Die deutschen Autobauer stecken in der Klemme. Insbesondere bei vollelektrischen Fahrzeugen werden sie durch chinesische Wettbewerber unter Druck gesetzt. Auch der US-Markt ist alles andere als sicher.
picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg
Wer geglaubt hatte, die deutsche Autoindustrie käme in diesem Jahr in ruhigeres Fahrwasser, sieht sich schon kurz nach dem Jahreswechsel getäuscht. Alle Anzeichen deuten vielmehr darauf hin, dass die nächsten zwölf Monate für die Autobranche – Hersteller wie Zulieferer – noch herausfordernder werden als die beiden Jahren zuvor. Da helfen auch neue Kaufprämien für Elektroautos nichts. „Normale Jahre gibt es in der Autobranche nicht mehr“, konstatiert Burkhard Riering in der Automobilwoche.
Die beiden größten Herausforderungen für die Branche, so dachte man bisher, lägen zum einen in der kostenträchtigen und unvollendeten Transformation zur Elektromobilität, bei der die Rechnung ohne den (Auto-)Kunden gemacht wurde. Und zum anderen in der zunehmenden Verschärfung im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern auf dem Heimatmarkt. Nach dem Motto: Wer es in Deutschland schafft, schafft es überall – nur nicht in den USA, deren Markt administrativ für chinesische Autos abgeriegelt wurde.
Europa ist damit zwangsläufig in den chinesischen Fokus geraten: Hohe Überkapazitäten in China selbst, ein mörderischer Preiswettbewerb und die Vorgaben der Politik aus dem jüngsten Fünf-Jahresplan, den Weltautomarkt bis 2049 zu erobern, sorgen für den nötigen Druck. Anfang 2030 wollen chinesische Hersteller laut ihren Absatzplänen rund 20 Prozent des europäischen Marktes erobert haben – zu Lasten vor allem der deutschen Hersteller. Bereits 2025 erreichte ihr Marktanteil in Europa acht Prozent, nach sechs Prozent im Jahr davor. Nur in Deutschland liegt der Anteil von China-Autos laut Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) erst bei etwa zwei Prozent, ihr Anteil an den Neuzulassungen von reinen Elektorfahrzeugen (BEV) liegt allerdings bereits bei über 19 Prozent.
Diese Liste an Herausforderungen für die deutsche Autoindustrie ist über Nacht aufgrund neuer geopolitischer und handelspolitischer Risiken nochmals angewachsen und hat eine neue Dimension erreicht. Sollten alle Risiken tatsächlich Realität werden, bedeutete dies das Ende der deutschen Autoindustrie – selbst in ihrer jetzt schon reduzierten Struktur.
Die von US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr verhängten Zusatz-Zölle auf Autoimporte haben zu deutlichen Einbußen bei allen Herstellern im US-Geschäft geführt. Wären nun noch zum 1. Februar die von Trump im Zuge der Auseinandersetzung um Grönland angekündigten Strafzölle dazugekommen, hätte sich die Lage abermals verdüstert. Dann wäre neben China noch der zweite wichtige Markt in der Welt komplett zusammengebrochen. Im Reich der Mitte können deutsche Hersteller schon seit langem nur noch bei Verbrennern punkten.
Die Branche ist mit berechtigten Hoffnungen in das neue Jahr gestartet. Anlass für Hoffnung gab die Tatsache, dass bei allen großen Autounternehmen, seien es Hersteller oder Zulieferer, entscheidende Restrukturierungen in Organisation und Produktpalette auf den Weg gebracht worden sind, alle unter großen und schmerzhaften Anstrengungen für alle Beteiligten, vor allem die Belegschaften, die teilweise erhebliche Einbußen hinnehmen mussten. Vorstände wurden ausgetauscht, ganze Hierarchie-Ebenen gekappt, Mitarbeiter teils mit hohen Abfindungen entlassen.
Auch an den Abbau von Überkapazitäten wurde Hand angelegt: Branchenweit wurden und werden ganze Werke geschlossen und die Produktion in Niedrig-Kosten-Standorte verlagert. Investitionen für neue Modelle werden nicht mehr in Deutschland, sondern in östlichen EU-Partnerstaaten mit niedrigeren Kostenniveaus getätigt. Mit der Folge, dass bereits 2025 die Anzahl der Beschäftigten in der Autoindustrie laut Statistischem Bundesamt um fast 100.000 auf 720.000 sank.
China Speed nun auch in Europa
Einen Umbauprozess solcher Größenordnung hat es in der deutschen Autoindustrie in den vergangenen 70 Jahren noch nicht gegeben. Effizienz und Schnelligkeit und damit die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf der Kostenseite, vor allem gegenüber der China-Konkurrenz, hatte bei den Reorganisationen überall höchste Priorität. Schneller („China Speed“) und schlanker wollen alle werden, um im Kosten- und Preiswettbewerb mitzuhalten.
