Deutsche-Bank-Chef Sewing blickt in die Zombie-Zukunft der Wirtschaft

Von Zombie-Unternehmen zu sprechen, galt bisher vielen als unfein. Nun tut es Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank. Womöglich denkt er dabei nicht nur an seine Kreditnehmer, die durch Staatsgeld künstlich am Leben erhalten werden. Am Ende geht es auch um die Finanzwirtschaft.

imago images / Rainer Unkel
Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

Wer bis jetzt noch meinte, die Warnungen vor „Zombie-Unternehmen“ seien nur wenig ernst zu nehmendes Geraune von so genannten Crash-Propheten, kann sich jetzt auch auf einen der wichtigsten Bank-Manager Deutschlands und Europas berufen. Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, sagte zum Auftakt der „Handelsblatt“-Bankentagung in Frankfurt: „Wenn jedes sechste Unternehmen in Deutschland durch Rettungsgelder und faktisch ausgesetzte Insolvenzmeldungen ein Zombie wird, dann hat das gravierende Auswirkungen auf die Produktivität unserer Volkswirtschaft.“

Zombies sind bekanntlich in Horrorfilmen Untote, die aggressiv umherstreichen und andere Menschen durch Bisse ebenfalls zu Zombies machen. In der Ökonomie versteht man dementsprechend unter Zombiefirmen solche, die nur aufgrund staatlicher Subventionen und/oder extrem niedriger Zinsen ihre Schuldenlast noch tragen, also überleben können, obwohl ihre Rentabilität dafür eigentlich zu gering ist. Eigentlich müssten sie also unter Marktbedingungen Konkurs anmelden. Dadurch, dass sie dies nicht tun müssen und weiter existieren, verzehren sie nicht nur dauerhaft öffentliche Ressourcen, sondern verzerren auch den Wettbewerb zu Ungunsten gesunder, rentabler Anbieter. Jedes sechste Unternehmen droht nach jüngeren Daten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, ein solcher „Zombie“ zu werden.

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Der Ökonom und Chef von Degussa Goldhandel, Markus Krall, ist einer der  prominentesten Warner vor der Zombifizierung der deutschen Wirtschaft durch die Nullzinspolitik der EZB. Dafür wurden er und andere vor wenigen Monaten aus der EZB schwer angegriffen. Nun hat er mit Sewing einen höchst prominenten Zeugen gewonnen – wenn sich der Deutsche-Bank-Chef auch nicht direkt auf die EZB, sondern auf die Rettungsmaßnahmen der Bundesbank im Rahmen der Pandemie-Politik fokussiert. Die Auswirkung allerdings, also die Zombifizierung, ist mehr oder weniger dieselbe.

Sewing warnt, wie das Handelsblatt berichtet, dass die staatlichen Hilfen zwar gut und richtig gewesen seien, aber auf die Dauer die notwendige Anpassung an die Folgen der Coronakrise verschleppen könnten: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Wirtschaft in einigen Bereichen nur mit 90, 80 oder gar 70 Prozent ihrer Kapazität läuft“, sagte Sewing. Einige Firmen würden es in ihrer aktuellen Aufstellung schwer haben, auf diesem Niveau gewinnbringend zu arbeiten.

Die Banken, so Sewing, könnten nicht allen Unternehmen helfen, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu überstehen, sondern müssten sehr wachsam sein und ihr Kapital sorgfältig einsetzen. Was da durchklingt, dürfte auch ein noch etwas vernebeltes Eingeständnis sein, dass die Banken selbst in großer Gefahr sind, zum Zombie zu werden. Oder es vielleicht sogar schon sind. Der Kreditgeber eines Unternehmens, das seine Kreditzinsen nicht mehr aus eigener Ertragskraft bedienen kann, ist schließlich – je nach Umfang dieser Kredite – möglicherweise genauso abhängig vom Zombie-Nährstoff (also staatliche Subventionen oder billiges Zentralbankgeld) wie das bei ihm verschuldete Unternehmen. Längst nicht nur Pessimisten und Crash-Propheten rechnen für den kommenden Winter und das Frühjahr 2021 – wenn die staatliche Hilfe ausläuft – mit einem deutlichen Anstieg der Unternehmenspleiten. Und wenn die Konkurse zunehmen, steigen die Kreditausfälle in den Bankbilanzen.

Wie jeder Zombie-Film-Fan weiß, gibt es eine gewisse Inkubationszeit zwischen dem Biss des Zombies und der sichtbaren Mutation des Gebissenen zum neuen Zombie.

