Märkte nach heftigen Verlusten mit freundlichem Wochenausklang

Deutschlands Unternehmen zeigen sich derzeit nicht nur konjunkturell angeschlagen. Einen heftigen Rückschlag gibt es auch bei der Rangliste der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC veröffentlicht hat.

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Wenn es an den Aktienmärkten nach unten geht, dann meist schnell. Das zeigt sich auch jetzt — der DAX hat innerhalb von drei Wochen gut 1.000 Punkte verloren. Diese Woche wurde ein Tiefstwert nach dem anderen unterboten. Erst zum Wochenende gab es positive Signale: Der Dax schloss am Freitag mit 1,3 Prozent im Plus bei 11.563 Punkten.

Auch auf Währungsseite gab es Aufwind. So ist der Wert des britischen Pfund gestiegen. Ausgelöst wurde diese Entwicklung durch die wachsenden Widerstände gegen den Brexit-Kurs des britischen Premierministers Boris Johnson. Die Währung verteuerte sich am Freitag um 0,7 Prozent und kostete mit 1.2163 Dollar sogar 1,1 Prozent mehr als vor einer Woche.

Zum Dax-Schluss führte Wirecard die Spitze an. Das Schlusslicht bildete Thyssenkrupp. Mittlerweile ist der Index unter die Linie des gleitenden 200-Tages-Durchschnitts gesunken. Die Idee dieser Linie ist, dass ein Gleitender Durchschnitt den Trend des Aktienmarkts besser veranschaulicht als die oft hektischen Tagesnotierungen. Unter Charttechnikern gilt das Unterschreiten als Alarmsignal und wird von einigen Börsianern als Verkaufssignal interpretiert.

Am Freitag gab es aber wie gesagt eine freundliche Gegenbewegung. Am Ende einer verlustbringenden Woche ging die Wall Street auf Erholungskurs. Der vor allem am Montag und Mittwoch tief gefallene Dow Jones Industrial knüpfte am Freitag mit einem Anstieg um 1,2 Prozent auf 25.886 Punkte an seine moderaten Gewinne vom Vortag an. Sein Wochenminus konnte er so letztlich noch auf 1,5 Prozent reduzieren.
Zum Wochenschluss beruhigte sich auch die Lage am US-Rentenmarkt, in den die Anleger zuletzt in Scharen abgewandert waren. Die Investoren hofften nach frischen Aussagen von US-Präsident Donald Trump auch wieder auf Fortschritte im Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China.

Der marktbreite S&P 500 stieg um 1,4 Prozent auf 2.889 Zähler und der technologielastige NASDAQ 100 sogar um 1,6 Prozent auf 7.604 Punkte.

Deutschlands Unternehmen zeigen sich derzeit nicht nur konjunkturell angeschlagen. Einen heftigen Rückschlag gibt es auch bei der Rangliste der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC veröffentlicht hat. Waren 2018 mit SAP, Siemens, Volkswagen und Allianz vier deutsche Unternehmen im Ranking vertreten, ist 2019 nur noch SAP unter den Top 100 der wertvollsten Firmen, und zwar mit einem Börsenwert von 142 Milliarden US-Dollar. Insgesamt nahm die Marktkapitalisierung der 100 größten Aktiengesellschaften der Welt innerhalb eines Jahres um 1,04 Billionen US-Dollar oder fünf Prozent auf insgesamt 21 Billionen US-Dollar zu. So lautet eines der Kern-ergebnisse des „Global Top 100“-Rankings. Nach Branchen gewertet, führt zum vierten Mal in Folge der Technologiesektor mit einer Marktkapitalisierung von 5,7 Billionen US-Dollar vor dem Finanz- und dem Gesundheitssektor. Erstmals nach sieben Jahren in Folge an der Spitze wurde Apple von Microsoft als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst.