In diesem Jahr setzt sich dieser Verschlankungsprozess fort, die neuen geopolitischen und handelspolitischen Risiken lassen der Autoindustrie keine andere Wahl. Setzte Trump die in Sachen Grönland gekippte Strafzolldrohung bei anderer Gelegenheit tatsächlich um, brächte dies das Fass zum Überlaufen. Die deutschen Hersteller sind auf den Export außerhalb Europas angewiesen; denn es ist jetzt schon absehbar, dass sich der Wettbewerb auf dem E-Auto-Markt in Deutschland spürbar weiter verschärfen wird. Finanzstarke chinesische Hersteller (BYD, Geely, Chery, Xpeng, Leapmotor) mit „langem Atem“ sind wild entschlossen, den deutschen Markt als europäischen Leitmarkt zu erobern.
Folgt man der Statistik, so hat der Angriff der chinesischen Autobauer auf den deutschen Gesamtmarkt optisch bislang nur mäßigen Erfolg. Die chinesischen Marken weisen zwar alle hohe zweistellige oder dreistellige Zuwachsraten bei den Neuzulassungen auf, die Raten beziehen sich jedoch bei allen auf sehr kleine Basiszahlen. Über die Marktstärke sagen die Zuwachsraten nichts aus. Bei reinen Elektroautos ist das anders: Hier konnten chinesische Hersteller im vergangenen Jahr ihren Marktanteil bereits – wie oben erwähnt – auf 19 Prozent steigern. Memo: 2030 sollen es 30 Prozent sein.
Bislang konnten die deutschen Hersteller dagegenhalten: Die Gruppe der führenden Autokonzerne beim Absatz von Elektroautos auf dem deutschen Markt wurde 2025 vom VW-Konzern angeführt (236.000 Einheiten), gefolgt von BMW. Tesla stürzte laut KBA-Statistik mit einem Marktanteil von nur noch 3,5 Prozent auf den drittletzten Platz ab (19.000). Auf Platz zehn taucht mit BYD aber bereits der erste chinesische Hersteller mit 11.000 Elektroautos bei Neuzulassungen auf.
Die chinesischen Hersteller sind alle dabei, mit hohem Tempo ihre Handelsnetze auszubauen und ihre Modellpaletten den lokalen Markterfordernissen anzupassen – konkret auf die Bedürfnisse ihrer europäischen Kunden mit kleinen und kostengünstigen E-Autos zu reagieren. Dazu gehört zur Umgehung von Zöllen auch die Produktion in Europa selber. VW und andere europäischen Hersteller haben zwar kleine und billige E-Auto angekündigt, aber bereits jetzt zeichnet sich ab, dass sie chinesische Preise nicht erreichen können.
Kaufprämien sind kein Gamechanger
Auch die von der Bundesregierung ausgelobte E-Auto-Förderung von in der Summe drei Milliarden Euro im Zeitraum von 2026 bis 2030 ist nur eine schwache Hoffnung für die deutschen Autohersteller. Zum einen umfasst sie nur ein Fördervolumen von 800.000 E-Autos. Das politische Ziel von 15 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen wird somit kaum zu erreichen sein. Dafür müssten viel mehr Normal- und auch Geringverdiener unter der Privatkundschaft vom Verbrenner auf das E-Auto umsteigen. Bislang besteht die Kundschaft fast nur aus Gutverdienern. Zwei Drittel der BEV-Käufer waren überdies bisher gewerblich, stellten ihren Mitarbeitern ein E-Auto als Dienstwagen zur Verfügung.
Sollte es in der privaten Käuferstruktur, wie von der Bundesregierung erhofft, zu Verschiebungen in die unteren Marktsegmente kommen, wären davon – Stand heute – vor allem auch chinesische Billig-Anbieter begünstigt: Es wäre allerdings ein politischer Schildbürgerstreich, wenn Brüssel den Import von E-Autos aus China einerseits mit Zöllen belegt, die Bundesregierung anderseits deren Kauf in Deutschland mit bis zu 9.000 Euro förderte. Es hätte das Zeug zum Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte und rundete das Bild von der deutschen Autokalypse amtlich ab.
Die deutsche Autoindustrie steht vor einem Dilemma! Das, was sie aus eigener Kraft bewerkstelligen kann, hat sie getan und tut es noch; das wird aber im Wettbewerb mit chinesischen Niedrig-Kosten-Autos nicht ausreichen. Und auf geopolitische und handelspolitische Risiken hat sie keinen Einfluss.

