreiecks zeigt, weil die Preise für Energie zu hoch sind und die CO2-Bepreisung hinzukommt.

Erschreckend ist auch, dass im Jahr 2025 laut Schätzungen der Creditreform Gläubiger durch Insolvenzen insgesamt 57 Milliarden Euro verloren haben. Für 2026 werden bis zu 30.000 Insolvenzen befürchtet, in der Finanzkrise 2008 waren es 32.000. Hinzu kommt, dass zunehmend chinesische Anbieter auf den deutschen Markt drängen, die deutlich billiger produzieren können und Deutschland teils technologisch überholt haben. Hier hat das deutsche Bildungssystem, inzwischen rotgrün ruiniert, ganze Arbeit geleistet. Stark angestiegen um 39 Prozent sind im Übrigen auch die Insolvenzen von Betreibern von Krankenhäusern, Pflegeheimen, Sozialstationen und Pflegediensten. Lauterbachs Gesundheitsdesaster schlug in einem ohnehin schon schwierigen Bereich hart zu. Auch hier spielen unter vielen Faktoren die hohen Energiekosten und die durch hohe Energiekosten verursachte Teuerung der Waren eine Rolle.

Die Trostlosigkeit der Lage, verursacht von einer seit 2011 falschen Wirtschaftspolitik, der Ersetzung der Marktwirtschaft durch Planwirtschaft, durch Klimaplanwirtschaft, zeigt ein Detail so kurz und so klar, wie kaum ein zweites. Der DAX erklimmt immer neue Höhen, doch das, was wie eine gute Nachricht klingt, zeigt das ganz große Desaster für den Wirtschaftsstandort Deutschland, seinen Niedergang, denn die 40 im DAX gelisteten Konzerne erwirtschaften 80 Prozent ihrer Umsätze im Ausland und nicht in Deutschland.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 61 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

61 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
amendewirdallesgut
21 Stunden her

wer es schafft die Situation der deutschen Wirtschaft , wieder wettbewerbsfähig zu gestalten , der ist auch in der Lage den Gordischen Knoten zu lösen . Ich denke ohne Schwert , wird das nix .

Last edited 21 Stunden her by amendewirdallesgut
Dr. Rehmstack
11 Stunden her

Dieser ganze Energie Wahnsinn wird offenkundig, wenn man sehenden Auges per Bahn oder Auto durch die Lande fährt. Rechts und links hektarweise Solarfelder, die eine potentielle Leistung von 100 GW darstellen, fast zu viel wie die grundlastgaratierenden Kohle und Erdgas zusammen haben. Allerdings ist mit der Kohle ja bald Schluss und die Gas Speicher sind jetzt schon bei nur noch 50 %. Nun sind zur Zeit alle fotovoltaik Panelen schneeweiß. Sie bringen null Leistung in der Stromnetz. Man kann sich vorstellen, was im Sommer bei einem stabilen Hoch und guter Brise für eine Leistung aus diesen Monstern kommen wird, für… Mehr

Haba Orwell
16 Stunden her

> Hinzu kommt, dass zunehmend chinesische Anbieter auf den deutschen Markt drängen, die deutlich billiger produzieren können und Deutschland teils technologisch überholt haben. Hier hat das deutsche Bildungssystem, inzwischen rotgrün ruiniert, ganze Arbeit geleistet. Dann muss man halt das Gehirn einschalten und wieder was gescheites lernen. Wird Generationen dauern. Aus eigener Kraft schafft vermutlich Westeuropa bis dahin kaum Hochtechnologie (höchstens ein paar Nischen), bis dahin muss man sich möglichst an die Chinesen halten, die im Handel fairer als die Amis vorgehen. Sollten Piraten die See-Handelswege blockieren wollen, gibt es noch Bahnen durch Russland – mit Russland muss man sich arrangieren… Mehr

WGreuer
17 Stunden her

Das riesige, deutsche Kreuzfahrtschiff steuert volle Kraft voraus auf das Riff. Kapitän und Steuermann sehen das Riff, versprechen sich aber von der kommenden Katastrophe einen Riesengewinn für ihre Auftraggeber. Sie werden dafür auch gut bezahlt. Die meisten der Passagiere sehen zwar, dass der Kurs Richtung Riff geht, glauben aber nicht, dass das ein Problem ist. Die Bordkasinos sind also voll, die Bordkapelle spielt „Humba Humba Täterää“, die Restaurants sind voll, die Passagiere ausgelassen. Nur einige wenige an Steuerbord erkennen das Problem, sie warnen, sie rufen, sie machen andere Passagiere auf das riff aufmerksam. Aber alles umsonst, die Passagiere wollen das… Mehr

