Überraschende Fed-Nominierung: Absturz von Gold und Silber

Erste Meldungen über die Nominierung von Kevin Warsh als Nachfolger für den Fed-Chef Jerome Powell setzten die Aktienkurse sowie die Gold- und Silberpreise sofort unter Druck, während der Dollar an Wert gewann. Die Investoren erwarten von Warsh offensichtlich eine straffere Geldpolitik.

picture alliance/AP Photo | Alastair Grant

Er schimpfte jahrelang über die US-Notenbank und war geradezu unmäßig im Ton gegen Fed-Chef Jerome Powell. Doch bei der Nominierung von Powells Nachfolger hat US-Präsident Donald Trump nun eine sehr gute Wahl getroffen. Er benannte Kevin Warsh, der fachlich alle notwendigen Anforderungen erfüllt: Der Ökonom verfügt über Abschlüsse der besten amerikanischen Universitäten. Er kennt als ehemaliger Wirtschaftsberater von George W. Bush den politischen Betrieb in Washington, und er saß während der Finanzkrise von 2006 bis 2011 bereits einmal im Führungsgremium der Fed. Warsh kennt also den Laden und hat Krisenerfahrung.

Dass Trump, der die Nominierung mehrfach verschoben hatte, sich schließlich für Warsh entschied, liegt wohl daran, dass sich der 55-Jährige schon seit längerer Zeit für niedrige Zinsen einsetzt. Was Trump dabei vielleicht übersehen hat: Warsh tritt zwar für Zinssenkungen ein, fordert aber gleichzeitig eine drastische Verkürzung der Fed-Bilanz. Damit ist er keineswegs ein Verfechter möglichst billiger Geldversorgung. Vielmehr galt Warsh während seiner fünf Jahre bei der Fed als Falke – also als Anhänger einer restriktiven Geldpolitik mit klarem Fokus auf Preisstabilität. Sein Image als Inflationsbekämpfer spiegelt sich auch in den Reaktionen der Börse.

Erste Meldungen über seine Nominierung setzten die Aktienkurse und den Goldpreis sofort unter Druck, während der Dollar an Wert gewann. Die Investoren erwarten von ihm offensichtlich eine straffere Geldpolitik. Warsh wisse ganz genau, dass der guter Ruf der Fed für das Wohlergehen der USA extrem wichtig sei, hieß es auf dem Parkett. Hat er seine Überzeugungen nicht vollständig gewechselt, sind Enttäuschungen im Weißen Haus programmiert.

Der Vorschlag von US-Präsident Donald Trump sorgte an der Wall Street jedenfalls für Aufregung. Weil Warsh eben nicht als Verfechter der bislang erwarteten Lockerungen gilt, kam es vor allem bei den Gold- und Silberpreisen zu Verwerfungen. Der Leitindex Dow Jones Industrial verlor knapp 0,4 Prozent auf 48.892 Punkte. In der Wochenbilanz kommt er damit auf ein ähnlich deutliches Minus, während sein Januar-Plus auf 1,7 Prozent schrumpfte. Der marktbreite S&P 500 sank am Freitag um gut 0,4 Prozent auf 6.939 Zähler, während der Nasdaq 100 1,3 Prozent auf 25.552 Punkte verlor. Seine Wochenbilanz rutschte damit auch ins Negative, während der Tech-Index für den ganzen Januar einen Anstieg um 1,2 Prozent verbuchte.

Neben der Geldpolitik blieb vor dem Wochenende die Berichtssaison der Unternehmen im Fokus. Bei Apple reichte ein überraschend starkes iPhone-Rekordquartal lange Zeit nicht für eine positive Kursreaktion, weil das gute Quartal wegen einer problematischen Versorgung mit Komponenten auf Kosten der Lagerbestände ging. Erst spät schafften es die Titel mit 0,4 Prozent ins Plus. Die Titel des Elektroautobauers Tesla erholten sich um 3,3 Prozent vom Vortagskursrutsch. Gute Nachrichten gab es auch im Telekomsektor, angeführt vom Mobilfunker Verizon. Dessen Titel legten fast zwölf Prozent zu, nachdem im vierten Quartal deutlich mehr neue Mobilfunkkunden gewonnen worden waren als erwartet. Im Schlepptau zogen die Aktien von T-Mobile US um 4,2 Prozent an. Weniger positiv war das Bild im Kreditkartensektor. Visa mit drei Prozent Minus und American Express mit 1,8 Prozent rutschten nach durchwachsenen Resultaten der beiden Unternehmen in den unteren Indexbereich. Die Aktien blieben aber auch belastet davon, dass die Branche derzeit unter Beschuss von Präsident Trump steht.

Durchwachsen war auch das Feedback der Anleger auf die Zahlen zweier großer Ölkonzerne: Während Chevron im Dow mit 3,3 Prozent der zweitgrößte Gewinner nach Verizon waren, schafften es die Titel von Exxonmobil im S&P 500 erst spät mit 0,6 Prozent in die Gewinnzone. Im Tech-Sektor litt der Halbleiterzulieferer KLA Corp nach der jüngsten Rekordjagd mit minus 15 Prozent unter Gewinnmitnahmen. Das Gegenteil war bei Sandisk mit plus 7 Prozent der Fall, wobei hier Zahlen und Ausblick gut ankamen. Bei Speicherchips komme mit der extremen Knappheit ein „beispielloser Preisanstieg“ einher, schrieb RBC-Experte Srini Pajjuri. Begehrt waren ansonsten noch die Aktien des Konsumgüterkonzerns Colgate-Palmolive, die nach überraschend gute Zahlen um sechs Prozent zulegten.