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Kommentare ( 31 )

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31 Kommentare auf "Deutsche-Bank-Chef Sewing blickt in die Zombie-Zukunft der Wirtschaft"

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„„Wenn jedes sechste Unternehmen in Deutschland durch Rettungsgelder und faktisch ausgesetzte Insolvenzmeldungen ein Zombie wird, dann hat das gravierende Auswirkungen auf die Produktivität unserer Volkswirtschaft.“ Das ist mit Sicherheit kein Geheimnis für viele ausgebildete Menschen in Deutschland, aber gut dass dies mal ein Fachmann ausspricht, denn wahrscheinlich wissen das sogar die meisten Politiker, die in absichtlich unverantwortlicher Weise handeln, weil sie dafür nicht persönlich zur Rechenschaft gezogen werden, wie einst im DDR Sozialismus auch. Das ist auch schon die Ursachen aller Übel, von Finanzpolitik mit Schuldenmachen, bis Klimapolitik und Einwanderung. Wobei „Zombie-Unternehmen“ wieder mal so ein Kunstwort ist, dass den… Mehr

Ein nachdenkenswertes Interview mit Prof. Hans J. Bocker:
https://www.youtube.com/watch?v=pg0PnLPaR_w&feature=emb_title

Zu dem Video mit Prof. Bocker sollte man noch wissen, dass es ca. 10 Jahre alt ist.

Als langjähriger Kreditanalyst würde ich mal sagen: Vielen Bank sind selber platt – sie wissen es nur noch nicht (oder rechnen sich die nächsten Jahren mit irgendwelchen Modellen schön). Lustig ist allerdings wenn der Chef der größten Zombiebank des Landes selber von Zombies spricht. Es dürfte wohl mittlerweile kein seriöses Unternehmen mehr geben welches bewusst eine Geschäftsverbindung zur Deutschen Bank aufrecht erhält. Außer man bekommt woanders auch nichts mehr. Womit sich der Kreis der Zombieunternehmen und der Zombiebanken wieder schließt. Auch wenn es die Apolegeten der neuen Volkswirtschaftslehre nicht wahrhaben wollen; grundlegende marktwirtschaftliche Prozesse (ja der böse böse Markt) lassen… Mehr

Ist eigentlich Insolvenzverschleppung nicht ein Straftatbestand?
Was soll man dann von einer Regierung halten, die unter dem Vorwand einer Corona-Notstandsgesetzgebung ein Gesetz erlässt, das man nicht anders als ein Insolvenzmoratorium bezeichnen kann?
Wohl kaum jemand (ausser den SED-Umbenennern) bestreitet, dass der SED-Staat ein Unrechtsregime war.
Nur was ist in diesem Lichte dann eigentlich unser Staat?
Nun ja, immerhin schiessen sie noch nicht auf Auswanderungswillige und nehmen deren „Hinterbliebene“ in Sippenhaft.

„Nun ja, immerhin schiessen sie noch nicht auf Auswanderungswillige“ Sofern Sie von Schusswaffen reden, kann ich zustimmen. Doch im weiteren Sinne wird immer schärfer geschossen auf Menschen deutscher Nationalität, die aus der EU ausreisen oder gar auswandern wollen. Die Kosten sind enorm gestiegen, sowohl für Reise-Tickets wie durch neue, geschriebene und ungeschriebene Bedingungen: ein Korona-Test, je nach Ziel nicht älter als 2 bis 5 Tage, schlägt mit über 100 Euro pro Person zu Buche. Immer häufiger konnte ich erleben und beobachten, dass nun plötzlich und angeblich einen Flug in ein afrikanisches Land nur antreten darf, der über ein Rückflugticket verfügt;… Mehr
Der Krug geht so lange zum Wasser bis er bricht. Den arroganten deutschen Bankern ist auf der einen Seite jede Niederlage zu gönnen. Auf der anderen Seite ist es der Ast, auf dem alle sitzen. Wen hier noch irgendjemand Verantwortung empfindet, dann muss sofort umgesteuert werden. Sparen, ordnen, versorgen. Zuerst müssen die gesamte Sozialgesetzgebung und die mafiösen Gewerkschaftskartelle entsorgt werden. Dann müssen alle hauptberuflichen Gewerkschafter entlassen werden/ in Arbeitsverhältnisse überführt werden. Dann würde es einen Funken Hoffnung geben. Alle, die vom der 4-Tage-Woche reden, werden auf den Marktplätzen ausgestellt und müssen sich ihren Unterhalt einschließlich Altersversorgung erarbeiten. Bsirkse und Konsorten… Mehr