Peter Gramm
18 Stunden her

nur nicht so ängstlich. Es gibt gar keine Insolvenzen. Unser Ex-Wirtschaftsminister hat dies ja schon sehr schön erklärt. a) es werden alle verbeamtet, b) die Finanzierung der Volkswirtschaft wird umgestellt wie beim ö.r. Medienklamauk. Alle müssen zahlen keiner konsumiert mehr und die Einkommen werden kräftig angehoben. Es muß nur mutig vorangeschritten werden. An Fachpersonal im Politikbetrieb mangelt es ja nicht. Da gibt es sehr viele die im Leben schon viel ausprobiert haben und sind im Politikbetrieb ganz groß raus gekommen. Nur mutig und nicht so zögerlich. Notfalls könnte man noch die Grundrechenarten verändern, dem Zeitgeist anpassen, in dem man negative… Mehr

Ohanse
18 Stunden her

Geht alles auf die Kappe der senilen CDU-Wähler. Die sind einfach intellektuell nicht mehr dazu in der Lage, die Situation zu erfassen.

Son of Bezzerk
18 Stunden her

eigentlich Ja Eigentlich ist es eh schon Egal Euro =Scheißwährung Kaufkraft Bald bei Null Geopolitische Situation Bescheiden Perspektiven in Deutschland Wirtschaftlich und Sozial eher unter Null Organisation des Staates ein gespielter Witz,Erkenntnis es muss Untergehen was Untergehen soll erst Langsam und dann mit einem Ordentlichen Rutsch die Klippe Runter,und sorry das ist gerade das was dieses Land braucht je eher desto besser da kommt man wieder mal ins Nachdenken und ins Tun ohne den ganzen Idiologischen Ballast und wenn kein Geld oder sehr wenig Geld da ist müssen die ganzen Einhörner und Füchse und die Genderfluiden mal wieder was Sinnvolles… Mehr

yeager
19 Stunden her

Schlaraffenland ist abgebrannt. Es wird auch interessant werden, wenn unsere Politiker den „Geflüchteten“, von denen ja viele mit einem gewissen Anspruchsdenken auftreten, erklären müssen, dass die Party vorbei ist.

barbara-luise
20 Stunden her

Sie schreiben „Schuld daran sind vor allem zu hohe Energiekosten, hohe Kosten für Arbeitskräfte und Bürokratie, die Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit entscheidend schwächt.“ Diese Einschätzung deckt sich nicht mit dem, was ich heute unter dem Titel „was das deutsche Geschäftsmodell kaputt macht“ auf zdf.de gelesen habe. Dort erklärt mir der Wirtschafts-Experte Florian Neuhan, was die deutsche Wirtschaft wegen hoher Subventionen Chinas für die eigene Autoindustrie und natürlich Trumps Zöllen unter Druck steht. Ich bin verwirrt. Was stimmt denn nun?

Stefanrich
18 Stunden her
Antworten an  barbara-luise

Es stimmt beides, auch die Sache mit den chinesischen Subventionen, selbst wenn es vom ZDF kommt und dort die andere Hälfte verschwiegen wird. Ich habe ein bisschen Einblick in die Metallstanz- und -umformtechnik in der Automobilzulieferindustrie. Hier streichen zunehmend europäische Werkzeugbauer die Segel zugunsten chinesischer Konkurrenten. Die Angebotspreise letzterer decken nicht oder nur knapp die Materialkosten ersterer, selbst wenn der Schmiede- oder Gusstahl von irgendwoher importiert wird. Selbst ohne die hausgemachten Probleme hätten die Europäer keine Chance, zumal die Chinesen ihre Überkapazitäten, die sie mal mit Blick auf die USA aufgebaut haben, jetzt auf Brechen und Biegen eben irgendwoandershin entlasten… Mehr

H. Hoffmeister
20 Stunden her

Wer Basisfaktoren wie Energie und Arbeit durch rein ideologische Vorgaben um ein Vielfaches gegenüber anderen Volkswirtschaften verteuert, generiert nicht nur keinen Nettonutzen, sondern induziert auch eine dramatisch einbrechenden Produktivität. Folge: Kaufkraft geht verloren und ein zunehmender Teil der schwindenen Kaufkraft muss auch noch ohne Nutzengegenwert eingestzt werden.

alter weisser Mann
20 Stunden her

Fairerweise muss man bei den Zahlen immer die Fortsetzungen aus der Insolvenz und Neugründungen dagegen setzen. Etliche, gerade kleinere Gewerbetreibende und Selbständige machen nach der unternehmerischen Insolvenz ohne die lästigen Altschulden neu auf, was auch heute gelten dürfte, zumal anderweitige Arbeitsplätze schlecht zu bekommen sind. Größere Unternehmen mit nennenswerter Marktstellung finden schon mal einer Investor(Käufer oder mach nach der Entschuldung durch Insolvenz weiter. Natürlich ändert das wenig an insgesamt steigenden Zahlen. Mit 30.000 pro Jahr sind wir knapp (10%) unter dem, was wir um 2009 in der Finanzkrise auch hatten und auch da ist ja nicht alles, was insolvent wurde,… Mehr