Der US-Technologiekonzern verzeichnete eine Marktkapitalisierung von 905 Milliarden US-Dollar (Wachstum: 29 Prozent gegenüber fünf Prozent bei Apple). „Die vier großen US-Technologiefirmen Microsoft, Apple, Amazon und Alphabet spielen nach wie vor in einer eigenen Liga“, sagt Nadja Picard von PwC Deutschland.

Ein Rekord der besonderen Art darf der Schweizer Lebensmittelgigant Nestlé für sich verbuchen. Zum ersten Mal in der Geschichte wirft die Euro-Unternehmensanleihe mit zehn Jahren Laufzeit eine negative Rendite ab. Das heißt nichts anders, als dass Anleger, die den Nestlé-Bond jetzt kaufen, am Ende der Laufzeit unterm Strich weniger als den Kaufpreis zurückbekommen. Inzwischen betrifft diese Anomalie rund ein Viertel aller Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von knapp 15 Billionen US-Dollar. Dies ist ein Effekt der Niedrigzinspolitik der Notenbanken und der Flucht nervöser Investoren in sichere Investmenthäfen. Dass dieser Trend derzeit das Handeln der Profis dominiert, zeigt auch die Fondsmanager-Umfrage der Bank ofAmerica Merrill Lynch im August. Hier lautet das Fazit: raus aus konjunkturzyklischen Wertpapieren und rein in sichere Anlagen. „Investoren streichen ihre Positionen in Zyklikern zusammen, um US-Staatsanleihen und US-Wachstumstitel zu kaufen“, meint Chefstratege Michael Hartnett.

Wer Rendite im Staatsanleihesektor sucht, kommt als risikobereiter Investor an Italien nicht vorbei. Knapp 1,5 Prozent bieten italienische Papiere mit zehn Jahren Laufzeit, deren Kurse wegen des Streits der Regierungsparteien in den vergangenen Wochen gelitten haben. Und das dürfte sich so schnell nicht ändern. Zwar wurde der Sturz der Regierung in Rom vergangene Woche noch einmal abgewendet. Wie es weitergeht, bleibt aber völlig offen. Denn sollte in den nächsten zwei Wochen die Vertrauensfrage gestellt werden, könnten am 13. oder 23. Oktober Neuwahlen stattfinden, bei denen die Lega Favorit wäre.


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Kommentare ( 5 )

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Dr. Kralls Prognose scheint terminlich auf Kurs zu sein. Erst mal raus aus Aktien, um später einsteigen zu können.

sorry….aber die Kralls und Ottes reden den Crash schon lange her….und nix passiert. Klar kommt irgendwann der Crash….war immer so…..die 7 Jahres-Regel ist schon längst überschritten…..aber wann kann weder Krall noch Otte voraussagen….mal sehen was der nächstes Jahr von sich gibt….hat sich verschoben….wegen „ist nicht“…..inhaltsleeres Geplapper….sorry….ich bin auch der Meinung das der EURO irgendwann platzt….aber voraussagen kann es keiner wann es soweit ist.

Man kann voraussagen, wann es so weit sein müsste, weil das Eigenkapital der Banken erodiert. Nicht voraussagen kann man, welch blödsinnige politische Rettungsaktionen es wieder geben wird, weil “ die Märkte versagt haben“. Mit der Folge freilich, dass sich die Ungleichgewichte im System noch weiter auftürmen. Die EU will ja jetzt sogar „nachhaltige“ Investments in Windmühlen fördern, indem sie diese einfach als „risikoarm“ definiert. Das wird noch mal ein Spaß, wenn auch diese Blase aus fehlallokiertem Kapital irgendwann platzt. Und man wird sich auch wieder ausrechnen können, wie lange es ungefähr dauert. Die Rechnung wird wieder umso genauer, je näher… Mehr

…….kurz und knapp bemerkt: ich bleibe sehr gut investiert! und verlebe hier gute zeiten!

friedrich – wilhelm, banff/can.

Na und! Bevor es wirklich „kracht“, wird es noch so manchen freundlichen Wochenausklang geben.