Donald Trumps Gastspiel beim World Economic Forum wurde von deutschen Medien zum Auftritt des Bösen in der weißen Reinheit der Davoser Schneelandschaft stilisiert. Ausgerechnet Politiker wie von der Leyen, Merz und Macron im Kontrast zu diesem Medienbild als die Guten zu präsentieren, entlarvt das Medienspiel als das, was es ist: Klamauk.
picture alliance/KEYSTONE | LAURENT GILLIERON
Zwischen US-Präsident Donald Trump und den deutschen Medien hat sich eine Hassliebe etabliert. Kaum tritt der Amerikaner öffentlich in Erscheinung – was tatsächlich täglich der Fall ist –, reagieren die Etatisten in den Redaktionsstuben mit einem pawlowschen Beißreflex. Selbst seine Davoser Rede am Mittwoch beim World Economic Forum, angesichts der spürbar ablehnenden Haltung der Europäer gegenüber den USA ganz ohne Ranküne vorgetragen, löste einen maximalen Abwehrreflex aus. Eine Analyse der Rede finden Sie hier:
Etablierung des Kontrasts
Der Stern sieht in Trump den Isolierer des Westens, einen Machtpolitiker, der in Davos Kreide fraß, und wertet seine Rede zugleich als Bankrotterklärung für die NATO. Ganz so, als wolle man den deutschen Kampfgeist gegen Trump um jeden Preis am Leben halten, warnte die Frankfurter Rundschau davor, sich vom moderaten Ton des US-Präsidenten nicht einlullen zu lassen. Der Sound ist martialisch – Trump im Titel verkauft sich verlässlich gut.
Und es passt den deutschen Medien gar nicht, dass Trump regelmäßig dazu neigt, europäische Spitzenpolitiker wie Emmanuel Macron öffentlich der Lächerlichkeit preiszugeben. Natürlich setzt auch die Tagesschau ihre Faktenfüchse auf den Amerikaner an. Seine Rede sei gespickt mit zahlreichen ungenauen Aussagen und Falschbehauptungen.
Wären sie doch nur einmal so präzise und aufmerksam, wenn Macron, Merz und von der Leyen Lüge auf Lüge reihen – sei es mit Blick auf die eigene Politik, die Lage der Ökonomie, die Situation im Ukraine-Konflikt oder vor dem Hintergrund der gescheiterten Energiewende, die die Europäer nun in eine Armutsspirale drängt.
Selbst die Tatsache, dass sich vor unseren Augen unter massiver deutscher Unterstützung ein Überwachungsstaat orwellschen Ausmaßes erhebt, ficht deutsche Medienmacher in keiner Weise an. Kurz gesagt: Die Guten, das sind wir. Die Bösen, die sitzen im Weißen Haus. Und wir, die Guten, wollen die braven europäischen Lämmer doch nur vor dem toxischen Gift der patriotischen Gesinnung abschirmen, die uns die Amerikaner im virilen Machbarkeitswahn zu injizieren versuchen.
Sie stören sich am gesunden Patriotismus, an der Forderung nach einem schlanken Staat, am ostentativen Kampf um Meinungsfreiheit und am Sturz des NGO-Kraken – all diese üblen Errungenschaften einer überreifen Zivilisation, die man im Geiste des Brüsseler Zentralismus zum Wohle der Allgemeinheit im europäischen Hyper- und Kontrollstaat auflösen will.
Gemeinsam mit der Politik gelang es deutschen Medien, ein manichäisches Weltbild zu etablieren. Und jeder überdrehte Auftritt des US-Präsidenten, für den europäischen Geschmack möglicherweise tatsächlich nur schwer zu verdauen, erleichtert dieses Geschäft der Camouflage. Die machtpolitischen Interessen der Amerikaner – erklärbar durch innenpolitischen Druck, von außen finanzierte Protestwellen, die Fentanyl-Krise und die von Europa stillschweigend akzeptierte, kostspielige Pax Americana – finden in den strategischen Überlegungen der deutschen Medien keine Beachtung.
