Wall Street auf Alltime High, Facebook verliert

Die Schweizer Nationalbank steuert auf einen Rekordgewinn 2017 aus Devisen-, Aktien-, Anleihe- und Goldbeständen von umgerechnet 46 Milliarden Euro zu.

© Bryan R. Smith/AFP/Getty Images
A board displays the closing numbers after the closing bell of the Dow Industrial Average at the New York Stock Exchange on January 11, 2018 in New York. Wall Street stocks finished at fresh records Thursday behind gains in industrial and petroleum-linked equities, resuming their upward climb after a one-day pullback. At the closing bell, the Dow Jones Industrial Average stood at 25,574.73, up 0.8 percent. The broad-based S&P 500 gained 0.7 percent to 2,767.56, while the tech-rich Nasdaq Composite Index advanced 0.8 percent to 7,211.78.

Der Rekordlauf an der Wall Street hat sich am Freitag fortgesetzt. Die leichte Verunsicherung nach einem vorübergehend deutlicheren Anstieg der Renditen am Markt für US-Staatsanleihen scheint bereits verflogen.

Der Dow Jones Industrial (Dow Jones 30 Industrial) übersprang nicht nur erstmals die Marke von 25 600 Punkten sondern auch gleich die von 25 800 Punkten. Zum anlaufenden Beginn der Berichtssaison verzeichneten alle vier wichtigen Indizes Bestmarken. Zwar lieferten die Konjunkturdaten an diesem Tag ein gemischtes Bild, doch die ersten gewichtigen Quartalsberichte – insbesondere von JPMorgan und Blackrock – überzeugten.

Aktuellen Inflationsdaten zum Trotz stieg das Wall-Street-Barometer letztlich um 0,89 Prozent auf 25 803 Punkte. Erst vor einer Woche war die 25 000-Zähler-Marke erstmals gefallen. Nach einem Plus von 25 Prozent im abgelaufenen Jahr ging es 2018 nun schon um 4,4 Prozent nach oben.

Der marktbreite S&P 500 rückte am Freitag um 0,67 Prozent auf 2786,24 Zähler vor. Der technologielastige NASDAQ 100 legte um 0,75 Prozent auf 6758 Punkte zu und der breite Nasdaq Composit stieg um 0,68 Prozent auf 7261 Punkte.

Die kurz vor Weihnachten beschlossene US-Steuerreform hatte den Kursen zuletzt wieder frischen Schwung verliehen, denn Investoren setzen nun auf höhere Unternehmensgewinne. Mögliche Risiken, etwa durch die aktuellen Inflationsdaten, die Analysten zufolge ein „gutes Inflationsjahr“ erwarten lassen und die US-Notenbank zu mehr Zinsschritten verleiten könnten, finden derzeit wenig Beachtung.

Im Dezember wurde zwar nur ein leichter Anstieg der Verbraucherpreise gemessen, doch die Kerninflation (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) wies erstmals seit elf Monaten ein spürbares Plus von 0,3 Prozent zum Vormonat aus. Im Jahresvergleich stieg die Inflationsrate 2017 auf 2,1 Prozent, nach 1,3 Prozent im Jahr 2016.

Unter den weiteren Wirtschaftsdaten standen auch die Umsätze des US-Einzelhandels im Dezember im Blick. Ohne die schwankungsanfälligen Autoverkäufe waren sie im Monatsvergleich etwas stärker als geschätzt ausgefallen. Zugleich wurde das Plus im November nach oben revidiert.

Spannender aber waren die ersten Quartalsberichte. Während viele Unternehmen schon im alten Jahr von der US-Steuerreform profitierten, werden Banken zunächst zum Teil belastet. Viele haben Verlustvorträge in ihren Büchern stehen, mit denen sie künftige Steuern senken könnten. Angesichts der niedrigeren Steuerquote sind diese nun weniger wert, so dass Abschreibungen fällig werden. Für das Tagesgeschäft hat das aber keine Bedeutung.

Die größte US-Bank JPMorgan hatte letztlich trotz einer massiven Belastung durch die Steuerreform erneut Milliardenbeträge verdient. Unter dem Strich waren es im Schlussquartal 4,2 Milliarden Dollar gewesen. Die Papiere kletterten auf ein Rekordhoch von 112,85 Dollar und gingen letztlich nur etwas tiefer mit einem Plus von 1,65 Prozent aus dem Handel. Spitzenreiter im Dow waren allerdings die Aktien von Boeing, die um 2,47 Prozent zulegten und ebenfalls ein Rekordhoch erreichten.

Die Anteile von BlackRock zogen um 3,27 Prozent an und erreichten zeitweise ebenfalls einen Höchststand. Anders als JPMorgan hatte die Fondsgesellschaft im vierten Quartal von der Steuerreform profitiert. Hinzu war ein Boom bei Indexfonds (ETFs) gekommen. Die Bank Wells Fargo, die ebenfalls von der Steuerreform profitiert hatte, meldete dagegen etwas geringer als erwartete Erträge. Die Aktie, die am Donnerstag noch auf ein Rekordhoch geklettert war, gab nun um 0,73 Prozent nach.

Um 4,47 Prozent ging es für die Facebook-Aktien abwärts. Die Nutzer des Online-Netzwerks werden künftig mehr Beiträge von Freunden und Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen. Ob der Schritt negative Folgen für das Geschäft haben wird, bleibt aber abzuwarten.