Herr Sewing spricht davon ,daß die Produktivität absänke.Er meint damit vermutlich ,daß die Firmen mit geringerer Auslastung arbeiten müßten weil die Auftragslage reduziert ist.Das ist nicht gleichbedeutend mit Produktivität.An die Auftragslage können sich die meisten Firmen durch Personalreduktion,Arbeitszeitverminderung ,Verminderung von Schichten etc. anpassen.
Daß Banken Firmen helfen oder retten wäre ganz neu.Bisher haben sie viele Firmen durch
willkürliche Kündigung von Krediten zerstört.
Das größte Zombieunternehmen ist die DB mit 50 Billionen Derivaten. Geht 1% davon in die Binsen gibt´s die DB nicht mehr.

Ich glaube selbst Altmeyer weiß sehr genau was die Stunde geschlagen hat. Nur Frau Merkel will gemeinsam mit der SPD bis zu den Wahlen unter allen Umständen diese Tatsachen unter der Decke halten. Diese Zombieunternehmen gab es übrigens schon vor Corona, nur treten sie jetzt noch deutlicher hervor. Dank Kurzarbeitergeld und staatlich verordneter Insolvenzverschleppung auf Kosten des Steuerzahlers sind sie noch am Leben. Es geht nur darum, die Mitarbeiter dieser Firmen bei der Stange zu halten. Nach den Wahlen darf man gespannt sein auf das böse Erwachen.

Das Altmeier irgendetwas weiss, halte ich für eine gewagte These.
Bei schlichtweg jeder seiner Äusserungen, egal um was es sich handelt, will man, ob der infantilien Schlichtheit des Gesagten, seinen Ohren nicht mehr trauen !

Sicher? ‚S Peterle will doch alle Einzehändler auf den Onlinehandel einschwören.

beim momentan etablierten Schuldgeldsystem ist der Zins nie in der Welt. Dies führt denklogisch dazu dass immer mehr Marktteilnehmer ausscheiden müssen, denn der Zins kann nicht von allen erwirtschaftet werden. In jedem Produkt oder jeder Dienstleistung stecken ca. 30 bis 40 Prozent an Zinsen die von allen die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen oder diese Produkte kaufen aufgebracht werden müssen. Insbesondere die Transfergeldbezieher belasten dadurch die Sozialkassen des Staates immer mehr. Umverteilung von fleissig nach reich ist das Stichwort. Da kann noch so viel herumreformiert werden. Das verzinste Schuldgeldsystem treibt nicht nur Individuen in den Ruin oder Firmen, sondern ganze… Mehr

Es wäre ja auch unnatürlich, wenn eine Zombie-Nation, wie unsere, nur gesunde Unternehmen hätte. Außerdem reicht es, meiner Ansicht nach, nicht aus, die Zombiefizierung nur an Hand der aktuellen Finanzsituation zu beurteilen. Manche Unternehmen müssten auch schon deswegen ihre Insolvenz anzeigen, weil politische Rahmenbedingungen einen gewinnbringenden Betrieb in der Zukunft nicht mehr erlaubt, Beispiel Umweltauflagen in Landwirtschaft und Industrie, oder weil die nötige Innovation in Deutschland (mangels Bildung) nicht verwirklicht werden kann.

Also im Bereich Landwirtschaft kann ich sie beruhigen. Das Höfesterben geht weiter – eine bäuerliche Landwirtschaft gibt es sowieso seit 20 Jahren nicht mehr. Ich bin mal gespannt wann in den ersten Landesteilen nicht mehr alle Flächen bewirtschaftet werden da entweder a) die paar verbliebenen Landwirte es nicht mehr schaffen. Nicht umsonst wird jetzt auch über Nacht auf dem Feld und der Wiese gearbeitet. Das gab es früher (von Ausnahmen abgesehen) nicht. Ist aber heute die Regel. b) die zu verpachtenden Flächen nicht mehr sinnvoll bewirtschaftet werden können. Mit einem 500-PS-Schlepper alle 2 Minuten umzukehren tut sich kein Landwirt mehr… Mehr

Ich erinnere mich vor vielen Jahren in einem Skript, „Einführung in die Makroökonomie“ könnte es geheißen haben, genau das gelesen zu haben. Das hat nichts mit Crash-Propheten zu tun, sondern ist allgemein bekannt. Leider nicht unter sog. Journalisten in der Mainstream-Presse. Denen ist aber sowieso nie irgendwas bekannt, von daher braucht man sich darüber nicht zu wundern.