Sie haben sich auf die Seite des vermeintlich Guten geschlagen, auf die Seite jener, die das Geschäft mit der Klimaapokalypse, dem Euro-Protektionismus und dem systematischen Abbau bürgerlicher Rechte betreiben. Man muss es nur lange genug betonen und den Zorn der Menschen über die zunehmend kritische Lage im Land auf eine Hassfigur projizieren, um vom eigenen Scheitern abzulenken. Und diese Figur ist Donald Trump.
Wachsende Distanz
Muss man Trump mit Blick auf die Migrationskrise in Europa und die katastrophale Energiewende nicht in der Sache unbedingt Recht geben? Die überhebliche Arroganz des deutschen Kommentariats spiegelt dabei lediglich die Abgehobenheit seiner politischen Kaste wider. Aus der Perspektive eines von Deutschland angetriebenen Eurosozialismus wird der amerikanische Geist, die vermeintliche Cowboy-Mentalität und das Spontane ins Lächerliche gezogen. Man will einander nicht mehr zuhören, die amerikanische Haltung gilt als antagonistisch und im Kontext des woken Zeitgeistes als verwerflich.
Ein Reflex, der von einer derartigen Dummheit zeugt, dass es schwerfällt, dieser Art von Presseberichterstattung zu folgen, ohne dass es beinahe körperlichen Schmerz bereitet. Wäre es nicht die Aufgabe der Medien, die tatsächliche geopolitische Lage Europas zu erklären und jene Probleme zu benennen, die uns angesichts der Ressourcen- und Energieknappheit durch die Politik der Energiebegrenzung erwachsen?
Die europäischen Staaten wären gut beraten, einen Schulterschluss mit den Amerikanern zu suchen, Frieden mit Russland zu schließen und zur politischen Ratio zurückzukehren. Für die Westdeutsche Zeitung hingegen betrieb Trump in seiner Davoser Rede ausschließlich Selbstlob. Er habe Lügen und Bosheiten über den alten Kontinent verbreitet.
Über all dem schwebt die Hoffnung, dass auf Trump in drei Jahren der nächste pro-europäische, globalistische Präsident folgen wird. Einer, der im Duktus Barack Obamas den roten Faden des Klimasozialismus wieder aufnimmt und so die Europäer vor ihrem isolierten, vor ihrem eigentümlichen Isolationismus und dessen Folgen bewahrt.
Kollabiert das klimasozialistische Projekt der EU auf absehbare Zeit, dann wäre eine autonome, ökonomisch starke USA der Zielort einer panikartigen Kapitalflucht – es wäre das Ende des Brüsseler Zentralapparats. Die Rückkehr in den Kreis der Klimasozialisten würde dies durch die gemeinschaftliche Einführung von digitalen Kontrollwährungen und Kapitalverkehrsschranken erfolgreich verhindern. Darum geht es im Wesentlichen bei den Angriffen der Europäer auf die Präsidentschaft Donald Trumps. Dass sich im Norden der USA mit dem ehemaligen Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, nun ein kanadischer Ministerpräsident der europäischen Politik verschrieben hat, verleiht dem Versuch der USA, die eigene Hemisphäre unter politische Kontrolle zu bringen, eine besondere Brisanz.
Das Scheitern des patriotischen Projekts der Regierung von Donald Trump liegt also ganz im Interesse der Eurosozialisten. An der Manifestierung des Bildes eines erratisch agierenden, irrationalen und intellektuell anspruchslosen Chauvinisten arbeitet der deutsche Mediensektor nun seit einer Dekade mit großem Erfolg. Die stetige Wiederholung immer gleicher Deutungsmuster seines Handelns, ihre moralische Bewertung und die dramaturgische Zuspitzung mit Blick auf die inzwischen mantraartig beschworene regelbasierte Weltordnung haben ein geschlossenes Narrativ erzeugt, das keinerlei Ambivalenzen mehr zulässt. Ganz manichäisch eben.