Ein fulminanter Jahresauftakt war das auch an der deutschen Börse. Nach dem ersten Kursschub ist der Aufwärtsschwung im DAX inzwischen aber etwas abgeebbt. Und es scheint absehbar, dass die Euphorie der ersten Handelstage des Jahres in den anstehenden Börsensitzungen den ein oder anderen Dämpfer abbekommen könnte. Am Dienstag etwa erwartet die Wall Street die Zahlen der US-Großbank Citigroup. Das Institut hat bereits vor einer historisch hohen Belastung im vierten Quartal aufgrund der US-Steuerreform gewarnt. Das Quartalsergebnis dürfte katastrophal ausfallen, weil man aufgrund der von Präsident Trump durchgesetzten Senkung der Unternehmenssteuern um rund ein Drittel den Wert der Verlustvorträge abschreiben muss. Umgekehrt kann man sich natürlich fragen, in was für einer Welt wir leben, wenn Verluste der Vergangenheit in der Bilanz plötzlich als Vermögen auftauchen.

Ähnliches droht bei zahlreichen weiteren US-Konzernen. Eventuelle Turbulenzen wären jedoch eine einmalige Sache, das Trump-Paket kurbelt die US-Gewinne langfristig natürlich an. Nach Schätzungen von Thomson Reuters wird das Gewinnwachstum im breiten US-Index S & P 500 im laufenden Jahr mit 13,7 Prozent den Vorjahreswert von 11,8 Prozent noch übertreffen. Erst 2019 wird demnach das Tempo des Gewinnzuwachses in den USA auf rund zehn Prozent abnehmen. Das sind gute Nachrichten. Auch der DAX sollte deshalb — unter Schwankungen — weiter auf Wachstumskurs bleiben, denn zahlreiche deutsche Unternehmen machen einen großen Teil ihres Geschäftes in den USA und werden ebenfalls profitieren.

Mehr als 30 Jahre lang ging es mit den Kursen der US-
Staatsanleihen stetig nach oben. Nun könnte der längste Bondbullenmarkt der Geschichte selbst Geschichte werden. Vergangene Woche kamen die Kurse der Treasuries unter Druck, deren Renditen kletterten spiegelbildlich. Auslöser des Kurs-rutsches waren später von Peking als haltlos zurückgewiesene Berichte, wonach China als größter Gläubiger der USA über eine Verringerung der Käufe von US-Staatsanleihen nachdenke. Zudem belastete den Bondmarkt zuletzt, dass die US-Notenbank Anleihebestände abbaut und die Staatsverschuldung sowie die Inflation in den USA steigen. „Der Bärenmarkt für Anleihen ist nun bestätigt“, meint Bondguru Bill Gross von der Fondsgesellschaft Janus Henderson.

Ein Blick in die Langzeittrends des Analystenklimas der internationalen Wirtschaftspresse ist wichtig, um die Anlagestrategien für 2018 zu prüfen. „Das Sentiment zu einzelnen Ländern hat sich 2017 deutlich nach oben oder unten verschoben und gibt Aufschluss über die Erwartungen der Finanzexperten“, so Matthias Vollbracht, Leiter Unternehmensanalyse bei Media Tenor International in Zürich. Gewinner im Sentimenttrend für Europa sind unter anderem Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Tschechien und Dänemark. Aber auch die Eurozone wird positiver beurteilt. Negative Reaktionen hinterlassen der Brexit für UK und die Separationsbewegung in Katalonien in den Wirtschaftserwartungen für Spanien. Im asiatisch-pazifischen Raum hat sich das Sentiment für China, Australien, Indonesien, Japan, Südkorea, Thailand und Vietnam verbessert. Wenig Hoffnung haben die Analysten für die Philippinen. Im -Nahen Osten und in Osteuropa sehen die Finanzexperten nur Russland wieder auf dem aufsteigenden Ast. Pessimistischer wurden die Einschätzungen besonders zu Katar, der Türkei und Ägypten. Auch wenn das politische Ansehender USA dramatisch gesunken ist, wirtschaftlich rechnen die Analysten mit anhaltend positiver Entwicklung. Besser wurde das Sentiment zuletzt für Kanada, Argentinien und die Region Lateinamerika. Afrika sorgt weiterhin für viele Krisennachrichten, das Sentiment für Südafrika hat sich weiter verschlechtert. Nigeria und Kenia werden dagegen positiver beurteilt.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) steuert auf einen Rekordgewinn zu. Die Eidgenossen dürfen 2017 aus ihren Devisen-, Aktien-, Anleihe- und Goldbeständen einen Gewinn von umgerechnet 46 Milliarden Euro erwarten. Der Großteil der Überschüsse entfiel auf Fremdwährungspositionen. Die SNB profitiert allerding sauch von Aktien-Positionen in ihrem Portfolio mit Werten wie Apple und Microsoft, die 2017 kräftig zulegten. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen beweist weniger Fortune. Medienberichten zufolge trennten sich die Frankfurter vollständig von Anleihen des deutsch-südafrikanischen Steinhoff-Konzerns. Bonds des angeschlagenen Unternehmens waren nach dem Bekanntwerden von Bilanzmanipulationen auf 50 Prozent ihres Nennwerts gefallen. Die Steinhoff-Verluste der EZB sollen sich auf 50 Millionen Euro summieren.

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Das ist kein Wunder bei alldem gedruckten Mickey Mouse Funney Munney was so in diesem bankrotten Pleite-System schwimmt. Ich frage mich wann wir die Boerse in Zimbabwe oder Venezuela ueberholen. Aber mal Scherz beiseite, sollte der Leser mal in sich gehen und seine Schulzeit revue passieren lassen und sich dabei fragen: Was habe ich ueber Geld, Waehrung und Steuern in der Schule gelernt ? Der wird sicher sagen koennen, ja ich habe das Zaehlen gelernt. Mehr aber auch nicht. Nun frage ich, ist das nur irgentwie ein Zufall oder steckt da vielleicht System dahinter ? – (Pleite)Staat – (Pleite)Banken –… Mehr

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