Amazon und Google vor dem Sprung über die 1.000-Dollar-Marke

Ach ja, blauer Himmel und böse Wörter in Taormina beim G-7-Gipfel. Die Börse reagierte eher gelangweilt. Muss Bad Germany Fracking-Öl (in Old Germany verboten) aus den USA importieren? Möglich wäre es.

© LEON NEAL/AFP/Getty Images

Die US-Anleger haben nach den jüngsten Rekorden an der Wall Street vor dem letzten Mai-Wochenende erst einmal durchgeschnauft. Der Dow Jones Industrial Index schloss am Freitag nach sechs freundlichen Handelstagen 0,01 Prozent tiefer bei 21.080,28 Punkten. Der US-Leitindex erzielte damit ein Wochenplus von 1,32 Prozent. Die Anfang März geknackte Rekordmarke von 21.169 Punkten ist in greifbarer Nähe. Die Anteilscheine des Unterhaltungskonzerns Walt Disney mit einem Plus von gut ein Prozent waren Tagesgewinner. Schlusslicht waren die Aktien des Baumarktkonzerns Home Depot mit minus ein Prozent.

Der marktbreite S&P-500-Index (S&P 500) trat am Freitag mit einem mageren Plus von 0,03 Prozent auf 2.415,82 Punkte ebenfalls auf der Stelle. Am Donnerstag hatte er noch bei 2.418,71 Punkten einen Höchststand erreicht.

Unter den großen Technologiewerten an der Nasdaq bleibt die 1.000-Dollar-Frage offen – ob nun die Amazon-Papiere (Amazoncom) oder die A-Aktien der Google-Mutter Alphabet (Alphabet C (ex Google)) zuerst den Sprung über die Marke von 1.000 Dollar schaffen werden. Am Freitag bei Börsenschluss lagen die Amazon-Papiere 0,24 Prozent im Plus bei 995,78 Dollar. Die A-Aktien von Alphabet zogen im Verlauf auf bis zu 996,39 Dollar an.

Am Montag findet wegen eines Feiertages kein Handel an der Wall Street statt.

Gipfel-Sturm

Beim G7-Gipfel auf Sizilien ließen es die Gastgeber an nichts fehlen. Mit großem Pomp empfing Gastgeber Paolo Gentiloni die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen im alten Amphitheater von Taormina und zeigte ihnen den großartigen Blick über die Bucht: 28 Grad blauer Himmel mit leichten Wolken.

Doch unbeeindruckt von der Umgebung, blockierte der US-Präsident bei nahezu allen Punkten der Tagesordnung. Er wiederholte auch seine Kritik an den deutschen Überschüssen im Handel mit den USA. Für Deutschland könnte ein höherer Ölimport aus den USA eine Lösung sein, um den Exportüberschuss zu reduzieren und trotzdem noch Automobile und andere Produkte in die USA verkaufen zu können. Die relativ stabilen Notierungen der großen deutschen Aktien und der robuste Euro-Kurs signalisieren indes, dass die Börsianer nicht an einen Handelskrieg glauben.

Kommt die nächste US-Zinserhöhung?

Druck auf den Euro könnte es aus einer ganz anderen Ecke geben. Seit vergangener Woche ist noch deutlicher, dass die US-Notenbank kommenden Monat wohl die nächste Zinserhöhung durchführen wird. Dies ergibt sich aus Aussagen der Fed-Mitglieder im Sitzungsprotokoll vom Mai. Somit könnte am 14. Juni die Federal Funds Rate um weitere 25 Basispunkte auf 1,0 bis 1,25 Prozent angehoben werden. Auch der Rückbau der Fed-Bilanzsumme, die seit Ende der Finanzkrise von rund 870 Milliarden US-Dollar auf rund 4,5 Billionen US-Dollar angestiegen ist, bleibt auf der Agenda. Unter Analysten gibt es über den weiteren Weg gleichwohl keine einheitliche Meinung. Die Chefökonomin der AXA Group, Laurence Boone, zum Beispielgeht davon aus, dass die Fed „ein behutsames Tempo anschlägt, um den Aufschwung nicht in Gefahr zu bringen“. Sie rechnet mit einem moderaten Szenario, bei dem die Notenbank die Zinsen bis Ende 2018 auf 2,0 bis 2,25 Prozent anhebt und die Bilanzsumme nur um 350 Milliarden US-Dollar verringert.

Mobius rät zum Einstieg in Schwellenländer-Aktien

Investmentlegende Mark Mobius riet diese Woche zum Einstieg in Aktien der aufstrebenden Länder. „Die 70 Emerging Markets, die unser Fonds Franklin Templeton Investments abdeckt, werden 2017 zusammen 4,6 Prozent Zuwachs beim Bruttoinlands-produkt erreichen. Die entwickelten Volkswirtschaften dagegen nur 1,8 Prozent“, sagte Mobius bei einem Investment-Forum in Dubai. Außerdem seien die Kandidaten aus der zweiten Liga im Schnitt nur mit 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet, die Industrieländer aber zu 100 Prozent. „Zudem ist das langfristige Aufholpotenzial hoch. Das BIP pro Kopf in China ist beispielsweise noch immer dreimal kleiner als in Spanien.“ Zu Mobius’ Favoriten zählen insbesondere Finanz- und Technologieaktien aus China („weltweit führend in den Bereichen Fintech und E-Commerce“) sowie Standardaktien aus Mexiko („Der Peso ist zu neun Prozent unterbewertet“). Vorsicht walten lassen sollten Anleger wegen der politischen Unsicherheiten bei Werten aus Argentinien und Südkorea, so Mobius.

Nachhaltigkeits-Investments in Mode

Lange ein Nischenthema, nimmt die Bedeutung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) bei Investoren zu. Immer mehr Finanzinvestoren wie etwa der norwegische Staatsfonds nehmen keine Aktien von Öl- oder Kohleproduzenten mehr in ihr Portfolio auf. Auch Unternehmen, die die Rechte der Arbeitnehmer und Aktionäre verletzten, werden häufig öffentlich verdammt und von Kauflisten verbannt. Auf der anderen Seite steigt die Nachfrage: Die Zahl der nachhaltigen Fonds in Deutschland ist seit 1998 von zwei auf über 400 gesprungen. Aber wie sieht es bei den Bluechips weltweit beim Thema Nachhaltigkeit aus? Das hat nun der Schweizer Media Tenor anhand der Geschäftsberichte und der darin enthaltenen Selbstverpflichtungen untersucht. Ergebnis: Volvo, Novartis und Sainsbury sind top, AT & T, Apple und Aetna landen auf den letzten Plätzen. Für deutsche Unternehmen sieht die Bilanz recht positiv aus. Weit vorn im Ranking platzierten sich unter anderem Metro, BASF, Deutsche Telekom und SAP.

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