Auf der einen Seite Trump, das personifizierte Böse, der mit seiner Zollpolitik die europäischen Humanisten in die Ecke treibt, nun auch noch versucht, mit Blick auf Grönland eine aggressive Landnahme ins Spiel zu bringen. Er ist der Luzifer im Weißen Haus. Auf der anderen Seite das Licht, das Gute: die Europäische Union, das große Friedensprojekt, das zwar ursprünglich lediglich als Bollwerk gegen die Sowjetunion geplant war, sich über die Jahrzehnte jedoch eine neue Erzählung gegeben hat – ein Friedensprojekt, die Klimaretter, die letzte moralische Instanz des Westens.
Falsches Spiel
Es ist genau diese Kraft, die nun seit vier Jahren mit aller Macht dazu beiträgt, den desaströsen Abnutzungskrieg im Donbass am Leben zu halten. Und es ist nicht Trump, es sind europäische Vertreter der europäischen Politik, die das Gespenst einer unmittelbar bevorstehenden russischen Invasion mit immer schrilleren Tönen über sämtliche Medienkanäle hinweg in die Köpfe und Seelen der Menschen einbrennen. Tag für Tag, Woche für Woche wird ein Szenario maximaler Bedrohung beschworen, das jede Abweichung vom eingeschlagenen Kriegskurs moralisch diskreditiert und jede Form von Verhandlungsbereitschaft als Schwäche oder gar als Verrat überzeichnet.
Gerade das Massensterben in der Ukraine enthüllt den ethischen Verfall der europäischen Politik gnadenlos. Abgesehen von der Tatsache, dass eine Eskalation des Konflikts mit einer Atommacht militärisch aussichtslos, ökonomisch ein Himmelfahrtskommando und ethisch verwerflich ist. Macron, Merz und von der Leyen wissen seit geraumer Zeit, dass dieser Krieg gegen Russland nicht zu gewinnen ist – ganz gleich, wie hoch die Kreditsummen sind, die man der Ukraine noch zur Verfügung stellt.
Es geht lediglich noch darum, den Staatsbankrott der Ukraine in der Hoffnung auf ein militärisches Wunder hinauszuzögern. Dieses militärische Wunder könnten nur die Amerikaner erzwingen. Und dazu bedarf es, wie gesagt, eines neuen, pro-europäischen Präsidenten im Weißen Haus.
Staaten und europäische Banken sind gleichermaßen massiv in das Projekt Ukraine investiert. Ein ungeordneter Staatsbankrott des Landes besitzt das Potenzial, das europäische Finanzsystem so schwer zu erschüttern, dass selbst die große Schuldenkrise vor anderthalb Jahrzehnten im Rückblick wie ein bloßes Präludium erscheinen könnte.
Trump strebt auch in diesem Konflikt eine Verhandlungslösung an. Sie wäre das Ende des europäischen Traums vom Regimewechsel in Moskau und von einem kontrollierten Zugriff auf russische Ressourcen, die bei der Rekapitalisierung der europäischen Staaten und ihres Bankensystems eine fundamentale Rolle spielen sollten.
Die fatale Wirkung des manichäischen Medieneffekts gegenüber der amerikanischen Politik gewinnt mit Blick auf den wachsenden europäischen Zensurapparat zusätzliche Brisanz. Vielen ist nicht bewusst, dass das Scheitern des Projekts der Trump-Regierung zugleich die politische Eliminierung des letzten einflussreichen Advokaten der Meinungsfreiheit, der Marktwirtschaft und einer rationalen Politik der Deregulierung bedeutete.
Und es waren Amerikaner – Vizepräsident J. D. Vance und Außenminister Marco Rubio –, die in den vergangenen Monaten wiederholt in Brüssel intervenierten, als die Meinungsfreiheit auf digitalen Plattformen wie X, Telegram oder Meta akut bedroht war.
Die Liste der europäischen Verteidiger der Freiheit ist hingegen erschreckend kurz geworden.


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