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Das sind jetzt die Konsequenzen des politisch gewollten „Umstiegs“ auf Elektromobilität. Einschließlich des dümmlichen Devotismus deutscher/europäischer Autohersteller. Man hätte von Anfang an den Chinesen diesen Markt „überlassen“ und sich auf die (weitere) Optimierung der Verbrennertechnologie fokussieren sollen. Ich weiß nicht was passieren würde, wenn die Apologeten des freien Marktes nun plötzlich eine Wirtschaftspolitik nach Trump’schen Vorbild machen würden, um den Verkauf chinesischer E-Autos zu reduzieren oder gänzlich zu stoppen?!
Was heisst denn hier ‚hohe Überkapazitäten‘? Und was ‚Billig-Anbieter‘? China ist einfach sehr wettbewerbsfähig und eine gottgegebene Exportnation. Ist schon blöd, wenn einem der eigene Merkantilismus so brutal auf die Füsse fällt.
Ich las nur „Amerika“ und „China“ und „geopolitische und handelspolitische Risiken“ ….
Das, mit Verlaub, ist nur ein klitzekleiner Anteil, der die jahrelangen Versäumnisse und Fehlentscheidungen und Ideologien der hochbezahlten deutschen Autoindustrie schönschreibt.
Ja, die deutsche Autoindustrie hat „alles getan und tut es noch“: Leider weder im Interesse der Konsumenten oder einer freien Marktwirtschaft, sondern als verlängerter Arm der politischen Religion und derer Subventionsempfänger.
P.S. Selbst das Puzzleteilchen „Dieselskandal“ ist immer noch nicht aufgearbeitet ………
Dieser Dr.Becker bingt mich um. Die Lösung LÄGE glasklar auf der Hand: Wieder Top-Verbrenner bauen und FERTIG. E-Mobilität ist TOT, auch wenn das dieser unsägliche Dr.Becker nicht und niemals wahrhaben will. Genauso wie es Herr Herles niemals wahrhaben will, daß sowohl die CDU als auch die ÖRR tot sind.
Die deutschen Autobauer werden die Chinesen auf deren Spielfeld niemals schlagen können. Jeder Versuch ist reine Zeitverschwendung. Aber man will ja beschäftigt sein auf dem Weg zum endgültigen Aus.
„konkret auf die Bedürfnisse ihrer europäischen Kunden mit kleinen und kostengünstigen E-Autos zu reagieren.“
Man sollte sich nicht schon wieder selbst täuschen. Die Chinesen werden nicht lange bei den kleinen, kostengünstigen Modellen bleiben. Haben die erstmal Fuß gefasst, kommt auch sowas wie ein Xiaomi YU7 (und das ist nur ein Beispiel). Selbst wenn sowas erst 2027 nach Europa kommt, glaube ich nicht, dass die deutschen Automotives da ohne politische Hilfe konkurrieren können.
Was die nämlich nicht mehr können sind vernünftige Preise.
Hochverräter in der Politik, Wirbellose in den Vorständen der Industrie, eine traumhafte Kombination.
Ich wurde lange genug abgezockt und werde mir sicher kein deutsches Auto mehr kaufen. Verkauft es denen, die mir ständig in der Werbung gezeigt werden!
Brauner Mann, weiße Frau, deutsches Auto, das Gespann der Zukunft.
Nun für das AfD-Bashing haben die Planwirtschafter in den Chefetagen noch Zeit übrig. So soll der Daimler-CEO Källenius vor der AfD gewarnt haben. Die Konzernbosse fürchten wohl, dass der Absatz im neuen Segment „Militaria“ (Panzerabsatz) stocken könnte, wenn die AfD sich für den Weltfrieden einsetzt.
Die grünen Klimaretter freuen sich auch. Bald rollt der erste E-Panzer vom Band. Oder?
Deutsche Automobilindustrie steht genau da, wo Politik sie hin haben wollte. Im Wahn, mit der Zerstörung der deutschen Automobilindustrie den Klimawandel stoppen zu können, ist man genau da angekommen. Das der Politik nicht daran gelegen ist, etwas an dem Zustand zu ändern, sieht man daran, dass sie keine Initiativen und Aktivitäten unternimmt, um mit Verschiebung des Verbrenner-Aus oder Senkung des CO2-Preises die Situation zu entspannen. Ganz im Gegenteil, sie tut alles, um Energieintensive Firmen aus dem Land zu treiben und Klima-Abgaben zu erhöhen. Dem Klimawahn zu huldigen ist eine Sache, aber wo kommen zukünftig die Steuergelder für Bürgergeld und viele… Mehr
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