Warum deutsche Unternehmen zu den am höchsten verschuldeten gehören

Drei der zehn am höchsten verschuldeten Unternehmen der Welt kommen aus Deutschland. Eines davon ist sogar der weltweite Schuldenkönig. Von Matthias Fischer

Die Investmentgesellschaft Janus Henderson hat einen neuen Index konzipiert. Der Corporate Debt Index (JHCDI) analysiert jährlich die Entwicklung der weltweiten Unternehmensverschuldung. Für das Jahr 2019 kam dabei heraus, dass der deutsche Automobilhersteller Volkwagen weltweit die meisten Schulden hat. Die Wolfsburger haben den Daten zufolge einen Schuldenberg von 192 Milliarden US-Dollar (169 Milliarden Euro) angehäuft, das entspricht fast den gesamten Staatsschulden Südafrikas.

Gleich zwei Faktoren bewirken dies: Zum einen ist die Automobilbranche per se sehr kapitalintensiv: Neben VW tummeln sich laut Janus Henderson auch Daimler (Rang 3) und BMW (Rang 8) unter den zehn höchst verschuldeten Unternehmen der Welt. Zum anderen hat Volkswagen auch ein großvolumiges Finanzdienstleistungsgeschäft. „Die Verschuldung deutscher Unternehmen ist durch die kapitalintensive Automobilindustrie und ihre Aktivitäten im Bereich der Autofinanzierung weltweit die zweithöchste nach den USA. Dies liegt auch an den notwendigen Investitionen in emissionsärmere Modelle und neue Technologien – und ist ein weltweiter Trend. Fünf von den zehn am höchsten verschuldeten Unternehmen weltweit sind Automobilhersteller“ so die britische Investmentgesellschaft.

Insgesamt stieg das Volumen der Unternehmenskredite im Jahr 2019 auf 8,3 Billionen US-Dollar (7,3 Billionen Euro), das sind 8,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Für dieses Jahr erwartet Janus Henderson wegen der Covid 19-Pandemie einen noch größeren Anstieg und schätzt, dass die Netto-Fremdmittel 2020 um bis zu einer Billion US-Dollar steigen werden. Das entspräche einem Plus von 12 Prozent.


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Kommentare ( 9 )

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9 Kommentare auf "Warum deutsche Unternehmen zu den am höchsten verschuldeten gehören"

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Es stellt sichs chon die Frage, warum viele deutsche Technologiefirmen wie die Autoindustrie solch eine schlechte Aktienentwicklung (siehe Daimler) haben im Vergleich zu den amerikanischen, denn auch die deutschen wachsen extrem. Amis verstehen, einen Hype um sich zu machen – wie einen Kult um etwas, was teils irre Summen einbringt. In D. gilt das schnell als unseriös oder ist es dann auch noch, siehe Wirecard und die Neue Markt Firmen um 2001 seinerzeit, als auch die Finanzaufsicht versagte. Ich wünschte mir etwas mehr reflektierte Debatte um amerikanische Technologie, und warum Europa da oft nicht mithalten kann. In D. weiss man… Mehr

Schulden an sich sind ja nichts schlechtes, solange die Rendite die Zinsen übersteigt. Sobald allerdings etwas Sand im Getriebe ist, könnte das Ganze kippen. Ist aber im Endeffekt wie an der Börse. Je mehr Risiko, desto mehr Gewinn. Je geringer das Risiko, desto geringer auch der Gewinn.

Drei der zehn am höchsten verschuldeten Unternehmen der Welt kommen aus Deutschland; u.a. VW (Rang 1), Daimler (Rang 3) und BMW (Rang 8).

Und genau darum, weil diese Unternehmen nur noch Kredite und Schulden kennen und Eigenkapital (bis auf Betriebsausstattung) ein Fremdwort ist, …und weil sie alle mit der E-Mobilität auf´s falsche Pferd gesetzt haben, …genau deshalb werden sie „nicht wegen“ aber „mit CORONA“ ganz schweren Zeiten einschl. Kündigungswellen entgegensehen !

Das wundert mich nicht im geringsten.
Es war doch schon lange so. Die deutschen Firmen arbeiten gern mit Fremdkapital, das sie sich von Banken leihen (neuerdings auch mit Unternehmensanleihen).
US-Firmen geben lieber Aktien aus; das ist dann in der Bilanz Eigenkapital.

Deutsche Unternehmen waren immer schon hoch verschuldet und eigenkapitalschwach.
Nicht erst jetzt , das ist traditionell so.

Der Grund dafür sind zwei verlorene Weltkriege.
Die deutschen Unternehmen und die deutsche Volkswirtschaft mussten immer wieder bei Null anfangen. Das geht nur mit Schulden.

Angelsächsische Unternehmen haben eine ungebrochene Eigenkapitalkontinuität, bei den ältesten sogar bis ins 19. Jahrhundert zurückreichend.

Wie hoch ein Unternehmen sich verschuldet, liegt doch in erster Linie an der Geschäftspolitik eines Unternehmens. Wie der BMW-Konzern zeigt, kann man so im Sinne der Anteilseigner erfolgreich wirtschaften und hohe Gewinne einfahren.

Gewinne nur aus Schulden und Krediten zu regenerieren geht nicht bis in alle Ewigkeit gut !

Irgendwann kommt der Punkt, wo sich die aufgenommenen Schulden nicht mehr rechnen. Aber davon muss sich kein Investor fürchten, denn es gibt ja noch den Steuerzahler, der im Notfall per zentralbankgesteuerter Gelddruckerei für eine „Rettung“ parat steht.

Die Kosten der sog. Energiewende werden externalisiert und den Unternehmen aufgezwungen. Es ist ein Programm zur Zerstörung der Wirtschaft und des Landes.