Zuvor hatte sich die deutsche Börse zum Wochenschluss etwas vom Kursrutsch am Vortag erholt. Der Dax stieg um knapp ein Prozent auf 24.539 Punkte, nachdem er tags zuvor mehr als zwei Prozent verloren hatte. Auf Wochensicht steht damit für den deutschen Leitindex ein Minus von rund anderthalb Prozent zu Buche. Die Bilanz für den turbulenten Börsenmonat Januar ist nahezu ausgeglichen. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte ging 0,2 Prozent tiefer mit 31.164 Zählern ins Wochenende. Die Verbraucherpreisdaten aus Deutschland hatten dabei kaum Einfluss auf die Kurse. Allerdings belege die wieder etwas erhöhte Kerninflation, dass nach wie vor Inflationsdruck vorhanden sei, kommentierte Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. Helaba-Analyst Ralf Umlauf rechnet dennoch damit, dass die Europäische Zentralbank dies bei ihrer in der kommenden Woche anstehenden Zinsentscheidung mit einer abwartenden Haltung zur Kenntnis nehmen wird: „Die Inflation liegt im Zielbereich, auch auf europäischer Ebene, und Handlungsdruck besteht nicht.“

Die Aktien von Adidas schnellten an der Dax-Spitze um 3,9 Prozent nach oben. Dies dürfte vor allem den angekündigten Aktienrückkäufen geschuldet sein. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Sportartikelhersteller außerdem so viel Umsatz wie nie zuvor. Mit der Margenentwicklung hätten die Herzogenauracher die Erwartungen übertroffen, hieß es aus dem Handel. Für die Titel von Fraport ging es um 1,6 Prozent auf den höchsten Stand seit November aufwärts. Das Analysehaus Jefferies empfiehlt die Anteilscheine des Flughafenbetreibers nun zum Kauf. Analystin Priyal Woolf erwartet 2026 im Flugverkehr ein starkes Jahr mit höheren Kapazitäten der Airlines.

Im Kleinwerte-Index SDax gehörte das Softwareunternehmen Atoss nach Jahreszahlen mit einem Kursplus von 3,8 Prozent zu den größten Gewinnern. Atoss habe starke Ergebnisse erzielt, lobte Henrik Paganetty vom Analysehaus Jefferies und hob vor allem die operative Ergebnissteigerung um ein Viertel hervor.

Die Aktien von Schaeffler setzten die Korrektur ihrer steilen Kursrally seit November fort und fielen um sieben Prozent. Damit ist etwa die Hälfte der Kursgewinne seit Jahresanfang wieder weg. Allerdings beläuft sich der Zuwachs für 2026 noch immer auf ein Fünftel. Die schweizerische Bank UBS sieht die Marktschätzungen für 2026 risikobehaftet. Die größte Sorge gelte dabei dem freien Barmittelfluss. Nach einer Kaufempfehlung stiegen Jenoptik auf den höchsten Stand seit Oktober 2024 und notierten 11,9 Prozent im Plus. Die Deutsche Bank hatte ihr Votum von „Hold“ auf „Buy“ geändert. Analyst Michael Kuhn setzt auf den Führungswechsel beim Hightech-Unternehmen und die besseren Aussichten im Halbleiter-Kerngeschäft.

Der nun schon mehr als ein Jahr andauernde Edelmetallrausch der Anleger erhielt am Freitag wie oben erwähnt dagegen einen kräftigen Dämpfer. Am Donnerstag hatten die Preise für Gold und Silber noch Rekordhöhen erreicht. In London hatte eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) bis zu 5.595 Dollar und eine Feinunze Silber bis zu 121,65 Dollar gekostet. Am Freitagabend kostete eine Unze Gold noch 4895 Dollar und eine Feinunze Silber 85,25 Dollar. Im Jahresvergleich ist das aber immer noch beeindruckend:

Ende Dezember 2024 hatte eine Feinunze Gold am Spot-Markt noch 2624.50 Dollar und eine Feinunze Silber 28.90 Dollar gekostet.

Die Gründe für eine mögliche Korrektur der Korrektur sind allerdings gut: Geopolitische Konflikte befeuern die Suche nach einer Krisenwährung, die Angst vor wieder steigender Inflation könnte zurückkehren, die hohe Staatsverschuldung in den USA verunsichern die Investoren auf der ganzen Welt und last but not least werden sich die Goldkäufe von Zentralbanken fortsetzen, weil sie sich vom US-Dollar emanzipieren wollen.

Die Korrektur kommt allenfalls vom Zeitpunkt überraschend. Bei erfahreneren Marktbeobachtern schrillt schon länger die Alarmglocken. Sie erinnern sich an die alte Investorenregel, dass eine Korrektur um so wahrscheinlicher wird je häufiger Boulevardmedien und das Fernsehen prominent über eine Preisrally berichten.

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